Weblog oder Nachricht?

Gedanken zum Charakter meines neuen Weblogs

Mit den neuen Möglichkeiten von Plone 2.1.2 und einen daraus unterschiedlichen Aufbau meiner Homepage ergibt sich für mich ein Dilemma. Besucher/-innen meiner Website sehen nun zuerst nicht mehr das Weblog, sondern die nun bei meiner Homepage neu eingeführte Nachrichtenseite. Früher hatte ich alle Nachrichten einfach auf mein Weblog geschrieben, das Weblog fungierte als Meldungsseite. Welchen Sinn macht aber nun Weblog und Nachrichtenseite? Welche Arten von Beiträgen gehören ins Weblog und welche auf die Nachrichtenseite?

Kritisch betrachtet habe ich bisher eigentlich kein richtiges Weblog geführt: Die meisten meiner Einträge waren eigentlich nur Hinweise zu meinen eigenen Aktivitäten (Vorträge, Projekte) und zu interessanten Links. Eigene Positionen und damit Meinungsbildung habe ich – außer im Forschungsbereich – nicht angestoßen. Bei meinen Forschungsnotizen wiederum kamen die Rückmeldungen auf anderen Kanälen (eMail, direkter Kontakt auf Konferenzen etc.).  Außerdem entfällt nun mit der (verbesserten) Möglichkeit meine Aktivitäten direkt als Termin bzw. Event zu erfassen – was auch noch den Vorteil hat, dass sie zum gegebenen Zeitpunkt im entsprechenden Portlet erscheinen – ein großer Bereich meiner früheren Weblogbeiträge.

Ich glaube vom Konzept her wäre es richtig:

  1. Alle relevanten Nachrichten zu e-Learning auf die Nachrichtenseite. Das hat auch noch den Vorteil, dass hier registrierte Besucher/-innen (Mitglieder) meiner Website, selbst auch Nachrichten schreiben und mir zu Veröffentlichung weiter reichen können. Der Nachrichtenteil könnte damit weit umfangreicher und interessanter werden, als dies – quasi als Nebenprodukt meiner beruflichen Tätigkeit – bisher der Fall war. In diesem Aspekt könnte meine Website einen echten Community Aspekt bekommen. (Das würde übrigens bedeuten, dass die beiden bisherigen Weblogeinträge (zu FreeMind und Delphi-Studie) auf die Nachrichtenseite und nicht ins Weblog gehören.
  2. In mein Weblog sollte ich dann ich wirklich nur mehr Gedanken, Meinungen, Positionen nieder schreiben. Ich bin mir aber – ehrlich gesagt – nicht sicher, ob ich das regelmäßig schaffe bzw. ob ich dafür einen geeigneten Arbeitsstil habe. Ich denke, dass ich mich dazu viel mehr in die Community „einklinken“ müsste und weit mehr Zeit für Neztrecherche aufbringen müsste. Das ist auch mit meinen anderen Tätigkeiten als Universitätsprofessor schlecht kompatibel (Gremienarbeit, Lehre, etc.). Klar: dieses Problem haben auch andere berufstätige Menschen. Aber in der sogenannten „Freizeit“ besteht meine einzige Chance substantiell etwas zu forschen. Dafür ist es aber wiederum recht wichtig, dass ich ein Buch lese oder einen Artikel schreibe. Das sind aber Tätigkeiten, die einen gewissen „Rückzug“, eine Art innere Besinnung erforderlich machen.

Das Problem besteht möglicherweise darin, dass die Diskussion im Netz einen flüchtigen, z.T. auch oberflächlichen Charakter hat. Sie ist gut geeignet und anregend – vor allem was die Atmosphäre betrifft – zum Generieren neuer Ideen. Sobald es aber um Details geht, braucht es eine gewisse Zeit der  „stillen“ Ausarbeitung. Danach können die Ergebnisse (z.B. in Form von Artikel) wieder der Community zur Verfügung gestellt werden.

Das war der rationale Teil des Arguments 😉 Ein anderes Problem ist es natürlich auch, dass es – vor allem in meiner Position – nicht ganz einfach ist, unfertige – vielleicht auch naive – Gedanken zu veröffentlichen. Ganz abgesehen davon, dass ich (deutlicher als bisher) klar machen muss: Was ist  meine persönliche Meinung und was ist sozusagen „offizielle“ Meinung der Organisation, die ich vertrete.

Nur beim Thema Forschung scheint mir das Problem einfacher und leichter zu lösen: Es ist klar, dass die betreffenden Gedanken gewissermaßen ein „Suchen“ sind und zur Diskussion einladen. Andererseits ist es oft für mich selbst interessant erste (unfertige) Zwischenergebnisse zu berichten und einem kritischen Freundeskreis (und ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Besucher/-innen meines Weblogs zu dieser Zielgruppe zählen) vorzustellen. Ganz abgesehen davon, dass mit der Formulierung selbst auch die Klarheit wächst, haben mir manche Rückmeldungen sehr geholfen.

Fazit: Ich werde also mal versuchen, ob ich solche Forschungsnotizen regelmäßig in meinem Weblog veröffentlichen kann. Das ist zwar dann auch kein „richtiges“ Weblog (was ist eigentlich ein „richtiges“ Weblog?), wie sie in der Community geführt werden (mit vielen Referenzen, TrackBack Links und Diskussionsbeiträgen etc.), aber es generiert vielleicht Seiten, die  vielleicht manchmal zur Diskussion einladen oder zuminest spannender als bloße Nachrichten sind. Ob ich das wirklich langfristig durchhalten kann, weiß ich noch nicht. Es hängt nicht nur mit meiner Zeit ab, sondern auch damit, ob es etwas substantielles zu berichten gibt. Abgesehen davon, dass Forschung Zeit braucht und nicht jeden Tag neue Ideen generiert werden, ist mein Arbeitsalltag (leider) zu einem großen Teil mit Routine- und Verwaltungstätigkeit ausgefüllt. Die Beitragsfrequenz wird daher sicherlich relativ niedrig sein. Vielleicht ist aber der Druck regelmäßig meine aus der Forschung generierten Gedanken (unfertig) niederzuschreiben auch ein guter Anlass aus der täglichen (Verwaltungs-)routine auszubrechen. Mal sehen!

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