WorldCat – Was ist das?

Das weltweit größte Netzwerk von Bibliotheken und Diensten

WorldCat LogoHaben Sie sich vielleicht schon einmal gefragt, was die Schaltfläche WorldCat in meinem Portlet für Literatursuche am linken unteren Rand auf meiner Website bedeutet? Damit lässt sich eine Medienrecherche anstellen, die alle Arten von Ressourcen (wie z.B. Bücher inkl. Audiobooks, Musik, CDs, DVDs, Filme, Software und anderer digitaler Content wie z.B. PDF-Dateien) einschließt. Was es damit für eine Bewandtnis hat beschreibe ich nachfolgend.

Einige Zahlen

WorldCat ist der weltweit größte Buchkatalog, der von der OCLC (Online Computer Library Center, hervorgegangen aus dem 1967 gegründeten Ohio College Library Center), einem gemeinnützigen Verbund von mehr als 60.000 Bibliotheken aus 112 Ländern in 440 Sprachen und Dialekte betrieben wird. An WorldCat arbeiten derzeit erst über 10.000 Bibliotheken mit, so dass mit Sicherheit gesagt werden kann, dass noch keineswegs das Ende der Fahnenstange in Sicht ist. Dies zeigen auch die aktuellen Zuwachsraten: Alle paar Sekunden kann auf der Live geschalteten WorldCat Wachstumsseite ein Zuwachs von 200-400 (!) neu erfassten Objekten mitverfolgt werden.

Das bedeutet nicht, dass weltweit soviel neue Einträge eingetippt werden, sondern vielmehr dass gerade lokale Daten einer Mitgliedsbibliothek in den WoldCat Bestand überspielt werden. Augenblicklich (18. März 2008, 0:10) beträgt der Bestand auf den WorldCat verweist sagenhafte 1,235,726,303, also über 1,2 Mrd. (!) Objekte, die durch über 86 Mio. Katalogeinträge erfasst worden sind. Jeder miilionste Titel wird als Gold Record gefeiert.

Organisationsstruktur der OCLC

Es können alle Organisationen mit einem der Öffentlichkeit zugänglichen Bestand an Informationsobjekten (Bücher, Audio- und Video CDs, Software, Internetressourcen) – also Bibliotheken, Museen, Archive, Gesellschaften, Berufsverbände etc – mitmachen. Der OCLC unterscheidet 3 verschiedene Mitgliederstatus:

  1. Steuernde Mitglieder (Governing Members) verpflichten sich ihren gesamten elektronisch erfassten bzw. aktuell erfassenden Bestand über WorldCat der Recherche zugänglich zu machen. Nur diese Art von Mitgliedern sind für die Gremien der OCLC aktiv und passiv wahlberechtigt.
  2. Einfache Mitglieder machen zwar nicht ihren gesamten Bestand verfügbar, nehmen aber an der (intellektuellen) Entwicklung von Services aktiv teil. Was darunter jeweils konkret zu verstehen ist, wird jährlich genau festgelegt. Sie können in den Mitgliedsrat (OCLC Member Council) gewählt werden, der Delegierte nach Regionen für eine Amtsperiode von 3 Jahren wählt. Der Mitgliedsrat wiederum bestellt das 15 köpfige Kuratorium (Board of Trustees), das 5x jährlich tagt.
  3. Teilnehmer nutzen die Services ohne jedoch einen eigenständigen Beitrag für deren weiteren Entwicklung zu leisten. Sie sind weder aktiv noch passiv wahlberechtigt. Ich vermute, dass dies die Liste der inaktiven Mitglieder sind, die sich aus meiner obigen Suche nach teilnehmenden Organisationen ergeben hat.

Schleppende Aufnahme in Europa

Zwar habe ich dieses Suchfeld für Literatursuche schon seit einiger Zeit installiert, aber erst seit kurzem zahlen sich die damit verbundenen Dienste auch dann aus, wenn die eigene Bibliothek nicht Mitglied in diesem weltweit größten Bibliotheksverbund ist. Die Chancen für BenutzerInnen aus Österreich, dass sie in der Nähe eine Bibliothek haben, die bei WorldCat mitmacht, sieht derzeit (noch?) sehr schlecht aus: Eine heutige Recherche ergab, dass in Österreich bloß 17 Mitgliedsorganisationen teilnehmen, wovon selbst aber wiederum nur 7 (alle in Wien) aktiv sind. Die wichtigsten davon sind:

  • Österreichische Nationalbibliothek
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Bibliothek der Universität Wien
  • Bibliothek der Hochschule für Angewandte Künste

Meine Recherchen der letzten Tage haben das schwache österreichische Engagement deutlich offenbart: WorldCat verlinkt nicht nur auf den Bestand derjenigen Bibliothek, bei der man eingeschrieben ist und damit Zugriffsrechte hat, sondern zeigt auf Wunsch auch jene Bibliotheken in der Nähe an, die das gesuchte Objekt ebenfalls besitzen. Bei mir kommt da natürlich sehr häufig Deutschland, manchmal sogar Slowienen aber niemals Österreich.

Das ist einigermaßen überraschend, weil aus Deutschland bereits 385 und aus der Schweiz, das in der Größe mit Österreich vergleichbar ist, immerhin 79 Bibliotheken (meistens aktive) Mitglieder sind. Allerdings ist auch Deutschland erst vor kurzer Zeit massiv eingestiegen: So hat die Deutsche Nationalbibliothek erst im Herbst 2006 ihre Bestände überspielt, und damit in gewisser Weise den Startschuss für die massenhafte Beteiligung der deutschen Bibliotheken gegeben. Das Engagement der DNB zeigt sich auch deutlich in der Liste der Golden Records, die zwischen 6. Oktober bis 15 November 2006 gleich 5x en suite die jeweilige millionste Bestandserweiterung durchgeführt und damit den Golden Record „gewonnen“ hat.

Die genauen Hintergründe für die verhaltene europäische Beteiligung ist mir unklar. Ich vermute jedoch, dass vor allem zwei Gründe maßgeblich sind:

  • Bis 2006 war der vor allem für professionelle Organisationen vorgesehene Anschluss über FirstSearch kostenpflichtig. Wenn Bibliotheken ihren BenutzerInnen als eigenes Service einen online Recherche-Zugang zu (den damals) überwiegend amerikanischen Beständen ermöglichen, so heißt das noch lange nicht, dass es auch automatisch Sinn macht den eigenen Bestand in dieses (fremde) System zu integrieren.
  • Erst vor kurzer Zeit hat sich mit Open WorldCat das Blatt gewendet. Es wurde nicht nur die über das Internet durchgeführte Recherche für die Öffentlichkeit freigegeben (direkte Verlinkung und Ausleihe ist natürlich immer noch nur über die eingeschriebene Bibliothek möglich), sondern in die derzeitige Betaversion wird auch mit Elementen von Web 2.0 experimentiert. So können beispielsweise öffentliche Bibliografielisten, Bemerkungen, Reviews etc. erstellt werden.

WorldCat wird zu einem bibliografischen Universalsystem

Es sind vor allem die angeschlossenen Add-On Services, auf die ich noch einem weiteren Beitrag ausführlich zu sprechen komme, die meiner Ansicht nach den erfolgreichen Durchbruch von WorldCat auch in unseren Regionen demnächst erwarten lassen. Außerdem beteiligen sich bereits viele Verlage an WorldCat und überspielen bibliografische Informationen von Neuausgaben. Zwar gibt es dann noch keinen Bestandsnachweis in den angeschlossenen Bibliotheken für diese Neuerfassungen, die Medienobjekte können aber schon in WorldCat sowohl recherchiert und bibliografiert werden und häufig sogar über einen Link auch gleich beim betreffenden Verlag oder einem teilnehmenden Buchhändler (z.B. Amazon) online bestellt werden.

Von all den Möglichkeiten und Services die WorldCat bietet – aber auch durch die in den obigen Zahlen sich manifestierende superlative Bestandsmengen – scheint es mir relativ sicher zu behaupten, dass man sich aus dieser weltweiten Initiative nicht absentieren kann. Diese Ansicht wird auch von Andreas Klimt, Diplombibliothekar der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) in einem sehr gut aufbereiteten und praxisorientierten Artikel vertreten.

Literaturempfehlungen:

Kliemt, A. 2006. WorldCat – ein globales bibliographisches Universalsystem aus deutscher Sicht. INFORMATION WISSENSCHAFT UND PRAXIS 57, no. 3:149-156. ( 432kB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)

Kliemt, A. 2007. WorldCat – Recherche im Web. Ein How-To des Referats Information der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), 13. Seiten. ( 1.4MB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)


Kliemt, A. 2006. WorldCat – ein globales bibliographisches Universalsystem aus deutscher Sicht. INFORMATION WISSENSCHAFT UND PRAXIS 57, no. 3:149-156. ( 432kB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)

Kliemt, A. 2007. WorldCat – Recherche im Web. Ein How-To des Referats Information der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB), 13. Seiten. ( 1.4MB, iPaper über Scrbd ansehen iPaper über Scribd)

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