LibX – Wie geht das?

LibX – Wie geht das?

Zur Integration von Web- und Bibliotheksrecherche

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Im vorigen Artikel LibX – Was ist das? habe ich die allgemeine Strategie erläutert, wie LibX die Bibliothek im Verhältnis zum Internet anders positionieren möchte. In diesem Beiträge gehe ich nun auf die verschiedenen Funktionen von LibX genauer ein. Der Beitrag ist sehr praktisch orientiert in der Form eines Tutorials geschrieben. Folgerichtig werden auch Hinweise gegeben, wie jeder LibX in Zusammenspiel mit WorldCat im Alltag nutzen kann. (Lesen Sie dazu auch die thematisch damit zusammen hängenden Beiträge: WorldCat – Was ist das?, WorldCat – Wie geht das? und WorldCat in den Arbeitsalltag integrieren.) (Screenshots am Ende der Datei)

Ich beschreibe nachfolgend 8 Funktionen von LibX, die jeweils – mit einer Ausnahme – mit Screenshots exemplarisch belegt werden:

1. Toolbar

LibX installiert sich in den Browser als Erweiterung in Form einer Werkzeugleiste (Toolbar). Im Suchfeld der Werkzeugleiste kann direkt in einer Bibliothek gesucht werden. Dies kann entweder einzeln nach Autor, Schlüsselwort, Titel oder ISBN/ISSN erfolgen oder es können aber auch diese Suchzugänge in Form einer UND-Verknüpfung für eine speziellere Suche verknüpft werden (siehe Bild LibX 1).

In welcher Bibliothek LibX dann tatsächlich sucht, das richtet sich nach der betreffenden Edition von LibX, die im Browser installiert ist. D.h jede Bibliothek, die dieses Hilfsmittel einsetzt, muss es für ihre eigene Bedürfnisse anpassen und dann zum Download für ihre Kunden anbieten. Für die Anpassung gibt es einen über das Internet frei zugänglichen Lib X Edition Builder, der die Anpassung menügeführt relativ leicht möglich macht. Bisher haben 307 Bibliotheken ihre Edition öffentlich zugänglich gemacht. Es ist aber durchaus möglich, sich auch als private Person eine eigene Edition (mit eigenem Logo und Funktionalitäten) für nicht kommerzielle Zwecke anzulegen.

Mit dem Toolbar kann eine Literaturrecherche gestartet werden, ohne die Website der eigenen Bibliothek aufsuchen zu müssen. LibX unterstützt Millennium, Voyager, Aleph, Sirsi, Dynix/IPAC, Serials Solutions E-Journals und Central Search, SFX, Sirsi Web2, aber auch vom Benutzer definierte Kataloge. Über den Edition Builder kann jede Webressource als Katalog definiert werden.

2. Proxy Server Support

BibliotheksnutzerInnen können damit die Online Ressourcen Ihrer Bibliothek auch von zu Hause am PC nutzen.

3. Adaptive Kontextmenüs

Wird Text auf einer Webseite markiert, dann lässt sich über das Kontextmenü (rechte Maustaste bzw. CTRL Maus am Mac) eine Suche mit dem ausgewählten Text direkt starten (siehe Bild LibX 2). Das Menü passt sich dem jeweils ausgewählten Text an. Neben einer „normalen“ Textsuche werden ISBN, ISSN, DOI und PubMed IDs erkannt.

4. Automatische Verlinkung

LibX erkennt wenn im Text auf der Webseite eine direkte bibliografische Referenz in Form einer ISBN, ISSN, DOI oder PubMed ID vorkommt. Basierend auf einem Skript von Jesse Ruderman wandelt LibX den Text im Browser automatisch in einem aktiven Hyperlink um, der direkt auf die Ressource in der entsprechenden Bibliothek verweist! Sie brauchen bloß mit der Maus über diesen aktiven Link streichen und bekommen bereits als Tooltip den Titel der Ressource angezeigt. Und das Schöne: Es funktioniert mit jeder beliebigen Webseite, also auch auf Ihrer eigenen Homepage! Sie brauchen bei Ihrer Literaturangabe nur die ISBN (ISSN oder DOI) anführen und alle BesucherInnen Ihrer Website, die LibX installiert haben, können sich das Material dann mit bloß einem einzigen Mausklick aus deren Bibliothek holen! (siehe Bild LibX 3)

5. xISBN Service

Wenn eine Ressource über eine ISBN aufgerufen wird, werden auch alle ähnliche Ausgaben (Auflagen, Paperback, Hardcover, AudioBooks etc.) des Buches angezeigt. Das ist häufig sehr sinnvoll, weil es normalerweise BibliotheksbenutzerInnen egal ist, welcher Ausgabe sie habhaft werden können. LibX verwendet hierbei einen OCLC xISBN Webdienst, der die Ergebnisse der Anfrage in XML, XHTML, Python, Json or Ruby Format zurück gibt. Bis zu 500 Anfragen pro Tag sind für nicht-kommerzielle Zwecke kostenfrei.

Das Bild LibX 4 zeigt den die Arbeitsweise des Webservice an Hand eines extremen Beispiels. Aufgerufen wurde aus Amazon.com eine sehr spezielle Großdruck-Ausgabe des Da Vinci Code von Dan Brown. Der Dienst gibt aber gleichzeitig in der linken Browserleiste auch alle ISBN-Links zu den anderen 59 englischen Ausgaben an. Die verschiedenen Editionen können unter dem Reiter „Ausgaben“ (ungefähr Mitte des Bildes) einzeln durchgesehen werden um eine geeignete Auswahl zu treffen. Es ist aber auch möglich mit jener Version vorlieb zu nehmen, die es in der am nächsten liegenden Bibliothek gibt1.

6. OpenURL Support

Wenn LibX auf einer Webseite eine spezielle formatiere URL (sog. OpenURL, siehe weiter unten) erkennt, dann fügt es einen visuellen Hinweis (z.B. einen kurzen Text oder das Logo der Hochschulbibliothek) ein. In meinem Fall ist es die färbige Spirale des WorldCat LogosWorldCat Icon, das als kleines Icon mit 16×16 Pixel vom Browserzusatz in die Darstellung der Webseiten eingefügt wird. Die mit JavaScript vorgenommene Einfügung fungiert als aktiver Link auf die Ressource im Bestand der jeweiligen Bibliothek, für die LibX editiert worden ist.

Mit dieser Funktion ist Ihre Bibliothek im Internet omnipräsent! Egal ob in Amazon, Wikipedia, CiteULike, bei der Suche mit Google, Google Books, Yahoo, oder in WorldCat (siehe Bild LibX 5): Überall können Sie das Symbol Ihrer Bibliothek antreffen. Das Icon soll alle LeserInnen der betreffenden Website darauf hinweisen, dass in diesem Link eine genormt beschriebene Ressource eingebettet ist, die sofort in einem dafür vorgesehen Bibliothekskatalog gesucht werden kann. Damit kann die Ressource in Ihrer Bibliothek mit bloß einem einzigen Klick nicht nur gesucht – sondern abhängig vom angebotenem Service Ihrer Bibliothek – auch gleich automatisch eine Vorbestellung bzw. Download ausgelöst werden!

Natürlich ist es nicht jeder Person gestattet, direkt auf die Bestände aller möglichen Bibliotheken zuzugreifen. Und genau hier kommt OpenURL ins Spiel: OpenURL ist ein genormtes Protokoll, das ein geordnetes Zusammenspiel zwischen Informationsobjekten und lokalen Webservices ermöglichen soll. Mit dem Upgrade von Version 0.1 auf 1.0 wurde OpenURL ein ANSI/NISO Standard (Z39.88-2004). Es ist hier nicht der Ort genauer auf den Aufbau und die Funktionsweise von OpenURL einzugehen. Nur soviel (vgl. genauer [1]): Es werden neben der Kennzeichnung des Informationsobjektes via Metadaten auch kontextsensitive Daten über das Internet übermittelt. Das sogenannte Kontextobjekt besteht aus Userdaten (E-Mail Adresse) und Daten zur Quelle des Links (URL der Website). Damit kann ein spezieller Server (sogenannten OpenURL resolver software) feststellen ob und in welcher Bibliothek eine Zugangsberechtigung besteht und auf die betreffende Kopie verweisen.

7. COinS Support

Der volle Funktionsumfang von OpenURL ist leider erst dann gegeben, wenn (a) Ihre Bibliothek das LibX Service unterstützt und (b) Sie dafür auch eine Zugangsberechtigung haben. Trotzdem aber können Sie das OpenURL Konzept auch auf Ihrer Website verwenden. LibX unterstützt nämlich auch die auf den OpenURL Standard beruhende COinS Konvention. COinS beschreibt wie bibliografische Metadaten in HTML Webseiten unsichtbar (d.h. versteckt innerhalb einem <span></span> Ausdruck) eingebunden werden können.

Die daraus konzipierte URL ist ziemlich lang und das Format recht komplex kompliziert, wie aus der Anleitung für Zeitschriftenartikel bzw. BücherCOinS Generator, der ein Formular zur Verfügung stellt. Doch mit Zotero – einer Browser-Erweiterung für FireFox und Flock – wird selbst diese Arbeit automatisiert: Zotero fügt zu jeder bibliografische Angabe, die Sie in eine Webseite kopieren bzw. mit drag und drop hineinziehen, automatisch die COInS-Daten hinzu! – Auf das Zusammenspiel von LibX und Zotero werde ich noch in einem eigenen Artikel zu sprechen kommen (siehe Bild LibX 6).

8. Google Scholar Support

Im Bild LibX 1 sieht man rechts, dass die Suche mit dem „Google Scholar ebenfalls in die Werkzeugleiste integriert wurde. Die Bedienung dafür aber ist ein wenig umständlich. Es handelt sich nämlich nicht um einen Schaltfläche, sondern der markierte Suchbegriff muss per drag und drop auf die den LibX Toolbar gezogen werden. Glücklicherweise kann auch über die letzte Zeile des Kontextmenüs (siehe Bild LibX 2) Google Scholar aufgerufen werden. (Unter Windows geht das auch für PDF-Dateien, am Mac unter OS X aber leider nicht <grrrr>.) Bei der Integration von Google Scholar sind gleich drei Dinge besonders bemerkenswert, stellen sozusagen Webschmankerln dar:

Wenn Google Scholar mit dem Suchbegriff einen Treffer landet und die Ressource frei zugänglich ist, dann werden im Browser zwei (!) Webseiten gleichzeitig geöffnet: In einem Fenster wird (immer) das Resultat der Suchanfrage dargestellt, in dem anderen wird (fallweise) direkt der Volltext des gefundenen und frei erhältlichen Artikel angezeigt. Das kann die Suche nach dem Volltext eines Artikel dramatisch reduzieren. Very, convenient! (Falls es bei Ihnen nicht funktioniert, kann es daran liegen, dass Ihr Artikel zwar frei zugänglich ist, Google aber Homepages im allgemeinen nicht als Repositorien, die wissenschaftliche Standards entsprechen, qualifiziert. Deshalb findet Google Scholar diese Artikel nicht und öffnet nur ein einziges Fenster mit der „normalen“ Trefferliste. Wenn Sie LibX installiert haben (siehe unten), dann probieren Sie es mal mit meinem Artikel The Zen Art of Teaching: Markieren Sie den Artikeltitel und rufen Sie über das Kontextmenü Google Scholar auf.)

Wenn Ihre Bibliothek sich am Google Library Link Programm beteiligt, dann sehen Sie in der Trefferliste am Campus (oder außerhalb des Campus mit der betreffenden Edition von LibX inkl. dem bereit erwähnten Proxy Server Support) visuelle Hinweise auf einen OpenURL Links. Sie erhalten damit von Google Scholar heraus einen direkten Zugang zur Ressource in Ihrer Bibliothek.

Wenn sich Ihre Bibliothek am Open WorldCat Projekt der OCLC beteiligt (vgl. dazu meine oben erwähnten Beiträge zu WorldCat), dann können Sie dies Google Scholar in den EInstellungen mitteilen. Es erscheint dann für jedes Buch, das in der Google Scholar Trefferliste vorkommt, ein Link „Bibliothekssuche“ bzw. „Library Search“ zur WorldCat Datenbank (siehe Bild LibX 7). – Und wiederum hat sich Ihre Bibliothek als Webguerilla getarnt und unter die WebnutzerInnen gemischt… (zu Guerrila-Metapher siehe meinen Beitrag: LibX – Was ist das?)

Zusammenfassung

Ich hoffe, dass ich Sie mit der Beschreibung der attraktiven Funktionalitäten von LibX überzeugen konnte. Wenn Sie jetzt Lust bekommen LibX auszuprobieren, dann werden Sie wahrscheinlich – so wie ich – feststellen müssen, dass Ihre Bibliothek dieses praktische Werkzeug (noch ?) nicht einsetzt. Sie können sich aber trotzdem LibX in der WorldCat Edition installieren!

Der erste Teil eines (englischen) Tutorials zur Nutzung von LibX und Zotero – entstanden aus einer Serie von Workshops der University of Michigan (UM) – hilft Ihnen mit den ersten Schritten und stellt Ihnen auch einige Übungen zusammen. Beachten Sie aber, dass darin nicht alles 100% stimmt, weil sich die UM von der WorldCat Edition ein wenig unterscheidet. (Wenn ich dazukomme, dann möchte ich gerne selbst einen Screencast als Tutorial zur WorldCat Edition erstellen. Den könnte ich dann auch gleich für meine Studierenden  zusammen stellen. Gute Vorsätze zu Ostern…

Literaturhinweis

[1] Apps, Ann, und MacIntyre Ross. 2006. Why OpenURL? D-Lib Magazine 12, no. 5. http://www.dlib.org/dlib/may06/apps/05apps.html (Zugegriffen März 23, 2008).

Fussnote

{1} Interessanterweise zeigt mir mein Browser an, dass die nächsten Ausgaben der Reihe nach in Slowenien, Tschechische Republik und dann erst in Deutschland liegen (vgl. Bild LibX 4). (Österreich hat sich am WorldCat Projekt bisher noch kaum beteiligt, siehe dazu auch meinen Beitrag WorldCat – Was ist das?) Eine Überprüfung zeigt mir, dass die nächste registrierte deutsche Bibliothek mit einer englischen Ausgaben des Da Vinci Codes in Nürnberg (474 km) liegt und das ist tatsächlich von Krems wesentlich weiter weg als Maribor (335 km) und Prag (285), wo eine am WorldCat-Programm teilnehmende Bibliothek dieses Buch ebenfalls in ihrem Bestand gemeldet hat. Allerdings sind die Entfernungsangaben nur ungefähre Richtwerte, weil nur für USA nach Postleitzahlen differenziert wird, während sonst bloß das Land (wahrscheinlich mit der Hauptstadt) als Berechnungsbasis genommen wird. So zumindest erkläre ich mir, dass die Liste Maribor vor Prag reiht. (Wien-Maribor=253km; Wien-Prag=325 km; Wien-Nürnberg=498km – wahrscheinlich wird aber sogar mit Wien-Berlin=683km gerechnet.)

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