PH Wien, Fachwissenschaftstag 2011

Am 31. Mai hielt ich an der PH Wien im Rahmen des Fachwissenschaftstags 2011 zum ersten Mal ein Referat über mein im Herbst erscheinendes Buch. Ich hatte zwar bereits einige Aspekte auf verschiedenen wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt, aber noch nie die gesamte Konzeption des Buches inklusive der Ergebnisse präsentiert.

Ich bin ja mit dem Buch noch immer nicht ganz fertig. Das Gesamtwerk steht zwar, aber an der detaillierten Ausformulierung der einzelnen didaktischen Prinzipien und Unterrichtsmodellen arbeite ich nach wie vor. Der Vortrag war deshalb in zweierlei Hinsicht auch ein interessanter Test für mich. Zwei Fragen waren zu beantworten:

  1. Wie kann ich den Inhalt des recht komplexen und dichten Buches in einem Referat von 45 Minuten darlegen?
  2. Wie kann ich die doch sehr theoretische Argumentation so aufbereiten, dass die Inhalte nicht nur für WissenschaftlerInnen, sondern auch für angehende LehrerInnen und insbesondere für PraktikerInnen bedeutsam sind?

Methodik und Ergebnisse

Gegenüber der Detailarbeit der letzten Wochen, wo ich die verschiedenen Kapitel abgerundet habe, war es für den Vortrag notwendig eine Vogelperspektive einzunehmen. Gleichzeitig musste  ich überlegen, was über meinen methodischen Zugang hinaus (der ja mehr die TheoretikerInnen anspricht und keine unmittelbare praktische Relevanz hat) es an konkreten und praktisch nutzbaren Ergebnissen zu berichten gibt. Dabei ergab es sich, dass die ursprünglich bloß als Illustration gedachten Explorationen in die didaktischen Modelle von Karl-Heinz Flechsig durchaus auch ein selbständiges inhaltliches Resultat zu Tage gefördert hat: Aus seinen 20 Modelle habe ich 133 Unterrichtsmodelle „herausgezogen“, die in 19 Modellfamilien gruppiert sind. Dass dies ein eigenständiges und auch wertvolles Ergebnis meiner Arbeit ist, war mir vorher – wo ich immer noch in konzeptionelle Überlegungen verstrickt war – gar nicht so bewusst.

Bingo-Spiel problematisch

Da der Foliensatz leider immer noch sehr textlastig ist, habe ich versucht durch ein Bingo-Spiel, das Interesse an den vielen technischen Fachbegriffen aufrecht zu erhalten. Zu gewinnen gab es ein Exemplar des im Herbst herauskommenden Buches. Die Aufgabe war es darauf auf zu passen, ob in meinem Vortrag die Fachbegriffe von Folie Nr. 4 erwähnt wurden und „Bingo“ zu rufen, wenn eine Reihe vollständig war. Das hat – nebenbei – zum interessanten Ergebnis geführt, dass eine Zuhörerin das Spiel falsch verstanden hat und „Bingo“ gerufen hat, obwohl ihre Reihe noch nicht ganz voll war, weil ich einen Begriff, der zwar schon auf einer Folie sichtbar war, aber noch nicht genannt (ausgesprochen) hatte. Als wir das gemeinsam im Publikum abklärten, und ich sagte, dass ich den fehlenden Begriff „didaktisches Szenario“ noch nicht erwähnt hatte, zog die Bingo-Ruferin ihren Gewinnanspruch zurück, um kurze Zeit später gleich nochmals „Bingo“ zu rufen, da ich ja gerade soeben den Begriff nun ja doch gesagt habe! 

Ob das Bingo-Spiel didaktisch klug war, bin ich mir jedoch gar nicht sicher: Ich bekam die Rückmeldung, dass das Suchen der Wörter auf dem ausgeteilten Handout auch von meinem Vortrag abgelenkt hat. Die Konzentration war offensichtlich auf das „Aufschnappen“, Suchen und Ankreuzen der Fachbegriffe eingeengt und nicht mehr auf ein holistisches Verständnis des Vortrags ausgerichtet.

Positives Feedback unseres Lehrgangs E-Education

Ein ganz anderes –  indirektes – Feedback war die Einladung und Organisation der Veranstaltung selbst. Ein Absolvent unseres Lehrgangs E-Education hatte dabei seine Finger im Spiel: Der frühere Berufsschullehrer Gerald Ammer ist  nun Studiengangskoordinator am Institut für Ausbildung Berufsbildung für Berufsschulpädagogik der PH-Wien. Unser Lehrgang war nicht unwesentlich an seiner beruflichen Veränderung beteiligt.

Neben dem Vortrag fanden auch interessante Gespräche über weitere Zusammenarbeitsmodelle mit der Institutsleitung Prof. Gertrude Grabner, MA und mit Prof. Mag. Elisabeth Schön statt.

PS: In eigener Sache

Der Waxmann Verlag, wo mein Buch herauskommen wird, möchte gerne meinen geplanten Titel „Plädoyer für didaktische Vielfalt – Zur Taxonomie von Unterrichtsmethoden“ umdrehen auf: „Taxonomie von Unterrichtsmethoden – Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt“. Argument für diese Umstellung ist, dass die wichtigsten Stichwörter für bibliografische Angaben im Haupttitel vorkommen sollen.  Ich war da ein wenig skeptisch, weil ich – und auch meine engere wissenschaftliche Umgebung – das „Plädoyer für didaktische Vielfalt“ interessanter und ansprechender – gefunden haben. Eine Abfrage gestern beim Vortrag aber zeigte, dass nicht ganz 2/3 der Teilnehmenden für den Titelvorschlag des Waxmann-Verlags waren.

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