Wieder mit beiden Beinen durchs Leben

Pläne nach der Operation

Neuer negativer Rekord! – Ich habe mein Weblog jetzt seit über einem Jahr nicht mehr geführt… Grund war nicht nur meine Tätigkeit als Gründungsdekan der Fakultät „BIldung und Medien“ und die in letzter Zeit verstärkte „stille“ Forschungs- und Betreuungstätigkeit (zwei Bücher, 4 DoktorandInnen abgeschlossen) sondern – zumindest in den letzten Wochen – auch gesundheitliche Probleme.

Seit über 2 Monaten habe ich mit einem Meniskusproblem herum laboriert. Zuerst hat es geheißen, dass sich alles mit ein wenig Schonung wieder „einrenkt“. Aber warum ein in der MRT klar sichtbar gerissener Meniskus wieder heilen kann, hat mir der Arzt dann nach Monaten Quälerei auch nicht erklären können. Gleich nach der Operation ist es mir viel besser gegangen und seit heute kann ich auch wieder ganz ohne Krücken gehen.

Immerhin: 2 Bücher -1  Meniskus, kein allzu schlechter Schnitt. Aber skalieren tut das auch wiederum nicht…

Weblog und Bücherschreiben – ein Widerspruch?

Im letzten Jahr war vieles anders: Zum Unterschied von früheren Jahren, wo die Managementtätigkeiten fast ausschließlich meine Arbeit bestimmten und ich meine Forschung daher nur sporadisch und kleinteilig betreiben konnte – meistens  durch Projekte und das Schreiben von Konferenzpapieren angestoßen, aber oft auch wegen der vorgegebenen Themenstellung abgelenkt – habe ich im letzten Jahr jede freie Minute zum Schreiben meiner Bücher benutzt. Das meine ich wörtlich: Jede freie Minute, dh. kein Urlaub, kein freies Wochenende –  weil ich ja weiterhin auch als Dekan und doppelter Departmentleiter tätig war.

Dazu kam auch noch, dass – beginnend mit Dezember 2011 bis zum Jahresende 2012 – mindestens 4 meiner langjährig betreuten DoktorandInnen abgeschlossen haben bzw. abschließen werden.

„Gelitten“ darunter hat das Schreiben für mein Weblog. Von irgend woher musste ich die Zeit ja nehmen. Und – das habe ich hier auf diesen Seiten schon öfters geschrieben – bloggen ist aus meiner Sicht nicht kompatibel mit der Entwicklung von großen und komplexen (theoretischen) Entwürfen. Es eignet sich gut für „piecemeal work“, dh fragmentarisches Arbeiten, für die schrittweise Entwicklung, Festigung bzw. Vergewisserung von (neuen) Ideen. Bei der Entwicklung komplexer Zusammenhänge – so meine Erfahrung im letzten Jahr – bekommt das Schreiben von Weblog-Einträgen einen faden Geschmack. Es wird zu einem retrospektiven Schreiben, wo über komplexe Verknüpfungen zusammenfassend und kursorisch geschrieben wird. Es wird sozusagen „aus zweiter Hand“ berichtet, auch wenn es die eigene Hand ist.

Weitere Buchprojekte

Im letzten Jahr habe ich beim Schreiben der beiden Bücher wieder viel Freude erlebt. Das langfristige Arbeiten und Schreiben an einem Thema relativierte die Ärgernisse auf der Uni und im Büro. Der nicht nur stressige, sondern auch oft bürokratisch versauerte Arbeitsalltag wurde wieder leichter ertragbar. Von daher überlege ich mir, ob ich nicht einfach mit dem Bücherschreiben weitermachen sollte. Ideen für neue Bücher hätte ich mehr als genug:

  • Im Rahmen einer Dissertationsbetreuung habe ich mich intensiv mit der Artikelproduktion in der Wikipedia beschäftigt. Die Dissertation lässt noch viele Fragen zu den (versteckt wirkenden) Steuerungsmechanismen in der Kollaboration der AutorInnen offen und es wäre interessant hier tiefer zu „bohren“, d.h. noch stärker in das Thema hinein zu zoomen.
  • StufonetNach wie vor wälze ich mein Projekt einer Neuauflage von „Studieren und Forschen mit dem Internet“ zu schreiben. Als Handbuch zum wissenschaftlichen Arbeiten (dessen unglücklicher Titel leider einen Verkaufserfolg verhinderte) möchte ich nun auf meinen Erfahrungen aus den Dissertationsbetreuungen und dem Aufbau didaktischer Musterbeschreibungen zurückgreifen und gleichzeitig auch die im letzten Buch noch fehlende praktische Nutzung internetbasierter und kollaborativer Dienste für die Forschungstätigkeit wie Zotero, Mendely, ResearchGate etc. beschreiben. Als besonderen Gag sollten dabei auch einige kleine Tools und Gadgets im eigenen Haus produziert und der Community zur Verfügung gestellt werden. Es gibt schon einige grobes Text-Gerüst, was mir noch fehlt ist ein Co-Autor/Co-Autorin, der/die sich verstärkt um die technischen Details der Software kümmert. Wegen der Kurzlebigkeit der Produkte sollte hier natürlich idealerweise ein das Buch begleitender Website aufgebaut werden.
  • Sorting Things OutDann gibt es natürlich jede Menge von Ideen meine Arbeiten zur didaktischen Taxonomie und den Musterbeschreibungen fortzusetzen. Bei der Taxonomie beschäftige ich mich derzeit ganz grundsätzlich mit erkenntnistheoretischen und philosophischen Fragestellungen betreffend der Entwicklung und Nutzung von Taxonomien. Neben der schon mehrmals erwähnten Arbeiten von Nicolai Hartmann (v.a. Der Aufbau der realen Welt. Grundriß der allgemeinen Katogorienlehre) und der ANT-basierten sozialwissenschaftlichen Studie Sorting Things Out. Classifications and its Consequences ist es vor allem der bei uns im deutschsprachigen Raum noch relativ unbekannte französische Philosoph Alain Badiou, der mich inhaltlich fasziniert. In seinem Monumentalwerk Das Sein und das Ereignis beschäftigt sich Badiou mit philosophischen, gesellschaftspolitischen und mathematischen (mengentheoretischen) Konzepten der Vielheit (Mannigfaltigkeit) und Einheit. (Diese Verschränkung von Philosophie, Politik und Mathematik fasziniert mich; hat aber zur Folge, dass ich mich erst mühsam in die mathematischen Grundlagen einarbeiten muss…)
  • Und dann ist da noch die in letzter Zeit verstärkte berufliche Nachfrage nach meiner Kompetenz und Beratungstätigkeit zur Hochschuldidaktik. Mein Taxonomiebuch und eine Reihe von „Learning Outcome“-Seminaren waren der Anlass, dass ich mich wieder stärker mit Fragen der Hochschulentwicklung und -didaktik beschäftige. Ein kurzer Blick in eine Sammelbestellung aller am Markt vorhandenden Bücher zur Hochschuldidaktik verstärkte in mir den Eindruck, dass hier ein großes Feld unbestellt und brach liegt. Zumindest jene Bücher, die ich eingesehen haben und sich direkt mit dem Thema Hochschuldidaktik (im Titel) beschäftigen, sind grottenschlecht. Wenn das der „State of the Art“ ist, dann ist es kein Wunder wenn sich meine KollegInnen nicht gerade für die hochschuldidaktische Aus- und Weiterbildung begeistert anstellen. Zwar scheint ein Umdenken auf systemischer Ebene (Leitungsebene) stattzufinden, das macht das Kind aber auch nicht unbedingt bei den KollegInnen viel beliebter…

Weggabelung und langsamer gehen…

Es gäbe also genug zu tun. Allerdings hat mich mein Meniskusproblem auch auf andere Gedanken gebracht. Ich war jetzt seit fast 40 Jahren zum ersten Mal wieder im Spital. Abgesehen, dass ich einiges über den Zustand unseres Gesundheitssystems berichten könnte (aber das wäre ein eigener Blogbeitrag), hat mich diese erzwungene Inmobilität schon auch zum Nachdenken gebracht.

Ich möchte eigentlich nicht, so wie im letzten Jahr geschehen, ausschließlich meine Lebenszeit in Arbeitszeit umsetzen. Die Krankheit erinnerte mich daran, dass es auch etwas anderes gibt. Bevor ich mich also in das nächste Buchabenteuer stürze möchte ich noch ein wenig darüber nachdenken, wie ich mein Interesse – das sich auch im obigen Abschnitt wieder während des Aufzählens der möglichen Buchprojekte zeigte – mit Lebensqualität verbinden kann. Das Absagen von eingeladenen Vorträgen, Teilnahme an Buchpublikationen, „Repräsentation“ bei Konferenzen wie Steering Committees, Gutachten etc., die nicht inhaltlich den obigen Projekten förderlich sind, ist dabei eine wichtige Grundvoraussetzung. Hier war ich ja bereits vor zwei Jahren erfolgreich, sonst hätte ich mir nie die Zeit für die beiden Bücher frei schaufeln können. Aber es gibt hier sicherlich noch einigen Spielraum.

Und dann ist da natürlich mein zweiter (oder eigentlicher?) Job als Manager zweier Departments. Die Abgabe der Tätigkeit als Dekan hat leider nur verhindert, dass diese Arbeit (durch das Zusammenlegen von Fakultäten) mehr geworden ist. Aber beide Departments, die früher gleichzeitig auch die Fakultät „Bildung und Medien“ waren, müssen trotzdem weiter geleitet werden. Doch auch hier arbeite ich daran Entlastung zu schaffen. Die Einrichtung von Stellvertreterinnen und die damit verbundene Überlegung zu einer Neuorganisation stärken meine Hoffnung, dass es hier vielleicht doch noch ein Entlastungspotential gibt.

Wenn ich hier erfolgreich bin, dann könnte sich dies auch wieder in verstärkter Schreibtätigkeit im Weblog zeigen. Mal sehen…

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