LMS in WordPress? – Selbstbestimmtes Lernen

self-awarenessIch habe vor kurzem recht begeistert über Namaste! LMS – einem recht mächtigen Lernmanagement-System für WordPress – geschrieben. Das hat aber indirekt ein Problem aufgeworfen, das meinen bildungspolitischen Ansichten scheinbar diametral zuwider läuft: Warum soll ein offenes System, wie es mein Weblog auf der Grundlage von WordPress darstellt, mit einem LMS wieder zu gesperrt werden? Ist das nicht absurd und kontraproduktiv?

LMS versus selbstbestimmtes Lernen

Das charakteristische von Lernmanagement-Systemen ist, dass sie die virtuelle Organisation von Lernenden verwalten („managen“) helfen. Das schließt auch die Steuerung und Unterstützung des Lernfortschritts mit ein. Solche Systeme mögen für formales Lernen, das mit anerkannten Zertifikaten abschließen soll, sinnvoll – ja, vielleicht sogar notwendig – sein. Wie aber können

  • (Pflicht zur) Registrierung,
  • (geschlossene) Lerngruppe,
  • Organisation (Überwachung bzw. Kontrolle) des Lernprozesses

mit selbstbestimmten Lernen in Einklang gebracht werden?

Auf diese Frage kommt schnell zwei Antworten in den Sinn:

  1. Es ist wichtig, dass Lernprozesse behutsam gepflegt und in einer geschützten Atmosphäre stattfinden, damit „dumme“ Fragen, Fehler, Mängel nicht öffentlichkeitswirksam werden – und in anderen Kontexten den Lernenden zum Nachteil gereichen.
  2. Es ist für Lernende sehr hilfreich, wenn ihnen beim Lernprozess geholfen wird und ihnen Ratschläge, Hilfen und Unterstützung (sei es durch ein LMS oder eine erfahrende Lehrperson) zuteil wird.

Dimensionen selbstbestimmten Lernens

Nun treffen aber beide Argumente nicht auf mein Bild des selbstbestimmten Lernenden zu:

  1. „Meine“ Vorstellung des „self-determined learner“ ist nämlich nicht nur von Selbstbestimmung, sondern auch von Selbstbewusstsein geprägt. Deshalb ist es ihm/ihr ziemlich egal, was andere denken. Er/sie weiß, dass Lernen ein Prozess ist, wo Fehler nicht nur unvermeidlich, sondern sogar wichtig sind.
  2. „Meine“ selbstbestimmten Lernenden wissen auch, wie sie sich die Lern-Unterstützung selbst organisieren können, sie brauchen keine „darüber stehende“ Autorität, die ihnen (ungefragt) sagt, wo es lang geht.

Gut und schön – werden jetzt vielleicht einige Leser/innen einwenden – aber ist das nicht eine Schimäre, ein unerfüllbares Idealbild? Wieso? Sie selbst, wenn Sie diesen Text lesen, entsprechen genau meinem Bild des selbstbestimmten Lernenden!

  1. Ob sie Ihre geschützte Atmosphäre verlassen – und mir etwa auf meinem Blog einen Kommentar hinterlassen – oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Ob Sie aus diesem Text brauchbare Schlüsse ziehen, oder nicht (d.h. Fehler produzieren), bleibt ebenfalls Ihnen überlassen (= beides Argument 1)
  2. Wer hat Ihnen denn angeschafft, diesen Text zu lesen? Und wer sagt Ihnen, was Sie damit tun sollen? (= beides Argument 2)

Selbstbestimmtes Lernen – (m)ein Beispiel

Damit die Herausforderung, der ich mich mit diesem Beitrag stellen möchte, klar wird, (m)ein Beispiel: Aus verschiedenen Gründen habe ich beschlossen, in diesem Sommer JavaScript zu lernen. Da ich schon etwas Programmierkenntnisse in anderen Sprachen hatte, habe ich mir zugetraut hier selbst ein geeignetes Lehr-Angebot zu finden, das meinen Bedürfnissen entspricht. Ich bin auch bald bei den Online Webtutorials von W3Schools fündig geworden:

  • Umfangreiches Selbstlernmaterial
  • Klar strukturierte (kleine) Einheiten
  • Klare (lineare!) Abfolge, die ich aber jederzeit durchbrechen kann
  • Viele praktische Übungen durch einen sogenannten Tryit Editor.
  • Extrem viele praktische Beispiele
  • Umfangreiche Referenz zum Nachschlagen

An diesem Beispiel zeigen sich die Dimensionen des selbstbestimmten Lernens: Ich habe bestimmt,

  • was ich lerne,
  • wann ich lerne,
  • wie lang ich lerne,
  • wo ich lerne,
  • wie ich lerne (habe alles Mögliche im Tryit Editor probiert, musste auch manchmal „zurück“ zu HTML-Lektionen gehen)
  • und wozu ich lernen (Ich habe ein konkretes Projekt im Hinterkopf.)

Und das ging alles ohne Registrierung und LMS!

Und hier kommt jetzt die Herausforderung (challenge): Was kann ein LMS zur obigen „Ideal“-Situation eines selbstbestimmten Lernszenarios hinzufügen bzw. verbessern?

Wird fortgesetzt! (Hier geht es zum zweiten Teil der Trilogie)

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