Kieslinger Barbara

Social media usage of researchers working in the field of Technology Enhanced Learning (TEL)

Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Juni 2013.

Barbara Kieslinger

Barbara Kieslinger

Eingereicht wurde die Dissertation, von  Mag.a Barbara Kieslinger, an der Alpen-Adria Universität in Klagenfurt am 19.04.2013. Betreut wurde die Arbeit, im Rahmen des DoktorandInnenkollegs Lifelong Learning, durch Univ.-Prof. Dr. Peter Baumgartner, Leiter des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien (IMB) an der Donau-Universität Krems und Zweitbegutachter war Univ.-Prof. Dr. Josef Hochgerner, wissenschaftlicher Leiter des Zentrum für Soziale Innovation ZSI. Die Dissertation wurde erfolgreich mit dem Rigorosum am 14.06.2013 in Krems abgeschlossen.

Soziale Medien sind nicht nur Marketinginstrument oder medialer Zeitvertreib für Jugendliche. Sie haben in den letzten Jahren auch Einzug in die akademische Arbeitswelt gehalten und diese mitunter verändert. Heutzutage nutzen AkademikerInnen Weblogs und Twitter um ihre Netzwerke zu stärken und innerhalb ihrer Profession zu kommunizieren, aber auch um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Zusätzlich bieten spezielle, auf die wissenschaftliche Arbeit zugeschnittene Portale eigene Dienstleistungen für AkademikerInnen. Diese technologieunterstützte Erleichterung der wissenschaftlichen Kommunikation, Zusammenarbeit und Vernetzung weltweit führt zu Veränderungsprozessen in der wissenschaftlichen Praxis.

In Hinblick auf diese Veränderungsprozesse, die aus der Einbindung sozialer Medien in der akademischen Welt resultieren, versucht die vorliegende Arbeit den Blick auf eine ganz bestimmte Zielgruppe, nämlich ForscherInnen im Bereich technologieunterstütztes Lernen, und deren Einsatz von sozialen Medien zu richten.  Das multidisziplinäre Forschungsfeld, in dem sich diese AkteurInnen bewegen, ist von starker Heterogenität gekennzeichnet. Es besteht aus ForscherInnen unterschiedlicher Disziplinen, wie z.B. Computerwissenschaften, Erziehungswissenschaften, Kognitionswissenschaften, etc. Zusätzlich hat diese Zielgruppe ein besonderes wissenschaftliches Interesse an neuesten Informations- und Kommunikationstechnologien bezüglich deren Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich. Einige der Befragten verwenden diese Medien auch in ihrer eigenen Unterrichtspraxis. Es lässt sich allerdings nicht sagen, dass jene ForscherInnen, die ein wissenschaftliches Interesse an sozialen Medien haben, diese automatisch für ihre eigene wissenschaftliche Tätigkeit einsetzen.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf den Stellenwert, den soziale Medien in der Karriereentwicklung und dem Aufbau von Reputation einzelner ForscherInnen innerhalb der Community haben. Diese zentrale Fragestellung wurde mit einem qualitativen Forschungsansatz beleuchtet und anhand einer Reihe einzelner Fälle aus der Zielgruppe im Detail analysiert.

Im Zuge der Analyse nach grounded theory haben sich drei Nutzungstypen herauskristallisiert: Die sogenannten DauernutzerInnen oszillieren kontinuierlich zwischen den einzelnen Anwendungen und sind ständig online. Die gezielten NutzerInnen sind sich der Möglichkeiten von sozialen Medien bewusst und setzen diese auch ein, allerdings in einem limitierten Rahmen.  Die eingeschränkten NutzerInnen schließlich machen nur sehr wenig bis keinen Gebrauch von diesen Medien.

Soziale Medienlandschaft von WissenschafterInnen

Soziale Medienlandschaft von
WissenschafterInnen

Die Spannweite der zum Einsatz kommenden Anwendungen und deren Nutzungsmuster ist sehr breit und wird stark vom persönlichen Arbeitsstil und der Persönlichkeit der NutzerInnen beeinflusst.

Als eine der wesentlichen Auswirkungen des Einsatzes von sozialen Medien in der wissenschaftlichen Praxis der untersuchten Zielgruppe lässt sich ein entstehender Gruppendruck ausmachen. Dieser Druck von KollegInnen innerhalb der Community wird von allen NutzerInnentypen bestätigt. Einerseits üben die starken NutzerInnen einen Druck zum Mitmachen auf ihre wenig aktiven KollegInnen aus. Andererseits ergibt sich bei genauer Analyse ein vielschichtigeres Bild, in dem auch strake NutzerInnen einem Gruppendruck ausgesetzt sein können. Um mit dem Druck in der Community umzugehen  wählen die einzelnen ForscherInnen verschiedene Strategien und bedienen sich unterschiedliche digitaler Profile.

Zusätzlich sehen sich die AkteurInnen in dieser Studie mit Veränderungsprozessen in ihrem Arbeitsumfeld konfrontiert, hervorgerufen durch die erweiterten Einsatzmöglichkeiten sozialer Medien. Dieser Wandel findet nicht nur innerhalb der spezifischen Zielgruppe statt, sondern lässt sich in der gesamten akademischen Welt ausmachen. In der Praxis des wissenschaftlichen Publizierens verbreitet sich z.B. immer mehr eine Kultur des offenen Zugangs und der offenen Formate. Die Grenzen zwischen privater und beruflicher Lebenswelt verschwimmen zusehends und die traditionellen Hierarchien im akademischen Umfeld werden aufgeweicht. Soziale Medien werden bewusst zum Aufbau von Reputation und zur Karriereförderung eingesetzt. Letzteres gilt vor allem für WissenschafterInnen der jüngeren Generation, deren Netzwerke in der Community noch weniger stark etabliert sind.

Influence Factors

Influence Factors

Insgesamt lässt sich eine Reihe von Transformationsprozessen auf verschiedenen Ebenen feststellen. Das betrifft sowohl die individuelle Ebene und das persönliche Nutzungsverhalten einzelner als auch die Zusammenarbeit und Wahrnehmung in der Community, sowie Veränderungen auf struktureller Ebene. ForscherInnen im Bereich technologieunterstütztes Lernen sind sich dieser Transformationsprozesse sehr bewusst. Während der Adoptionsgrad von sozialen Medien innerhalb der Zielgruppe noch stark schwankt scheint es eine allgemeine Einsicht zu sein, dass diese Prozesse nicht komplett aufhaltbar oder reversibel sind und man sich besser den neuen Herausforderungen stellen und deren Potenzial für die Profession nutzen sollte.

Die Arbeit „Social media usage of researchers working in the field of Technology Enhanced Learning (TEL)“ ist auf Englisch verfasst.

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