Waba Stephan

Arbeitstitel: Lehren und Lernen mit Netbooks.

Stephan Waba

Stephan Waba

Der ursprünglich für den Unterricht in Entwicklungsländern entwickelte „100 Dollar Laptop“ erobert – in mannigfaltiger Weiterentwicklung durch diverse Hersteller – das Klassenzimmer und ist drauf und dran, Notebooks als persönliches Lernwerkzeug abzulösen. Hauptgründe sind wohl die Größe, das Gewicht und der Preis. Welche Auswirkungen die Nutzung eines Netbooks auf das schulische und außerschulische Lernen hat, soll hier nun erforscht werden.

Ich habe selbst etwas mehr als ein Jahr Erfahrung in der Nutzung eines Netbooks hinter mir und bin momentan beim dritten Gerät angelangt: einem Gigabyte T1028X – ausgestattet mit Touchscreen und eingebautem UMTS-Modem. In Kombination mit einem leistungsstarken Akku und einer 250GB Festplatte kommt die Konfiguration dieses Gerätes meinen Vorstellungen schon recht nahe, wie ein 24/7 digitaler Lebensbegleiter ausgestattet sein sollte, um einem (fast) alle Wünsche der Lern- und Arbeitswelt zu erfüllen. Aber schon bei seinen Vorgängern – einem Eee PC 901 und einem Eee PC 1000H – beschloss ich, alles auf eine Karte zu setzen und das Netbook zu meinem einzigen Werkzeug zu machen, das mich in meiner Arbeit als Lehrer und in meinem (damaligen) berufsbegleitenden Studium an der Open University unterstützt. Der große Vorteil für mich lag (und liegt immer noch!) darin, dass das Netbook all jene Daten und Applikationen enthält, mit denen ich täglich zu tun habe: vom Office-Paket bis zum SchülerInnenverwaltungsprogramm – von den MP3s für den Englischunterricht bis zur Maturaangabe von vorigem Jahr. Was auch immer ich aus meinem digitalen Archiv hervorkramen und wieder verwenden will – ich finde es und kann es jederzeit und an jedem Ort weiterbearbeiten.

Es liegt nahe, nicht nur LehrerInnen solch einen digitalen Lebensbegleiter zur Seite zu stellen, sondern auch SchülerInnen. Mit Hausübungen, die auf dem Netbook abgespeichert sind und jederzeit per eMail oder Speicherstick auf mein Gerät übertragen werden können, hat das leidige „Ich habe mein Hausübungsheft vergessen“ endlich ein Ende. Die ständige Anbindung an eine Lernplattform stellt jederzeit Basisinformationen zum laufenden Unterricht zur Verfügung und das riesige Informationsreservoir namens Internet muss ohnehin nicht mehr extra erwähnt werden. SchülerInnen ein persönliches Lernwerkzeug zur Verfügung zu stellen, ist keine neue Idee. Österreich konnte schon eine Menge Erfahrung mit Notebookklassen und dem damit verbundenen Lernen und Lehren sammeln. Auch Handys als Lernbegleiter sind im Gespräch. Und irgendwo dazwischen wird das Netbook angesiedelt. Als Gerät, das für einfache Office-Anwendungen und für Internetsurfen gut geeignet ist, aber nicht für komplexe Programme, Spiele oder z.B. die Bearbeitung von Videos. Dafür ist es ungleich mobiler als schwerere und größere Notebooks – hingegen nicht ganz so leicht wie Smartphones, hat aber einen deutlich größeren Bildschirm als die Telefone und eine Tastatur. Es ist zu vermuten, dass Netbook-Lernen auf Grund der besonderen Spezifikationen des Geräts etwas anderes bedeutet als Notebook-Lernen – nur erwiesen und erforscht ist hier noch wenig.

Die erste Frage, die hinsichtlich des Netbook Einsatzes in der Schule zu behandeln sein wird, ist also die Abgrenzung gegenüber benachbarten Technologien – mit allen Möglichkeiten und Einschränkungen, die diese Abrenzung aufzeigt. So manche Einschränkung entpuppt sich am Ende vielleicht sogar als Vorteil: Wenn die Geräte nicht so stark sind, um grafisch aufwändige Spiele zu verarbeiten, lässt dies dann auf ein geringeres Ablenkungspotenzial hoffen? 🙂 Wohl nicht, beobachtet man die Entwicklungen in sozialen Netzwerken, in denen momentan grafisch einfachst umgesetzte, aber durch die soziale Freundschaftsstruktur des Netzwerks getragene Geschicklichkeitsspiele der Renner sind: Ich messe mich mit meinen Freunden und versuche, ihren Highscore zu schlagen. Dieses Beispiel weist aber nicht nur auf eine potenzielle Ablenkungsquelle vom Lernen hin, sondern macht im Gegenteil die Dimension einer Entwicklung bewusst, in die Netbooks geradezu hineinfallen: die Bedeutung der Einbindung von Individuen in virtuelle soziale Netzwerke in vielen Aspekten des täglichen Lebens – und auch des Lernens.

Daraus folgt die zweite Frage, der sich das vorliegende Forschungsprojekt widmen wird. Wenn SchülerInnen über ein Gerät verfügen, das das Potenzial hat, immer und überall dabei zu sein, einsatzbereit zu sein und die Verbindung zum Internet mit all seinen Informationsangeboten und Vernetzungsstrukturen herzustellen – inwiefern verändert sich durch den Einsatz dieser Technologie das Lernen und Lehren? Wird die Vorstellung des ständigen, lebensbegleitenden Lernens endlich Realität, indem SchülerInnen am Heimweg im Bus, im Garten oder beim Warten auf den Zahnarzt noch einmal Arbeitsaufträge aus dem Netz abrufen und gemeinsam eine am Vormittag begonnene Projektarbeit weiter ausfeilen? Oder landen die Netbooks – wie Schulbücher – im Spind oder in der Ecke, um erst wieder am nächsten Schultag erneut zum Leben erweckt zu werden? Erlangen Netbooks bei Jugendlichen einen ähnlich hohen Stellenwert in der Akzeptanz, dass sie selbstverständlich immer dabei sind wie ein Handy, weil man mit den kleinen Computern auch schnell einmal zwischendurch das Kinoprogramm nachschlagen oder mit seinen FreundInnen per eMail in Kontakt bleiben kann – oder schreckt die geringere Leistungsfähigkeit im Vergleich zu High End-Computern oder Spielkonsolen ab und lässt das Gerät unattraktiv erscheinen?

Zusammenfassend ergibt sich folgendes Forschungsfeld: Wofür werden Netbooks benutzt – ob nun im Einklang mit den Vorstellungen der LehrerInnen oder „kreativ“ durch einfallsreiche SchülerInnen, wie sehr werden sie akzeptiert und welchen Einfluss nimmt diese Technologie auf das Lernen und Lehren?

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