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E-Portfolios

Zusammenfassung der Beiträge in: Jafari, A. und C. Kaufman (2006). Handbook of Research on ePortfolios. Hershey-London-Melbounre-Singapore, IDEA Group Reference.

Vorwort I

Barker, C. K. (2006). Foreword. In: Handbook of Research on ePortfolios. Hrsg.: A. Jafari und C. Kaufman. Hershey-London-Melbounre-Singapore, IDEA Group Reference. xxvi-xxviii.

Kathryn Chang Barker ist Vorsitzende des Learning Innovations Forums das sich besonders mit E-Portfolio1 und Qualitätsicherung von E-Learning beschäftigt (siehe auch: eQcheck) und Präsident der kanadischen Firma FutureEd Consulting Education Futurists  die ich ganz auf E-Portfolio Services spezialisiert hat.

Für sie gibt es zwei entscheidende Charakteristika, die die enorme Bedeutung von E-Portfolios bestimmen:

  1. E-Portfolios verknüpfen vier verschiedene Bereiche:
    1. (Aus-)Bildung, Weiterbildung und Training
    2. Information- und Kommunikationstechnologie
    3. Karriere- und Human Ressource Management
    4. Öffentlichkeitspolitik
  2. E-Portfolios verknüpfen alle Formen des Lernens
    1. formales Lernen
    2. informelles Lernen
    3. nicht-formales Lernen
    4. zufälliges Lernen
    5. beiläufiges Lernen
Es sind vor allem zwei Organisationen, die E-Portfolios promoten:
  1. LIfIA (Learning Innovations Forum d'Innovations d'Apprentissage)
  2. EIfEL (European Institute for E-Leaarning

Radikale Transformation unseres Lernkultur?

Barker gesteht zu, dass eigentlich noch gar nicht klar ist, was ein E-Portfolio eigentlich genau ausmacht.

…the word "ePortfolio" has alsmost become a code word for a variety of important concepts … an ePorfolio can be one of many different things depending on audience perspective and purpose (xxvii)

Und tatsächlich wird einem beim Lesen des E-Portfolio Handbuch klar, dass hinter fast jedem Beitrag ein unterschiedliches Verständnis zu E-Portfolio steht. Anfangs habe ich diese Unsicherheit als sehr störend gefunden und fast mit Empörung zur Kenntnis genommen; inzwischen aber sehe ich darin einige Vorteile und habe mich mit dieser Ungenauigkeit in der Begriffsbestimmung arrangiert. Diese Unschärfe ist vielleicht sogar für ein dynamisch, sich entwickelndes Konzept notwendig, damit es nicht zu einer leere, erstarrten Formel verkommt.

Andererseits habe ich den Eindruck, dass in E-Portfolios teilweise auch zu hochgesteckte Erwartungen verbunden werden. E-Portfolio werden als die Eier legende Wollmichsau angesehen, die eine radikale Transformation unser Lehr- und Lerngewohnheiten bewirken soll: E-Portfolio wird als die Killer Applikation für informelles und nicht-formales Lernen gesehen, als "the single greatest innovation in the use of learning technologies and transformation tools" (xxvii).

Vorteile von E-Portfolios

Ich bin bei solchen vollmundigen Sprüchen immer ein bisschen skeptisch und werde daher die nachfolgende Liste mit jeweils einem Fragezeichen (?) und einem Rufzeichen (!) kommentieren. Fragezeichen heißt: Da bin ich mir nicht so sicher, scheint mir eine überzogene Sichtweise zu sein. Rufzeichen heißt: Kann ich nachvollziehen.

  1. (?) E-Portfolios vereinigt alle Vorteile von E-Learning (das Beste, am wenigsten Komplizierteste und die Geeignetste Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie für E-Learning.
  2. (?) E-Portfolio sind eine elegante Nutzung von Informationstechnologien, weil sie komplexe technologische Entwicklung in einfache und praktischer Weise nutzbar macht. Zum Unterschied von den meisten E-Learning Anwendungen sind E-Portfolio leicht zu nutzen, haben ein intuitives User Interface und bestechen durch ihre sofortige Nützlichkeit. (Eine Reihe von Untersuchungen sagen das genaue Gegenteil; siehe auch die recht kritische Sichtweise in der Einleitung von Ali Jafari.
  3. (?) E-Portfolio Systeme können genau das, was Computer am Besten können: Sortieren und Abgleichen. Sie erhöhen die Effektivität und Effizienz in der Bewertung des Lernprozesses, Personalsuche und Personalentwicklung und Projektimplementierung. E-Portfolios sind die entscheidenden Werkzeuge für Wissensmanagement des digitalen Zeitalters.
  4. (?) E-Portfolio ist ein Katalysator des Lernprozesses, der allen - unabhängig von deren Fertigkeiten - zugänglich gemacht werden kann.
  5. (!) E-Portfolio fokussieren auf das Positive: Sie archivieren und präsentieren das, was eine Person weiß und kann. Die Ergebnisse sind vom Motto getragen: "Schaut, was ich zusammen gebracht habe!" und weisen in erster Linie nicht auf die Mängel und Defizite hin.
  6. (?) E-Portfolio können weit mehr als bloß die Präsentation offizieler Zertifikate sein und sich zu einer vollständigen Beschreibung der persönlichen Fähigkeiten entwickeln, die formales, informelles, nicht-formales, zufälliges und beiläufiges Lernen integriert. (Das Potential ist wohl vorhanden, scheint mir aber doch eine etwas zu rosige Zukunftsperspektive zu sein.
  7. (!) E-Portfolio stellen eine genauere Beschreibung der Fertigkeiten dar, als dies traditionelle Zeugnisse sind. E-Portfolio sind komptenzbasiert und zeigen mit ihren Produkten, was LernerInnen fähig sind zu tun.
  8. (!) E-Portfolios ermöglichen die Darstellung von best practice Beispielen und ermöglichen dadurch ein authentische Bewertung der Leistungen. (ist eigentlicht mit 7 ident)
  9. (?) E-Portfolios sind für Lernende aller Niveaus und alle Typen von LernerInnen geeignet. Jedoch (!): E-Portfolio ermöglichen reflektierendes Lernen.
  10. (!) E-Portfolios sich gleichermaßen adaptierbar fr formale und informelle Lernsituationen. Sie sind daher besonders für die Anerkennung früherer Lernleistungen geeignet (APL, APEL, RPL)
  11. (?) E-Portfolios sind grenzenlos skalierbar: vom Individum, über die Organisation bis hin zu ganzen Nation.
  12. (!) E-Portfolios können sowohl vollkommen privat als auch vollkommen öffentlich geführt werden.
  13. (?) E-Portfolios sind ein bequemes (ideales, geeignetes?) Mittel zur Kommunikation zwischen Lernende und LehrerInnen / MentorInnen / BeraterInnen / Freunde.
  14. (?) E-Portfolios sind DAS entscheidende Werkzeug zur Transformation unseres Lernkultur weil es Ergebnis-orientiert und LernerInnen-zentriert ist.
  15. (?) E-Portfolios fördert die Kreativität und die Fähigkeit zur Problemlösung, weil es viele Möglichkeiten bietet um seinen eigenen Lernprozess zu explorieren und die Lernergebnisse darzustelllen.
  16. (!) E-Portfolio sind zur gleichen Zeit ein Werkzeug zum Lehren und zum Lernen. Mit E-Portfolios können sowohl Einsichten vermittelt  als auch kritisches Feedback eingeholt werden.
  17. (!) E-Portfolios generieren eine einziartige Balance zwischen unstrukturiertes und strukturiertes Lernen. E-Portfolios als Werkzeuge leiten aber limitieren nicht.
  18. (!) E-Portfolios können als Werkzeuge des persönlichen Wissensmanagement genützt werden.

Ich will gar nicht bezweifeln, dass selbst die mit (?) gekennzeichneten Punkte Potentiale von E-Portfolios bezeichnen. Ich wende mich aber gegen die apodiktische Zuweisung von Vorteilen. Oft ist es auch gar nicht das E-Portfolio "an sich", sondern eine ganz bestimmte Vorstellung, Nutzung davon. Ob es aber zu dieser angedachten und intendierten Nutzung auch tatsächlich kommt, ist meiner Ansicht nach aber gerade das, was noch zweifelhaft ist. Hier werden die Lernenden selbst es sein, die diese Frage letztlich entscheiden werden.

Einige der angeführten Vorteile haben für mich daher das Format der früheren Radio Eriwan Witze: Beispiele:

  • Frage an Radio Eriwan: Sind E-Portfolio ein bequemes Mittel zur Kommunikation zwischen Lernenden und LeherInnen. Antwort: Im Prinzip ja. Es kommt aber ganz darauf an, wie der Lernprozess insgesamt organisiert wird.
  • Frage an Radio Eriwan: Fördern E-Portfolios die Kreativität und Fähigkeit zur Problemlösung? Antwort: Im Prinzip ja. Es kommt jedoch darauf an, was die Lernenden daraus machen, wie sie das E-Portfolio verwenden.


(1) Ich verwende die unübliche Schreibweise mit einem Bindestrich zwischen zwei Großbuchstaben (E-Portfolio). Ich möchte damit für die Einführung einer deutschen Schreibweise plädieren. Ähnlich wie es im Deutschen eigentlich E-Learning statt eLearning heißen sollte. Die Bindestrichversion bei E-Learning haben wir mit unserer Zeitschrift für E-Learning eingeführt. Mir scheint, dass u.a. auch dadurch die Verwendung dieser deutschen Schreibweise etwas zugenommen hat.
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