EUdict: das multilinguale Wörterbuch

Eine typische Seite von EUdict.com

Eine typische Seite von EUdict.com

EUdict.com ist ein extrem vielsprachiges Wörterbuch: Derzeit (2014-08-21) gibt es bereits 414 (!)  Sprachenpaare mit insgesamt 11.6 Millionen Übersetzungen. Einige Sprachen haben zwar erst ein paar tausend Einträge, es gibt aber auch schon 30 Übersetzungspaare mit über 100.000 Einträgen. Darunter findet sich auch English<->Croatian aber auch English<->Tamil oder English<->Japanese(Kanji). Das mich besonders interessierende German<->Croatian liegt derzeit in der Gruppe der 10.o00-30.000 Übersetzungspaare.

EUdict besticht durch sein Alleinstellungsmerkmal der Multilingualität. Dass es noch „European Dictonary“ heißt, muss wohl historische Gründe haben: Inzwischen können nämlich auch viele außereuropäische Sprachen wie Afrikaans, Arabisch, Chinesisch, Isländisch, Japanisch, Mongolisch, Tagalog oder Tamilisch aufgerufen werden. Manche – für uns EuropäerInnen – sogar mit erstaunlich hohen Datensätzen wie z.B. Tagalog<->Czech, das sich in der Gruppe von 30.000 bis 100.000 Übersetzungseinträge befindet.

EUdict: Geschichte und Geschäftsmodell

EUdict ist seit 9. Mai 2005 online und aus einem Englisch-Kroatisch Lexikon von Tomislav Kuzmić entstanden. Dieses Wörterbuch war bereits seit 16 Juni 2003 auf  tkuzmic.com im Web. EUdict bietet eine mobile Version, Browser Plugins und Bookmarklets an. Alles kostenlos für uns Nutzende, weil  durch (nicht störende) Werbung finanziert.

Auch heute noch wird die Seite von Tomislav Kuzmić verantwortet, der es als persönliches Projekt bezeichnet, das er in seiner Freizeit betreibt. Die Seite hat zwar Werbung auf ihren Seiten, aber wahrscheinlich reicht das (noch?) nicht für ein gutes Auskommen. Der Betreiber verweist allerdings auf der Credit-Seite auf eine ganze Reihe von „hart arbeitenden Autoren“. Wie das allerdings funktioniert ist mir jedoch – ehrlich gesagt – schleierhaft.

Wie kommt es zu den oft riesigen Datenbeständen? Es wird nämlich nur in einem einzigen Fall – dem freien deutsch-chinesischen Wörterbuch – eine Sammlung von Datensätzen übernommen. Und es gibt nicht – wie etwa bei dict.cc – die Möglichkeit, dass eine sich bildende Community in Wikipedia-Manier die Inhalte gemeinschaftlich erstellt. Offensichtlich handelt es sich bei EUdict um Volontäre, die sich direkt mit Tomislav Kuzmić in Verbindung setzen. Aber was ist die Motivation dieser Leute? Und wie kommen sie selbst zu den Datensätzen? Manuell aus gedruckten Wörterbüchern eingeben?

Ein Hinweis, dass meine Vermutung – dass es eine Handvoll besonders engagierter Personen ist, die das Riesenprojekt stemmt – richtig ist, ist die Suche nach Freiwilligen, die das Interface übersetzen, das derzeit nur in Englisch und in paar anderen Sprachen verfügbar ist. Interface-Lokalisierungen gibt es derzeit (2014-08-21) von: Tomislav Kuzmić (Croatian), Vasudevan Tirumurti (Tamil), Matti Tapanainen (Finnish), Ebru Bağlan (Turkish), Arsene Ionuț (Romanian).

Kritische Würdigung

Erst als ich während meines Kroatienurlaubs mich intensiv nach (kostenlose) Deutsch-Kroatisch Angebote im Internet umgeschaut habe, bin ich auf EUdict gestoßen. Ich habe diese Initiative vorher nicht gekannt. Abgesehen von meiner Ignoranz könnte das auch auf eine schlechte Internetpräsenz und Ranking der Seite hindeuten. Zwar ist EUdict für meine Zwecke des Kroatisch-Lernens nicht die erste Wahl, weil es dazu bessere Webseiten gibt. Aber das hat natürlich nicht meine generelle Wertschätzung für dieses Monsterprojekt geschmälert.

Leider wird dem wesentlichen Ziel der Seite „making it easier to all of us to communicate with each other“ nicht auch noch mit anderen Mitteln als der bloßen Sprachenvielfalt aus unterstützt. So wäre es z.B. nett, wenn eine gesuchte Übersetzung für eine Sprache auch in anderen Sprachen angezeigt wird. Dict.cc bietet so etwas an: auf der rechten Seite sieht man immer eine Liste, wie ein Wort (Beispiel: laufen) in andere Sprachen übersetzt wird. Für neugierige Leute wie mich, die mehrere Sprachen sprechen, ist das schon manchmal einen Klick wert, wenn man dann auch kurzzeitig von der eigentlichen Abfrage abgelenkt wird.

Durch die extrem vielen Übersetzungspaare gibt es einen kleinen Nachteil: Es muss angegeben werden von welcher Sprache zu welcher übersetzt werden soll. Die Möglichkeit, – wie dies bei anderen Internet-Wörterbüchern häufig der Fall ist – dass zwischen einem Sprachenpaar beliebig hin- und her übersetzt wird, dass also das Programm selbständig erkennt, um welche Sprache (aus einem Sprachenpaar) es sich handelt, aus der übersetzt werden soll, ist bei EUdict nicht gegeben. – Ich bin mir nicht sicher, ob diese Einschränkung wirklich notwendig ist, weil bei dict.cc – das immerhin auch 25 Sprachen hat – gibt es sie nicht. Allerdings hat dict.cc immer Deutsch oder Englisch als Ausgangs-oder Zielsprache; EUdict hingegen lässt durch beliebige Kombinationen eine viel höhere Zahl zu.

Wenn es wirklich nur eine paar besonders aktive Personen gibt, dann muss man sich natürlich kritisch fragen, inwieweit  das Projekt nachhaltig ist. Dass es bereits seit über 10 Jahren weiter entwickelt wird und ständig wächst, ist eine positive – wenn auch für mich unverständliche – Entwicklung. Sind es wirklich nur ein (Sprach-)EnthusiastInnen, die sich da gefunden haben?

Das Ergebnis ist auf jeden Fall extrem wertvoll. Besonders für die – aus mitteleuropäischer Sicht – exotischen Sprachen.

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