Taxonomie und Muster-Ansatz: Wie geht das zusammen?

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich schon mit den theoretischen Grundlagen zu einer systematischen Gliederung von Unterrichtsmethoden. Seit 2006 beschäftigt mich dabei bereits das Problem wie der ganzheitliche Muster-Ansatz von Alexander mit der hierarchischen Gliederung von Taxonomien vereinbar ist. Mit drei neuen Artikel glaube ich, dass ich der Lösung dieses Problems einen Schritt näher gekommen bin.

Rückblickend bestand die Lösung in einem Dreier-Schritt:

  1. 2006: In meinem Beitrag „Unterrichtsmethoden als Handlungsmuster“ hatte ich bereits den Muster-Ansatz von Alexander mit didaktischen Handlungsmustern in Verbindung gebracht. Allerdings waren mir damals nur die älteren Schriften von Christopher Alexander (The Timeless Way of Buildung und A Pattern Language) bekannt.

    Im selben Jahr bin ich in einem anderen Beitrag zu „E-Learning Szenarien“  von meiner früheren Vorstellung eines einfachen hierarchischen Stufenmodell der Didaktik abgegangen, wie ich sie noch in „Categorization of Virtual Learning Activities“ vertreten habe. Statt dessen habe ich in „E-Learning Szenarien“ bereits eine inklusive didaktische Hierarchie visualisiert – ohne mir allerdings über alle daraus entstandenen Konsequenzen klar zu werden.

  2. 2009: In der 1. Forschungswerkstatt haben wir gemeinsam mit Christian Kohls das neuere vierbändige Werk „The Nature of Order“ von Christopher Alexander diskutiert. Die inspirierende Diskussion fokussierte dabei auf die 15 Lebenseigenschaften.

    Es war jedoch Christian Kohls, der immer wieder darauf verwiesen hat, dass diese verschiedenen Eigenschaften unbedingt ganzheitlich zu sehen ist und daher Begriff der Wholeness (Ganzheitlichkeit) bei Alexander eine zentrale Rolle spielt, die für das Verständnis seines Werkes entscheidend ist. Diesen Hinweis ich nicht sogleich die gebührende Beachtung geschenkt.

  3. 2010: In einem neuen Beitrag für die EuroPLop 2010 habe ich gemeinsam mit Reinhard Bauer die bei Alexander vorherrschenden räumlichen Aspekte mit den Dimensionen (Lern-)Zeit, soziale Interaktion und Inhalt („Content“) erweitert. Wir haben dabei in „A First Glimpse at the Whole“ zum ersten Mal auch dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Rechnung zu tragen. Für die GMW’10 haben wir dann diese Idee in „Handlungsmuster und Ganzheitlich“ noch weiter entwickelt. – Es gibt dazu auch eine Foliensatz „Educational Taxonomie & Pattern Approach“ mit netten Grafiken und Bildern.

    Es war uns nun klar geworden, dass ein rekursives Konzept nach dem Muster der Holografie eine Modellvorstellung war, die sowohl Hierarchie („große“ und „kleine“ Stücke, „höhere“ und „niedere“ Ebenen) zulässt, trotzdem aber Ganzheitlichkeit (Wholeness) weiterhin ermöglicht. „Ganzes“ und „Ganzheitlichkeit“ sind zwei ganz verschiedene Konzepte: Während das eine eine Art zusammengesetzter Superteil ist, lässt sich bei Ganzheitlichkeit die Bauteile nicht unabhängig voneinander aufsplitten, sondern sind alle Eigenschaften in den kleineren Teilen (in etwas abgeschwächter Form vielleicht) ebenfalls immer vorhanden.

Auch wenn das Konzept der Ganzheitlichkeit noch weitere Explorationen in verschiedenen Kontexten erfordert (z.B. das Konzept der Fallstudie, des hermeneutischen Zirkels in den Sozial- und Geisteswissenschaften, das ganzheitliche Verständnis von Goethe’s zu Licht,  Phänomene der Quantentheorie, der Kosmologie, der evolutionären Entwicklungsbiologie in den Naturwissenschaften)  konnte ich nach fast vierjähriger Unterbrechung meine Arbeiten zur weiteren Gliederung der Taxonomie von Unterrichtsmethoden jetzt wieder beruhigt aufnehmen. Ich habe daher – ebenfalls für die GMW’10 – ein älteres Manuskript überarbeitet, wo ich die Rekonstruktionsbereiche von Unterrichtswirklichkeit bei Karl-Heinz Flechsig auf meine Ideen anwende. In „Von didaktischen Erfahrungen lernen – aber wie?“ differenziere ich die verschiedenen (inklusiven) Ebenen der Didaktik weiter.

Ich habe begonnen eine Linkliste zu Unterrichtsmethoden anzulegen.

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