EduCanon generiert interaktive Videos

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Letzte Woche hatte ich zwei geblockte Tage Lehrveranstaltungen in unserem Masterlehrgang eEducation 8. Dabei habe ich im Modul „Bildungstechnologie Vertiefung“ wieder eine ganze Reihe von aktuellen Lehr-/Lernwerkzeugen auf ihre didaktische Brauchbarkeit analysieren und präsentieren lassen.

EduCanon ist eines dieser sehr brauchbaren Tools, das ich hier heute vorstellen möchte: Mit eduCanon können Videos auf verschiedenen öffentlichen Hostingplattformen  wie z.B. YouTube kostenlos interaktiv gemacht werden. Es kann dabei aus einer ganzen Reihe von didaktischen Interaktionen ausgewählt werden.

Vorbereitungsarbeiten

Zuerst einmal muss ein Account für eduCanon angelegt werden. Dann der Video ausgewählt werden, der mit Interaktionen versehen werden soll. Es können dazu Video aus YouTube und Vimeo oder aus speziellen (englisch-sprachigen) Webseiten mit Bildungsvideos wie Shmoop, TeacherTube, oder SchoolTube ausgewählt werden.

Nachdem auf der linken Seite die URL eingegeben wurde, kann der Video durch Klicken in das Symbol rechts von der URL zum Bearbeiten der didaktischen Interaktionen in die Webseite von eduCanon integriert werden.

Preparation for the design of an educational interactive video with eduCanon

Nachdem auf der linken Seite die URL eingegeben wurde, kann der Video durch Klicken in das Symbol rechts von der URL der Video zum Bearbeiten der didaktischen Interaktionen in die Webseite integriert werden.

Nachdem der Link in das dafür vorgesehene Feld eingefügt worden ist, müssen noch der Titel der Lektion sowie das Lernziel, das Studierende beim Suchen auf der Website sehen, eingegeben. Abschließend kann die Lektion auch noch nach Schulklasse, Thema und Unterthema kategorisiert werden. Abgesehen davon, dass die Auswahl der Themen äußerst rudimentär ist („Education kommt z.B. gar nicht vor, ich muss daher immer „other“ wählen) ist diese Einteilung nur für große Schulwebseiten sinnvoll.

Spätestens jetzt kann rechts auf das rote Symbol neben der URL des Videos geklickt werden. Damit wird der Video in die Webseite von eduCanon hereingeholt. Bevor nun mit dem aktuellen didaktischen Design der Interaktionen begonnen wird, sollte unbedingt vorher noch „Finish Build“ gewählt werden. Damit wird nämlich der Video erst auf der eduCanon-Webseite gespeichert und sicher gestellt, dass die Arbeit nicht verlorengeht. Alle weiteren Änderungen werden dann jeweils automatisch gespeichert.

Über das Fenster, das beim Aufruf von „Finish Build“ aufgeht,  können verschiedene Distributionsmöglichkeiten der Lektion verwaltet werden, auf die ich später eingehe. Wichtig ist hier nur, dass zumindest eine (leere) Klasse eröffnet wird und die Links für öffentlichen und studentischen Zugang generiert worden sind.

Generate assignment, and links for student and public access

Speichern der Einstellungen und generieren von öffentlichen und studentischen Zugängen zur interaktiven Videolektion

 Didaktisches Design der Interaktionen

Es können nun entsprechende Videostellen aufgesucht werden, die für eine didaktische Interaktion vorgesehen werden. Es sind folgende 7 Interaktionen vorgesehen:

  1. Multiple choice: Es können beliebig viele Items gefragt werden, aber nur eines davon ist richtig. Für jedes Item kann ein spezifisch formuliertes Feedback vorgesehen werden und die Antwortfolge kann über einen automatischen Zufallsgenerator variieren.
  2. Check all apply: Wie bei „Multiple Choice“ nur, dass hier zum Unterschied mehrere richtige Antworten vorgegeben und überprüft werden können.
  3. Reflective pause: Diese Interaktion ist gut für Zusammenfassung und/oder zusätzliche Informationen geeignet.
  4. Free response: Im freien Antwortformat braucht keine richtige Antwort eingegeben werden, weil das Programm kein Antwortvergleich vornimmt. Die Auswertung. Bewertung und Rückmeldung muss direkt durch die Lehrenden erfolgen.
  5. Skip to moment: Hier kann zu einer anderen Stelle im Video vorwärts gesprungen werden. Dabei darf jedoch keine bereits vorgesehene didaktische Interaktion übersprungen werden. Das ist eine gute Möglichkeit um weniger interessante Stellen im Video zu überspringen.
  6. Website: Hier kann zu einem Website verlinkt werden. Da dies aber erfordert, dass der Browser auf ein sehr niedriges Sicherheitsniveau eingestellt werden muss, vermeide ich diese Interaktion. Statt dessen wähle ich „Reflective Pause“ und geben einen verlinkten Text ein.
  7. Fill in blank: Hier kann ein Text mit Lücken geschrieben werden. Für die Leerstellen können verschiedene Textstellen zum Abgleich (richtig oder falsch) eingegeben werden. Das ist praktisch, weil damit unterschiedliche Antwortversionen oder auch grammatikalische Endungen abgefangen werden können. Nach der Beantwortung werden die richtigen Antwortvarianten zum Vergleich angezeigt. Damit haben Lernende eine gute Vergleichsmöglichkeit und können feststellen ob ihre Antwort wirklich falsch war, oder nur nicht vom Lehrenden als richtige Antwort vorgesehen wurde.
In eduCanon you can choose between seven types of educational interactions

Es stehen in eduCanon 7 verschiedene Typen von didaktischen Interaktionen zur Auswahl.

Erfahrungen im Umgang mit dem Programm

Viel Erfahrung habe ich ja noch nicht mit dem Programm. Trotzdem aber habe ich schon einige kleinere Strategien für die Gestaltung didaktischer Interaktionen entwickelt, die ich hier mitteilen möchte:

  • Fragen sollten nicht unmittelbar nach der Erklärung im Video kommen sollen. Besser ist es, einige Zeit verstreichen zu lassen, das erhöht den Erinnerungswert und auch die Aufmerksamkeit. Außerdem können dann nicht Videoteile übersprungen werden und nur die Passagen knapp vor der Fragestellung angeschaut werden. Das Programm erlaubt auch jederzeit, dass die Position der Fragen nachträglich geändert werden kann. Dazu muss an die neue Stelle im Video gesprungen werden, die didaktische Interaktion zum Editieren geöffnet werden und mit der neuen angezeigten Zeit (links statt rechts unten) wieder gesichert werden.
  • Fragen können durchaus geblockt gestellt werden. Allerdings verlangt das Programm, das zumindest eine Sekunde zwischen zwei didaktischen Interaktionen liegt.
  • Ich ziehe es vor didaktisch komplexere Interaktion von „Check all apply“ auch als einfache „Multiple Choice“ Frage zu verwenden. Die Frage ist damit schwieriger zu beantworten, weil Lernende nicht wissen, wie viele Antwortvorgaben richtig sind.
  • Weniger interessante Stellen müssen mit „Skip to moment“ übersprungen werden, da der Video zwischen den Fragen nicht geschnitten werden kann. Mit „Crop Video“ kann der Video nur am Anfang und am Ende bis zur ersten bzw. letzten didaktischen Interaktion zugeschnitten werden. Zwischen den Interaktionen können keine Videoteile herausgeschnitten werden. Das müsste vorher passieren, bevor der Video auf die Hostingplattform geladen wird.
  • Mit dem Programm können Texte nicht nur gefällig ediert werden, sondern auch Grafiken, Formel (LeTeX) und sogar eigens erstellte Audioaufnahmen eingefügt werden!– Für die Audioaufnahmen wird Vocaroo, ein freies Online Sprachaufnahme Service, verwendet.
View of editor of "check all apply" question in eduCanon

Der Texteditor in eduCanon beim Erstellen einer „check all apply“ interaktion.

 Verwaltung von Lektionen, Studierenden und Assignments

Ich habe mir vorerst nur den Zugang über öffentliche Links angesehen und keine Studierenden-Verwaltung angelegt. Hier jedoch einige Anmerkungen, was ich trotzdem bereits herausgefunden habe:

  • Das Programm sieht vor, dass die Videos mit den didaktischen Interaktionen, die „Bulbs“ genannt werden, den entsprechenden Klassen zugewiesen werden kann.
  • Es können über einen Kalender Zeitpunkte (Deadlines) für Assignments festgelegt
  • Es können Studierendenlisten angelegt oder über Excel hinaufgeladen werden.

Funktionsumfang: Kostenfreie Version von eduCanon

Die Unterschiede von kostenfreier Nutzung und den Zahlversionen (Premium: 89$ und Site-Installation ab 990$ pro Jahr) liegen vor allem in den erweiterten Administrationsmöglichkeiten. Das tolle aber ist, dass die kostenfreie Version durchaus ausreichend für den privaten Gebrauch ist, weil

  • beliebig viele Lektionen erstellt werden können,
  • beliebig viele Studierenden Zugang haben,
  • das gleichzeitige Management von 8 Klassen für Otto Normalverbraucher durchaus ausreichend ist,
  • über einen Link auch „Bulbs“ an KollegInnen zum Anschauen ohne Login weitergeleitet werden können

Funktionsumfang: EduCanon Premiumversion (89 $/Jahr)

Mit der Premiumversion ist ein beträchtlich erweiterter Funktionsumfang vor allem im administrativen Bereich gegeben: Weil ich nicht genau weiß, was die einzelnen Funktionen wirklich bedeuten, verwende ich die englische Aufstellung und füge meine Anmerkungen in Deutsch hinzu:

  • Free Response: ? Ist hier das Monitoring freier Antworten gemeint?
  • Autograded Fill-in-the-Blank: ? Weiß nicht…
  • External Web Activities: ? Wird das auch beobachtet (und beurteilt) oder ist dies bloß eine Freischaltung für externe Webseiten, wie ich sie unter „6. Website“ oben angeführt habe und was bei mir nicht funktioniert hat?
  • Advanced Crop: Ich nehme an, dass damit auch zwischen den didaktischen Interaktionen geschnitten werden kann.
  • Copy and Edit Public Lessons: Ok, aber ich kann meine öffentlichen Lektionen direkt mit Links an mir bekannte Leute weitergeben (Das habe ich aber noch nicht getestet. Vielleicht will wer mal meinen Taxonomie-Bulb weiter verarbeiten? Bitte Nachricht über das Kontaktformular dieser Webseite schreiben.)
  • Students Can Create Lessons: Ok, aber da jeder bei der Anmeldung sagen kann, ob StudentIn oder LehrerIn – und das nicht geprüft wird – ist das eigentlich auch ziemlich egal, oder?
  • Print Worksheets: Das ist eine tolle und wichtige Funktion, weil damit die didaktische Interaktionen auch ohne Internet und dem interaktiven Video verwenden werden können. – Bei mir hat das aber in der freien Version auch funktioniert!! (Ganz oben bei der Seite mit den entwickelten Interaktionen gibt es einen Schalter, der dies ermöglicht.)
  • Download Grades: Ok, ist wichtig für die professionelle Administration. Aber wahrscheinlich ist sogar in der freien Version irgendein Ausdruck von der Webseite her gesehen möglich.

Interaktive Video mit eduCanon: Zusammenfassung

Ich glaube, es ist bei dieser ausführlichen Beschreibung deutlich geworden, dass mir das Programm nicht sehr gut gefällt, sondern ich es auch für äußerst nützlich halte.

Wer möchte kann sich zum Einüben mein erstes Videotutorial, das ich zu meinem Buch „Taxonomie von Unterrichtsmethoden“ erstellt habe, anschauen. Außerdem habe ich hier auch noch den Code zum Abspielen testweise in diese Seite eingebunden.

Es gibt auch einige kleinere störende Interface-Probleme mit eduCanon: So irritierte es mich, dass beim Ansehen der Lektion der Video immer ganz von vorne startet, also nicht die aktuelle Stelle übergeben wird. Außerdem muss der Video mit einem Klick in den Videoausschnitt gestartet werden, die unten angebrachte grüne Schaltfläche von eduCanon funktioniert erst, wenn der Video gestartet ist. –  Alles in allem ein enorm praktischen und wertvollen Werkzeug!

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