Recherchieren – Mein Basis Toolkit

In den letzten Tagen habe ich mich – wie auch aus meinen letzten Einträgen ersichtlich ist 😉 – eingehend mit neuen Möglichkeiten der Recherche beschäftigt. Einige der Ergebnisse habe ich gleich auf diesen Seiten veröffentlicht. Dabei habe ich mich vor allem auf die praktische Nutzung konzentriert, die inhaltlichen Zusammenhänge im Rahmen von Forschungsprozessen sollen dann im Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch dargestellt und vermittelt werden. Die entsprechenden Webseiten könnten dann entsprechend adaptiert als praktisches Anschauungsmaterial das Buch online begleiten.

Werkzeuge für den Alltag des wissenschaftlichen Arbeitens

In den letzten Tagen habe ich mich – wie auch aus meinen letzten Einträgen ersichtlich ist 😉 – eingehend mit neuen Möglichkeiten der Recherche beschäftigt. Einige der Ergebnisse habe ich gleich auf diesen Seiten veröffentlicht. Dabei habe ich mich vor allem auf die praktische Nutzung konzentriert, die inhaltlichen Zusammenhänge im Rahmen von Forschungsprozessen sollen dann im Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch dargestellt und vermittelt werden. Die entsprechenden Webseiten könnten dann entsprechend adaptiert als praktisches Anschauungsmaterial das Buch online begleiten.

Der Browser als Kommandozentrale?

Die Ergebnisse meiner Recherche wirken in gewisser Weise auch auf mein eigenes Recherche-Verhalten zurück und es. (Welch schöner und reflexiver Kreislauf!) Alte Gewohnheiten – wie z.B. vom Arbeitsplatz aufstehen und im Duden Wörterbuch die Rechtsschreibung oder Synonyme suchen – finde ich nicht mehr so richtig zeitgemäß. Wenn ich schon gerade an einen Artikel für das Weblog schreibe – und dabei ständig zwischen recherchieren und schreiben im Browser hin- und herspringe – dann wäre es doch praktisch, dies auch beim Konsultieren von Nachschlagwerken tun zu können. Der Browser sozusagen als Kommandozentrale für das wissenschaftliche Arbeiten.

Bisher hat mich die Integration aller Arbeiten unter einer einzigen Programmoberfläche (dem Browser als Allroundwerkzeug) noch kaum beschäftigt. Schließlich ist es ja auch kein großes Malheur wenn zwischen einem (spezialisierten) Programm zu einem anderen gewechselt wird (z.B. vom Schreiben mit einem Textverarbeitungsprogramm zur Internetrecherche mit einem Browser). Freien Speicher vorausgesetzt, ist es ja (meistens) nur ein Klick auf ein anderes Fenster.

Für mich hat die Vorstellung einer einzigen und einheitlichen Arbeitsoberfläche derzeit noch einen utopischen Charakter. Warum eigentlich? Zeigt nicht z.B. Google mit seiner ständig wachsenden Werkzeugkiste an Diensten, dass viele Tätigkeiten über das Web zu erledigen sind? Und viele Arbeitsprozesse werden durch die problemlose Integration mit anderen Services auch noch effizienter, als dies vorher mit einer Kombination von Standalone Programmen der Fall war.

Meine Werkzeugkiste

Wenn heute vielleicht die obige Vorstellung sich praktisch noch nicht ganz realisieren lässt, so müssten doch zumindest die lästigen Medienbrüche, die das Nachschlagen in einem Lexikons verursacht werden, minimiert werden können? Im normalen Arbeitstag konsultiere ich Lexika vor allem aus 4 Gründen: Übersetzung, Hintergrundinformation, Rechtschreibung & Grammatik, Thesaurus.

1. Übersetzung

Das ist einfach. Hier verwende ich ausschließlich Leo und bin sehr zufrieden damit.

2. Hintergrundinformation

Für eine Erstinformation – sozusagen als Basis für eine weitergehende Recherche – ist hier natürlich die Wikipedia zu nennen. Ich verwende sowohl die deutsche als auch englische Version, weil es doch häufig beträchtliche Unterschiede im Umfang der Information gibt. Übrigens ist es ein Vorurteil zu glauben, dass immer die englischen Artikel die besseren und ausführlicheren sind!

Für eine weiterführende Internet-Recherche verwende ich dann Google. (Auf die Verwendung speziellerer Suchdienste für z.B. Literatur, Online Ressourcen, Tutorials etc. gehe ich hier nicht ein.

3. Rechtschreibung und Grammatik

Hier wird es schon schwieriger: Im Leben vor dem Internet war hier für mich der DUDEN die erste Adresse. Der entsprechende Dienst im Internet ist jedoch empörend teuer (20 Euro für bloß 3 Monate) und für mich nicht akzeptierbar. Ich wäre ja bereit 10 Euro, vielleicht auch noch 20 Euro pro Jahr zu zahlen. Aber das 4 fache?!

In The Cult of the Amateur – How today’s Internet is killing our Culture weist Andrew Keen darauf hin, dass durch den großen Erfolg von Web 2.0 viele renommierte Verlage in Schwierigkeiten kommen und Leute entlassen müssen [1]. Er warnt eindringlich davor, dass damit auch die Qualität der angebotenen Ressourcen leidet, weil das „Mit-Mach-Web“ wo Amateure und Laien die Hauptarbeit leisten, das Know How von ausgebildeten Experten nicht völlig ersetzen können.

Ok, richtig! Aber soll ich deswegen eine unverschämte Hochpreispolitik unterstützen? Oder ist es nicht viel mehr an der Zeit, dass auch diese renommierten Verlage sich bewegen und umdenken? Und es wäre wünschenswert, wenn sie das tun, bevor sie größere wirtschaftliche Probleme bekommen. Ein aktuelles Beispiel, das mich persönlich ziemlich überrascht – um nicht zu sagen – schockiert hat, ist der angesehen Verlag Brockhaus. Der Mannheimer Verlag gibt sich dem Internet (der Wikipedia ?) geschlagen und will sich nun über Werbeeinnahmen finanzieren. Ab 15. April wird die „Brockhaus Enzyklopädie“ (30 Bände, 300.000 Stichwörter, rd. 24.500 Seiten, 2670 Euro) online kostenlos angeboten [2].

Ich bin überzeugt, dass es auch noch der DUDEN-Verlag billiger geben wird. Bis dahin müssen andere Wege gefunden werden. Eine heutige Recherche hat mich auf das frei zugängliche Service Cancoo einer Schweizer Firma stoßen lassen. Der Dienst entstand in Kooperation zwischen Mitarbeitern der Universität Basel, der Vrije Universiteit Amsterdam, des IDSIA Lugano und der Canoo Engineering AG. Das Online-Service basiert auf dem Deutschen morphologischen Wörterbuch von Canoo. Das Wörterbuch enthält über 250 000 Schlagwörter und generiert rund 3 Millionen Wortformen. Erste Testversuche sind für mich durchaus zufrieden stellend gewesen.

4. Thesaurus

Die Arbeit an Synonymen ist mit dem Wikipedia-Ansatz erst ganz am Anfang. Der sogenannte WikiSaurus ist im wiki-basierten freiem Wörterbuch Wiktionary noch erst ganz am Anfang. Außerdem ist der dabei verfolgte Ansatz noch recht umstritten: Statt ein eigenes Thesaurus aufzubauen, werden die verschiedenen Wortbedeutungen innerhalb des Wikitionary bloß mittels einer eigene Kategorie „WikiSaurus“ zu den betreffenden Seiten verlinkt.

Eine gewisse Zeit habe ich mit OpenThesaurus gearbeitet, aber ich muss gestehen, mich stoßt die hässliche Oberfläche ab (Siehe Bild OpenThesaurus.org). Ich weiß, das Design sollte nicht das Wichtigste sein, aber trotzdem kann ich zu dieser lieblosen Seite keine positive Beziehung aufbauen. Da ist mir selbst die Synomizer! Seite lieber, die ebenfalls auf den Wortschatz von OpenThesaurus basiert. Allerdings ist die extrem enge Integration mit Google-Ads ärgerlich und sehr gewöhnungsbedürftig. So erweckt die oberste Zeile der Werbelinks direkt unter der Suchmaske den Eindruck noch ganz zum Programm zu gehören. Nicht nur die grafische Anordnung sondern auch die Wortwahl dieser Werbelinks (Word Frequency, Word Diagram) stellt eine gezielte Täuschung dar (Siehe Bild Synomizer.com).

Außerdem – und das ist der Hauptgrund warum ich mich ständig nach Alternativen umschaue – scheint mir der Wortschatz (z.B. gegenüber dem Thesaurus von Word) deutlich geringer zu sein. Dies ist mir schon beim Arbeiten mit NeoOffice (die Mac-Version von OpenOffice) aufgefallen. Das hat zur absurden Situation geführt, dass ich trotzdem immer auch noch MS Word offen habe, damit ich fallweise meine Recherche nach Synonymen im – meiner Meinung nach – besseren Thesaurus von MicroSoft vornehmen kann.

Im Augenblick experimentiere ich mit dem Wortschatz-Portal der Universität Leipzig. Allerdings interessieren mich viele der dort angebotenen Informationen nach Häufigkeitsklassen, Bedeutungsgruppen, Kookurrenten usw. herzlich wenig. Ich verwende daher den Zugang über das oben unter Rechtschreibung bereits beschriebene Canoo Portal. Wenn die aller erste Information (Bedeutung und Oberbegriff) für mich nicht ausreichend ist, steige ich unter „Mehr“ in das Wortschatzlexikon der Uni Leipzig ein (siehe Bild Canoo.net)

Zusammenfassung und ein Tipp zur Integration

Auch wenn ich mit der Grundausstattung der online Services noch nicht rund herum zufrieden bin, so zeigt sich doch, dass Medienbrüche größtenteils bereits vermeidbar sind. Ich habe den Eindruck, dass die Zeit der gedruckten Lexika langsam aber sicher einem Ende zugeht. und die Zukunft den frei zugänglichen Online-Diensten gehört. Zu meiner persönlichen Grundausstattung von Online-Nachschlagwerken gehören Ende März 2008:

Mein Basic Tool Kit Übersetzung Deutsch <-> Englisch
LEO Hintergrundinformation Wikipedia dtsch.
Wikipedia engl.
Google
Rechtschreibung und Grammatik
Canoo Thesaurus Wortschatz-Portal
(über Canoo)

Welches Toolkit verwenden Sie? Anregungen und Kommentare erwünscht!

Als Draufgabe noch ein kleiner Tipp: Ich habe mir in meinem Browser einen Ordner mit Lesezeichen dieser grundlegenden Arbeitswerkzeuge zusammengestellt. Wenn ich eine Sitzung zur Recherche starte, dann lasse ich meinen Browser (FireFox) meine Homepage und alle Booksmarks dieses Ordners gleichzeitig öffnen. Jede Werkzeug wird in einem eigenen Reiter (Tab) geöffnet. Ich kann nun zwischen den verschiedenen Diensten mit den jeweiligen Kurzbefehlen (bei mir am Mac CMD-1 bis CMD-9 hin- und herspringen.

Im Artikel erwähnte Literatur

[1]Keen, Andrew. 2007. The Cult of the Amateur: How Today’s Internet Is Killing Our Culture. Currency.

[2] Clausen, Sven, Jenniver Lachmann, Lutz Knappmann, und Matthias Lambrecht. 2008. Brockhaus kapituliert vor dem Internet. Financial Times Deutschland (FTD) Online Ausgabe. http://www.ftd.de/technik/medien_internet/316489.html (Zugegriffen März 22, 2008).

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