Blogpause beendet?

Seit etwa einem halben Jahr habe ich kaum mehr neue Inhalte auf meiner Webseite gepostet. Wie schon in früheren längeren Pausen (vgl. z.B. Den Faden wieder aufnehmen) sind dafür Veränderungen in meiner Arbeitssituation bzw.  Überlegungen zu meinen (weiteren) persönlichen Schwerpunkten dafür verantwortlich. Die Gründe für diese extrem lange Denkpause lassen sich in drei Kategorien einteilen:

Gründe für Blog-Pause

  1. Laufende Prozesse und vertrauensvolle Info: In Den Faden wieder aufnehmen habe ich von einer explosionsartigen Zunahme von Management- und Gremienarbeiten berichtet. Dieser Trend hat sich nicht nur weiter verstärkt (vorgestern bin ich – zusätzlich zu den beiden Departmentleitungen – nun auch noch zum Dekan der mit 1.1.2011 neu gegründeten Fakultät für Bildung und Medien ernannt worden) sondern auch unmittelbare Konsequenzen für die Schreibtätigkeit an meinem Weblog. Einen Großteil meiner Tätigkeit verbringe ich nun mit Arbeiten über die sich nicht in lockerer und unverfänglicher Form öffentlich berichten lässt. Seien es nun Personalfragen, interne Gremiendiskussionen oder meine inhaltliche Position zu Uni-internen Maßnahmen und Entwicklungen: Immer handelt es sich um heikle Punkte von aktuell laufenden internen bzw. vertraulichen Diskursen, die so nicht an die Öffentlichkeit getragen werden können.

Ich habe bisher keine Idee gehabt, wie ich solche Informationen und Überlegungen in einer entsprechenden Form, die nicht den aktuellen Prozess stört bzw. Vertrauensverhältnisse verletzt,  veröffentlichen kann/darf. Diese öffentliche „Redehemmung“ hat – so glaube ich zumindest – zwei wesentliche Gründe:

  1. In meiner (mittleren Führungs-) Position innerhalb der Universität ist ein unbeschwertes Veröffentlichen meiner Meinungen den laufenden Gestaltungsprozessen – und meinen Möglichkeiten hier entscheidend mitzuwirken – abträglich. Es wird (bzw. muss) richtiger weise entweder als Vertrauensbruch oder als öffentliche Kritik als eine Form der Miesmacherei interpretiert werden.

Das gilt übrigens sogar auch für interne Diskussionsplattformen: So hat unsere PR-Abteilung  ein sehr engagiertes und innovatives Konzept für eine verbesserte innere Kommunikation gestartet, indem ein internes Weblog für DUK-Mitarbeiter/-innen eingerichtet wurde. Was aber soll ich dort schreiben, wenn ich entsprechende Ideen, Vorschläge, Kritiken direkt an die zuständigen Führungskräfte (Rektor, Fachabteilung, Senate etc.) richten kann – und diese Strategie zudem noch mit einer weit höheren Realisierungschance versehen ist?

  • Nicht ganz unwesentlich aber dürften auch eine innere Zensur wirken, die auf Grundlage prekärer Arbeitsverhältnisse (keine beamtete bzw. sichere Stellen, in meinem Fall sogar ein bis Mai 2011 befristeter Arbeitsvertrag, der zur Verlängerung ansteht. Dazu kommt noch ein Klima an der DUK, das – nach wie vor – an einer kritischen (akademischen) Diskussion nicht gewohnt ist bzw. in einer Situation der Marktgetriebenheit und damit einhergehende Konkurrenz (oder wie es so schön heißt von „Mitbewerbern“, oder noch schöner: anderen „Marktbegleiterinnen“) auch kontraproduktiv ist.
  • Inhaltliche Großprojekte und Zeitmangel: Doch nicht nur die Zunahme der für Weblog-Beiträge ungeeigneten Managementaktivitäten, sondern auch ein konstanter Zeitmangel, der durch zwei größere Buchprojekte extrem kritisch geworden ist, verhindern regelmäßige Schreibarbeit in zweierlei Hinsicht:

 

  1. Da ist einmal der Zeitmangel per se. Meine in Den Faden wieder aufnehmen geplante Konzentration auf Managementaktivitäten ist nicht aufgegangen bzw. für mich persönlich nicht durchzuhalten gewesen. Ich habe es als eine Art Sinnentleerung meiner Arbeit empfunden, nur mehr im Management tätig zu sein, zudem noch mit Vorgaben, die überwiegend ökonomisch und wenig akademisch motiviert sind. Das Fehlen einer inhaltlichen Auseinandersetzung zu meinem Themen, also das was mich inhaltlich motiviert, begeistert und auch antreibt, hatte eine zunehmende Unzufriedenheit mit meiner Arbeit und Lebenssituation zur Folge. Ich habe diese inhaltliche Arbeit quasi als „Ausgleich“ meiner anderen (Management-) Tätigkeit gebraucht, auch wenn sie nur mehr in den Nachtzeiten und Wochenende möglich war. Die physische Anspannung, Stress und Schlafentzug habe ich weniger bedrohlich empfunden als die psychische Belastung durch den Entzug von inhaltlicher bzw. forschender Tätigkeit. Aus diesem Grunde habe ich meine ursprünglichen Buch-Ideen nicht nur aufgegeben, sondern bin sie seit Herbst sogar verstärkt angegangen. In der entstehenden zeitlichen Knappheit hat das Weblog (das zu Höchstzeiten doch ca. 10 Stunden pro Woche an Zeit frisst) zurückstehen müssen.
  2. Inhaltliche Großprojekte aber eignen sich aus meiner Sicht nicht für ein regelmäßiges Bloggen. Die Gedankengänge sind entweder noch zu unreif oder verworren, um kurze klare Postings verfassen zu können oder aber die Gedankengänge sind bereits zu komplex und miteinander vernetzt, so dass sie wiederum für einzelne „Gedankensplitter“ nicht geeignet sind.

Wie geht es mit dem Bloggen weiter?

Ich bin mir noch unsicher, ob ich in Zukunft wieder regelmäßig an meinem Weblog „Gedankensplitter“ arbeiten werde. Ich könnte mir jedoch folgende drei Szenarien vorstellen, die einzeln oder auch Kombination miteinander, wiederum eine regelmäßige Schreibarbeit ermöglichen würden:

  1. Buchprojekte: Es müsste inzwischen möglich sein über die beiden aktuellen Buchprojekte regelmäßig zu berichten, da sie bereits aus dem Dunst unfertiger Ideen heraus gewachsen sind. Diese Berichte bzw. Gedankensplitter müssten allerdings entsprechend aufbereitet werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern müsste auch einen Mehrwert für das Buch selbst haben. Denn sonst ist es sinnvoller die dafür verwendete Zeit lieber gleich in das Buch zu investieren. Ob mir diese nutzbringende Aufbereitung gelingt, weiß ich derzeit noch nicht.
  2. Aktivitäten: Es wäre vielleicht möglich Aktivitäten meiner Fakultät, die sowieso bereits öffentlich geworden sind, mit entsprechenden Kommentare zu versehen. Für meine persönliche Aktivitäten (Vorträge, Seminare etc.) habe ich bisher immer die Eingangs-Nachrichtenseite genutzt. Über Aktivitäten, die ich nicht selbst durchgeführt sondern nur angestoßen habe, bzw. die unter meiner Leitungstätigkeit erfolgt sind, habe ich bisher in meinem Weblog kaum berichtet. Das könnte ich ja ändern. Ich müsste allerdings eine Form finden, aus der ersichtlich wird, dass ich mich nicht auf diese Tätigkeiten „drauf setze“, sie nicht als eigene ausgebe. Wie weit ich mich dann aber persönlicher Kommentare enthalten muss und eventuell bloß „blutleere“ Tätigkeitsberichte entstehen, ist mir noch unklar.
  3. Zeitmanagement: Hauptproblem ist sicherlich die extrem knappe Zeit. Es ist mir seit dem Sommer gelungen meine zeitlichen Aktivitäten entsprechend den neuen Anforderungen umzuschichten. Ich habe zeitraubende Verantwortlichkeiten nieder gelegt (z.B. Vorstandstätigkeit in der GMW, Übergabe des MedidaPrix etc.) und externe Tätigkeiten (Vorträge, Gutachten, Experteninterviews) sowie auch die Lehre eingeschränkt. Die dabei gewonnene Zeit ist allerdings bisher völlig von den neuen Managementaktivitäten (interimistische Leitung des Departments für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement, Vorbereitung für die Fakultätsgründung) sowie den stattgefunden „heißen“ Budgetrunden „aufgefressen“ worden.

Fazit: Ich werde die kommenden Feiertage dazu nutzen, um wieder neue Beiträge für mein Weblog zu schreiben. Ob diese Initiative nachhaltig ist, wird sich jedoch erst im normalen Routinebetrieb zeigen. Deshalb auch das Fragezeichen in der Überschrift „Blog-Pause beendet?“.

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