H5P-Multiple-Choice-Auswertung mit und ohne Feedback-Text

Im Artikel zu Multiple-Choice habe ich gemeint, dass die Farbzuweisung bei einer H5P-Multiple-Choice-Auswertung verwirrend ist. Dieser Beitrag untersucht diese Behauptung detailliert – und entwickelt zwei ganz andere Vorschläge.

Einleitung

Meine damalige Position zur H5P-Multiple-Choice-Auswertung wörtlich zitiert:

Richtige Antworten gehören immer grün. Egal ob sie richtig sind, weil sie ausgewählt wurden, oder richtig sind, weil sie nicht ausgewählt wurden. Falsche Antworten hingegen gehören immer rot angezeigt. Egal ob sie falsch sind, weil sie ausgewählt wurden, oder falsch sind, weil sie nicht ausgewählt wurden.

Peter Baumgartner: H5P: Multiple Choice (31.08.2020)

In diesem Beitrag möchte ich nun meine eigene Behauptung kritisch hinterfragen. Eine Warnung gleich vorweg: Die Lage bei der H5P-Multiple-Choice-Auswertung ist komplizierter als ich ursprünglich gedacht habe. Dieser Beitrag richtet sich an bereits erfahrene H5P-BenutzerInnen und ist nicht als eine Einführung gedacht.

Meine Vorgangsweise

Ich benutze dazu eine Multiple-Choice-Aufgabe mit bloß vier Antwortvorgaben, wovon jeweils zwei richtig und zwei falsch sind. Das Beispiel habe ich aus dem empfehlenswerten OERcampus-Kurs zu H5P entnommen. Es handelt sich um die zweite Aufgabe im Vertiefungsquiz zu Praxis und Reflexion: Was ist H5P?

Startfrage vor der H5P-Multiple-Choice-Auswertung
Abb. 1: Die Multiple-Choice-Frage aus dem Aufgabenset herausgenommen und als „Stand-alone“ Multiple-Choice-Aufgabe präsentiert. Startposition, d.h. bevor die H5P-Multipole-Choice-Auswertung stattgefunden hat. Die beiden oberen Antwortvorgaben sind die richtige Lösung.

Damit es leichter ist die Unterschiede in den verschiedenen Varianten zu erkennen, habe ich von der ursprünglichen Version, die zufällige Mischung der Antwortvorgaben herausgenommen. Es sind daher immer die beiden oberen Zeilen richtig.

Abb. 2: Mit Ausnahme von der nun fixen Reihenfolge, zeigt die Grafik die ursprünglichen Einstellungen, wie sie von Oliver Tacke im OERcampus vorgenommen worden sind.

Ich beginne nun mit einer systematischen Variation der Antwortmöglichkeiten und zeige bei der H5P-Multiple-Choice-Auswertung immer ein Set von drei Screenshots:

  1. Screenshot der Eingabe
  2. Screenshot von „Überprüfen“
  3. Screenshot der „Lösung anzeigen“

Multiple-Choice mit Feedback-Text

Keine Auswahl mit Feedback-Text

Um ein vollständiges Set von Permutationen zu erhalten, zeige ich auch die Variante, dass keine Auswahl getroffen wurde, d.h. es wurde – ohne eine Eingabe zu machen – sofort die Schaltfläche „Überprüfen“ geklickt.

Abb. 3-2: Der unlustige Smiley verratet bereits die H5P-Multiple-Choice-Auswertung. (Zwischen o-49% der richtigen Antwort wird mit diesem unglücklich drein schauenden Smiley beantwortet.) Die Punktevorgabe 0 von 1 zeigt, dass es einen zu erreichenden Punkt für diese Aufgabe gibt (siehe Abb.: 2). Wäre die Option „Einen Punkt für die ganze Aufgabe vergeben“ nicht eingeschaltet, dann hätte Abb.: 3-2 gezeigt, dass 0 von 2 Punkten nicht erreicht wurden. Damit hätte das Programm allerdings bereits einen Lösungshinweis gegeben, weil dann klar ist, dass es genau zwei richtige Antwortvorgaben gibt.

Abb. 3-3: Die Einstellungen in Abb.: 2 verbieten zwar ein Anzeigen der Lösung, wenn keine Antwort gegeben wurde. Tatsächlich aber wird durch die Darstellung des gesamten Feedbacks bereits die Lösung beim „Überprüfen“ angezeigt. Das ist aber mit „Überprüfen“ nicht intendiert. Es sollte nur angezeigt werden, inwieweit die bisherige Eingabe der richtigen Lösung entspricht.

„Überprüfen“ müsste bei einem Multiple-Choice-Test mit Rückmeldungen entweder die „Lösung anzeigen“-Schaltfläche vorwegnehmen und lakonisch nur den Satz ausgeben „Bitte antworte, bevor du die Lösung ansiehst.“ Sowohl die Auswertung als auch die erreichte Punktevergabe müsste unsichtbar bleiben.

Kein Feedback vorsehen ist keine wirkliche Alternative, weil dann ein großer Teil des didaktischen Wertes der Übung verloren geht. Außerdem würden Auswertung und erreichte Punkteanzahl immer noch erscheinen und einen Teil der Lösung preisgeben.

Das hier aufgezeigte Problem wollte ich aber eigentlich gar nicht ansprechen. Es hat sich sozusagen als Nebenprodukt systematischer Variationen ergeben. Und es zeigt, dass Multiple-Choice-Fragen, gegenüber vielen anderen Aufgabentypen, eine etwas unterschiedliche innere Dynamik haben.

Teilweise richtige Antwort mit Feedback-Text

Das Konzept, das hinter dem „Überprüfen“ steht, wird deutlicher, wenn wir uns eine teilweise richtige (oder auch teilweise falsche) Antwort ansehen: Die nächste Variante, die ich daher untersuche lautet: Eine teilweise richtige Antwort.

Abb. 4-2: Der Überprüfungsmodus zeigt – wegen der vorgesehenen Rückmeldungen – wieder bereits die gesamte Lösung.

Abb. 4-3: Das Anzeigen der Lösung ist daher redundant.

Richtige Antwort mit Feedback-Text

Korrekterweise wird mit Überprüfen sowohl „Lösung anzeigen“ als auch „Wiederholen“ nicht mehr angezeigt. Die Aufgabe ist komplett richtig und daher korrekt erledigt.

Allerdings ist das visuell nicht so leicht erkennbar. Die beiden grauen unteren Felder sind nicht gewählt worden, aber ebenfalls korrekt.

Zusätzlich möchte ich noch auf eine weitere Eigenheit beim Feedback-Text hinweisen. Oliver Tacke hat bei allen Feedback-Varianten immer den Text damit eingeleitet, ob diese Wahl (oder Nicht-Wahl) richtig oder falsch war. Das ist aus zweierlei Gründen für mich interessant und auch überraschend:

  • Im Feedback-Text extra zu erwähnen, ob die Nicht-/Auswahl richtig oder falsch war, ist eigentlich redundant.
  • Ich habe aber – ganz unabhängig von Oliver, d.h. ohne seine H5P-Multiple-Choice-Auswertung gesehen zu haben – genau dieselbe Strategie für Feedback-Texte gewählt.

Das zeigt, dass bei uns beiden das Bedürfnis vorhanden war, richtig oder falsch leichter kenntlich zu machen. Warum? Meine Behauptung: Weil die Art und Weise der gewählten Farbkodierung – ausgenommen, wenn alle Optionen gewählt wurden – nicht unmittelbar visuell deutlich erfasst wird.

Eine nicht gewählte Option hat denselben Farbwert grau, unabhängig davon, ob sie nun richtig oder falsch ist.

Das war die Ausgangslage für meine eingangs zitierte Behauptung. Ich werde aber bei der Untersuchung von Multiple-Choice-Aufgaben ohne Feedbacktext noch zeigen, dass meine Ansicht etwas zu voreilig war.

Alle Antwortvorgaben bei vorgesehenen Feedback-Text gewählt

Vorher aber möchte ich noch den anderen Extremfall zeigen: Ich habe damit begonnen, dass keine der Antwortvorgaben gewählt wurden. Und möchte die Untersuchung Multiple-Choice-Aufgabe mit Feedback-Text abschließen, indem ich zeige, was passiert, wenn alle vorgegeben Antwortvorgaben gewählt werden. Das ist zwar ein Sonderfall, aber trotzdem keine bloß theoretische Annahme, weil diese Option für Multiple-Choice-Übungen durchaus sinnvoll ist.

Es wird – wie bei allen Lösungen mit Feedback-Text – die komplette Lösung angezeigt. Und wiederum ist Option „Lösung anzeigen“ gegenüber „Überprüfen“ redundant.

Zusammenfassung: Multiple-Choice mit Feedback-Text

Ich breche hier mit den Permutationen zu Multiple-Choice-Aufgaben mit Feedback-Text ab. Zusammenfassend zeigt sich:

Immer wenn Multiple-Choice-Fragen mit Feedback-Text ausgestattet sind, ist „Lösung anzeigen“ redundant.

Bevor ich jedoch eine alternative Darstellung von „Überprüfen“ und „Lösung anzeigen“ vorschlage, ist es instruktiv sich auch noch die andere Möglichkeit anzuschauen:

Multiple-Choice ohne Feedback-Text

Teilweise richtig ohne Feedback-Text

Die bisher gezeigte Sachlage, dreht sich, wenn kein Feedback-Text vorgesehen ist. Dann kann nämlich eine Trennung von „Überprüfen“ und „Lösung anzeigen“ im Sinne von „Trial and Error“ unter Umständen sinnvoll sein. Gegenüber Abb.: 7-2 „Überprüfen“ bringt Abb. 7-3 „Lösung anzeigen“ zusätzliche Informationen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn nur ein Punkt für die ganze Aufgabe vergeben wird und daher unklar ist, wieviele richtige Antworten insgesamt vorhanden sind.

Komplett richtig ohne Feedback-Text

Eine Ausnahme ist gegeben, wenn alles richtig beantwortet wurde. Das wird vom Programm korrekterweise als Sonderfall behandelt. Es wird der „Überprüfen“-Modus übersprungen, die richtige Lösung angezeigt, die maximale Punktezahl vergeben. Gleichzeitig wird keine (weitere) Wiederholung mehr zugelassen.

Aus der Abb.: 6 geht hervor, dass außerdem hervor, dass die Farbzuweisung korrekt ist. Würden auch die zwei grauen Felder eingefärbt werden, dann scheint es so, als ob zwei falsche Antworten gegeben worden sind. Ich muss daher eingestehen, dass meine eingangs aufgestellte Forderung – wenn überhaupt – dann nur für Multiple-Choice-Aufgaben mit Feedback-Text sinnvoll ist.

Zusammenfassung

  1. Multiple-Choice mit Feedback-Text: Die Trennung von „Überprüfen“ und „Lösung anzeigen“ ist redundant, da richtig/falsch sich durch die vorgesehenen Rückmeldungen erschließen lassen. Außerdem hat eine nicht gewählte Option denselben Farbwert grau, unabhängig davon, ob die Lernhandlung nun richtig oder falsch war.
  2. Multiple-Choice ohne Feedback-Text: Sowohl die Farbzuweisungen für richtige und falsche Antworten als auch die Trennung zwischen „Überprüfen“ und „Lösung anzeigen“ ist korrekt. Wenn also eine Änderung vorgenommen wird, dann sollte dies bloß Multiple-Choice mit Feedback-Text betreffen.

Daraus ergibt sich mein erster Vorschlag einer Änderung:

Bei Multiple-Choice mit Feedback-Text wird beim „Überprüfen“ nur der Text jener Optionen angezeigt, die ausgewählt wurden. Die anderen Feedback-Texte bleiben verborgen.

Mein zweiter Vorschlag betrifft die Visualisierung und betreffen das Erscheinungsbild nachdem „Lösung anzeigen“ geklickt wurde.

Die Lösungsanzeige soll richtige und falsche Lernhandlungen farblich visualisieren.

Ich sehe hier mindestens zwei Möglichkeiten:

  • Wird Feedback verwendet, könnte der Text der Rückmeldungen entsprechend rot oder grün eingefärbt werden.
  • In beiden Fällen (mit und ohne Feedback) könnte bei „Lösung anzeigen“ bei richtig ein grünes Häckchen ✅ und bei falsch ein rotes Kreuz ❌ gezeigt werden.

Im letzten Fall muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Symbole über eine bereits vorhandene Farbzuweisung gut sichtbar sind. Entweder wird der Balken verkürzt und das Symbol rechts neben dem Balken platziert oder hinter und um das Symbol herum, wird ein neutraler Hintergrund (z.B. weiß) gelegt.

Anmerkung

Das Coverbild stammt von Oliver Tacke auf Flickr.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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