3 Gründe persönliche Lernerfahrungen zu teilen

Im Beitrag reflektiere ich darüber, ob es sinnvoll ist, wenn ich meine persönlichen Lernerfahrungen mitteile. Mein Fazit: Ja es macht durchaus Sinn. Werden Lernprozesse privat gehalten, verlieren sie einen ihrer wichtigsten Antriebe: Den Austausch persönlicher Erfahrungen.

Seit ich in der Pension bin, habe ich mehr Zeit im Internet zu stöbern und mir neue Apps / Utilities / Plugins zu installieren und auszuprobieren. Außerdem nutze ich die Zeit mir systematisch Kenntnisse über Online-Kurse und Tutorials anzueignen (R-Statistik Programmierung und Auswertung, Webdesign mit HTML/CSS/JavaScript mit besonderem Schwerpunkt bei der JavaScript-Programmierung).

Bild zu Lernerfahrungen: Eine große Tafel mit einem riesigen Bleistift, der mit "Love to Learn" beschriftet ist
Coverfoto für diesen Beitrag von Tim Mossholder via Unsplash

Vielfältige Lernerfahrungen

In den letzten drei Jahren ist da nun bereits ein recht großes Reservoir an Lernerfahrungen entstanden. Ich habe mir schon öfters dabei gedacht, ob es vielleicht Sinn macht, diese Erfahrungen hier auf meinem Blog aufzuarbeiten und mit anderen zu teilen. Bisher habe ich das immer verneint, weil ich mir dachte, dass es nur Halbwissen darstellt, wahrscheinlich auch fehlerhaft ist und dann eher nur peinlich rüberkommt.

Seit kurzem habe ich aber meine Meinung dazu geändert. Es waren vor allem drei Gründe dafür ausschlaggebend:

Lernerfahrungen zusammenfassen

Meine Lernerfahrungen so zusammen zu fassen, dass sie allgemein auch für ein breiteres Publikum verständlich sind, ist mal auf jeden Fall für mich persönlich wertvoll. Solch eine Zusammenfassung trennt für mich Weizen von Spreu und fordert auch einen kritisch reflektierenden Rückblick über meine (Lern-)Aktivitäten. Das Zusammenschreiben festigt auch das (soeben oder weiter zurück liegende) Gelernte.

Lernerfahrungen weitergeben

Abgesehen von diesem eher egoistischen Motiv, können Erfahrungen von mäßig fortgeschrittenen Leuten durchaus auch für andere Neulinge wertvoll sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manchmal gerade diese Unerfahrenheit für andere Newbies didaktisch nützlich sein kann. Manche Dinge, die für Expert*innen trivial sind, können Neulingen immense Schwierigkeiten bereiten.

Vor allem aber glaube ich, dass ich als Lernender meine didaktische Expertise in diesen Reflexionen gut einbringen kann. Wenn ich selbst Lernender bin, kann ich die Nützlichkeit didaktischer Ansätze am eigenen Leib erfahren und quasi „von der anderen Seite“ darüber berichten.

Ich vertrete aus meiner anekdotischen Erfahrung die These – die ich allerdings nicht mit harten Daten untermauern kann –, dass mäßig Erfahrene viele technische Abläufe für komplette Neulinge besser als Expert*innen erklären können, weil sie fortgeschrittene Prozesse und Kenntnisse nicht voraus setzen oder in die Erläuterung einbeziehen (Terminal-Kommandos, Shortcuts, spezielle Plugins, …) und damit die Komplexität reduzieren.

Lernerfahrungen austauschen

Wie man in den Wald hineinruft so schallt es heraus. Ich meine damit, dass die Zusammenfassung meiner Erfahrungen vielleicht Leser*innen zu Feedback anregt, das wiederum hilfreich für mich ist. Solche Rückmeldungen könnten verschiedene Formen annehmen. Im trivialsten Fall kann Feedback mich auf Fehler in meinen Darstellungen hinweisen und dabei die von mir inkorporierten mentalen Modellen konterkarieren und umbauen. Das korrigiert mich dann nicht nur in dem konkreten Fall, sondern hilft mir auch später eine andere Perspektive einzunehmen und ähnliche Fehler zu vermeiden. Oder aber diese Kommentare ergänzen meine Erfahrungen und erweitern meinen Horizont indem sie z.B. auf ähnliche Situationen, Apps etc. hinweisen.

Mein Fazit: Werden Lernprozesse privat gehalten, verlieren sie einen ihrer wichtigsten Antriebe: Den Austausch persönlicher Erfahrungen.

Hund hält Schnauze in Buch und scheint zu lesen
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Meine Pläne

Ich möchte daher eine neue Rubrik über meine Lernerfahrungen an Hand bestimmter Themen einrichten. Konzentrieren möchte ich mich dabei vor allem auf zwei Themenkreise:

Kurse und Tutorials

Darunter fallen alle jene Weiterbildungsprogramme, die ich mir selbst verschrieben haben und dementsprechend als Lernender absolviert habe. Das betrifft vor allem Themen zu Webdesign bzw. Webtechnologien, Programmierung (hier vor allem R und JavaScript) und Data Science (Statistik) mit R.

Diese Artikel sollen über die in diesen Kursen verwendeten didaktischen Modelle reflektieren und ihre Nützlichkeit an Hand meiner persönlichen Erfahrung beurteilen. Das hat zwar den Nachteil, dass ich selbst bezüglich des zu vermittelnden inhaltlichen Repertoires nur Halbwissen habe und daher auch fachdidaktisch wenig aussagekräftiges schreiben kann. Andererseits kann Feedback eines Lernenden durchaus für inhaltliche Expert*innen, die solche Kurse entwickeln, hilfreich sein.

Webservices, Apps und Plugins

Hier möchte ich meine Erfahrungen mit bestimmten Webservices zum produktiven Arbeiten weitergeben. Dieser Bereich hat weniger mit meinem Spezialgebiet der Didaktik zu tun, sondern stützt sich auf meine Jahrzehnte langen Erfahrungen als macOS Nutzer. ich möchte hier einige Tipps weitergeben, wie ich Funktionen von Apps/Webservices etc. für einen produktiven Workflow nutze. Auch Unklarheiten, Kritik oder mögliche Feature-Requests sollen dabei angesprochen werden.

Inhaltlich schließt das sowohl Apps, Browsererweiterungen als auch Webservices mit ein. Manche Beiträge mögen da für einige Leser*innen trivial sein, aber ich habe selbst am eigenen Leib erfahren, wie ein ganz einfache Sache, die ich nicht gewusst habe, mir das Leben später selbst sehr erleichtert hat. Vielleicht kann ich mit diesen Artikeln diese Art von Hilfestellung (anderen Teilen) der Community wieder zurückgeben?

Ein eigenes Menü auf Gedankensplitter?

Ich muss mir noch überlegen, wie ich diese neuen Inhalte in meine Webseite integriere. Die Menüs sind ja schon recht voll. Wahrscheinlich muss ich da eine Umstrukturierung vornehmen bzw. Untermenüs einführen.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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