Open Access Zeitschrift: Freier Zugang heißt nicht kostenfrei

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Unterstützung für eine Open Access Zeitschrift zum Thema „Technologie & Lernen“ gesucht!

In den nächsten Tagen wird die letzte Nummer der Zeitschrift für E-Learning erscheinen. Seit über einem Jahr planen wir den Übergang zu einer Open Access Zeitschrift. Mit dem Ende der Verpflichtungen gegenüber dem Studienverlag sind wir nun frei für Open Access Alternativen.

Leider sind unsere Vorbereitungen auf Open Access der Zeitschrift für E-Learning (ZEL) im letzten Jahr nicht erfolgreich gewesen. Der Grund liegt darin, dass ein – scheinbar attraktives – Angebot eines Unternehmens letztlich im Detail doch nicht unsere Wünsche und Vorstellungen erfüllen konnte. Wir haben lange Zeit auf diese Option gesetzt, weil uns vor der Option gegraut hat, dass wir uns selbst nicht nur um die fachliche Qualität, sondern auch ständig um die notwendige Finanzierung kümmern müssen. Wir, das sind bzw. waren Andrea Back, Gabi Reinmann und ich. Ich schreibe „waren“, weil inzwischen der Kreis der Proponenten für eine neue Open Acces-Zeitschrift sich wesentlich erweitert hat – aber alles der Reihe nach…

Neue inhaltliche Kräfte

Als sich in der Community herumgesprochen hat, dass wir mit ZEL gegen Jahresende 2012 aufhören, hat es – relativ unabhängig von uns HerausgeberInnen – Überlegungen gegeben, wie eine wissenschaftliche Zeitschrift im Bereich E-Learning weitergeführt bzw. als Open Access Zeitschrift aufgesetzt werden kann. Nachdem die etwas unglücklich verlaufenen Verhandlungen mit der uns angebotenen Unternehmensoption (vorerst) abgebrochen worden sind, haben wir plötzlich gesehen, dass wir nicht alleine in unseren Bemühungen sind, sondern eine Reihe von qualifizierten MitstreiterInnen haben und ins Boot holen könnten. Es ist noch im Fluss bzw. in Diskussion wer nun alles als tragende Säule mit Verpflichtungen und Eigenleistungen in das neue Projekt einsteigen wird. Bei einem ersten Meeting am 26. November an der Universität Frankfurt wurde beschlossen, dass Olaf Zawacki-Richter und Martin Ebner zum engeren Proponentenkreis gehören. Es gibt aber auch noch eine ganze Reihe anderer KollegInnen und Organisationen, die im Gespräch sind und auch bereits ihr Interesse bekundet haben. Unter anderem sind dies:

Neues inhaltliches Konzept

Aus unseren Erfahrungen mit der Zeitschrift für E-Learning/ZEL) hat sich gezeigt, dass der Name „E-Learning“ häufig mit einer eingeschränkten Sichtweise zu dem von uns breiter intendierten Themenfeld „Technologie und Lernen“ verknüpft wird. So ist es uns z.B. passiert, dass GutachterInnen Artikel zur Einführung von Netbooks in Schulen abgelehnt haben, weil dies angeblich nichts mit E-Learning zu tun habe. Der Untertitel von ZEL „Lernkultur und Bildungstechnologie“ wurde leider häufig nicht wahrgenommen.

Im Vergleich zur bisherigen Zeitschrift für E-Learning (ZEL) wird die neue Zeitschrift daher thematisch breiter und v.a. interdisziplinär ausgerichtet sein Wir haben bereits auch einen Titel dafür kreiert: Interdisziplinäres Journal für Technologie und Lernen – abgekürzt: iTeL. Eine Domäne itel-journal.org haben wir bereits reserviert. Die Abkürzung gefällt mir persönlich wegen mehrerer Doppeldeutigkeiten sehr gut:

  • So steht das kleine „i“ nicht nur für „Interdisziplinär“, sondern erinnert auch an die Apple-Produktlinien iMac, iTunes, iPhone, iPad etc. (wo es für „Internet“  oder „interaktiv“ steht).
  • Die Buchstabenkombination „eL“ ist wiederum eine Reminiszenz an „elearning“.
  • Und „TeL“ steht auch für „Technology enhanced Learning“.

iTeL wird primär eine wissenschaftliche Zeitschrift sein, wendet sich also primär an eine akademische Leserschaft. Allerdings überlegen wir uns aber ein Konzept, das auch

  • aktuelle, relevante Praxisproblemstellungen als Forschungsgegenstand einschließt und
  • das hilfreich für die praktische Anwendung bzw. Umsetzung ist und dabei
  • nicht nur von WissenschaftlerInnen sondern auch von PraktikerInnen gerne gelesen wird.

iTeL ist wie die Vorgänger-Zeitschrift ZEL ein primär deutschsprachiges Journal sein.

Das Kreuz mit der Finanzierung

Natürlich ist eine Open Access-Zeitschrift keine, die ohne finanzielle Unterstützung zustande kommt (neben dem unbezahlten Engagement, das man zusätzlich braucht): Open ist nicht gleich umsonst, auch wenn diese Einsicht offenbar manchmal schwer fällt. Da in unseren Fächern Bezahlmodelle über Autoren aus unserer Sicht ausscheiden, muss also Geld von anderer Seite kommen und da zielt unsere Strategie darauf ab, die jährlichen Kosten auf möglichst viele Schultern von Organisationen (Unis, Institute, Vereine) zu verteilen, denen das Thema “Technologie und Lernen” ebenfalls am Herzen liegt.

(Aus Open ist nicht gleich umsonst, dem e-Denkarium von Gabi Reinmann)

Gabi Reinmann schreibt bereits in ihrem Blog-Beitrag Open ist nicht gleich umsonst, dass wir  – neben unserem inhaltlichen Engagement – für ein professionelles Lektorat und Software-Hosting auch Finanzmittel brauchen. Wir kalkulieren dafür jährlich einen Betrag von 30.000 EUR, der aufzubringen sein wird.

Die Idee, die wir dabei hatten, war als erste Anschubfinanzierung um eine Förderung des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) anzusuchen. Der österreichische Wissenschaftsfond hat experimentell eine Finanzierung für Neugründungen oder Umstellungen von Open Access Zeitschriften in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) ausgeschrieben.

Der Fonds zur Förderung der wissenschafltichen Forschung plant eine Anschubfinanzierung in Höhe von 500.000 Euro für maximal sieben hochqualifizierte Open Access Zeitschriften in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Diese sollen sich als sehr renommierte Zeitschriften etablieren und den heimischen Geisten- und Sozialwissenschaften eine internationale Sichtbarkeit verschaffen.

Ich war bei der entsprechenden Informationsveranstaltung am 3. Dezember in Wien, die der Präsident des Forschungsfond Christoph Kratky eingeleitet hat. Die Ausschreibungsbedingungen waren sehr enttäuschend:

  1. Die Förderung von 150 österreichische GSK-Zeitschriften wurde eingestellt. Da kann das neue Programm zur Umstellung auf Open Access, das etwa 6-8 Zeitschriften fördern soll, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Es wurde auf der Veranstaltung diese Förderungspolitik kritisiert. Der Präsident verwies auf das zuständige Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF) und verteidigte sich damit, dass er nur das ausführende Organ ist.
  2. Die Ausschreibung für eine dreijährige Anschubfinanzierung in Höhe von insgesamt 500.000,- Euro für sechs bis maximal acht hochqualitative Zeitschriften in den Geistes- und Sozialwissenschaften ist experimentell und wird nur dann durchgeführt, wenn es genügend substantielle Interessensbekundungen gibt.
  3. Um anspruchsberechtigt für eine Förderung darf nicht schon bereits vor 2014 mit Open Access-Maßnahmen begonnen worden sein. Wir müssten also bis Ende 2013 warten, ob wir dann (ab 2014) gefördert werden.
  4. Der Hauptpunkt aber ist: Es ist eine unerlässliche Bedingung, dass die Zeitschrift in Englisch sein muss. Begründet wurde dies mit „internationaler Sichtbarkeit“, die jedoch aus meiner Sicht – zumindest für GSK – nicht immer gut zu argumentieren. Was soll eine englisch-sprachige Zeitschrift zu Grillparzer oder Nestroy, zu österreichischem Recht, zur Lateinamerika-Forschung? Der zuständige Fachreferent hat auf meine Nachfrage von einem „Dogma“ des FWF gesprochen.
    Statt sich selbstbewusst der Wissenschafts-Kolonialisierung der deutschen Sprache entgegenzustellen, wird jegliche eigenständige Sprachpolitik bereits von vornherein aufgegeben. Gerade in den GSK-Fächer, wo die Sprache ein zentrales Instrument der Erkenntnis und Forschung darstellt, stellt diese Haltung ein Armutszeugnis, d.h. auf eine geistige Schwäche dar. Um beispielsweise die Feinheiten von Heideggers Philosophie intensiv studieren zu können, war (und ist es) notwendig Heidegger im Original lesen zu können, d.h. der deutschen Sprache mächtig zu sein. Viele Ausdrücke sind nur holprig und mit anderen Nebenbedeutungen zu übersetzen (Auf den vor unseren Augen stattfindenden Kniefall vor der Anglistizierung der Wissenschaftssprache möchte ich bei Gelegenheit nochmals genauer eingehen).

Wir wollen zwar auch englische Artikel von Native-Speaker zulassen und natürliche englische Zusammenfassungen veröffentlichen, aber eine rein englische Zeitschrift steht für uns nicht zur Debatte. Abgesehen davon, dass wir dann mit einer Reihe ähnlicher Projekte konkurrieren (was von unserer GSK-Schwerpunktsetzung aus meiner Sicht zwar grundsätzlich erfolgreich möglich wäre), würden wir auch einen Teil unser Sprachhoheit verlieren bzw. uns mühevoll und z.T. dilettantisch dem Sprachkolonialismus unterwerfen. Vor allem aber würden wir einen wichtigen Teil unserer Zielgruppe verlieren (PraktikerInnen und andere nicht primär wissenschaftlich ausgerichteten Personen).

Aus all diesen Gründen haben wir uns entschlossen uns nicht an dieser Ausschreibung zu beteiligen um nicht noch weitere Zeit für Kompromisse und mögliche Irrwege zu verlieren. Das stellt aber die Finanzierungsfrage jetzt (und nicht erst nach den 3 Jahren der Anschubfinanzierung) in den Mittelpunkt der Debatte. Unsere Idee ist es dabei die Belastung auf viele Schultern zu verteilen. Wir hoffen darauf, dass sich Organisationen wie Universitäten, (Hoch-)Schulen, Bibliotheken Verbände, Vereine als auch Einzelpersonen soweit interessiert sind, dass sie auch bereit sind einen (kleinen) finanziellen Beitrag für unser Projekt zu leisten.

Von dieser finanziellen Beteiligung wird es abhängen, ob unser Plan, dass die erste Nummer einer Open Access-Zeitschrift zum Thema „Technologie und Lernen“ im Frühjahr 2014 erscheinen kann, realisiert wird.

Kommentare (Plone-Weblog)

Finanzierungshilfe

defaultUser Kommentar von Simon Dückert am Feb 03, 2013 09:59 PM
Wir wären bereit bei der Finanzierung mitzuhelfen, da im Kern unserer Aktivitäten Wissensmanagement und Lernende Organisationen stehen und „Technologie und Lernen“ sehr gut dazu passt (erinnert mich auch an das Verkehrsschild von Steve Jobs mit „Technology & Liberal Arts“, vielleicht kann man das ins Logo einbauen?).Viele Grüße
Simon Dückert

Sciencestarter

defaultUserKommentar von Monika E. König am Feb 03, 2013 09:59 PM
Vielleicht könnte man die eine oder andere Ausgabe über Sciencestarter finanzieren?
http://www.sciencestarter.de/[…]/ueber-sciencestarter.htmlBeste Grüße aus Frankfurt
@mons7

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Ein Kommentar zu Open Access Zeitschrift: Freier Zugang heißt nicht kostenfrei

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