Cross Media Publishing: Interessierte für Pilotprojekt gesucht

Ich habe gestern meine erste Publikation mit bookdown, einem open source Programmpaket, das auf dem ebenfalls open source Statistikprogramm R und Rmarkdown aufbaut, publiziert. Mit einem einzigen Datensatz wurde ein Website erstellt, gleichzeitig aber auch ein PDF und eBooks in den Formaten ePUB und Mobi (Kindle-Format) generiert. 

Studieren und Forschen mit dem Internet ist nun frei in verschiedenen Formaten verfügbar. Es ist eine ältere Publikation von mir, die ich hier als Testfall verwendet habe. Dass ich gerade dieses Buch verwendet habe ist kein Zufall. Es ist eine praxisorientierte Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit vielen Aktions- und Prüftabellen.

Weil im Buch ganz besonders die (damaligen) Möglichkeiten des Internets behandelt werden, sind einige Teile des Buches naturgemäß inzwischen veraltet. Da ich derzeit an einem komplett neuen Buch über die Veränderung von Forschungsprozessen arbeite, gibt es mit dieser Test-Publikation zu meiner aktuellen Arbeit einen engen Zusammenhang. Die Verwendung von R, RMarkdown und bookdown ist selbst ein wichtiger Teil meines neuen Buchkonzepts. Insofern hat also nicht nur der Inhalt, sondern auch die Methode der Publikation einen engen Zusammenhang zu meiner aktuellen Forschungsarbeit. 

Gelungener Selbstversuch

Mein Exerpiment ist soweit in einer ersten Annäherung befriedigend ausgefallen. Ich habe – nach einer Einarbeitungszeit die nötig war, um das Programm kennen zu lernen – zwei volle Tage zu je 10 Stunden gebraucht, um den Text in der vorliegenden Fassung fertig zu stellen. Ich habe dabei vor allem auf die Formatierung in der Online geschaut; die genaue Durchsicht von eBook und PDF-Varianten, aber auch eine detaillierte inhaltliche Durchsicht steht noch aus.

Allerdings habe ich mich bereits seit Dezember vorigen Jahres mit R und einigen relevanten Programmpaketen zu Cross Media Publishing beschäftigt. Es ist nicht ganz klar, ob ich deshalb erfolgreich war, weil ich bereits mehrere Monate mich mit einschlägigen Programmpaketen beschäftigt habe. Zum Unterschied von blogdown, einem Programmpaket, das einen statischen Website generiert (siehe dazu mein in Englisch geschriebenes vierteiliges Tutorial), ist bookdown von der darunter liegenden Machinerie doch um einiges Schwierigkeitsstufen komplexer zu bedienen.

Aufruf zu Mitarbeit an einem Pilotprojekt

Screenshot von meinem neuen englischen Blog: https://notes.peter-baumgartner.net/.

Mein neues englisches Blog: https://notes.peter-baumgartner.net/. Hier ein Screenshot der Tutorial-Seite

Inwieweit die neuen Werkzeuge fpr Cross Media Publishing auch für nicht Technik-Freak angewendet werden können, das ist genau die aktuelle Frage, die mich interessiert.  Sind diese Werkzeuge wirklich in der Lage den Forschungsprozess (in diesem Fall den Publikationsprozess) für breite Anwender/innen-Gruppen zu ändern oder bleiben diese neuene Möglichkeiten doch eher einer technisch hoch-versierten Minderheit von Anwender/innen vorbehalten?

Natürlich fehlt es nach wie vor an geeigneten Tutorials für Cross Media Publishing, die einfach sind und klar zeigen, wie dieses neuen Werkzeuge eingesetzt werden können. Am Department verwenden wir derzeit das Programm Booktype, das auf Open Source Software beruht, die wir jedoch über ein besonders günstiges Hosting Angebot  des Betreibers nutzen. (Für Interessierte: Registrierung und Anmeldung ist frei, offen und kostenlos!) Es gibt allerdings nach wie vor immer wieder technische Probleme. Wir sind daher froh, dass wir diese Lösung nicht selbst hosten müssen und dass wir Support von der Firma bekommen. Diese erste Erfahrungen zeigen, dass Cross Media Publishing nicht einfach, kein Selbstläufer ist.

Mit diesem Pilotprojekt möchte ich nun noch eine Stufe radikaler  vorgehen: Ist es möglich die gesame Machinerie als Open Source Software sich lokal auf den Rechner zu installieren, anzuwenden und über einen frei zugänglichen Server zu publizieren? Wenn ja: Was sind die größten Schwierigkeiten? Wie können diese Probleme gelöst werden? Wenn nein: Woran happert es? Was sind die Ursachen für das Scheitern?

Oder anders gefragt: Kann der doch recht komplexe Prozess, der auf mehrere Ebenen auf unterschiedliche Software-Paketen aufbaut (R, RStudio, RMarkdown, knitrpandoc, bookdown, LaTeX) so vereinfacht werden, dass er auch von nicht technisch versierten Menschen genutzt werden kann? Und nicht zu vergessen: Individuelle Adaptionen vorzunehmen ist dann noch mehrere Stufen komplexer, weil dann – zumindest rudimentäre – Kenntnisse von HTML, CSS und LaTeX notwendig sind.

Ich glaube fest daran, dass es möglich ist! Ich bin da ja selbst ein representatives Beispiel, da ich keine intensiven technischen Detailkenntnisse habe (bzw. hatte). Eine andere Erfahrung zeigte, dass ein von mir betreuter Studierender in den 6 Monaten der Masterthesis sich nicht nur in das Programmpaket R und der Arbeitsumgebung RStudio einarbeiten konnte, sondern die darauf aufbauenden Statistik-Programme nicht nur nutzen, sondern auch programmtechnisch adaptieren konte. Allerdings ist die Einschätzung, ob eine breite Anwendung von bookdown möglich ist, eine anderes gelagerte Frage und für mich derzeit nicht zu beantworten.

Bedingungen für eine Teilnahme an dem Pilotprojekt

Ich möchte daher diese für mein Bildungskonzept wichtige Frage in einem Pilotprojekt mit konkreten Erfahrungen beantworten können. Daher suche ich Personen, die bereit sind an diesem Projekt mitzuarbeiten.

Welche Voraussetzungen für eine Teilnahme gibt es?:

  1. Einen Buchtext (z.B. Masterthesis), zu dem alle Verfügungsrechte bestehen, unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung zu stellen. 
  2. Englischkenntnisse sind notwendig, weil ich nicht alle Unterlagen selbst erzeugen kann und daher auf englische Internet-Ressourcen verweisen muss.
  3. Ein Motivationsschreiben, das einige biografische Daten zur Ausbildung enthält und beschreibt, warum an der Mitarbeit an diesem Pilotprojekt Interesse besteht.
  4. Bereitschaft einen Zeitaufwand von ungefähr 50 Stunden (verteilt auf 10-11 Wochen) einzusetzen.
  5. Geduld und Risikobereitschaft mitbringen: Es handelt sich um ein Pilotprojekt mit noch nicht klar erkennbaren Schwierigkeiten, die auftreten können. Pilotprojekte können auch scheitern, d.h. in diesem Fall, dass Ihr Projekt – aus welchen Gründen auch immer – nicht mit einer Cross-Publishing Publikation abgeschlossen wird. Sind sie bereit dieses Risiko einzugehen?
  6. Am Abschluss des Projekts für ein etwa einstündiges Skype-Interview Feedback zur Verfügung zu stehen. Dies gilt auch dann, wenn Sie – was hoffentlich nicht der Fall ist – aus dem Projekt frühzeitig aussteigen!
  7. Ich behalte mir vor, aus den eingelangten Bewerbungen eine Auswahl – ohne Bekanntgabe der Gründe – vorzunehmen. Ich werde darauf schauen, dass ich ein breites Spektrum der Arbeiten, sowohl thematisch, methodisch (empirisch, theoretisch) und formal (Grafiken, Tabellene etc.) bekomme. 

Dieses Projekt findet auf freiwlliger Basis und unter Ausschluss des Rechtsweges statt. Das Projekt nimmt weder Hilfestellung oder Ressourcen meiner Universität oder meines Departments in Anspruch. – Das ist keine Beschränkung, sondern entspricht ja genau der Idee, dass ich prüfen möchte, ob es möglich ist eine medienübergreifende Veröffentlichung (Cross Media Publishing oder Multi-Format Publishing) zu lernen, ohne dass zusätzliche personelle oder technische Infrastruktur in Anspruch genommen werden müssen!

Ich mache dieses Projekt in meiner „Freizeit“. Umgekehrt entstehen Ihnen daher auch keine finanziellen Kosten, sofern Sie eine Internet Flatrate und einen Computer-Zugang besitzen.

Zeit- und Arbeitsplan

  • Bewerbungfrist ist bis zum 1. Dezember 2017.
  • Sie bekommen bis zum 18. Dezember eine Rückmeldung von mir ob Sie dabei sind oder nicht.
  • Sie müssen dann eine kurze Erklärung unterschreiben, wo Sie sich mit den Projektbedingungen einverstanden erklären.
  • In der Zwischenzeit (spätestens bis zum 8. Jänner) sollten Sie ihren Buchtext als reinen Text exportiert haben. Wenn Sie auf technische Probleme dabei stoßen, können Sie bereits auf meine Unterstützung rechnen.
  • Das Projekt selbst beginnt am 8. Jänner 2018 und endet mit Ostern (30. März 2018).
© 2016 The R Foundation (CC-BY-SA 4.0)

© 2016 The R Foundation (CC-BY-SA 4.0)

Ich werde spätestens bis zum 8, Jänner über mein Weblog Details zur Installation von R, RStudio und blogdown bekannt geben. Das bedeutet, dass auch andere Personen, die nicht direkt in diesem Projekt von mir betreut werden, an diesem Pilotprojekt – sozusagen als Zaungäste – teilnehmen können!

Danach wird in einem 14 tägigen Rythmus aufkommende Fragen diskutiert und auftretende Probleme über Skype (mit Hilfe von Bildschirmübertragung) besprochen und wieder über mein Blog zusammengefasst. Ich erwarte, dass Sie pro Woche etwa 5 Stunden Zeit finden, um an Ihrem Projekt zu arbeiten. 

Weitere Details

Hier nochmals die genauen Anmeldebedingungen:

  1. Reichen Sie Ihre Unterlagen über die Kontaktseite meines Weblogs oder über meine private E-Mail (peter punkt baumgartner at icloud punkt com) ein.
  2. Stellen Sie dafür einen Link zur Verfügung, wo ich Ihre Arbeit einsehen kann, die Sie über dieses Projekt medienübergreifend publizieren wollen.
  3. Stellen Sie ebenfalls ein Motivationsschreiben zur Verfügung, wo Sie darlegen:
    1. Warum möchte ich an diesem Projekt mitmachen?
    2. Wie schätze ich meinen fachlichen Hintergrund für dieses Projekt ein?
    3. Mit welchem Betriebssystem arbeite ich?
    4. An welchen Tagen und Zeiten sind Sie (im Normalfall) für ein Skype-Meeting erreichbar?
    5. Was ist Ihre E-Mail Adresse? Wie kann ich Sie bei Rückfragen, die nicht gut über E-Mail oder über Weblog-Posts beantwortbar sind, erreichen? (Telefonnummer z.B.)

Lernziele (Learning Outcomes)

Nach einem erfolgreichen Abschluss des Projekts 

  • sind Sie in der Lage verschiedene open source Werkzeuge wie R, RStudio, pandoc sowie LaTeX auf Ihren Rechner zu installieren und up-to-date zu halten
  • sind Sie in der Lage mit Hilfe von RStudio auf der Grundlage von R, RMarkdown, pandoc und bookdown Publikationen medienübergreifend (als menügeführte Website, als PDF, als eBook in ePub und Kindleformat) zu veröffentlichen
  • sind Sie in der Lage bei auftretenden Schwierigkeiten sich mit konkreten Fragestellungen über Websites wie StackOverflow an die internationale Entwickler/innen-Gemeinschaft zu wenden 
  • sind Sie in der Lage ein eigenes Datenrepositorium auf GitHub zu eröffnen und zu warten

Soweit mal der ersten Entwurf für den Aufruf. Wenn es notwendig ist, werde ich über Fragen informieren bzw. über weitere (Ablauf-)Details berichten.

PS.: Was ich noch ganz vergessen habe: Ich denke an eine kleine Gruppe von 10 bis maximal 12 Leute. Natürlich kann jede/r online die Unterlagen einsehen und selbst umzusetzen versuchen. Eine intensive individuelle Betreuung ist mir aber nur mit einer kleinen Gruppe von Leuten möglich.

 

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3 Kommentare zu Cross Media Publishing: Interessierte für Pilotprojekt gesucht

  1. Lieber Peter,
    ich bewundere dich, dass du deine Freizeit und so viel Arbeitszeit in dieses Projekt investierst! Es ist alles ganz ausgezeichnet erklärt, und die Frage, ob man – abgesehen von der Arbeitszeit – für Publizieren in unterschiedlichen Formaten kein Geld investieren muss, ist natürlich spannend. Ebenfalls die Idee, dass „Zaungäste“ via Blog teilnehmen können.
    Mit scheint alles auch von den Terminen her sehr gut vorbereitet zu sein und ich drücke die Daumen, dass du mit einer interessanten TeilnehmerInnengruppe arbeiten wirst.
    Liebe Grüße
    Andrea

  2. Eine spannende Idee mit einem Pilotprojekt zu testen, ob auch technisch nicht so versierte Personen in relativ kurzer Zeit selbst medienübergreifend publizieren lernen können!

  3. Wolfgang Rauter sagt:

    Ein sehr interessantes, aber auch ambitioniertes Projekt.
    Das wirklich Revolutionäre am Internet war für mich immer der partizipative Ansatz: mit relativ geringem Aufwand kann jedeR in der Community mitmachen. Und auch wenn hier der Aufwand groß scheint, so ist die Alternative ungleich aufwendiger und erfordert Kompetenzen beim Layoutieren, Design, Typographie und Satz, ganz zu schweigen von Vertriebswegen und Feinheiten wie PDF- oder eBook-Export.
    Hier mitzumachen zahlt sich also aus, wenn man ohnehin schon immer mal ein Buchprojekt online veröffentlichen wollte.

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