Werkstatt der Schreiberlinge

Ein Erfahrungsbericht über die beste Konferenz, die ich je besucht habe

Vom 7.-11. Juli habe ich gemeinsam mit Reinhard Bauer an der EuroPLoP 2010 (European Conference on Pattern Languages of Programs) teilgenommen. Es war die 15. Europäische Konferenz, die – ganz im Gegensatz zu anderen Tagungen – nicht in einer jeweils anderen großen Stadt mit angeschlossenen Seminarhotel stattfand, sondern jedes Jahr in dem kleinen abgeschotteten und herrlichen Barockanlage des Kloster Irsee abgehalten wurde.

Es war für mich die interessanteste, interaktivste und inhaltreichste Konferenz, die ich bisher erlebt habe. Und ich habe immerhin schon über 30 Jahre Konferenzerfahrung!

Was folgt ist ein subjektiver Bericht meiner persönlichen Eindrücke. Ganz bewusst gehe ich auf die Theorie, die hinter dem speziellen Konferenzdesign steht, nicht ein. Das liegt nicht nur daran, dass ich die betreffende Literatur noch nicht gelesen habe, sondern dass ich möglichst frisch und authentisch von meinen Erlebnissen berichten möchte.

Vorbereitung der Konferenz

Schon die Einreichung und der damit zusammenhängende Review-Prozess war außergewöhnlich: Statt eine (begründete) Annahme bzw. Ablehnung des eigenen Beitrags zu bekommen wurde uns ein „shepherd“ (Schafhirte) zugewiesen, der uns „sheep“ (Schafe) – also Reinhard Bauer und mir – half, über einen Zeitraum von 3 Monaten, unseren Beitrag zu verbessern!

Das hat mich als Neuling bei einer Pattern-Konferenz noch nicht sonderlich erstaunt: Wir wussten über unseren „Shephard“ Christian Kohls, den wir schon von früher kannten und der uns überhaupt erst auf diese Tagung hingewiesen hatte, dass die Pattern-Konferenzen etwas anders gestrickt sind. Da wir noch nie auf einer solchen Tagung waren, hatten wir auch noch nicht im Schreiben von Mustern einschlägige Erfahrungen gesammelt und fanden es daher natürlich, dass wir eine Hilfe beigestellt bekamen. Erst später erfuhr ich, dass Shepherding eine ganz normale Prozedur darstellt. Alle TeilnehmerInnen durchlaufen es; es gibt sogar eine eigene Mustersprache „The Language of Shepherding: A Pattern Language for Shepherds and Sheep“ (PDF, 157kB) dafür.

Im muss hier ehrlich gestehen, dass ich aus zeitlichen Gründen das Shepherding nur am Rande mitbekommen habe und die E-Mail Diskussion Reinhard überlassen habe. Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt mehr oder minder das Frameset „Just another conference“, auch wenn es hier kleine Besonderheiten gab. Meine Ignoranz schlug sich unter anderem auch darin nieder, dass ich die Beiträge der Mitglieder unserer Gruppe, zu der wir zugeteilt wurden, vor der Konferenz nicht eingehend gelesen bzw. studiert hatte und auch sonst keine Zeit fand mich mit den näheren Umständen der Konferenz anzufreunden. Alles in allem fuhr ich nach Irsee im üblichen „Konferenzmood“, wenn ich auch ein wenig irritiert war, dass es keinen fixen Termin für unseren Vortrag bzw. unsere Präsentation gab. Auch der Hinweis von Christian, dass es auf den Pattern-Konferenzen auch Gruppenspiele gäbe, ließ mich nicht in Erwartungsfreude jubeln, sondern verstärkte die ohnehin bei mir schon vorhandene Skepsis.

Start der Konferenz

Etwas widerwillig ließ ich mich auf das ganze Procedere ein. 4-Tage Konferenz, soviel Zeit hatte ich mir schon lange nicht für eine Tagung reserviert! Prophylaktisch nahm ich mir daher nicht nur den Laptop sondern auch Unterlagen zum Arbeiten mit, damit ich die vielen Leerläufe, die bei den üblichen Konferenzen üblich sind, produktiv überwinden kann. (Wie sich später herausstellte, waren dies leere Kilometer. Es gab nicht eine einzige Minute der Langeweile. Im Gegenteil: Mir wurde die Zeit zu knapp…)

Meine erste Überraschung war, dass es weder auf dem Parkplatz noch bei der Registrierung das übliche Gedränge von Großkonferenzen gab. Erst bei der Ankunft erfuhr ich, dass bloß 47 Personen erwartet werden. Wiederum später wurde mir erklärt, dass diese relativ geringe Anzahl von TeilnehmerInnen zum Konzept der Tagung gehört, dass das Kloster gar nicht für viel mehr als etwa 80 Personen Platz hat.

Statt Namebadges und Konferenzmappen gab es Leibchen in medium und large zur Auswahl mit der für mich unverständlichen Aufschrift: One two three – Group Sneeze. Auf der Rückseite hatte die T-Shirts variierende, aber ebenso unverständliche, Begriffe aufgedruckt: hashi, hoshi oder hishi. Was es mit dieser Beschriftung auf sich hat, wurde mir erst später klar.

Die nächste Überraschung kam beim Einführungsworkshop für Newcomer. Etwa 20 Leute fanden sich in einem riesigen Saal ein; wir waren also nicht die Einzigen, die zum ersten Mal an einem Patter-Workshop teilnahmen. (Später stellte sich heraus, dass 3 TeilnehmerInnen ohne Unterbrechung an allen bisherigen 14 Konferenzen teilgenommen hatten.) Etwas irritierend für mich war, dass der große Raum völlig leer war. Es gab weder eine Leinwand, Beamer, noch Tische und Stühle, beziehungsweise waren alle Stühle am Wandrand aufeinander gestapelt. – Und so blieb es auch während der gesamten Konferenz!

In der Einführung erfuhren wir, dass es bei der EuroPLoP vor allem um „networking, not delivering a paper“ geht. „Patten writers are here to get feedback from their peers“. Dazu gibt es verschiedene Formate, neben der Focus Group und der Open Space Group ist das Hauptelement der

Writers’ Workshop

Ich gehe jetzt ab von der chronologischen Darstellung und beschreibe das für mich wesentliche Element, den Writers’s Workshop. Es gibt dafür eine ausführliche schriftliche Unterlage: Einerseits das leider vergriffene Buch: Gabriel, Richard P. 2002. Writers‘ Workshops & the Work of Making Things: Patterns, Poetry… Addison Wesley; andererseits direkt von Gabriels Website dreamsongs.com das Buch als PDF (PDF, 2,3 MB).

  1. Eine Gruppe von AutorInnen kommt zusammen, um sich gegenseitig zu ihren Artikeln Feedback zu geben.
    In meinem Fall waren es 8 Personen und 5 Beiträge, wobei ein Paper auf der Konferenz in Rahmen eines verlängerten Shepherdings noch weiter bearbeitet wurde. Jeder Beitrag wurde 80 Minuten diskutiert. Wir waren als Pädagogen auf dieser Konferenz der ProgrammierInnen „Außenseiter“ und wurden gemeinsam mit einem anderen pädagogischen Artikel der Human Computer Interface (HCI)-Gruppe zugeschlagen.
  2. Es ist wesentlich, dass sich alle GruppenteilnehmerInnen bereits alle Papier sorgfältig durchgelesen haben und sich auch durch Anmerkungen, Notizen bereits gut vorbereitet haben.
    Hier hatte ich Stress pur: Statt mit den anderen bis spät in die Nacht zu diskutieren, musste ich in einer Aufholjagd die noch nicht gelesenen Papiere durcharbeiten. Ein „Schwindeln“, d.h. Nicht-Gelesen-haben war schwer möglich und hätte zu peinlichen Situationen geführt (siehe später).
  3. Es wird ein Moderator bzw. Moderatorin bestimmt, bzw. es meldet sich wer für diese Funktion.
    Die Aufgabe der Moderation ist es neben der zeitlichen Kontrolle vor allem darauf zu schauen, dass die nachfolgenden Regeln für den Writers’ Workshop eingehalten werden. Selbst als unerfahrener Teilnehmer konnte man/frau sich für die Moderation melden und wurde durch erfahrene Workshopteilnehmer/-innen unterstützt. Außerdem gab es ein Cheat Sheet (Schummelzettel) zur Vorgangsweise (PDF, 69kB)
  4. Der Autor bzw. die Autorin liest nun einige Sätze vor. Aber wirklich nur einige (3-4) Sätze!
    Die Bedeutung dieser Regel war mir nicht ganz klar. Auf Rückfrage erhielt ich die Antwort, dass damit die Verknüpfung des Textes mit den Menschen, die ihn geschrieben haben, intendiert ist.
  5. AutorInnen können nun auf eine besondere Stelle im Text verweisen, die er/sie ganz besonders diskutiert haben möchte/n.
  6. Danach drehen sich die AutorInnen von den anderen TeilnehmerInnen weg. Sie dürfen nun nur mehr zuhören, was über ihren Text diskutiert wird und sich dazu Notizen machen.
    „They become a fly on the wall“ oder wie in unserem Fall, da wir unseren Kreis im Schatten unter einem Baumes aufbauten, „a butterfly on the tree“.  Das ist vielleicht der größte und radikale Bruch mit traditionellen Konferenzen: Es gibt keinen PowerPoint-Auftritt oder irgend eine andere Präsentation. Die Präsentation des Artikels ist der Artikel selbst. Es ist wichtig, dass es keinen Blickkontakt zwischen AutorInnen und anderen Gruppenmitgliedern gibt. Während der nun folgenden Diskussion werden nicht die AutorInnen adressiert, sondern die anderen TeilnehmerInnen bzw. der oder die Moderator/in.
  7. In einer ersten Runde wird nun der Artikel zusammengefasst. Es ist hier keine Kritik erlaubt, sondern es soll bloß dargestellt werden, wie der Artikel in seinem wesentlichen Gehalt von den TeilnehmerInnen wahrgenommen wurde.
  8. Anschließend wird nur über die positiven formalen Features des Papers gesprochen.
  9. Erst wenn die Diskussion über die formalen Vorzüge des Artikels keine neuen Aspekte mehr bringt, wird eine Runde zu den formalen Verbesserungsvorschläge gestartet. Wichtig: Bloße Kritik ist nicht erlaubt! Gefordert sind Verbesserungsvorschläge, d.h. Kritik immer nur in Verbindung, mit welchen konkreten Mitteln, d.h. wie der Beitrag verbessert werden könnte.
  10. Es schließt sich eine Runde des inhaltlichen Lobs zum Artikel an. Was gefällt am Beitrag inhaltlich?
  11. Die letzte – und oft ausführlichste Runde – sind inhaltliche Verbesserungsvorschläge zum Beitrag.
  12. Zum Abschluss dreht sich der Autor, die Autorin wieder dem Kreis zu. Die Diskussionsteilnehmer stehen auf und bedanken sich bei den AutorInnen mit einem langen Applaus.
    Es ist mir nicht ganz klar geworden wofür der Applaus wirklich steht. Ist der Applaus für das inhaltliche Geschenk, das mit dem Artikel den TeilnehmerInnen bereitet wurde? Sozusagen der inhaltliche Teil, die Gelegenheit zum persönlichen Lernen an Hand des inhaltlich Beitrags eines Alter Egos. Oder ist es das Vertrauen, dass der Beitrag für eine kritischen Diskussion zur Verfügung gestellt wurde und damit eine Gelegenheit zum gegenseitigen Lernen eröffnet wurde? Auf jeden Fall ist der Applaus Ausdruck einer wechselseitigen Geschenk-Kultur (Gift Culture): Du gibst mir einen Artikel, ich gebe Dir dafür Feedback!
  13. Bevor die Gruppe auseinander geht, übergeben die DiskussionsteilnehmerInnen den AutorInnen noch ihre persönlichen Anmerkungen.
    Damit werden z.B. Tippfehler angezeigt und andere – in der Diskussion nicht genannte – Punkte und Notizen den AutorInnen für die Verbesserung ihres Beitrags mit gegeben.

Argumente zu wiederholen war nicht erlaubt. Wenn jemand derselben Meinung war, dann drückte er/sie das durch den Ruf „Gosh!“ aus. Es war legitim „Gosh to everything“ zu sagen und das Wort weiter zu geben.

Neben dem Writer’s Workshop gab es noch andere Formate, die ich aber einerseits wegen meines Nachholbedarfs beim Lesen der Beiträge und andererseits wegen der Überlastung durch die vielen neuen Eindrücke teilweise schwänzte.

Hierarchiefreier Raum und Klima der Wertschätzung

Diese trockene Auflistung der Prozedur kann nicht die Gefühle vermitteln, die mit diesem für mich neuem Konferenzformat verbunden sind. Es ist durch diese Vorgangsweise ein Klima der gegenseitigen Wertschätzung entstanden. Nicht nur weil alle TeilnehmerInnen (TN) abwechselnd AutorInnen und Diskutierende waren, gab es keine Hierarchie der Personen oder Beiträge. In allen Gruppensitzungen ging es sehr informell und kameradschaftlich zu. Auf die „Neuen“ wurde immer wieder Rücksicht genommen und es gab viele Sessions, die nur dazu dienten, die Erfahrung aus früheren Pattern-Workshops den neuen TeilnehmerInnen mitzuteilen. Auch das geschah nicht durch Vorträge, sondern durch Vorspielen, durch Aufgabenstellungen und Kleingruppenarbeit etc.

Es gab auch zu den täglichen gemeinsamen Abschlussrunden keine Kurzreferate, was denn in den einzelnen Gruppen passiert war. Statt dessen wurden drei Kreise gebildet: der innerste Kreis wurde durch am Boden sitzende TN gebildet, dahinter gab es einen Kreis mit aufgestellten Stühlen und der äußerste Kreis wurde durch stehende TN gebildet. Ein symbolisiertes Mikrofon (eine mit Luft aufgeblasene Attrappe) wurde herumgereicht. Nur wer dieses „Mikrofon“ in der Hand hatte durfte sprechen. Nach einigen Wortmeldungen wurde auf ein Signal die Position gewechselt: Die am Boden Sitzenden standen auf, die Stehenden setzten sich auf die Stühle, die Personen auf den Stühlen setzten sich in den innersten Kreis auf dem Boden.

Es wurde immer nur kurz erwähnt und nicht inhaltlich zusammengefasst bzw. referiert was in den parallelen Workshop-Gruppen geschehen war. Die Idee: Zu wissen wer welches Thema behandelt um bei Interesse mit der entsprechenden Person direkt Kontakt aufnehmen zu können.

Wenn jemand während der Konferenz eine Ankündigung zu machen hatte, konnte er/sie durch folgende Prozedur (Mikrofon gab es ja keines!) Aufmerksamkeit verschaffen. Er oder sie zählte „One, two, three“. Worauf alle Personen, die in der Nähe standen und dies hörten, den Text, der auf ihrem T-Shirt stand riefen. In meinem Fall also „Hashi!“. Dieser „Gruppennieser“ von einigen Personen führte augenblicklich dazu, dass sich die Aufmerksamkeit aller auf die Lärmverursacher richtete und damit die notwendige Stille für eine Ankündigung eintrat.

In der gesamten Konferenz ging es nie darum, sich selbst oder seinen Artikel in Relation zu den anderen TN zu positionieren. Nach der Konferenz kann bis zur Online-Veröffentlichung für weitere 6 Monate an den Beiträgen gearbeitet werden. Weil es nicht um Konkurrenz und Positionierung sondern um gegenseitige Hilfe geht, gab es konsequenterweisedaher auch keinen Best Paper Award, sondern geehrt wurde:

  • das längste und das kürzeste Paper
  • das Paper mit dem längsten und das mit dem kürzesten Titel
  • das Paper, dessen Autor die längste Anreise hatte (Neuseeland)
  • etc.

Interessant war es auch für mich zu erleben, dass

  1. für mich die Diskussion von Artikeln, die nicht mein unmittelbares Fachgebiet betrafen, äußerst spannend war und ich sogar selbst Verbesserungsvorschläge in der Diskussion beisteuern konnte und dass
  2. selbst bei Artikel, die ich als überwiegend kritisch bzw. sogar abwertend als „schlecht“ empfunden habe, eine ganz Menge wertvolle, ja anregende Ideen versteckt waren, die in der Diskussion offen gelegt wurden.

Spiele

Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich mit Spiele in Seminaren bisher meist keine gute Erfahrung gemacht habe. Es waren oft gezwungene Momente, die an der Grenze der Peinlichkeit sich abspielten und statt Entspannung eher zur Verkrampfung beigetragen haben. Unter KollegInnen bezeichnen wir die Hardcore VertreterInnen dieser Schule, die solche Seminare organsierten, abwertend als „Hand-Auflege-PädagogInnen“.

Die Spiele auf der EuroPloP waren jedoch ganz anderer Natur. Ich kann nicht erklären, was anders war. Sicherlich war ein Teil des Erfolgs dem professionellen Künstler (George Alexander Platts), der sie organisierte, verschuldet. Die Spiele fügten sich perfekt in das Konferenzdesign und unterstützten die kreative Stimmung. Sie sorgten dafür, dass die Gruppe ständig in Bewegung war und sich ganz natürlich viele Gelegenheiten zum Netzwerken bzw. gegenseitigen Kennenlernen ergaben. George hatte hier nicht nur unheimlich gute Ideen, sondern auch eine sehr gutes soziales Gespür für Grenzüberschreitungen oder andere auftauchende Probleme. Um ein Flair von der Art der Spiele zu geben, ein Beispiel:

Der Raum wurde als Landkarte der Welt vorgestellt, mit den Himmelsrichtungen Norden, Süden, Osten und Westen. An der einen Längsseite in der Mitte war z.b. der Nordpol, an der anderen der Südpol. Alle TeilnehmerInnen sollten nun den Ort ihrer Geburt, danach den ihres derzeitigen Lebensmittelpunkts, ihres Traumurlaubs etc. aufsuchen. Die „richtige“ Positionierung konnte nur vorgenommen werden indem Personen in der räumlichen Nähe gefragt wurden, wo denn sie auf dieser imaginären Landkarte stünden: „Wo arbeitest Du? In München? Ok, dann muss ich mich mit Krems weiter nach links unten stellen!“. Ganz abgesehen davon, dass es in Mitteleuropa ein Gedränge gab erfuhren wir ganz nebenbei wer in welchen Weltteil arbeitet, geboren ist etc. Interessanterweise fanden sich zum „Traumurlaub“ die meisten TeilnehmerInnen in Neuseeland ein <grin>.

Rahmenbedingungen

Wenn man mehr als 30 Jahre Konferenzerfahrung hat und selbst für verschiedene Tagungsformate verantwortlich ist, sich dazu auch noch als pädagogisch-didaktisch versierte Fachperson versteht, dann ist solch ein Erfahrung, wie es die EuroPLoP 2010 für mich war, wie ein mittleres Erdbeben. Sie erschüttert das eigene professionelle Selbstverständnis. Wie oft haben wir im GMW-Vorstand versucht die GMW-Jahrestagung stärker interaktiv und interessanter zu gestalten? Und wie wenig ist uns dies tatsächlich gelungen!

Zusammenfassend gibt es wohl als Kontext einige Bedingungen ohne die eine solche Konferenz wie die EuroPLoP nicht durchgeführt werden kann. Rahmenbedingungen, die bei anderen Konferenzen nicht gegeben sind und warum daher Veranstaltungen wie die GMW-Jahrestagung nicht einfach auf das EuroPLoP Format „transferiert“ werden können:

  1. Kleine Veranstaltung mit relativ wenigen TeilnehmerInnen.
  2. Ein Veranstaltungsort, der fernab von Ablenkungen (Großstädten) liegt und wo eine relativ geschlossene Klausur stattfinden kann. (Im Kloster Irsee gab es nicht einmal TV im Zimmer, dafür aber viel Wiesen und einen See in der Nähe.)
  3. Rundumversorgung mit Essen und Getränke. In Irsee war mit den 900 Euro sowohl die 4 Übernächtigungen als auch Essen sowie alle (alkoholischen) Getränke (auch abends/nachts) inkludiert.
  4. Keine eingeladenen, eigens bezahlte VIP-Gäste. In Irsee wurde bloß die Animation von George bezahlt, alles andere war Arbeit von Freiwilligen, von TeilehmerInnen für TeilnehmerInnen.
  5. Im Konferenzdesign muss das Weitertragen der Tagungstradition ein wesentlicher Bestandteil sein, d.h. es müssen entsprechende Orte und Zeiten für die „Einweihung“ von Neulingen vorgesehen werden.
  6. Last not least müssen sich die TeilnehmerInnen (zumindest ein großer Teil von ihnen) der „Geschenk Kultur“ verschrieben haben und am gegenseitigen Austausch ehrlich interessiert sein.
Mustertheorie Mustertheorie

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