Was lässt sich aus Plagiatsfällen lernen?

Für die Graduierungsfeier der Lehrgänge eEducation und Educational Leadership für morgen, den 20.05.2011 habe ich eine Festrede zum Thema "Verantwortung in der Wissenschaft" vorbereitet. Ich greife dabei die letzten aktuellen Plagiatsfälle auf, bleibe mich aber nicht mit pauschalen Appellen wie "Wissenschaft beruht auf Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Vertrauen" (DFG) stehen, sondern versuche auch einige neue Sichtweisen zur Thematik zu generieren.

Für die Graduierungsfeier der Lehrgänge eEducation und Educational Leadership für morgen, den 20.05.2011 habe ich eine Festrede zum Thema „Verantwortung in der Wissenschaft“ vorbereitet. Ich greife dabei die letzten aktuellen Plagiatsfälle auf, bleibe mich aber nicht mit pauschalen Appellen wie „Wissenschaft beruht auf Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Vertrauen“ (DFG) stehen, sondern versuche auch einige neue Sichtweisen zur Thematik zu generieren.

Der beiliegende Foliensatz (PDF, 2,5 MB) führt meinen Webbeitrag Missbrauch und Qualitätssicherung in der Wissenschaft vom Februar dieses Jahres weiter. Zusätzlich zu den dort bereits geäußerten Positionen – von denen viele ja bereits durch den Rücktritt und das harsche Urteil der Universität Bayreuth (PDF, 6 MB) ja bereits Geschichte sind – gehe ich auf zwei neue Fragestellungen ein:

  1. Wie können Universitäten strukturelle Gegenmaßnahmen treffen?
  2. Wieso trifft es eine relativ hohe Anzahl von PolitikerInnen?

Bei der ersten Frage geht es um Qualitätssicherung als organisationalen Prozess. Argument des „Vertrauens“, und Appelle auf  Redlichkeit sind hier aus meiner Sicht verfehlt. Bei der zweiten Frage meine ich, dass nicht nur besonderes Augenmerk der im öffentlichen Rampenlicht stehenden PolitikerInnen dafür verantwortlich ist, dass sie zu einem relativ hohen Prozentsatz des Plagiarismus überführt werden, sondern auch ein anderer strategisch und sozialwissenschaftlich Grund existiert. Die Idee für diese These stützt sich dabei auf die Überlegungen von Pierre Bourdieu (PDF, 106kB), der von einem Kampf um Positionen im gesellschaftlichen Feld spricht, der sich nicht nur auf ökonomisches Kapitel, sondern auch auf soziales, kulturelles und symbolisches Kapitel bezieht. Für PolitikerInnen ist nun kulturelles, aber vor allem symbolisches Kapitel von ganz besonderer (relativer) Bedeutung, weil sie davon – im Verhältnis zu den anderen Kapitalsorten – meistens nicht so besonders gut ausgestattet sind. 

Der Foliensatz sagt leider alleine nicht viel aus, aber eine Idee über meine Denkweise lässt sich wahrscheinlich schon erahnen. Ich verwende das Thema „Verantwortung von Wissenschaft“ schon öfters an Graduierungsfeiern. Und zwar aus mehreren Gründen:

  1. Der Anlass – die Verleihung eines akademischen Titels – ist natürlich dafür besonders gut geeignet ist
  2. Weiters besteht bei diesem allgemeineren Thema nicht die Gefahr, dass AbsolventInnen eines bestimmten Lehrgangs inhaltlich bevorzugt werden.
  3. Außerdem ist das allgemeine Thema gut geeignet die Rolle der Universitäten in der Gesellschaft zu beleuchten, was besonders für die an der Veranstaltung teilnehmenden Verwandten und Freunde zum (positiven) Nachdenken bringen kann und die leider immer noch vorhandenen Ressentiments gegenüber AkademikerInnen in der allgemeinen Bevölkerung vielleicht ein wenig entgegenwirken hilft.
  4. Letztlich ist es aber auch eine gute Gelegenheit sich über gesellschaftspolitische Fragen Gedanken zu machen, die sonst nicht in die Routine des wissenschaftlichen Alltags kaum einen Platz finden.

Vor allem der letzte Punkt ist für mich sehr wichtig: Mit meinen Leitungstätigkeiten als Departmentleiter und Dekan komme ich weniger dazu langfristig inhaltlich zu arbeiten. Da brauch ich für solche Festanlässe ein Thema das mich auch interessiert und berührt und nicht meilenweit von meiner sonstigen Tätigkeit entfernt ist.

 
 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Captcha loading...