L3T-ExpertInnen zur Zukunft von Bildungsmedien

Vom 31.5.-2.6.2012 hatte ich das (seltene) Glück eine extrem inspirierenden und innovative „Tagung“ erleben zu dürfen: Eine Gruppe von ExpertInnen diskutierte auf Einladung von L3T in Bad Reichenhall die Zukunft von Lern- und Lehrmaterialien. Ich habe „Tagung“ unter Anführungszeichen gesetzt, weil es eben gerade keine traditionelle Konferenz, sondern eher eine Art von „Zukunftswerkstatt“ war, die das Event aus meiner Sicht so spannend gemacht hat. Ich brauche noch Zeit, um die für mich vielen neuen inhaltlichen Anregungen zu verarbeiten und (hoffentlich später) darüber auch schreiben zu können. Der nachfolgende Beitrag konzentriert sich daher auf das innovative didaktische Design der Veranstaltung.

Zukunftswerkstatt und der Ansatz von L3T

Unter Zukunftswerkstatt wird im allgemeinen die mit dem Zukunftsforscher Robert Jungk verbundene Methode der Phantasieanregung für alternative Zukünfte und deren Realisierung verstanden. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher ob sich die VeranstalterInnen selbst in dieser Tradition sehen, aber ich finde die im erwähnten Wikipedia-Artikel“Zukunftswerkstatt“ unterschiedenen Phasen einen (ersten) brauchbaren Raster für die Darstellung und Diskussion.

In der nachfolgenden Diskussion geht es mir aber nicht um einen beurteilenden Vergleich nach dem Motto „Welche Methode ist besser?“ oder um die Formulierung kritischer Aspekte bei der Veranstaltung, sondern ich möchte aus der (versuchten) Desig-Analyse dieser tollen Veranstaltung vor allem lernen. Was ist besonders gut gelaufen, was weniger gut und wie könnte man/frau es zukünftig (noch) besser machen? Außerdem hoffe ich bei dieser Reflexion auch jene Elemente zu finden, die für Veranstaltungen zur Ideenfindung und Zukunftsgestaltung sinnvoll sein könnten. (Wem dabei mein Buch „Taxonomie von Unterrichtsmethoden: Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt“ in den Sinn kommt, liegt nicht ganz falsch. Sorry, so bin ich mal gestrickt <wink>.)

WETTE 1: Staatliche Stellen (mindestens ein Bundesland D, eine ministerielle Entscheidung in A oder min. ein Kanton in CH) liberalisieren den Schulbuchmarkt und verzichten auf Kontrolle.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: entsprechende Pressemitteilung.

(0) Ungezwungene Gruppenstimmung bzw. Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens

Es stimmt zwar, dass wie im zitierten Wikipedia-Artikel erwähnt, besonders zu Beginn einer Veranstaltung  auf ein konstruktives Klimas der Zusammenarbeit und des freien Ideenaustausch geachtet werden muss, das lässt sich aber aus meiner Sicht nicht mit einer „Vorphase“ abtun bzw. beschreiben. Im Gegenteil: Das ist ein zentrales Element, das ständig in allen Phasen der Veranstaltung beachtet und daher immer wieder gefunden, erneuert bzw. neu aufgebaut werden muss. Zudem ist es ein Element, das nicht verordnet werden kann, also nach dem Motto „Jetzt haben wir hier mal alle Vertrauen zu einander!“, sondern das sich implizit und damit unausgesprochen immer wieder zeigen muss.

Aus meiner Sicht ist es gerade dieser Punkt gewesen, der entscheidend für den Erfolg der L3T-Veranstaltung in Bad Reichenhall ausschlaggebend war! Das ungezwungene Klima, das eine Diskussion, einen Meinungs- und Erfahrungsaustausch in einem weitgehend hierarchisch freien Raum ermöglicht hat, war für mich der entscheidende Pluspunkt der Veranstaltung, warum ich sie – trotz vielleicht kleinerer Mängel – äußerst positiv in Erinnerung behalten werde.

WETTE 2: Digitale Kompetenzen sind fester Bestandteil der Stellenausschreibung für Hochschullehrende.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: wird in min. 30% der Stellen-aussschreibungen einer Ausgabe der ZEIT bzw. des Wirtschaftsblattes erwähnt

Wenn mich jemand fragt, was denn inhaltlich bei der Veranstaltung herausgekommen sei, dann wüsste ich ehrlich gesagt nicht genau was ich darauf antworten könnte. Natürlich könnte ich mich mit Allgemeinplätzen retten, wie z.B.

  • Die Komplexität des Themas ist mir deutlich bewusst geworden,
  • Die unterschiedlichen Interessen vieler Stakeholder (AutorInnen, BildungsanbieterInnen bzw. Bildungsinstitutionen, Bildungsministerien, Eltern, GeräteherstellerInnen, Lehrende, Lernende, Verlage) wird keine geradlinige, einfache Trendabschätzung auf dem Schreibtisch ermöglichen. Wir alle sind Akteure und die Zukunft beginnt jetzt!
  • Für eine – aus meiner Sicht – positive Entwicklung, für die ich beispielsweise für frei verfügbare Bildungsmaterialien essentiell halte, sind viele Entwicklungen notwendig, die bei der Schaffung und Durchsetzung freier Standards beginnen und auch eine radikale Veränderung der Rollen der Stakeholder wie z.B. Lehrende, Verlage notwendig machen etc. etc.

WETTE 3: In einem Unternehmen mit mehr als 2000 MitarbeiterInnen in D-A-CH werden mindestens 10% der Lehrn- und Lermaterialien von Lernenden gestaltet.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: entsprechende Pressemitteilung

Aber irgendwie ist es das nicht, warum mir die Veranstaltung so besonders gut gefallen hat: Es war vielmehr das Gefühl mit seinen Wünschen, aber auch Sorgen und Ängsten zur Entwicklung der Bildungsmedien nicht alleine zu stehen und nicht nur viele neue Ideen sondern auch (neue) MitstreiterInnen, Weggefährten, Freunde gefunden zu haben.

Weil ein Klima eine ganzheitliche Situation darstellt, die implizit wirkt, ist es extrem schwierig hier „Bausteine“, die für diese angenehme Atmosphäre verantwortlich waren, aufzuzählen bzw. zu beschreiben. Trotzdem will es ansatzweise, beispielhaft und sicherlich daher rudimentär versuchen:

  • Die freundliche Registrierung und Aufnahme im Hotel Amber Residenz Bavaria, die durch die jüngsten Helferinnen (5- 7 Jahre?) durchgeführt wurde.
  • Der Erwartungsspiegel und damit die Einstimmung der TeilnehmerInnen wurde in Form eines kleinen aber lustigen Theaters TeilnehmerInnen präsentiert.

WETTE 4: Eine Fakultät einer Universität in D-A-CH stellt Lehr- und Lernmaterialien als OER zur Verfügung.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: entsprechende Pressemitteilung

    • Die 30 Sekundenvorstellung, die gnadenlos durch das Hornsignal unterbrochen wurde, was oft zu erheiternden Schlusssätzen geführt hat.
    • Wenn auch die Familie Schön (Sandra, Martin 2x) als Einladende durch für das didaktische Design die Hautperverantwortung hatten, sind viele TeilnehmerInnen in die Organisation und Durchführung des Events eingebunden gewesen.
    • Die sorgsame Nachfrage gleich zu Beginn von Sandra Schön, wie mit Tweets, Foto- und Filmaufnahmen umgegangen werden soll.
    • Die detailreiche, ja liebevolle Vorbereitung der didaktischen Hilfsmittel. (Ein kleines Beispiel, damit klar wird, was ich hier meine: Als wir die bewahrenswerten Dinge der letzten 50 Jahre jahrzehnteweise gesammelt und durch das Anheften von 5 großen Moderationskarten an den gezeichneten Koffer auf der zentralen Pinnwand für die Zukunfsreise „eingepackt“ haben, haben wir dies nicht mit bloß großen Kartons getan, sondern die großen Karten waren als Kleidungsstücke für den Koffer gezeichnet und ausgeschnitten.)

WETTE 5: HTML5 ist das Standformat für E-Books.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: faktisch keine Verwendung mehr vom ePub-Standard.

  • Die fürsorgliche aber freiwillige Rundum-Versorgung der Veranstaltung, angefangen beim  Qi Gong-Gymnastikangebot um 6:45, über die abendliche/nächtliche Stadtbesichtigung bis hin zur Überreichung des kleinen und für die VeranstalterInnen – wie wir gehört haben – schwierig zu organisierenden kleinen Salzprobe.
  • … (da wären sicherlich noch viele weiteren Punkte zu erwähnen!)

(1) Beschwerde/Kritik — Gegenwart und Zukunft

Hier hat die L3T-Veranstaltungsich vom traditionellen Zukunftswerkstatt wesentlich unterschieden. Es ging nicht – wie bei den meisten Zukunftswerkstätten um die Lösung eines konkreten Problems – sondern vielmehr um die Abschätzung der Zukunft, um die Formulierung verschiedener Szenarien und die Einschätzung, wie weit sind wünschenswert und/oder (in einem bestimmten Zeitraum) realistisch sind.,

WETTE 6: Mindestens fünf deutschsprachige Lehrbücher sind mit einem Verfallsdatum /notwendigem Aktualisierungsdatum versehen.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

Diese inhaltliche „Abholphase“ erfolgte daher in der L3T-Veranstaltung nicht durch eine Sammlung von Beschwerden oder Kritiken, sondern durch das bereits erwähnte Brainstorming zu den Bildungsmedien der vergangenen 5 Jahrzehnte. Bei dieser Sammlung war für mich inhaltlich besonders interessant (ich war der Kurator für das Jahrzehnt 1991-2000), dass zu Beginn viel Hard- und Software damit assoziiert wurde, dass aber beim „Einpacken“ für die Zukunft es aber vor allem die didaktische Konzepte waren, die übrig geblieben sind.

Nachträglich fällt mir ein, dass es schade ist, dass wir am Ende der Veranstaltung die aufgestellten Thesen nicht mehr mit diesen Elementen der (beginnenden) Zukunftsreise kontrastiert haben und über mögliche (fehlende) Zusammenhänge reflektiert haben. Aber das lässt sich natürlich leicht – wenn die Materialien für alle verfügbar sind – nachholen.

Die Ausarbeitung von Thesen für die unterschiedlichen Stakeholders von Arbeitsgruppen, die sich jeweils auf einen der Stakeholder konzentrieren, kann meiner Meinung nach ebenfalls zu dieser Phase gezählt werden. Das Vorgehen hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit der Worldcáfe-Methode, wenn auch das Rotieren der TeilnehmerInnen nicht systematisch erfolgte und es auch keinen vor festgelegten „Kurator“ gegeben hat, so hat es doch gut (selbstorganisiert) funktioniert. Das gemeinsame Bewerten aller Thesen durch alle TeilnehmerInnen indem Punkten vergeben wurden, hat anschließend als erstes Zwischenergebnis ein repräsentatives und interessantes Meinungsbild zu einigen Aspekten der erwarteten Zukunft der versammelten Gruppe von ExpertInnen ergeben. Ich bin schon gespannt wenn diese Ergebnisse veröffentlicht werden, weil ich mich im Details nicht mehr auf diese Thesen aus den unterschiedlichen Bereichen erinnern kann.

L3T - Gespräche mit KindernAuch die drei parallelen Sessions

  • Wir fragen die Zukunft: Gespräche mit Kindern zwischen 8 und 12 Jahren
  • Wir spielen uns die Zukunft: mit Methoden des Improvisationstheaters
  • Wir schauen uns die Zukunft an: Kurzvideos mit Ideen von Studierenden

rechne ich noch zu dieser inhaltlichen Abhol- bzw. Einstimmungsphase.

WETTE 7: In jedem DACH-Land gibt es jeweils an fünf Schulen Tablet-Klassen.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

(2) Phantasie/Utopie — Marktplatz der Visionen

Diese wichtige Phase einer traditionellen Zukunftswerkstatt wurde bei der L3T-Veranstaltung durch die Idee des Marktplatzes realisiert. Jede/r hatte die Möglichkeit ein Szenario mit der klassischen Formulierung von „Es wäre schön, wenn …“ bzw. „Was wäre, wenn“  auszurufen und mit einer kleinen Tafel für MitstreiterInnen zu werben.

Ich glaube, dass sich bei der konkreten Umsetzung in der Veranstaltung hier jedoch eine kleine Ungenauigkeit eingeschlichen hat, die später eine negative Auswirkung zeitigte: Es war keine Begrenzung dieser alternativen Zukünfte vorgesehen: Glücklicherweise haben sich nur 9 (was aber auch bereits zu viel war) solcher Szenarien ergeben. Von den vielen Markt-Tafeln, die Sandra noch übrig geblieben sind, wäre es offensichtlich auch möglich (oder gewünscht?) gewesen noch viele weitere solche Szenarien auszurufen. Das Problem bestand meiner Meinung nach darin, dass später für die Präsentation und Diskussion der einzelnen Szenarien zu wenig Zeit blieb und einige Szenarien wenig Zustimmung (2 Personen, also bloß eine/n zusätzlichen Mitsteiter/in gefunden haben) aber (gleich)viel zeitliche Ressourcen, wie die „populären“ Szenarien im (zeitlich eng begrenzten) Werkstattdesign verbraucht haben.

WETTE 8: Die erste Schulklasse in D-A-CH plant, ein ganzes Schuljahr lang ausschließlich digitale Materialien, d.h. keine gedruckten Lehrbücher, zu verwenden.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

Man/Frau kann zwar einwenden, dass gerade die derzeit noch wenig vorstellbaren und daher unterstützten Zukunftsszenarien wichtig sein (werden), aber in einer zeitlich begrenzten Veranstaltung müssen eben auch Kompromisse geschlossen werden. Mein (nachträglicher) Vorschlag im Sinne von „Lesson learned“ wäre:

  • Beliebig viele Szenarien ausrufen und bewerben lassen
  • Nur solche Szenarien im weiteren Veranstaltungsverlauf fortführen, die eine Mindestanzahl von UnterstützerInnen gewonnen haben.

Dabei wäre die Mindestanzahl so zu wählen, dass die Anzahl der verbliebenen Szenarien im noch vorhandenen und geplanten zeitlich Rahmen gut untergebracht werden können. Die auf der Strecke gebliebenen Szenarien werden natürlich dokumentiert und bleiben damit für spätere Analysen, Wiederaufnahmen der Diskussion etc. erhalten.

 (3) Verwirklichung/Praxis

WETTE 9: Klapp- und faltbare Displays werden erstmalig in D-A-CH zum Lernen eingesetzt (z.B. in einem Forschungsprojekt).

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

 

Die Gruppe, die sich um ein Szenario versammelt hat, wurde aufgefordert nun im Detail dieses „Was wäre, wenn…“-Szenario auszuarbeiten. Das war für mich – wenn es noch weitere Superlative für die Veranstaltung gibt – der intensivste und inhaltlich spannendste Teil. Wir wurde dabei dazu aufgefordert, nicht nur die Vorteile (Enabler) des Wunschszenarios zu analysieren, sondern auch die notwendigen Voraussetzungen (Überwindung von Barrieren) zu benennen.

Wieder sollte mit einer gemeinsamen Bewertung ein repräsentatives Meinungsbild der Gruppe erhoben werden. Das ist aber aus meiner Sicht – und wie ich glaube, auch aus der Sicht vieler TeilnehmerInnen – ein wenig schief gelaufen. Ich glaube, dass es eine Verkettung von mehreren Umständen war, die retrospektiv betrachtet für eine gewisse Enttäuschung und/oder Unzufriedenheit und einen damit (kurzzeitigen) Stimmungsumschwung verantwortlich waren. (Nachträglich weiß man/frau natürlich alles besser; ich bitte daher die folgenden Hinweise nicht als Kritik, sondern als konstruktive Diskussion aufzufassen.)

WETTE 10: Ein Schulbuchverlag aus D-A-CH bietet personalisierte gedruckte Schulbücher an. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass KundInnen die Inhalte, die Art der Aufgabenstellung und/oder Gestaltung auswählen können.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

  • Auf den Einwand, dass nicht nur die Szenarien präsentiert werden sollen, sondern auch ein (zumindest kurzer und zeitlich befristeter) Meinungsaustausch aller TeilnehmerInnen erlaubt sein sollte, hätte unbedingt eingegangen werden sollen. In der Didaktik haben wir das Motto: „Störungen haben Vorrang“ d.h. Einwände dürfen nicht durch (berechtigte) Hinweise auf objektive Rahmenbedingungen (wie z.B. Zeitknappheit) obsolet gemacht werden. Gerade die Vielzahl der zugelassenen Szenarien hat – wie bereits oben erwähnt – zu diesem zeitlichen Problem geführt. Trotzdem hätte mit einer Reduktion von 9 auf 5 Minuten Präsentation und 4 Minuten kurzer Meinungsaustausch dieser Einwand noch immer leicht aufgefangen werden können. Es ging ja vor allem darum, wenn jemand was bemerken will, dies zuzulassen. Es war für uns alle ja klar, dass wir an dieser Stelle keine ausführlichen Diskussion führen konnten.
    — So wie es aber gelaufen ist, ist ab diesem Zeitpunkt ein Stimmungswandel eingetreten, der zu einem widerständigen Verhalten der TeilnehmerInnen (ich nehme mich da nicht aus) geführt hat. Unglücklich war es natürlich auch, dass diesen kritischen Teil jemand (Michael) zeitlich zu „exekutieren“ hatte, der nicht an der Entwicklung des gesamten Designs beteiligt war, und daher auch nicht spontan auf mögliche Änderungswünsche eingehen konnte.

WETTE 11: Das ZUM-Wiki oder ein neues, alternatives Angebot zur Erstellung deutschsprachiger Lern- und Lehrresourcen mit freier Lizenzierung, übersteigt bei der Zahl der wirkenden AutorInnen die 10.000-Grenze.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

  • Die Formulierung der Thesen wurde nicht sauber vorgegeben und für eine sinnvolle Abstimmung hätte der zeitliche Erwartungshorizont genauer überlegt bzw. vielleicht (ähnlich wie bei der am Abend stattfindenden Zukunftswette, siehe die Zitate rechts neben den Balken auf dieser Seite) normiert werden müssen (z.B. 2020, 2030, 2040 und 2050). So wie es gelaufen ist, haben Thesen mit einem hohen Wunschwert dann beim Erwartungswert (ob sie eintreffen werden oder nicht) oft nur deshalb schlecht abgeschnitten, weil die dafür vorgesehene Zeitspanne zu optimistisch angenommen wurde.
    — Was übrigens auch verständlich war, weil diese Zeitspanne ja gerade von jener Gruppe abgeschätzt wurde, die sich am meisten das betreffende Szenario gewünscht haben und sich gerade deshalb seiner Ausarbeitung angeschlossen hatten.
  • Der oben (im ersten Punkt) entstandene renitente Grundhaltung wurde dann beim Bewertungsverfahren leider negativ wirksam. Es gab ständigen Widerstand gegen die Fortführung des Verfahrens. Das (analoge) Summverfahren wurde kritisiert und für eine seriöse Bewertung als nicht geeignet gehalten. Die vorne Sitzenden haben bei der Dezibelmessung mehr Gewicht als die letzten Reihen (Quadrat der Entfernung und so…); die Variationsmöglichkeit (durch lautes oder leises Summen) ist schwer beeinflussbar, eine Kontrolle (gegenüber Handheben) zeigte, dass die Varianz so groß war, sodass bei Ergebnissen die eng zusammen liegen eigentlich keine Reihung vorgenommen werden kann.

WETTE 12: Surface-Computing (wie z.B. Microsoft Surface) sind erstmalig in den DACH-Ländern als Tafelersatz im Einsatz.

Trifft zu in 6/12/18 Monaten oder später/nie?

Kriterium: Nachweis

  • Gegenüber einem klar begrenztem Menge  vorhandener Punkte, die eingeteilt bzw. aufgeteilt werden muss, war meiner Meinung die Summmethode weit schlechter. Ich verstehe auch gar nicht (außer, dass es vielleicht ein Gag und daher lustig ist), warum diese Methode gewählt wurde. Das (digitale) Abstimmung durch Handheben (Handheben:ja, sonst nein) – auf das wir uns dann letztlich geeinigt haben – war aus meiner Sicht zwar besser als die Summ-Methode, aber eine Punktevergabe (wie bei den Thesen zu den Stakeholdern) wäre wahrscheinlich die noch bessere Methode gewesen.Das Argument, dass man normalerweise das Summen nicht an einer Stelle misst, sondern „gefühlsmäßig“ hört, lasse ich nicht gelten, weil die Wahrnehmung der Laustärke (= psychoakustische Lautheit; Maßeinheit Sone) natürlich auch (ein wenig) von der Entfernung der Schallquelle (= den summenden Personen rund um mich) abhängt, und vor allem stark frequenzabhängig ist. D.h.: die ersten und letzten Reihen hätten eine andere Wahrnehmung als der Bulk der TeilnehmerInnen in der Mitte und jemand der sich mit Sone auskennt, hätte durch entsprechende Frequenzveränderung beim Summen, die Ergebnisse nachhaltig beeinflusst.

Die Zukunft beginnt jetzt!

L3T- GruppenarbeitenMir ist schon bewusst, dass die Argumentation des letzten Punktes nach wie vor so einen „… und ich/wir habe/n doch Recht“-Charakter hat. Aber es ist für mich persönlich – und wie ich glaube, auch aus der Sicht der meisten TeilnehmerInnen – bedauernswert, dass der inhaltlichen Höhepunkt der zweitägigen gemeinsamen Arbeit durch das gewählte Messverfahren abgewertet wurde.

Der eigentliche Grund aber, warum ich auf das unglücklich verlaufene Messverfahren so herumreite ist der, dass dadurch die Einschätzung zu den gewünschten und realisierbaren Szenarien extrem fraglich wurde: Nachdem wir uns letztlich auf das Handheben geeinigt haben, ist trotzdem aus meiner Sicht die Abstimmung zu den Szenarien der Zukunft zu einem Teil schief gelaufen. Nur im Bereich der Wunschhaltung („Es wäre schön, wenn…) ist sie als repräsentativ Gruppenmeinung aussagekräftig. Das nicht-akkordierte bzw. genormte Zeitfenster des Eintreffens der These hat nämlich fast alle Thesen dann bei der Bewertung unglücklicherweise als nicht realistisch erscheinen lassen.

Das Fatale an diesem Ergebnis dabei ist, dass damit nun die Gefahr besteht, dass die Szenarien, die zwar stark gewünscht werden, nicht mehr weiter verfolgt werden, weil sie als unrealistisch erachtet werden. Auch ist es ja so, dass vielleicht nicht das ganze Szenario, sondern nur bestimmte Aspekte verwirklicht werden. Aber auch das ist oft nur dann der Fall, wenn mit vollem Druck das vollständige bzw. radikale Szenario in die Diskussion gebracht wird. — Zumindest hätte daher auch noch eine zweite Option („später“) zur Abstimmung
gebracht werden sollen um einen möglichen fatalistischen Eindruck besser entgegenzuwirken zu können.

Ich hoffe daher, dass sich davon niemand in seinem Engagement zur Veränderung negativ beeinflussen lassen wird. So wird beispielsweise das von mir gewünschte Szenario „Alle Lerninhalte sind frei verfügbar“ vielleicht zwar nicht bereits 2023 realisiert. Aber auch wenn es später oder in anderer Form kommt, sollten wir alle vehement darauf hinarbeiten. Das Schlimmste wäre es, wenn wir nicht mehr für diese wünschenswerte Zukünfte eintreten, weil sie derzeit als wenig realistisch erscheinen. Das was wir heute tun, beeinflusst das was morgen passiert. Die Zukunft beginnt jetzt, dh. in der Gegenwart.

L3T’s bet!

L3T - Roulette TischAm zweiten Abend gab es im exklusiven Restaurant Salin nicht nur ein tolles gemeinsames Abendessen, sondern es wurden auch ganz konkrete Wetten auf die zukünftige Entwicklung der Bildungsmedien vorgenommen. Dazu war ein Roulette-Tisch (ohne Roulette), eine Reihe ganz konkreter Thesen, einschließlich Prüfkriterium  (siehe die – von mir stilistisch leicht überarbeiteten – Balkenzitate auf dieser Webseite) und ein gut durchdachtes Regelset zum Wetten vorbereitet. Es gibt offensichtlich auch eine einschlägige ExpertInnen-Kommission von Personen, die nicht an der Veranstaltung teilgenommen, die dann darüber entscheidet ob die Wetten eingetroffen sind oder nicht. Ich habe (noch) nicht ganz mitbekommen was mit diesen Wetten dann geschieht, aber wahrscheinlich wird ihr Eintreffen oder Nicht-Eintreffen zu entsprechendem Zeitpunkt bekannt gegeben.

Interessant (aber auch schade) habe ich es gefunden, dass diese Thesen nichts mit dem eigentlichen Verlauf der Veranstaltung zu tun hatten. Es wäre aus meiner Sicht viel spannender (aber natürlich auch viel komplexer zu organisieren) gewesen, wenn es sich um Wett-Thesen gehandelt hätte, die aus der Veranstaltung entstanden sind. Auf jeden Fall sind die hier zitierten Thesen auf Grundlage der sicherlich sehr intensiven Vorbereitung recht genau und mit genormter Zeitangabe und Prüfkriterium formuliert worden. Daraus hat sich übrigens meine obige Kritik gespeist: Zumindest in meiner Vorstellung hätte so ein ähnliches Ergebnis auch aus der Arbeit der Gruppen in der Veranstaltung selbst entstehen können.

Ich gehe davon aus, dass die Verteilung der Jetons, demnächst auf http://l3t.eu/zukunft veröffentlicht wird. Es ist sicherlich interessant, über die Verteilung der Wetten zu den einzelnen Thesen mehr zu erfahren, weil das ein interessantes Bild der Gruppe der ExpertInnen gibt.

Open Space

L3T - TeilnehmerInnenAm abschließendem Samstag Vormittag zeigten spontan einige TeilnehmerInnen in Thementischen relevante Produkte bzw. Ideen vor. Das war hoch spannend und hat mich auch nochmals mit vielen wertvollen Informationen und Links versorgt, für die ich sicherlich noch Tage bzw. Wochen brauche, um sie eingehend inhaltlich würdigen zu können.

Auch die abschießende öffentliche Präsentation an der internationalen Fachhochschule Bad Honeff Bonn, Campus Bad Reichenhall war sowohl gut durchdacht als auch – wie überhaupt der gesamte Stil der Tagung – kurzweilig gestaltet. Nach kurzen Begrüßungsreden wurden mehrere frisch zusammengeschnittene Filme, die aus Tagungsszenen zusammengeschnitten wurden, gezeigt. Abschließend gab es dann zum Ausklang einen informellen Sektempfang.

Great Event, Great People

Fazit: Inspirierend, kurzweilig, motivierend, begeisternd! Oder wie Marco Kalz schreibt: “great event, great people”! Ich bin überzeugt davon, dass die in Bad Reichenhall geschmiedeten Bekanntschaften auf die eine oder andere Weise die bereits bestehenden Netzwerke zur Gestaltung von Bildungsmedien um neue inhaltliche und vor allem personelle Resourcen positiv anreichern werden. Ich zumindest fühle mich jetzt weitaus stärker an diesem Thema interessiert und motiviert mitzuarbeiten.

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PS.: Ich habe häufig den Begriff „Bildungsmedium“ verwendet, den ich treffender halte, um das was auf der Veranstaltung diskutiert wurde, zu charakterisieren.

Kommentare

Danke für den Einblick in l3t-„Tagung“

Avatar Kommentar von Stephan Göldi am 07:00
Guten Tag Herr Baumgartner

Vielen Dank für den ausführlichen und umfangreichen Einblick in den Event von l3t. Ich hatte anhand von Twitter-Meldungen schon einiges gehört und habe mit Spannung Ihren Bericht gelesen.
Ich bin auch auf inhaltliche Berichte sehr gespannt (nicht als Auftrag an sie, sondern generell auch von den Organisatoren 🙂 ).

Freundliche Grüsse

Stephan Göldi

Vielen Dank für die Zusammenfassung

Avatar Kommentar von Conrad Lienhardt am 10:29
Lieber Peter,

vielen Dank für Deine pointierte Zusammenfassung, vor allem für die Phase 3 von Freitag Nachmittag. Ellen Trude und ich waren damit beschäftigt, die Wetten zu formulieren und haben somit davon eigentlich nichts mitbekommen.
Daher gleich zu den Wettfragen und wie es dazu kam. Sandra Schön hatte Ellen und mich gefragt, ob wir bei der Redaktion der Wettfragen mitmachen wollten und eingangs alle TeilnehmerInnen offen dazu eingeladen. Es blieb dann aber bei Ellen und mir. Wir hatten uns bemüht, aus den Arbeitsergebnissen, die bis Freitag gegen 16 Uhr vorlagen, Wetten so zu formulieren, dass das Eintreffen einer Aussage auf die gewettet werden sollte mit vertretbarem Aufwand überprüft werden kann. Erschwerend kam hinzu, dass es um die Wettzeiträume von 6, 12 und 18 Monaten ging und vieles, was wir gemeinsam erarbeitet hatten, absehbar in diesem Zeitrahmen nicht einlösbar schien.
Eine Wette beispielsweise, die es aber wegen des Überprüfungsaufwands dann nicht geschafft hat lautete:
„“Neue Medien“ und Social Network- Kompetenzen sind Bestandteil von Beurteilungen von Lehrenden in allen Bildungsstufen und -formen durch Lernende und durch Audits.“
In einer Überarbeitungsstufe hat dann Sandra die immer noch schwer bzw. aufwändig zu evaluierenden Wetten ersetzt.
Die gemeinsame Arbeit mit Ellen und das Diskutieren der Zwischenergebnisse, unseren Austausch fand ich sehr anregend. Da habe ich wieder viel gelernt dabei, wie überhaupt bei dieser Zukunftswerkstatt und in vielen Gesprächen.

Ich bin schon auf die Arbeitsergebnisse der Phase 3 gespannt und die Diskussion, die sich daran vielleicht noch anschließen wird.

Insgesamt ging es mir mit der Tagung wie Dir, „great event, great people“, wie es Marko Kalz formulierte.

Liebe Grüße
Conrad

Danke + Anmerkungen

Avatar Kommentar von Sandra Schoen am 14:17
Lieben Dank für die ausführliche Würdigung und Beschreibung! – Ich werde die Beschreibung zum Anlasse nehmen, nicht nur die Ergebnisse zu dokumentieren sondern (später…) auch noch etwas zum Design aufzuschreiben. Ich habe mich in den letzten Wochen viel mit den unterschiedlichen Methoden der Zukunftsforschung beschäftig – die Zukunftswerkstatt ist nur eine davon. Das was dabei herauskam, hat Anleihen an unterschiedlichen Verfahren genommen bzw. diese kombiniert: Roadmapping, ThinkTank, Prediction Markets – und eben auch Zukunftskonferenz und -Werkstatt bzw. was deren „Erfinder“ hierzu schreiben. Als echtes Vorbild diente mir bei L3T’s WORK jedoch nicht ein bestimmtes didaktisches Prinzip oder eine Forschungsmethode sondern Dr. Hermann Will (WUP, http://www.wup.info/): Bei ihm durfte ich als Studentin bei (Lern-)Events mithelfen und ich finde diese Erfahrungen weiterhin inspirierend – es ist unglaublich, was man alles machen kann, oft muss man es sich nur trauen und ein wenig Zeit investieren. „Kleinigkeiten“ sind ihm wichtig, auch die Dokumentation, die Inzenierung, Metaphern … sein Buch dazu: http://www.socialnet.de/rezensionen/8741.php Ich bin mir aber sicher, dass ein Besuch seiner Veranstaltungen weitaus inspirierender sein wird. Auf alle Fälle freut es mich sehr, dass ich ein paar Sachen (auch) bei ihm gelernt bzw. abgeschaut habe – auch wenn es dann in der Summe auch ein ganz eigener Mix geworden ist. Zudem ist das Event-Design ja auch nur ein Aspekt: Es waren einfach ganz tolle Leute da, einige mit kreativem Hintergrund, unterschiedlichen Alters, interdisziplinär und alle neugierig und engagiert (haben ja für die Teilnahme gezahlt!) lg sandra schoen

schöner Bericht – danke!

Avatar Kommentar von Veronika Doblhammer am 13:09
Sehr geehrter Herr Professor Baumgartner,
es muss eine äußerst inspirierende Veranstaltung gewesen sein, Ihr Bericht ist voller Energie und Tatendrang! Vielen Dank für die interessanten Links, die Sie mitgebracht haben, ich freue mich darauf, ihnen zu folgen.
Liebe Grüße aus Wien
Veronika Doblhammer

Herzlichen Dank

Avatar Kommentar von Carsten Freundl am 20:08
Hallo Peter,

herzlichen Dank für diese grandiose Zusammenfassung der drei sehr erlebnisreichen Tage bei L3T´s work.

Für mich waren insbesondere die tollen neunen Ideen und der Austausch mit den Kollegen aus den unterschiedlichen Bereichen zur lehrreich.

Ich freue mich auf einen weiteren spannenden Austausch.

Herzliche Grüße nach Österreich

Carsten Freundl

Vielen Dank!

Avatar Kommentar von Sandra am 14:10
Ein sehr interessanter Artikel. Vielen Dank für die übersichtliche und verständliche Zusammenfassung. Die Idee eines solchen Wissensaustausches finde ich genial.

Herzliche Grüße aus der Steiermark,
Sandra Ritter

 

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