Schöne Aussichten – Forschungscluster LLL

Vietri sul Mare mit Salerno (Almalfkiküste, Italien)

Urlaub! Blick aus meinen Hotelzimmer: Vietri sul Mare mit Salerno im Hintergrund (Amalfiküste, Italien)

Wieder vom Urlaub zurück, widme ich mich mit vollen Elan den Aufbau eines Foschungsclusters zu Life Longe Learning (LLL): Um der Forschung an der Donau-Universität Krems (DUK) zu LLL-Themen mehr Sichtbarkeit zu verleihen, werde ich die Forschungaktivitäten der beiden von mir geleiteten Bildungsdepartments „Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement“ (WBBM) sowie „Interaktive Medien und Bildungstechnologien“ (IMB) auf eine gemeinsame inhaltliche Plattform zusammenführen. In einer intensiven Diskussion mit dem Universitätsrat wurden auch entsprechende Investitionen für neue Stellenbesetzungen ins Auge gefasst, die bereits in den nächsten Tagen zur Ausschreibung gelangen.

Fünf Forschungslinien für den Forschungscluster

Für eine „Universität für Weiterbildung“ ist es selbstverständlich wichtig, dass es nicht bloß bei einer formalen Erklärung zur Lifelong-Learning-Strategie bleiblt, sondern, dass die fachliche Ausrichtung und Qualität der LLL-Forschung sowie auch eine entsprechende
internationale Sichtbarkeit und Anerkennung gegeben sein sollte. Das ist bisher
nur in kleinen Segmenten der Fall und hier vor allem auch in jenen Bereichen, die mit meiner eigenen Tätigkeit (interaktive Medien bzw. Bildungstechnologie) zu tun haben. Wie die inhaltliche Ausrichtung im Buch Taxonomie von Unterrichtsmethoden sowie ein neuer Artikel Didaktische Modellierung und der Begriff ‚E-Learning‘ zeigt, ist es sinnvoll in einem größeren Framework zu denken und zu forschen. Außerdem ist es ja nur mehr 6 Jahre bis zu meiner Pensionierung und daher durchaus langsam angebracht an eine Nachfolge-Regelung zu denken.

Beide Anforderungen (höhere Sichtbarkeit und größerer Rahmen, der weniger stark von meiner Person abhängt) sollen durch einen Forschungscluster der beiden Bildungsdepartments, die ich leite, gelöst werden.  Im Folgenden stelle ich ganz kurz fünf Forschungskorridore vor, die den inhaltlichen Rahmen für den zu neuen Forschungscluster bilden sollen. Ich werde dabei auch exemplarisch sowohl Namen als auch Projekte erwähnen. Diese Auswahl ist nicht nur relativ willkürlich, sondern stellt auch nur einen sehr geringen Teil unserer Aktivitäten dar, kann aber – zumindest aus meiner Sicht – für die angesprochenen Inhalte als repräsentative Beispiele gelten.

1. Orientierung an Lebensphasen

Die Ausrichtung von LLL muss den unterschiedlichen Lebensverläufen der einzelnen Individuen gerecht werden. Eine Konsequenz davon ist, dass Bildungsprozesse in jeder Phase des Lebenszyklus („von der Wiege bis zur Bahre“: Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Phasen nicht bezahlter Arbeit, Pension) möglich sein sollen. Daraus leitet sich sowohl Modularisierung als auch die zielgruppen-gerechte Gestaltung (und Vermarktung) unserer Angebote ab.
Dieser Forschungskorridor ist in einem keinem (aber wichtigen) Segment (Hochschule, Akademische Weiterbildung) sowohl in Forschung als auch in Lehre international sichtbar vertreten:
So gibt es Publikationen von Attila Pausits (WBBM) zu Beziehungsmanagement und –gestaltung zwischen Hochschule sowie InteressentInnen, Studierende und AbsolventInnen, sowie von mir zur Hochschuldidaktik. Es gibt einen eigenen (grundständigen!) Masterlehrgang der DUK, der im Rahmen der Auslobung eines Erasmus mundus Projekts einen Joint Degree auf internationaler Ebene vergibt (MARIHE = MAster of Research in Higher Education).

2. Orientierung an den LernerInnen

Es handelt sich hier um einen Perspektivenwechsel, der nicht mehr die Lehrenden (Inputorientierung), sondern die Lernenden (Outputorientierung) in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehören sowohl neue Lernarchitekturen, Lernmethoden, der Aufbau von Communities of Practice (professionelle Lernkulturen), die zeitliche und räumliche Flexibilisierung beim Lernprozess zu schaffen, die Nutzung von E-Learning, Blended Learning Arrangements, Fernstudien, sowie die Umgestaltung der traditionellen Rolle von LehrerInnen zu LernhelferInnen bzw. LernbegleiterInnen.

Das ist ein international sichtbarer, anerkannter und sehr erfolgreicher Schwerpunkt mit sehr vielen (über hundert!) Publikationen, davon auch etliche Bücher (Monographien) von Sabine Zauchner, Klaus Himpsl-Gutermann, Erich Herber, Reinhard Bauer und mir sowie auch anderen (ehemaligen) MitarbiterInnen am IMB sowie von Monika Petermandl (WBBM). Es gibt auch eine ganze Reihe von internationalen finanzierten Forschungsprojekten wie z.B. „E-Hospital“ (Blended Learning für Langzeitpatienten), „EuroPLOT“ (Persuasive Learning Objects and Technologies). Weiters gibt es einige erfolgreiche Lehrgänge für LehrerInnen und andere ProfessionalistInnenen in beiden Departments, die diesen Paradigmenwechsel von LehrerInnen zu LernerInnen-Orientierung beinhalten.

3. Life Long Guidance

Bildungs-, Berufs- und Karriereberatung ist ein essentielles Element der europäischen LLL-Strategie. Es soll dabei ein breiter Zugang zur Beratungsdienstleistung sichergestellt werden, d.h. das Angebot muss niederschwellig, unabhängig und anbieterübergreifend sein. Es gilt sowohl die Qualität der Beratungsdienstleistung als auch die Professionalisierung der BeraterInnen voranzutreiben.

In der Lehre und Consulting gibt es in diesem Bereich ebenfalls erfolgreiche Umsetzungen. Ulrike Kastler (WBBM) betreibt die Zertifizierungsstelle CERT-NÖ, den Lehrgang Professional Workforce Management und hat kürzlich erfolgreich in Kooperation mit dem AMS einen neuen Lehrgang für Berufs- und Bildungsberatung auf den Markt gebracht. Am IMB wird der bisherige Lehrgang für Begabten- und Begabungsförderung ebenfalls auf Life Long Guidance (pädagogische Beratung und Coaching) erweitert.
Dieser Bereich der DUK ist jedoch in der Forschung bisher wenig ausgewiesen. Die laufenden Berufsverhandlungen zur Nachbesetzung der Professuren Ada Pellert und Wolfgang Jütte werden dies berücksichtigen und (hoffentlich recht bald) zu einer entsprechenden Berufung einer international anerkannten Persönlichkeit führen.

4. Orientierung an den Kompetenzen:

Ein LLL-System benötigt Mechanismen, um an die unterschiedlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Lernenden anknüpfen zu können. Formales, non-formales und informelles Wissen bzw. Fertigkeiten müssen dazu als dahinterstehende Kompetenzen sichtbar gemacht werden und eine gegenseitige Anerkennung der erworbenen Zertifikate sichergestellt werden.
Dieser Bereich wird häufig als der zentrale Bereich der Weiterbildung betrachtet und soll daher auch an der DUK stärker ausgebaut werden. Es gibt dazu einige wissenschaftliche Beiträge von Monika Petermandl (WBBM) sowie einige philosophisch/erkenntnistheoretisch ausgerichtete Grundlagenliteratur und 3 noch laufende Dissertationsbetreuungen von mir (IMB) zu diesem Thema.
In diesem Jahr wurden Florian Reisky und Elisabeth Manhart auch für KODE®-Kompetenzmessungen zertifiziert, weil dem Thema Kompetenzmessung eine wachsende, wenn z.T. auch kritische Bedeutung, zukommen soll.

5. Förderung der Teilnahme (Partizipation) an LLL

Hier geht es darum alle Arten von Barrieren (sozialer oder wirtschaftlicher Art etc.) zu beseitigen und Möglichkeiten (Anreizsysteme) zur Bildungsmotivation und somit an der Teilnahme von LLL-Prozessen zu schaffen. Ziel ist eine flächendeckende Grundversorgung mit Angeboten zu allgemeiner und beruflich verwertbarer Basisbildung.

Entsprechende Lehrangebote (Seminare, Kurse, Lehrgänge), die wir ausgearbeitet hatten, konnten sich bisher leider nicht am Markt etablieren und selbständig finanzieren.
Dieser Bereich wird in einzelnen Segmenten durch Inklusion- und Genderprojekte (Lil Reif und Sabine Zauchner) erfolgreich vertreten. Auch interkulturelle Aspekte (Christiane Hartnack) können hier hinzugerechnet werden. Im Bereich der E-Portfolio-Forschung gibt es einen international sichtbaren Schwerpunkt (Peter Baumgartner, Klaus Himpsl-Gutermann), der aber nur in einem kleineren Teilbereich Fragestellungen behandelt, die zu diesem Gebiet gerechnet werden können.
Arbeiten von Attila Pausits zu Indikatoren für die Bewertung u.a. für Aktivitäten im Kontext wissenschaftliche Weiterbildung an Hochschulen und Organisationsforschung der wissenschaftlichen Weiterbildung an Hochschulen, insbesondere die Entwicklung von neuen Qualitätsentwicklungsmodellen insbesondere für Weiterbildungseinrichtungen an Hochschulen können jedoch ebenfalls diesem Bereich zugerechnet werden. Die Nachbesetzung der WBBM-Professur soll auch diesen Bereich stärken und dies ist auch deshalb aussichtsreich, weil jene Person mit der verhandelt wird, darin ihren zweiten inhaltlichen Schwerpunkt hat: Community Education, Weiterbildung „entgrenzt“. Forschung zu Übergängen und flankierende Leistungen: Beratung, Diagnose sowie weitere Nebenleistungen.

Ähnliche Inhalte aber neue Fokussierung

Ich habe schon erwähnt, dass natürlich die Nachbesetzung der Weiterbildungsprofessur ein wichtiger Faktor beim inhaltlichen Aufbau des LLL-Forschungsclusters darstellt. Die Professur wird dann auch die Leitung des Departments für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement übernehmen. Obwohl ich sogar selbst in Weiterbildung (an der Universität Klagenfurt 1992) habilitiert habe, bin ich doch froh, dass ich mich dann wieder verstärkt meine eigenen – mehr bildungstechnologisch/didaktisch ausgerichteten Aktivitäten – widmen kann.

Allerdings ist es für die Entwicklung an der DUK sinnvoll, dass diese Tätigkeiten unter der oben beschriebenen LLL-Fokussierung  betrieben werden. Wir haben dies am IMB ausführlich diskutiert, weil die berechtigte Befürchtung besteht, dass unsere speziellere
mediendidaktische und bildungstechnologische Ausrichtung in Zukunft vielleicht an Bedeutung verlieren könnte. Aus meiner Sicht können jedoch die überwiegende Mehrheit unsere bisherigen Aktivitäten ohne Einschränkung auch in diesem neuen Forschungscluster abgehandelt werden. So können beispielsweise unsere Schwerpunkte etwa zu E-Portfolio oder Netbooks genauso weitergeführt werden wie bisher. Allerdings sollten wir in der Außendarstellung nun stärker die LLL-Inhalte dieser Forschungen
hervorheben.

Selbst scheinbar inhaltlich fernstehende Lehrgänge zu Mediendesign und Medienmanagement wie z.B. Interaktive Media Management oder der im Februar 2013 neu startende Digital Media Publishing können über Stichworte wie „Social Media“, „gesellschaftlicher Wandel und neue Lernkulturen“ zumindest in einzelnen Bereichen angedockt werden. Überhaupt haben wir am IMB in den letzten beiden Jahren stärker
Lehrgänge im Bereichen mit gesellschaftskritischen Fragestellungen aufgebaut wie
z.B. den European Master of Social Innovation – und zwei andere Beispiele werden im nächsten Jahr noch folgen.

Geplanter personeller Ausbau

Im Zusammenhang mit dem geplanten Forschungscluster können wir nun endlich auch die extremen personellen Engpässe am IMB nach besetzen. So wird demnächst die Ausschreibung einer §99-Professur und einer PostDoc-Stelle veröffentlicht. Sobald dies der Fall ist, werde ich in einem gesonderten Beitrag einige Hintergrundinformationen zu diesen Ausschreibungen veröffentlichen.

Auch die kürzlich – in meinem Urlaub – veröffentlichte Stellenausschreibung ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Sie ist derzeit als Vertretung von Klaus Himpsl-Gutermann gedacht, der in Vaterschaft- und Bildungskarenz geht, und daher auf ein Jahr begrenzt. Nach seiner Rückkehr wird er jedoch einen guten Teil seiner inhaltlichen Tätigkeit dem weiteren Ausbau unserer E-Portfolio-Kompetenzen im Forschungscluster widmen, sodass auch für diese Stelle bereits jetzt an eine unbefristete Verlängerung gedacht ist.

Weiters werden wir zur fachlichen Unterstützung und Beratung mit einer Reihe von renommierten Professoren Kooperations- bzw. Konsulentenverträge abschließen: Vor dem Abschluss stehen Verträge mit Wener Lenz, Josef Hochgerner und Rolf Schulmeister. Ein organisatorischer Meilenstein werden dabei die 4x jährlich geplanten Workshops sein, zu denen auch meine DoktorandInnen bzw. AbsolventInnen aus dem LLL-Kolleg der Alpen-Adria Universität Klagenfurt eingeladen werden.

Alles in allem bin ich daher recht optimistisch, dass wir mit der hier vorgelegten inhaltlichen Rahmung und den begleitenden Personalbesetzungen eine entsprechende „kritische“ Masse erreichen, die unsere Sichtbarkeit im nationalen aber vor allem auch im internationalen Rahmen wesentlich verbessert. Auf jeden Fall lässt sich die „schöne Aussicht“ aus meinem Urlaubshotel (siehe Foto dieses Beitrags) metaphorisch auch auf die kommenden Aktivitäten zum Aufbau des Forschungscluster übertragen!

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