Nochmals MOOC-Diskussion: Warum die Aufregung?

In diesem weiterem Beitrag zur MOOC-Diskussion weise ich auf zwei unterschiedliche Ebenen der Diskussion hin: Auf der einen Seite wird inhaltlich über Konzepte, Eigenschaften von MOOCs diskutiert (Proto-Lernen), auf der anderen Seite, sollte aber auch über die Maßstäbe der Bewertung von MOOCs, also über den Rahmen und über den Kontext von MOOCs diskutiert werden (Deutero-Lernen).

Nach wie vor frage ich mich, wieso mein Beitrag MOOCs: Überzogene Kritik und überzogene Erwartungen relativ viel Aufregung entfacht hat. Aus verschiedenen Rückmeldungen habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Diskussion zu meinen nachfolgenden metatheoretischen Anmerkungen zwei Argumentationsebenen vermischt. In meinen nachträglichen Anmerkungen ging es mir nicht in erster Linie um Marx oder um andere Konzepte (Systemtheorie), die es zu diskutieren gilt. Sie waren bloß ein Versuch eine Erklärung für eine andere Fragestellung zu finden: Wieso hat mein erster Beitrag (zu relativ alten Referaten über MOOCs) zu einer aktuell und heftig geführten Diskussionen geführt?

– So haben mich beispielsweise manche unfreundliche Twitter-Meldungen  lächerlich gemacht bzw. mir das Recht abgesprochen mich zu äußeren, weil ich mich zu wenig auskenne, nicht über den neuesten #MMC13 Bescheid wisse etc; hatten also durchaus einen emotionalen Grundton. Insgesamt aber war ich (positiv) überrascht, wie viel wertvolle und anregende Hinweise bzw. Anmerkungen gekommen sind. Warum aber (für mich und mein bescheidenes Weblog) so (relativ) viele Kommentare bzw. Pingbacks gesendet wurden, war mir schleierhaft.

Zwei Diskussionebenen: Single Loop und Double Loop

Um mich in meinem Anliegen der Metadiskussion vielleicht verständlicher zu machen könnte unter Umständen das Bild von Proto-Lernen und Deutero-Lernens (Gregory Bateson: Steps to an Ecology of Mind bzw. Ökologie des Geistes) – manchmal auch Single Loop und Double Loop Learning genannt – helfen: In meinem ersten Beitrag habe ich auf der inhaltlichen Ebene (Single Loop) einige Anmerkungen zu (alten) Referaten über MOOC gemacht. Das hat eine inhaltliche Reaktion ausgelöst mit vielen interessanten, wichtigen und sehr differenzierten Argumenten (ebenfalls Single Loop). In meinen metatheoretischen Anmerkungen habe ich dann aber die Ebene gewechselt (Double Loop) und mich gefragt, wieso es denn zu diesen vielen – und z.T. heftigen – Reaktionen gekommen ist? Damit habe ich den Fokus meines Interesses weg von den Inhalten zum Rahmen (Kontext der Diskussion) gerichtet. Mit wenigen Ausnahmen (eine davon war Lisa Rosa) sind die Antworten darauf jedoch meistens auf der Ebene „Single Loop“ geblieben.

Ich gebe zu, dass mich in erster Linie diese Meta-Ebene interessiert bzw. zu interessieren begonnen hat. Wahrscheinlich bin ich sogar selbst verantwortlich für die Verwechslung der Ebenen, weil ich in meinem (ersten) MOOC-Beitrag mit der Idee von OER und der  Erwähnung von „Volksbildung“ vorgeschlagen habe, für die MOOC-Diskussion andere Maßstäbe in Betracht zu ziehen, als sie von Rolf Schulmeister und Joachim Wedekind bzw. Claudia Bremer verwendet wurden. Und eine Diskussion über Maßstäbe ist eigentlich nicht mehr alleine eine Diskussion auf der inhaltlichen Ebene (Single Loop) sondern immer auch eine Diskussion auf der Metaebene (Double Loop).

Offensichtlich interessiert aber den meisten Leute nicht diese Meta-Frage: Wieso hat mein Beitrag eine so heftige Reaktion ausgelöst? Was genau geht hier – sozusagen diskurs-analytisch – vor? Oder jetzt allgemeiner – ganz unabhängig von der Diskussion mit mir formuliert: Nach welchen Kriterien und Maßstäben sollen wir MOOCs einschätzen und bewerten?

Solch eine Diskussion kann sich dann nicht darin erschöpfen, weitere detailreiche Informationen zu MOOCs zu geben, MOOCs zu klassifizieren (ohne zu sagen, was das Kriterium der Klassifikation ist), auf die neuestes MOOC hinweisen oder über neue Besonderheiten zu berichten. Antworten auf diese Meta-Frage müssten allgemeiner ausfallen und eine Diskussion über Bewertungskriterien  und deren Gewichtung (Prirorität) führen. Und an Bewertungskriterien gibt es inzwischen eine ganze Menge: inhaltliche Qualität, didaktische Qualität, Anteil der aktiven Partizipation, Niveau der Bildung (universitär?), Breitenwirkung, Preis (kostenlos?), Zugänglichkeit, Zertifzierungsmechanismen, um nur einige zu nennen.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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