H5P: Interaktive Videos

Dieser Beitrag startet eine Artikelserie zu didaktisch motivierten Settings von H5P Modulen. Beliebige Videos werden mit Hilfe von H5P-Modulen interaktiv gestaltet. Ich zeige wie ein Setting für selbstbestimmtes Lernen für interaktive Videos aussieht.

Interaktive Videos können mit H5P leicht und ohne Programmierkenntnisse erstellt werden. Am Beispiel des Moduls „Interactive Video“ zeige ich, welche Einstellungen zu treffen sind, damit Lernende die größtmögliche Freiheit in der Steuerung ihres Lernprozesses haben.

Ich gehe dabei davon aus, dass die Nutzung und Erstellung interaktiver Videos mit H5P soweit bekannt ist: Siehe dazu das englische Interactive Video Tutorial. Es gibt aber auch eine schöne deutsche Einführung von Oliver Tacke in H5P generell aber auch eine eigene Lektion für interaktive Videos. Was also folgt ist keine Einführung in die Bedienung, sondern didaktische Überlegungen zu den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten.

Einstellungen für interaktive Videos

H5P hat derzeit 47 verschiedene Module („Content Types“), die alle – je nach ihrem Zweck –unterschiedlich Einstellungsmöglichkeiten aufweisen. Da sich mein geplantes Buch an Erwachsene richtet, habe ich jene Einstellungen gewählt, die für selbstorganisierte Lernprozesse besonders gut geeignet sind.

Bildschirm der Einstellungen mit meinem Empfehlungen für das "Interactive Video"-Modul von h5p
Abb. 1: Meine Einstellungs-Empfehlungen für das Modul „Interactive Video“ von h5p

Aus der obigen Grafik ist ersichtlich, dass ich für „selbstorganisiertes Lernen“ bis auf eine einzige Ausnahme die vorgegebenen Standardwerte nutze. Damit ist die größtmögliche Freiheit für die eigene Organisation des Lernprozess gegeben.

Was bewirken meine Empfehlungen?

Lernende können mit diesen Einstellungen

  • starten, wann immer sie wollen
  • alle zeitlichen Positionen des Videos durch Verschieben des Schiebereglers (Sliders) ansteuern
  • alle vorgegebenen Segmente (Kapitel) des Videos anspringen
  • nach vorne und nach rückwärts springen
  • Ton ein- oder ausschalten.

Mit diesen Einstellungen sind auch keine der eingebauten interaktiven Übungen in ihren Voreinstellung präjudiziert. Die Idee ist es, gleichzeitig zwei Anforderungen zu erfüllen:

  1. Einerseits eine sofort lauffähige Lernsituation zu schaffen, die gestartet werden kann, ohne vorher erst einige Einstellungen vornehmen zu müssen.
  2. Andererseits aber soll die Startsituation so gestaltet werden, dass keine Einengung oder gar ein Zwang für ein bestimmte Option entsteht.

So ist z.B. der Ton bereits eingeschaltet, aber der Video startet nicht automatisch.

Lesezeichen: Widerstreitende Überlegungen

Bei den „Bookmarks“ (Lesezeichen) ist die Entscheidung ob sie zu Beginn bereits sichtbar oder versteckt sein sollen, nicht ganz so klar, wie bei den anderen Parametern. Lesezeichen dienen dazu, Segmente (= Kapitel) des Videos direkt anzuspringen. Sie stellen daher eine Art von Inhaltsverzeichnis des Videos dar. Es könnte argumentiert werden, dass diese Auswahl den Lernenden sofort angezeigt werden soll. Damit ist die größtmögliche Freiheit für die Lernenden gegeben. Insbesondere ermöglicht ein bereits offenes Lesezeichen-Menü eine Übersicht zum Inhalt des Videos.

Obwohl diese Überlegungen nicht falsch sind, ziehe ich es vor, die Liste der Lesenzeichen in der Startsituation versteckt zu halten. Die Idee dabei ist, dass aus didaktischer Sicht der Video so aufgebaut ist, dass er vom Beginn weg angesehen werden soll. Diese (einschränkende) Empfehlung widerspricht nicht dem Prinzip der größtmöglichen Freiheit. Warum nicht? Lernende haben ja immer die Möglichkeit auf jede beliebige Zeitposition des Videos zu springen oder auch das Lesezeichen-Menü zu öffnen und die dortigen Sprungmarken zu nutzen.

Spezielle didaktische Situationen = spezielle Einstellungen

Spezielle didaktische Szenarien erfordern jedoch andere Settings:

  • Lernende diskutieren eine bestimmte Passage in einem längeren Video: In diesem Fall wird die Startposition des Videos bereits auf die entsprechende Stelle eingestellt.
  • Lernende vergleichen mehrere Passagen aus dem Video. In diesem Fall ist das Lesezeichen-Menü für ein Anspringen der unterschiedlichen Stellen bereits zu Beginn aufgeklappt.

Steuerungselemente für die Video-Nutzung

Damit Sie das Ergebnis auch ohne Kenntnisse von h5p beurteilen können, habe ich eine kurze Anleitung der Bedienungselemente des interaktiven Videos zusammengestellt.

Erklärungen der Bedienungselemente für das h5p Modul "Interactive Video"
Abb. 2: Erklärung der Bedienungselemente für das h5p-Modul „Interactive Video“

In WordPress sieht die Steuerungsleiste ein wenig anders aus. Insbesondere sind die Lesezeichen jedoch nicht links, sondern auf der rechten Seite mit der Playback-Geschwindigkeit im Symbol dreier Punkte () versteckt (siehe Abbildung 3).

Abb. 3: Leicht geänderte Steuerung des h5p Moduls innerhalb von WordPress

Das halte ich für einen schweren Fehler im Design der Benutzeroberfläche: Das Symbol der Lesezeichen ist damit nicht mehr auf der Steuerleiste sichtbar. Außerdem wird das Springen zu den einzelnen Kapitel auch umständlicher: Es muss nach dem Öffnen des Menüs noch eine weitere Auswahl zwischen Geschwindigkeit und Lesezeichen getroffen werden. Zum Anspringen einer mit Lesezeichen markierten Stelle sind also drei Schritte notwendig.

Im Vollbild-Modus gilt allerdings dann wieder Abbildung 2. (Seltsam ☹️)

Beispiel: Interaktiver Video zum Testen der Einstellungen


Nachtrag

Ich habe gerade kurz vor der Veröffentlichung unter „Ähnliche Beiträge“ gesehen, dass ich schon hier einmal über die Erstellung von interaktiven Videos geschrieben habe. Der damalige Artikel stellte die Möglichkeiten von EduCanon dar. Abgesehen davon, dass h5p Open Source frei verfügbar ist und ein umfassendes System mit derzeit 47 verschiedenen Übungsformen darstellt, ist die Situation mit EduCanon unübersichtlich geworden. Ich glaube, dass es nun unter Playposit läuft und auch die Nutzungsbedingungen komplexer geworden sind.

Aber das ist jetzt ein wenig aus dem hohlen Bauch geschossen. Mein damaliger Video-Versuch im obigen Artikel ist auf jeden Fall verschwunden und wenn nach „EduCanon“ gesucht wird, erscheint Playposit. Ein flüchtiger Blick auf die Playposit-Webseite zeigt nun eine stärkere Orientierung an Institutionen (K-12, Higher Ed und Corporate). – Aber für einen sachkundigen qualitativen Review müßte ich mich noch viel detaillierter PlayPosit anschauen.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

2 Antworten auf „H5P: Interaktive Videos“

„In WordPress sieht die Steuerungsleiste ein wenig anders aus.“

Das liegt nicht an WordPress, sondern am verfügbaren horizontalen Platz, der H5P zur Verfügung gestellt wird. Speziell auf Smartphones wäre der Platz zum Bedienen sonst sehr eng. Über den Punkt, an dem H5P auf die Alternativansicht umschalten sollte (es sind 640 Pixel), ließe sich natürlich dennoch vortrefflich streiten. Man könnte das bei Bedarf über ein wenig Customizing, das H5P zulässt, auch einfach anpassen.

Danke für diese wertvolle Hintergrundinfo. Da muss ich meine UI-Kritik dann doch wohl ein wenig zurücknehmen…

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