Englisches Blog rund erneuert

Die letzten 14 Tage habe ich mein englisches Blog, das nun ‚Thought splinters‘ heißt, neu aufgesetzt. Der Beitrag berichtet über Status und Motive des Umbaus.

Jetzt bin ich über 2 Wochen mit Gedankensplitter in der Versenkung verschwunden. Der Grund: Ich war mit einem kompletten Umbau meines englischen Weblogs beschäftigt.

Englisches Blog und mein „zukünftiges Ich“

Obwohl ich auch schon hier manche Artikel in englisch geschrieben habe, brauche ich ein weiteres Blog, das R Markdown nutzt. Nur dort kann ich über meine Aktivitäten zu R schreiben und die entsprechenden Funktionalität gleichzeitig anwenden und bereit stellen.

Altes englisches Blog
Mein bisheriges englisches Blog. Obwohl es mir gut gefallen hat und auch von der Struktur recht praktisch war, musste ich es wegen fehlenden Anpassungen aufgeben.

Ehrlich gesagt, ist es ist zwar nicht so, dass meine dortigen Artikel besonders tiefgründig oder innovativ sind. Ich bin – trotzdem ich mich jetzt schon etwa 4 Jahre mit R beschäftige – zwar kein blutiger Anfänger mehr, allerdings immer noch sehr unerfahren. Aber ich brauche dieses zusätzliche „Outlet“, damit ich meine Gedanken sortieren und ausformulieren kann. Außerdem habe ich bereits mehrmals gemerkt, dass ich später – sozusagen mit meinem „zukünftiges Ich“ – öfters darauf zurück greife.

Eine typische Situation, die ich schon mehrmals erlebt hatte, und die mir sogar ein wenig Sorgen (Alterssenilität / Demenz?) bereitet: Ich suche zu einem Problem in StackOverflow und finden einen interessanten Kommentar als Lösung. Autor: ich selbst! Oder ich bekomme Punkte für einen klugen Beitrag, an den ich mich gar nicht mehr erinnern konnte und den ich heute gar nicht mehr so präsent habe, wie es offensichtlich damals der Fall war.

Ursprünglich wollte ich das englische Weblog für (m)ein neues Themenfeld Open Science Education vorbehalten. Das habe ich aber nicht durchgehalten. Abgesehen von der immer noch mühsameren, weil langsameren, englischen Niederschrift, könnte ich über Open Science ja auch hier schreiben. Thematisch würde es zu meinen bisherigen Beiträgen über wissenschaftliches Arbeiten gut passen. Und ich kann ja auch – wie ich es gerade auch zuletzt gemacht habe – hier in Gedankensplitter einige Beiträge in Englisch schreiben.

Der eigentliche Grund warum ich jetzt von Open Science Education auf Thought splinters umgestellt habe, ist nicht primär eine (leichte) Themenänderung. Ich habe auch schon hier in Gedankensplitter im Zusammenhang von bookdown – einem R Paket für Cross Media Publishing – zu R, RStudio und R Markdown geschrieben.

Mein neues englisches Blog (Screenshot)
Mein neues englisches Blog. Es ist noch nicht ganz fertig. Ich muss noch alles Beiträge durchsehen und einige Ergänzungen vornehmen.

Es waren ganz andere Motive für den Umbau ausschlaggebend:

„Breaking Changes“ in Hugo

Wieder einmal hat es nämlich grundlegende Änderungen beim statischen Website-Generator Hugo gegeben, den das R Paket blogdown für die Erstellung der Webseite im Hintergrund nutzt. Ich schreibe „wieder einmal“, weil dies für mich nun bereits der dritte 😥 Neubau einer Website mit blogdown ist.

  • Zuerst habe ich es – angetan vom schönen Design und den vielen Möglichkeiten mit dem Academic Theme – mit einer komplexen Portfolio Website versucht. Die vielen Änderungen in Hugo wurden noch mit wesentlich mehr Änderungen im Themen Design übertroffen. Wenn ich mal 2-3 Monate nichts geschrieben hatte, funktionierte bereits die Webseite wegen irgendwelcher „Breaking Changes“ in den Updates nicht mehr. Am Schluss war ich mehr mit den Nachvollzug der Änderungen beschäftigt als mit dem Schreiben neuer Beiträge.
  • Meine Konsequenz war es daher auf das DocDock Theme – das wiederum das Learn Theme genutzt und weiter entwickelt hat – umzusteigen, weil es nur wenig Neuerungen gab. Die vielen zwischenzeitlichen Änderungen in Hugo gingen dann an mir vorüber und ich war – nach einiger Einarbeitungszeit – 2019 recht aktiv damit. Der Nachteil: Seit Juni 2020 gab es überhaupt keine Anpassungen mehr! Die potential security vulnerabilities mehrten sich und viele neuere Weiterentwicklungen von Hugo konnte ich nicht nutzen. Wegen fehlender Kenntnisse in Javascript und Go bzw. Hugo Template Language
  • Obwohl mir das Design gefiel und ich mich in das Docdock Theme auch eingearbeitet hatte, kehrte ich reumütig wieder zum Academic Theme zurück, das sich inzwischen zum Wowchemy Website Builder weiter entwickelt hatte. Allerdings mit vier – wie ich hoffe – entscheidenden Unterschieden zu meinen ersten Versuchen:

Vier Strategien zur Reduktion von Komplexität

Produktionskette von R bis zur Publikation der Website
Einige – bei weitem nicht alle – Player, die bei der Produktion einer Website mit blogdown und Hugo eine Rolle spielen
  1. Erstens kenne ich mich nun deutlich besser aus, als vor ein paar Jahren. Vor allem verstehe ich jetzt die vielen aufeinander liegenden Schichten besser und weiß zumindest (meistens) wo ich bei Fehler suchen muss: R -> R Markdown -> knitr -> blogdown -> Pandoc -> (Academic) Theme -> Hugo/Goldmark Renderer -> GitHub -> Netlify
  1. Zweitens versuche ich Komplexität zu reudzieren, indem ich mich bloß auf den Blog-Teil des Academic Theme konzentriere, was mit der modulhaften Struktur der Templates nun auch möglich ist.
  2. Drittens ist inzwischen auch die blogdown Community selbst der vielen unterschiedlichen und sich ständig wandelnden Komponenten überdrüssig geworden und schreibt kritisch reflektierende Posts wie damit umzugehen ist (z.B. Alison Hill, Maëlle Salmon, Athanasia Mowinckel, Claus Wilke).
  3. Viertens hat Yihui Xie mit Version 1.0 von blogdown darauf reagiert und entsprechende Werkzeuge zum einfacheren Management entwickelt. Da gibt es nun eine sehr hilfreiche Serie von checking functions, die Möglichkeit die Hugo-Version „einzufrieren“ und den Ausbau des Formats .RMarkdown, das nun (fast) alle Funktionen der anderen Formate (.Rmd und .md) in sich vereinigt.

Auch die mit Visual R Markdown erweiterte Funktionalität von der IDE RStudio erleichtert das Arbeiten deutlich. Es können nun die Markdown Befehle menügeführt mittels eines WYSIWYG-Editor eingegeben werden. Das ist – selbst für Markdown Geübte (zu denen ich mich inzwischen zählen darf 🤭) durch die Integration zusätzlicher Hilfsfunktionen sehr hilfreich. So wird beim Einfügen eines Bildes nicht nur der richtige Pfad dem Editor übergeben, sondern das Bild auch gleich an die richtige Stelle in blogdown kopiert.

Zusammenfassung

Ob sich der Name „thought splinters“, den ich zugegebenermaßen selbst etwas sperrig empfinde, bewährt, wird sich erst zeigen. Ich wollte aber damit andeuten, dass es dort – wie auch hier im deutschsprachigen Gedankensplitter – um kleinere und zum Teil fragmentarische Beiträge geht. Das Ziel ist es vor allem, durch schriftliche Formulierungen, eine Sache in verschiedenen Aspekten durchzudenken und für späteres Nachschlagen für mich selbst („future me“) – und vielleicht/hoffentlich auch für andere Interessierte – festzuhalten.

Obwohl ich noch nicht ganz mit der Umstellung fertig bin, habe ich Thought splinters heute trotzdem bereits online gestellt. Ich setze mich da selbst etwas unter Druck, die noch ausständigen Arbeiten in den nächsten Tage abzuschließen. Insgesamt gesehen war es für zwei Wochen eine Heidenarbeit von täglich 10-14 Stunden, weil infolge von strukturellen Änderungen von Hugo ich fast alles manuell kopieren und nachbearbeiten musste. Vor allem musste ich mich selbst erst wieder sachkundig machen und auf den letzten Stand bringen! Obwohl es jetzt eine komplett neue Artikel-Struktur gibt, habe ich aber darauf geachtet, dass die URLs zu den bisherigen Artikel gleich geblieben sind.

Ich muss jetzt noch die Beiträge alle einzeln und detailliert durchgehen und

  • Änderungen, die sich aus den neuen Thema ergeben, anpassen. Dazu gehören die Darstellung der Bilder im Text, aber auch die – gegenüber dem DocDock Theme – neue Möglichkeit „featured images“ auf den Blogartikeln anzuzeigen.
  • Die Zitationsinformationen, die ich mit einer Eigenentwicklung als COinS für Zotero zum Herunterladen eingebaut habe, nachrüsten.

Ich hoffe sehr, dass dieser neuerliche Umbau zumindest für nächsten 7-10 Jahre halten wird. Ich weiß, das ist eine optimistische Schätzung. Aber inzwischen wird das Academic Theme von mehr als 750.000 Webseiten genutzt und auch die blogdown Community ist stark angewachsen1. Die Chancen, dass ich zu Hugo/blogdown über die RStudio Community, Stack Overflow oder einfach durch eine Internetrecherche in Blog-Beiträgen Hilfe bekomme, sind inzwischen deutlich gestiegen. Und damit ist (hoffentlich!!) auch die Gefahr gesunken, in eine neuerliche Sackgasse zu geraten.

Fußnoten

  1. Wie ich mit dem cranlogs und adjustedcranlogs Package nachgeschaut habe, wird blogdown vom RStudio Cran Mirror Server etwa 9000x bzw. bereinigt 8000x monatlich herunter geladen.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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