H5P als Plädoyer für didaktische Vielfalt

„H5P als Plädoyer für didaktische Vielfalt“ beschreibt den Zusammenhang meiner „Taxonomie von Unterrichtsmethoden“ und den vielen Möglichkeiten, die die unterschiedlichen H5P Inhaltstypen zulassen. Zum zehnjährigen Erscheinen, gibt es jetzt die „Taxonomie“ um 10 € verbilligt. Das Codewort für den Preisnachlass findet sich im Artikel.

Ab 1. Mai 2021 kann die „Taxonomie“ zum Sonderpreis von 35 € (inkl. Porto für Deutschland und Österreich ) bestellt werden. Bei Interesse senden Sie bitte eine E-Mail an info@waxmann.com mit dem Stichwort „Gedankensplitter“.

In letzter Zeit habe ich viel über didaktische Interaktionen von H5P geschrieben. Inzwischen gibt es im Menü „Sammlungen“ unter Selbstbestimmtes Lernen mit H5P 29 Beiträge und unter Didaktisches Design mit H5P weiter 5 Postings.

H5P als Plädoyer für didaktische Vielfalt

Diese Blogartikel sind vordergründig praktisch orientiert und beschreiben die einzelnen H5P Module im Zusammenhang ihrer optimalen didaktischen Nutzung. Im Hintergrund werden sie jedoch durch ein theoretisches Konzept „befeuert“, das ich in der Taxonomie von Unterrichtsmethoden theoretisch ausgearbeitet habe.

Das Buchcover von "Taxonomie von Unterrichtsmethoden" als theoretischer Hintergrund für den Beitrag "H5P als Plädoyer für didaktische Vielfalt"
10 Jahre „Taxonomie von Unterrichtsmethoden“: Substanzieller Preisnachlass ab 1. Mai mit Codewort (im Artikel)

Die Grundidee, die dem Buch zugrunde liegt, wird im Untertitel deutlich: Plädoyer für didaktische Vielfalt. Als praktische Vorgangsweise für diese didaktische Prinzipien, wie ich es nenne, habe ich eine adjektivische Spezifizierung des Begriffs „Lernen“ vorgeschlagen. D.h. Lernen wird durch ein vorgesetztes Eigenschaftswort mit einem Merkmal versehen und dadurch näher beschrieben. 26 Didaktische Dimensionen habe ich jeweils in eine allgemeine und 5 abgestufte Kategorien (didaktische Prinzipien) unterteilt. Es sind dadurch 156 Bezeichnungen entstanden, die ein didaktisches Merkmal des Lernprozess herausheben und charakterisieren.

Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Eine didaktische Dimension, die ich im Buch näher beschreibe, ist „Leitmedium“. Das allgemeine didaktische Prinzip dahinter lautet: mediengeleitetes Lernen (also Adjektiv + „Lernen“). Ich habe darunter 5 Abstufungen gefasst: schriftunterstützt, sprachunterstützt, bewegt(bild)-unterstützt, computer- bzw. internet-unterstützt und situiert. All diese Begriffe werden erläutert und größtenteils auch mit Literaturhinweise belegt.

Die gesamte Tabelle mit den 156 Begriffen kann als PDF heruntergeladen werden.

Didaktische Dimensionen sind Perspektiven auf den Lernprozess, d.h. der Lernprozess wird aus einer bestimmten Sichtweise betrachtet. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeweils eine bestimmte didaktische Dimension in einer bestimmten Situation die einzig richtige Betrachtungsweise darstellt. Im Gegenteil: Es ist jeweils bloß ein Aspekt; alle didaktische Dimensionen sind immer gleichzeitig vorhanden. Es ist wie in der physikalischen Welt: Wenn ich den zeitlichen Zusammenhang einer Aktion beschreibe, bedeutet dies nicht, dass der Raum, (d.h. eine andere physikalische Dimension) nicht ebenfalls gegenwärtig ist.

Heuristik statt Vorschreibung

Dass es genau 26 Dimensionen mit immer genau fünf Abstufen gibt, hat keine besondere Bewandtnis. Ich wollte nur zeigen, dass sich jede didaktische Dimension in etliche didaktische weitere Aspekte (didaktische Prinzipien) untergliedern lässt. Weder die Anzahl der didaktischen Dimensionen noch die der didaktischen Prinzipien ist fixiert. Im Gegenteil: Das Buch ist als ein Ideengeber für kreatives didaktisches Design zu verstehen, d.h. es können/sollen weitere Dimensionen/Prinzipien entwickelt werden.

Diese vielen Bezeichnungen sind daher nicht als Vorschreibungen für das didaktische Design aufzufassen. Etwa nach dem Motto: Für diese Anwendung muss genau jener Lernaspekt (= didaktisches Prinzip) zur Geltung gebracht werden. Ich vertrete die Ansicht, dass gerade multiple Repräsentationen, also die Anwendung vieler unterschiedlicher didaktischer Prinzipien zum selben Inhalt, eine wichtige didaktische Strategie darstellen.

H5P für multiple Repräsentationen gut geeignet

Ich sehe generell zwei Methoden, um neue Anwendungsideen für H5P Module zu entwickeln:

  • Einerseits kann nachgeschaut werden, wie in der Praxis der jeweilige Inhaltstyp verwendet wird. Das habe ich beispielsweise getan, wenn ich mir die H5P Anwendungen auf eCampus Ontario angesehen habe. Ein Nachteil dieser Methode könnte jedoch eine gewissen Einschränkung sein, nämlich dann, wenn die Nutzung relativ monoton und einheitlich erfolgt.
  • Andererseits können jedoch auch von einem theoretischem Überbau mögliche Nutzungsszenarien abgeleitet werden.

    Ein Vorteil dieser Methode ist es, dass bemerkt wird, dass ein Inhaltstyp für ein bestimmtes didaktisches Szenario wegen einer fehlenden Eigenschaft nicht (gut) genutzt werden kann. Damit wird dann quasi automatisch ein „Feature Request“ zur Erweiterung/Verbesserung des jeweiligen Inhaltstyps generiert.

    Ein Nachteil dieser Methode soll jedoch nicht verschwiegen werden. Es besteht die Gefahr, daß für die Praxis untaugliche Variationen erdacht bzw. erfunden werden.

Anfangs mag die Vielzahl (ca 50) der unterschiedlichen H5P Module verwirrend sein. H5P ist aber gerade wegen seinen vielen unterschiedlichen Inhaltstypen ausgezeichnet für multiple Repräsentationen geeignet. Die Strategie der multiplen Repräsentation ist aus meiner Sicht nichts anderes als ein Plädoyer für didaktische Vielfalt!

Beispielsweise könnte das Lernen von Begriffen (eines Glossars) über die verschiedensten Übungstypen erfolgen:

Das wirklich Schöne bei dieser Vielfalt ist es jedoch, dass sie nicht nur bloß eine Abwechslung im Lernen darstellt – also nicht derselbe Inhalt mit derselben Methode wiederholt werden muss – sondern, dass sie auch didaktisch unterschiedlich anspruchsvoll sind und auf unterschiedliche Kompetenzen abzielen.

So verlangt z.B. Accordion nur, dass die Texte unter dem Glossarbegriff aufgeklappt und gelesen werden müssen. Drag the Words ist da schon etwas schwieriger: Zwar sind die Begriffe vorgegeben, aber sie müssen korrekt zugeordnet werden. Am Schwierigsten ist diesem Setting ist Fill in the Blanks, weil die Glossarbegriffe aus dem Gedächtnis selbständig reproduziert werden müssen.

Diese drei unterschiedlichen Methoden sind Beispiele für unterschiedliche Lernparadigmen, die ich in The Zen Art of Teaching – Communication and Interactions in eEducation als Lernen I, II und III beschrieben habe. Jetzt wird vielleicht verständlich, warum ich H5P so schätze und mich so intensiv damit beschäftige: Es stellt eine gute Demonstration meiner theoretischen Ideen dar.


Als „Nachschlag“ gibt es noch Kapitel 2 der Taxonomie als Leseprobe:

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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