repairData: mein erstes R Paket auf CRAN

Ich habe mit repairData mein erstes R Paket auf CRAN veröffentlicht! Der Artikel beschreibt die Herkunft der Datensätze und die Ziele, die ich mit der Publikation verbinde.

Meine Freude ist groß: Mein erstes R Paket repairData ist auf CRAN! repairData bietet zwar bloß fünf Datensätze an und ist damit sicherlich keine Bravourstück. Die eigentliche Leistung für mich bestand vor allem darin, dass ich erstmals den komplexen Einreichungsprozess erfolgreich abschließen konnte. Die bereits öffentlich zugängliche Rohfassung, der von Hadley Wickham and Jenny Bryan geplanten 2. Auflage von R Packages war für mich dabei eine unentbehrliche Hilfe.

Cover von "R Packages", ein Buch, das für meine Erstellung von repairData unentbehrlich war!
Abb. 1: Die 2. Auflage ist immer noch im Prozess der Ausarbeitung, aber bereits öffentlich zugänglich. Glücklicherweise, denn ich weiß nicht, ob ich die Einreichung für repairData so klaglos ohne die detaillierten Anweisungen, Code Beispiele und eigens entwickelten Funktionen geschafft hätte!

repairData: Woher kommen die Daten?

Es handelt sich um den Datensatz der Open Repair Allianz (ORA), der am 21.2.2021 zuletzt aktualisiert wurde. Der Datensatz entspricht dem von der ORA entwickelten Open Repair Data Standards (ORDS) in seiner letzten Version 0.2.1.

Dieser Zusammenschluss verschiedener Initiativen in der ORA hat es sich zum Ziel gesetzt, Reparaturdaten standardisiert zu sammeln und öffentlich zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, damit einen Nachweis für Missstände ( Energieverschwendung, filigrane Konstruktion, kein oder erschwerter Zugang für Reparaturen etc.) zu haben, um gegenüber Firmen und Regierungen Druck für Veränderungen aufzubauen.

Ich habe dabei die Daten von fünf Partnerorganisationen in repairData zu einem einheitlichen Datensatz mit 48.669 Einträgen zusammengefasst. Diese fünf Organisationen ohne Reihung sind:

Repair Café International

Die niederländische Journalistin Martine Postma startete die Repair Café Bewegung mit der Einrichtung des ersten Repair Cafés am 18. Oktober 2009 in Amsterdam. Am 2. März 2010 wurde dann die Stiftung Repair Café International als Dachorganisation mit Standort Amsterdam gegründet. Inzwischen gibt es weltweit 2196 Mitglieder (Repair Cafés) in diesem Netzwerk. 23.048 Datensätze, fast die Hälfte aller Daten, stammen alleine aus diesem Netzwerk.

Eine Google Map, die das globale Netzwerk der Stiftung Repair Café International zeigt.
Abb. 2: Eine Google Map zeigt das globale Netzwerk der Stiftung Repair Café International. Mit entsprechender Vergrößerung lassen sich die Kontaktdaten jedes der 2.196 Café (Stand 23.10.2021) herausfinden.

Community-Reparaturdaten werden für die Stiftung Repair Café International über die Plattform RepairMonitor gesammelt. Der RepairMonitor ist das Online-Werkzeug zum Sammeln und Teilen von Reparaturdaten. Auf der Website von Repair Café International gibt es ein schönes 2 min Video, das Reparaturkund:innen die Abläufe in den Reparaturcafés erklärt.

Anstiftung

anstiftung.de ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in München, die neben Reparatur-Initiativen auch noch andere Bewegungen zur Belebung von Nachbarschaften oder Interventionen im öffentlichen Raum fördert, wie z.B. interkulturelle und urbane Gärten, Offene Werkstätten und Open-Source-Projekte.

anstiftung ist auch als Fördergesellschaft tätig, forscht, publiziert und organisiert das eigenständige deutsche Netzwerks von über 1.000 Reparatur-Initiativen. Dabei werden laufend (wöchentlich!) auch an vielen Orten online Repair-Cafés abgehalten, die über Facebook, Instagram und Twitter angekündigt werden.

Die Community-Reparaturdaten werden ab Juni 2018 in der Reparatur-Initiativen-Plattform gesammelt (siehe Repositorium auf GitHub). anstiftung hat bisher 4.798 Datensätze zum kollektiven Datensatz beigetragen.

Fixit Clinic

Fixit Clinic ist eine US-amerikanische Initiative, die als „Hobby außer Kontrolle geriet“ (Gründer Peter Mui in einem YouTube-Video (00:21-00:24)). Fixit Clinic ist eine „Pop-up“-Aktivität, bei der Menschen ihre kaputten Dinge zum Zerlegen bringen. Die Fixit Clinic stellt dabei Coaches zur Verfügung, die die Teilnehmer:innen durch den Reparaturprozess führen und die speziellen Werkzeuge für die Reparatur zur Verfügung stellen haben.

Screenshot der deutschsprachigen Fixit Clinic Webseite mit Reparaturanleitungen und dem Verkauf von Reparatur-Werkzeugen.
Abb. 4: Deutscher Fixit Clinic Website mit Reparaturanleitungen und dem Verkauf von Reparatur-Werkzeugen.

Darüberhinaus ist Fixit Clinic weltweit für ihren ifixit-Website bekannt, der „Reparaturanleitungen für alles, von allen geschrieben“ bereitstellt. Die Website ist eine umfangreiche Sammlung von Ratschlägen, Community-Foren in mehreren Sprachen und bietet auch einen Online-Shop für Reparaturwerkzeuge an.

Bildschirmfoto der Startseite der deutschsprachigen Ifixit Webseite.
Abb. 5: Ifixit Website: Reparaturanleitung für alles, geschrieben von allen.

Die Daten werden über das Formular Broken Item Report im Rahmen der Community Repair Events der Fixit Clinic gesammelt. Neben den üblichen Informationen (Artikel, Marke, Modell, Baujahr, Problem) fragt das Formular auch andere Fragen, rund um das defekte Gerät ab, wie Hinweise zum Austausch von Reparaturerfahrungen, Status der Ersatzteile und welche Erfahrungen esmit der Unterstützung der Hersteller:innen gab. Die Formular ist eine Art „Laufzettel“ mit einem ständig aktualisierten Statusbericht über den Artikel. Dieses Formblatt wird mit der Anmeldung angelegt, danach werden sowohl gelungene als auch gescheiterte Reparaturversuche bei den Veranstaltungen eingetragen. Aber auch Erfahrungen der Besitzer:innen bei der Nutzung werden dokumentiert. Fixit Clinic hat sich bisher mit 487 Datensätzen am der gemeinsamen Datenbanb beteiligt.

Bildschirmfoto der Ifixit Clinic Webseite, die auf das Formular zur Reparaturanmeldung verlinkt.
Abb. 6: Ifixit Clinic Webseite, die auf das Formular zur Reparaturanmeldung verlinkt.

Repair Café Wales

Repair Café Wales eröffnet und unterstützt Reparaturcafés in ganz Wales. Im Gegensatz zu den anderen Basisinitiativen wird dieses Projekt durch die walisische Regierung (Welsh Government’s Landfill Disposal Tax Community Scheme) finanziert und vom Wales Council for Voluntary Action verwaltet1.

Bildschirmfoto der Startseite der Repair Cafés Wales.
Abb. 7: Webseite der Repair Cafés Wales

Über die Repair Cafés Wales wurde bisher 2505 Datensätze eingetragen.

Das Restart Projekt

The Restart Project ist ein in London ansässige Sozialunternehmen (Social Enterprise). Es veranstaltet regelmäßige Neustart-Partys, bei denen sich Teilnehmer:innen gegenseitig beibringen, wie sie ihre kaputten oder langsam gewordenen Geräte wieder reparieren bzw. flott machen können. Das Restart Projekt ist auf elektrische Geräte spezialsiert, wobei die gemeinschaftliche Bildungs- und Reparaturaktion von Toastern über Kopfhörer, hin bis zu iPhones und Tablets reicht.

Bildschirmfoto der Startseite von The Restart Project:
Abb 8.: Startseite von The Restart Project: „a people-powered social enterprise that aims to fix our relationship with electronics„.

Das Restart Project arbeitet auch mit Schulen und anderen Organisationen zusammen und ist Mitbegründer der European Right to Repair Campaign. Diese globale Bewegung tritt dafür ein, dass jeder das Recht hat, die Produkte, die er besitzt, auch selbst zu reparieren. Die Bewegung zielt darauf ab, die Vorschriften für die Herstellung der Geräte so zu ändern, dass sie einfach und erschwinglich zu reparieren sind. Ein weiteres Anliegen von Restart ist es, die Rechte der Eigentümer nach dem Kauf zu schützen bzw. zu erweitern und die geplante Obsoleszenz zu bekämpfen2.

Bildschirmfoto der Startseite der "Right to Repair Initiative".
Abb. 9: Startseite der Right to Repair Initiative: ––– „We are people, we are repairers, we are sustainability activists, we are community. ––– We believe products should last longer, and therefore when broken, they should be repaired. This requires products to be designed for repair as well as support for repairers of all kinds. ––– We are asking for the right to repair.

Daten werden bei Community-Reparaturveranstaltungen gesammelt und im Fixometer-Modul von Restarters.net aufgezeichnet. Fixometer ist die Software und Datenbank zum Erfassen der Auswirkungen der Community-Reparaturaktivitäten (siehe auch dazu das Repositorium auf GitHub). Das Restart Project ist bekannt für seine wissenschaftlich fundierte Berechnung der CO2-Einsparung durch Verlängerung der Lebenszyklen der reparierten Geräte (siehe die FAQ zu den drei Themen:

  • How is data collected?
  • How are the calculations made?
  • What can we learn from the data?
Banner der Restarters Webseite, die die Erfolge der Reparaturanstrengungen zusammenstellt und laufend aktualisiert. 11.035 Geräte repariert, 445.782 kg CO2 eingespart, 27.602 kg. Müll verhindert, 2.252 Veranstaltungen abgehalten.
Abb. 10: Banner der Restarters Webseite, die die Erfolge der Reparaturanstrengungen zusammenstellt und laufend aktualisiert.

Aufgrund ihres strengen methodischen Ansatzes protokollieren nur die Organisator:innen der Restart Parties den Status des Artikels, der für die Reparatur zu der Veranstaltung mitgebracht wird. Die Organisator:innen sind es auch, die anschließend die Ergebnisse in die Fixometer-Online-Datenbank eintragen3. Seitens des Restart Projekts wurden bereits 17.840 Datensätze zur gemeinsamen Datenerfassung beigetragen.

repairData mit vier Sonderauswertungen

Auf dem GitHub Repositorium der Open Repair Alliance habe ich außerdem noch vier weitere Datensätze zu Batterien, Drucker, Smartphones und Tablets gefunden. Dabei wurden Datensätze mit den entsprechenden Kategorien aus der Datenbank herausgezogen und im Rahmen konzertierten Online-Aktion gesondert untersucht.

Es ging vor allem darum herauszufinden, was die Hauptursachen der Defekte sind und welche Hindernisse bei der Reparatur auftreten. Bei den öffentlichen Reparatur-Events ist meistens nicht genügend Zeit solch gezieltere Fragestellung zu untersuchen. Diese Datenbankauszüge unterscheiden sich vom Hauptdatensatz im Prinzip meistens nur um eine zusätzliche Spalte zur Kategorisierung der aufgetreten Fehler4.

Es scheint so, dass es für drei dieser nachträglichen und stärker fokussierten Untersuchungen eine Förderung seitens der EU aus dem Horizon 2020 Programm gegeben hat. Zumindest deutet eine Danksagung an ACTION (Participatory science toolkit against pollution) darauf hin.

Die jeweiligen Seiten verweisen teilweise auf eine Auflistung der Häufigkeiten und eine erste vorläufige graphische Zusammenstellung der verschiedenen Variablen. Darauf möchte ich später noch genauer eingehen, wenn ich mir selbst auch schon mal die Daten näher angeschaut habe.

Ziel von repairData

Daten dieser fünf beschriebenen Anbieter können auf der Website der Open Repair Alliance (ORA) derzeit nur separat heruntergeladen werden5. Bei der Entwicklung von repairData dachte ich, dass es für Benutzer:innen von Vorteil wäre, wenn sie die Daten bereits aggregiert zur Verfügung hätten. Diese Zusammenfassung lässt sich über die Kategorie „Datenprovider-ID“ jedoch auch wieder einfach rückgängig machen.

Mit der Aufbereitung der Daten für die große R Community hoffe ich, dass der Datensatz größere Beachtung findet und von Statistik-, Visualisierungs- bzw. Modellierungsexperten näher untersucht wird. Ich selbst habe ebenfalls vor, mir die Daten im Rahmen eines gepalnten R-Tutorial Projekts (siehe dazu meinen gestrigen Artikel zu meiner R Data Science Exkursion) näher anzuschauen.

Fußnoten

  1. Vielleicht ist das Repair Cafe Wales deshalb eine unabhängige Organisation und nicht Teil der Repair Cafe International Foundation? -> Prüfen!
  2. We talk about planned obsolescence when a manufacturer consciously makes design and manufacturing decisions that results in a limited product life. This doesn’t necessarily mean that products are made to break after a certain period. If a manufacturer designs a product in such a way that it cannot be disassembled, or if they decide not to make spare parts, repair information, or software updates available, they are making a deliberate choice that result in a limited product life – the product becomes obsolete due to the manufacturer’s decision not to support its prolonged use. (Siehe das Zitat und weitere Informationen dazu auf der FAQ Seite von Right to Repair.
  3. Ich vermute, dass es vor allem die hohen wissenschaftlichen Ansprüche von „The Restarter Project“ waren, die eine standardisierte Datenerfassung forcierten und zur Gründung der ORA geführt haben. -> Prüfen!
  4. Wenn ich schreibe „im Prinzip“, dann möchte ich damit andeuten, dass diese vier Untersuchungen nicht ganz einheitlich verlaufen sind.
  5. Obwohl auf der Website selbst das Gegenteil behauptet wird. „We provide an aggregate dataset of all datasets combined together, as well as links to locations of individual datasets from partner organisations.“

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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