H5P: Image Choice

Mit dem neuen Image Choice Inhaltstyp können Fragen durch eine Bilderauswahl beantwortet werden. Darüber hinaus kann dieser Übungstyp aber auch für visualisierte chronologische Abläufe, Visualisierungsaufgaben und (psycho)logische Experimente genutzt werden.

Logo des H5P Inhaltstyps Image Choice

Nach langer Pause habe ich zur bisherigen H5P-Artikelserie eine weitere Folge geschrieben. Anlass ist der relativ neue H5P Inhaltstyp Image Choice. Dabei wird eine Frage durch die Auswahl von Bildern beantwortet.

Einfach aber gut

Der Inhaltstyp ist sehr einfach aufgebaut. Nach der Formulierung der Fragestellung bietet das gewohnte Formular das Hochladen von Bildern an. Es können beliebig viele Bilder für die Frage hoch geladen werden. Für jene Bilder, deren Auswahl für die jeweilige Fragestellung richtig ist, muss eine Checkbox angekreuzt werden.

Außerdem muss ein Alternativtext eingeben, der immer dann erscheint, wenn das Bild nicht geladen werden kann. Auch Software, die Text in Sprache umwandelt („text-to-speech reader“), verwendet diesen Text. Die Eingabe von Text, der erscheint, wenn sich die Maus über den Bild befindet („hover text“), ist ebenfalls möglich, jedoch nicht verpflichtend. Das ist allerdings eine praktische Möglichkeit für die Übermittlung zusätzlicher Informationen.

In den Einstellungen am Ende des Formulars kann noch das Seitenverhältnis angegeben werden und die maximale Anzahl der Bilder pro Zeile festgelegt werden.

Voilá! Das war es auch schon!

Eine Idee für eine mögliche Erweiterung

Ich könnte mir vorstellen, dass es didaktisch sinnvoll wäre, wenn für jedes der gewählten Bilder es auch noch einen Feedback-Text geben würde. Es könnte dann nämlich zielgenau erklärt werden, warum ein ausgewähltes Bild nicht korrekt ist.

Einige Ideen zur Anwendung

Das „offizielle“ Beispiel zur Demonstration des neuen Inhaltstyps lautet „Welches der Tiere lebt im Wald?“. Es verwendet daher das naheliegende Muster für eine Fragestellung „Welches der auf den Bildern dargestellten Motive erfüllt die externe Bedingung X?“

Damit ist dieser Inhaltstyp jedoch bloß eine bildlich dargestellte Multiple-Choice-Frage. So lässt sich z.B. obige Muster-Fragestellung

relativ einfach in eine textbasierte Mehrfach-Auswahlantwort umwandeln:

Welches der Tiere lebt im Wald?

  • der Tiger
  • der Papagei
  • die Kuh etc.

Sicherlich ist die visuelle Version ansprechender, jedoch von der kognitiven Aufgabe jedoch gleichwertig. Ich glaube aber, dass Image Choice auch für andere Fragen genutzt werden kann!

Fehler in der Bildsequenz

Es könnte z.B. eine Bildsequenz dargestellt werden, die an einer (oder an mehreren) Stelle(n) inhaltlich oder von der Reihenfolge her falsch ist. Lernende müssten herausfinden, wo der Fehler im jeweiligen Vorgang (Prozess/Handlung) besteht.

Anschauungsgebundenes Denken

Eine andere Möglichkeit Image Choice einzusetzen, besteht darin, dass der Prozess der Visualisierung selbst zum Gegenstand der Frage wird.

Psycho(logische) Übungen / Experimente

Die dritte Variante, die mir mit Image Choice einfällt, sind psychologische Tests. Lösen Sie als Beispiel die beiden folgenden Aufgaben. Einen erläuternden Kommentar finden Sie nach den beiden Übungen:

Abstrakte Logik

Alltagslogik

Kommentar

Beide Übungen haben die logische Schlussfigur Modus tollens zur Grundlage:

Prämissen: A → B
¬B
Conclusio: ¬A

Die obigen Symbole bedeuten: Wenn A dann B. Es gilt Nicht-B. Dann kann auf Nicht-A geschlossen werden.

Wenn wir Temperaturen unter Null Grad Celsius haben, dann bleibt der Schnee liegen.

Der Schnee bleibt nicht liegen.

Also haben wir keine Minusgrade (Temperaturen unter Null Grad Celsius).

Das interessante an dieser Schlussfolgerung ist, dass sie im Alltag keine Probleme macht, im rein logischen, abstrakten Denken jedoch schon. Im ersten Beispiel mit den Buchstaben und Zahlen drehen viele Leute nur den Buchstaben E um, – und nicht auch die Zahl 7! Das ist aber notwendig, denn es könnte ja sein, dass auf der Rückseite ein Vokal steht und damit die Regel verletzt wird. Beim äquivalenten Alltagsbeispiel hingegen wird häufig durchaus kontrolliert, ob nicht auch mit einem ungültigen Führerschein gefahren wird, d.h. es wird auch der ungültige Führerschein umgedreht.

(Zugegeben: Diese Aufgabe könnte auch als textbasierte Mehrfach-Auswahl formuliert werden. Ich wolle einfach zeigen, dass übliche (psycho)logische Tests sich mit diesem Inhaltstyp nachbauen lassen.

Zusammenfassung

Der neue H5P Inhaltstyp Image Choice ist einfach zu bedienen. Er eröffnet eine Reihe neuer Möglichkeiten, die über die Standard-Anwendung einer visualisierten Multiple-Choice-Übung hinaus gehen. Ich habe die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten mittels einer chronologischen Sequenz, einer Visualisierungsaufgabe und einem psycho-logischen Experiment exemplarisch demonstriert.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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