eEducation-Projekte: Lesson learned

Lesson learned: 10-jahre-eeducation Im Rahmen des 9. Universitätslehrgangs eEducation haben wir zum ersten Mal angeboten, dass WordPress-Installationen des Departments mit der vom uns gekauften Plugin-Suite Namaste/Watu Pro verwendet werden können. Ich habe diese Software während meines letzten Sommerurlaub in Kroatien gefunden, getestet und schließlich für das Department angeschafft. Im Rahmen der Entwicklung eines eigenen interaktiven Online-Kurses zur Akteur-Netzwerk-Theorie habe ich den professionellen Umgang gelernt und die didaktischen Möglichkeiten dieser Softwarepakete damit ausgelotet.

Das zentrale didaktische Konzept von eEducation besteht darin, dass unsere Studierenden nicht nur über bildungstechnologische Werkzeuge lernen, sondern mit diesen Programmen praktisch arbeiten und tatsächlich nutzbare Projekte entwickeln. Deshalb wird eEducation ständig „rund erneuert“, d.h. es wird laufend neue Software angekauft und in das Lehr-Portfolio integriert. Der nachfolgende Video wurde noch aufgenommen, bevor Namaste/Watu Pro angekauft wurde.

Vier der fünf Arbeiten haben unser Angebot der WordPress-Installationen am Department wahrgenommen und zu dem von der Projektgruppe gewählten Themen entsprechende Online-Materialien entwickelt. Dabei haben sich einige Schwierigkeiten gezeigt, über die nachfolgend berichten möchte, damit sie in Zukunft vielleicht vermieden werden können.

Wann brauchen Sie welche Erweiterungen?

Das größte Problem war es, dass es viele (nämlich sechs) Plugins gibt, deren Verwendungszweck nicht klar ausgeschildert ist. Obwohl nur drei davon direkt im WordPress-Administrationsmenü sichtbar sind (Namaste! LMS, Watu PRO und Watu Pro Play), kommen noch zwei weitere Einträge (Meine Kurse, Meine Quizze) hinzu, die Zugänge und Ergebnis-Berichte für Lernende organisieren.  Die dahinter liegenden Unter-Menüs bringen Neulinge ob ihrer Vielfalt erst recht zum Verzweifeln.

Menüs der KibokoLabs Plugins

Die drei Plugin-Menüs in ihrer vollen Funktionsvielfalt und Komplexität

  • Namaste! LMS ist ein Lernmanagement-System in WordPress. Diese Erweiterung brauchen Sie nur dann, wenn Sie einen betreuten Online-Kurs entwickeln wollen, der zu überprüfende Einsendeaufgaben und Kommunikation mit den Lehrpersonen erfordert.
  • Watu Pro ist ein Quiz-Plugin, der mit seinen vielen fortgeschrittenen Funktionalitäten eigentlich das Kernstück der Erweiterungen darstellt.
  • Watu Pro Play ist eine Ergänzung von Watu Pro zur Verwaltung von Belohnungen (Levels, Badges und andere virtuelle oder reale Gratifikationen) und Darstellung von Ergebnissen (Ranglisten, Balkendiagramme etc.).

Lesson Learned: Erfahrungen aus den Projektentwicklungen

Nachfolgend stelle ich die wichtigsten Learnings aus dieser ersten Runde von Projekten mit den WordPress-Erweiterungen zusammen.

Lesson learned 1: Brauchen Sie überhaupt ein LMS?

Überlegen Sie ob Sie überhaupt ein LMS  benötigen! (Das ist vielleicht der wichtigste Tipp.) Wenn Sie freien Zugang zu allen Materialien garantieren wollen, dann ist die für Namaste! LMS notwendige Einschreibung bereits ein Widerspruch. Eine Sequenzierung der Inhalte können Sie auch durch Einstellen von Erfolgsbedingungen und Voraussetzungen bei Quizzes erreichen.

Lesson learned 2: Mit Watu Pro das Design beginnen!

Beginnen Sie Ihr didaktisches Design mit Watu Pro-Quizze! Das LMS ist einfach gebaut und ein Kurs besteht im Prinzip aus WordPress-Seiten (Lektionen), die – wenn bestimmte Bedingungen erreicht sind – sequentiell abgearbeitet werden. Im Normalfall können studentische Projektgruppen keine nachhaltige Kursbetreuung sicher stellen, sodass Namaste! LMS für zeitlich limitierte Projektarbeiten selten benötigt wird. Wenn dies der Fall ist, können Sie die von Ihnen entwickelten Quizze statt in „normale“ WordPress-Seiten in Namaste-Lektionen einbauen.

Lesson learned 3: Einstiegsbarrieren so niedrig wie möglich halten!

Wenn Sie keine akkumulierten Lernergebnisse benötigen, dann brauche Sie im Normalfall keine Registrierung der Nutzer/innen. Wenn doch, dann erklären Sie sorgfältig die notwendigen Schritte. Bedenken Sie, dass Nutzer/innen sich zuerst einmal in WordPress  registrieren müssen und sich dann aber noch extra in den jeweiligen Kurs einschreiben müssen.

Bei einer klar abgegrenzten Zielgruppe (z.b. Schulklasse) kann es sinnvoll und praktisch sein, die Registrierung gesammelt über eine Excel-Tabelle vorzunehmen. Es gibt dafür entsprechende WordPress-Plugins, wie z.B. Import user from CSV with Meta.

Meistens ist es auch sinnvoll, wenn Lernende nicht auf die Menüs im Backend („Meine Kurse“ und „Meine Quizze“) angewiesen sind, sondern alle wichtigen Funktionen mit entsprechenden Shortcodes im Frontend nach gebaut werden.

Lesson learned 4: Systematische Qualitätskontrolle organisieren!

Überprüfen Sie Ihre Entwicklungen aus der Sicht von Lernenden. Melden Sie sich dazu als Admin von WordPress ab (oder öffnen Sie einen anderen Browser) und melden Sie sich als Student in ihrem Kurs an. Testen Sie alle angebotenen Inhalte systematisch. So füllen Sie beispielsweise in einem Quiz die Fragen nicht nur richtig, sondern auch teilweise richtig oder falsch aus. Machen Sie bewusst falsche Eingaben, probieren Sie in Bereiche Zutritt zu erlangen, die eigentlich noch geschlossen sein sollten. Sehen Sie sich die Ergebnisse (erreichten Punkte) und Feedback-Meldungen an, kontrollieren ob Sie den vorgesehenen neuen Level erreicht haben, ob Sie ein Badge zugestellt bekommen haben, ob das automatisch generierte Zertifikat richtige Angaben enthält usw. usf.

Wenn Sie glauben, dass Ihre Entwicklung soweit korrekt arbeitet und alles funktioniert, dann testen Sie ihr System mit ihrer Zielgruppe z.B. Schüler/innen, Mitarbeiter/innen Ihres Betriebes usw. Das kann in zwei Versionen geschehen, die sich gegenseitig ergänzen:

Version 1: Setzen Sie sich neben Ihre Versuchsperson und schauen Sie zu, wie sie sich im in Ihrem System zurecht findet. Klappt die Registrierung und Anmeldung? Werden die relevanten Links für die Navigation gefunden? Ist klar was zu tun ist?

Version 2: Versenden Sie den Link zu Ihrer Projektseite an Ihre Versuchspersonen.

In beiden Fällen: Fragen Sie anschließend Ihre Test-User/innen über deren Eindrücke und sehen Sie im Backend nach, was gemacht wurde, welche Daten produziert worden sind. Wenn Ihre Test-Personen nicht die Zeit (und Geduld) haben Ihre gesamte Entwicklung durch zuarbeiten, dann bereiten Sie von Ihnen registrierte Test-User/innen so vor, dass Ihre Test-Personen mit den entsprechenden Login-Daten dort einsteigen können, wo Sie den Test durchführen lassen wollen.

Lesson Learned 5: User-Interface und didaktisches Design abstimmen!

  • Wenn Sie mehrere Auswahlantworten anbieten, davon aber bloß eine Antwortvorgabe richtig ist, dann dürfen Sie nicht Multiple-Choice (Check Boxes) wählen, sondern müssen eine Single-Choice-Frage (Radio Button) entwickeln.
  • Wenn Sie eine Multiple-Choice-Frage entwickeln, dann müssen Sie die falschen Antwortvorgaben mit Strafpunkten versehen, sonst können gewitzte Nutzer/innen alle Antwortvorgaben auswählen, weil dann immer auch die richtigen darunter sind.
  • Wenn Sie einen Multiple-Choice-Test entwickeln, überlegen Sie wann eine Frage als richtig beantwortet gilt:
    • Wenn alle richtigen Antwortvorgaben und keine falschen Antwortvorgaben ausgewählt wurden,
    • Wenn zwar nur richtige Antwortvorgaben ausgewählt wurden, aber nicht alle
    • Wenn es eine positive Punkteanzahl gibt als Resultat davon, dass mehrheitlich richtig Antwortwortvorgaben ausgewählt wurden.
  • Wenn Sie einen Lückentext konzipieren, prüfen Sie ob Sie nicht das semantische Wortverständnis des Satzes abfragen, statt die intendierte Lücke. Verwenden Sie im Zweifelsfällen das Cloze-Format, das für jede Lücke eine Menüauswahl bereit stellt.

Zusammenfassung und weitere Pläne

Ich hoffe, dass die obigen Ratschläge in der nächsten Runde helfen, Fehler zu vermeiden. Ein Problem mit den hier erwähnten WordPress-Erweiterungen besteht darin, dass die Plugins in ihren PRO-Versionen jeweils getrennt verkauft werden und daher eine ganze Reihe sich überlappender Features aufweisen. Dazu kommt noch, dass die Erweiterungen durch Kundenanforderungen „gewachsen“ sind, viele Redundanzen besitzen und das Interface dementsprechend wenig „aufgeräumt“ wirkt.

Außerdem ist die Hilfe an verschiedenen Stellen in das Backend integriert. Die deutsche Übersetzung stammt von mir, und ist in einigen Fällen deutlicher und klarer formuliert als das Englische Original. Es gibt keine systematische Dokumentation oder einen didaktisch aufgebauten Leitfaden. Das wäre ein schönes Projekt für die nächste Runde von eEducation! So könnte z.B. eine Screencast-Einführung in die Nutzung dieser Erweiterungen nicht nur für unsere Studierenden hilfreich sein…

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