Hat es sich ausgeFURLt?

Im Zusammenhang meiner Recherchen zum Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch habe ich mich auch mit Fragen des persönlichen Informationsmanagement (PIM) beschäftigt. Das betrifft jetzt nicht nur die Techniken von Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten sondern ist auch ein Thema im Zusammenhang von Social Software bzw. Web 2.0. Fragen: Worin besteht der Unterschied zwischen der Ablage in eine hierarchischen Ordnerstruktur und dem Anhängen von sogenannten Tags an die betreffende Objekte?

In diesem Zusammenhang bin ich auf einige interessante Dinge gestoßen, die auch mein persönliches Informationsmanagement betreffen.

Mein persönliches Informationsmanagment (PIM): 19. oder 21. Jahrhundert?

Im Zusammenhang meiner Recherchen zum Buch wissenschaftlich.arbeiten.buch habe ich mich auch mit Fragen des persönlichen Informationsmanagement (PIM) beschäftigt. Das betrifft jetzt nicht nur die Techniken von Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten sondern ist auch ein Thema im Zusammenhang von Social Software bzw. Web 2.0. Fragen: Worin besteht der Unterschied zwischen der Ablage in eine hierarchischen Ordnerstruktur und dem Anhängen von sogenannten Tags an die betreffende Objekte?

In diesem Zusammenhang bin ich auf einige interessante Dinge gestoßen, die auch mein persönliches Informationsmanagement betreffen.

Sammler und Jäger

So habe ich beispielsweise erfahren, dass die meisten Menschen lieber eine bereits aufgefundene und abgespeicherte Website über Google neu aufrufen, statt sie in ihrem persönlichen Linkablagesystem zu suchen. Ich auch! Und zwar ist die neuerliche Suche über Google unabhängig davon ob sie mit dem hierarchischen Lesezeichen-Manager des eigenen Browser oder in einem Social Tagging-System abgespeichert wurde. So weit, so gut. Das Fatale daran aber ist es, dass die meisten Menschen brav Ihre Links weiterhin in ihrem System abspeichern. Ich auch! (Smith, Gene. Tagging: People-Powered Metadata for the Social Web. Addison-Wesley Longman, Amsterdam, 2008, p.25 – ohne jedoch die Quelle zu nehmen. Möglicherweise ist die Quelle jedoch irgendwo auf Keeping Found Things Found, einem Projektwebsite der University of Washington. Möglicherweise aber stammen die Daten auch aus einer der vielen Studien des Pew Internet & American Life Projects. )

Möglicherweise ist für dieses irrationale Verhalten eine Sammler und Jägermentalität ausschlaggebend. Etwa nach dem Motto: Was ich im unübersichtlichen und chaotischen Internet gefunden habe, dass muss ich mir gut aufbewahren, damit ich es wieder schnell finde. – Aber schon bei einer gar nicht allzu großen Anzahl von Objekten ist das Wiederauffinden gar nicht mehr so einfach. Vor allem, wenn man dann nicht so gut durchdachte Werkzeuge und Algorithmen wie Google zu Hand hat.

Im Zusammenhang mit Zotero (siehe auch meinem Artikel dazu) habe ich allerdings in letzter Zeit keine Bookmarks weder in Furl noch in meinem Browser gesammelt. Zotero hat hier meine Gewohnheiten grundlegend geändert: Nicht nur das Sammeln von (bibliografie-fähigen) Links sondern vor allem die Möglichkeit, dass dann auch noch Notizen, Dateien, Screenshot – die selbst wiederum annotiert werden können – angefügt werden können, haben hier für mich den Ausschlag gegeben. Außerdem ist das lokale Informationsmanagement (umordnen, taggen etc.) schneller und auch vom Handling leichter als in Furl.

Bei Stress: Rückfall ins 19 Jahrhundert

Einen anderen interessanten Hinweis lese ich ebenfalls im oben erwähnten Tagging-Buch: Im 19 Jahrhundert wurde Papier in Schubladen von Schränken gestapelt, also horizontal aufeinander gestappelt. In einem Haufen von Papier ist es natürlich recht schwierig etwas zu finden. Erst 1893 auf der Weltmesse in Chicago wurde die Innovation des vertikalen Ablagesystems in Ordner vorgestellt und gewann eine Goldmedaille. Die Desktop Metapher ist auch weiterhin beim Ablagesystem des Computers mit seinem hierarchisches Ordnersystem vorherrschend. Erst jetzt im 21. Jahrhundert beginnt sich diese Metapher mit dem Taggen aufzulösen.

Ich habe bei mir bemerkt, dass ich zu Stresszeiten – also wenn ich z.B. dabei bin, ein Buch fertig zu schreiben – mit meinem Informationsmanagement ins 19 Jahrhundert zurückfalle: Die Unterlagen werden aus dem vertikalen Ablagesystem (= Beneordner oder Leitzordner) herausgenommen und in ein horizontales Ablagesystem transferiert. Damit ich in diesen Stößen von Papier aber noch etwas finde, werden die Haufen horizontal verteilt. Dann muss ich das entsprechende Dokument nicht nur in dem einem hohen Haufen entsprechend einer Abschätzung in der Y-Koordinate herausfischen, sondern habe zur Orientierung auch eine Y- und sogar eine Z-Koordinate zur Verfügung. Diese Mischvariante mündet schließlich bei anhaltendem Stress in die sogenannten Schüttschlichtung. (siehe Bilder zu diesem Beitrag)

Ich habe mir heute (eigentlich gestern, denn es ist jetzt schon nach Mitternacht) einige Bücher zum PIM über Amazon bestellt. Der Grund ist nicht die Recherche für mein Buch… 😉

  • Allen, David. Getting Things Done. The Art of Stress-Free Productivity. Penguin, 2003.
  • Jones, William. Keeping Found Things Found: The Study and Practice of Personal Information Management. Academic Press, 2007.
  • Jones, William P., und Jaime Teevan. Personal Information Management. University of Washington Press, 2007.
  • Wright, Alex. Glut: Mastering Information Through the Ages. National Academy Press, 2007.

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