Uni-Forschung: It’s the economy, stupid

Wenn Sie rechts auf mein LibraryThing Widget schauen, werden Sie immer öfter Bücher zu den Themen Ökonomie sehen. Der Grund für diese scheinbar "fachfremde" Literatur ist meine zunehmende Beschäftigung mit Fragen der Forschungspolitik. Mir wird – insbesondere nach dem Lesen von Die akademische Elite – zunehmend klarer, dass gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen meine Arbeit- und Lebenssituation nachhaltig (negativ) beeinflussen. (Siehe auch meinen  Beitrag Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte.) Der Clinton-Spruch It’s the economy, stupid gilt offensichtlich auch für uns ForscherInnen.

Wenn Sie rechts auf mein LibraryThing Widget schauen, werden Sie immer öfter Bücher zu den Themen Ökonomie sehen. Der Grund für diese scheinbar „fachfremde“ Literatur ist meine zunehmende Beschäftigung mit Fragen der Forschungspolitik. Mir wird – insbesondere nach dem Lesen von Die akademische Elite – zunehmend klarer, dass gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen meine Arbeit- und Lebenssituation nachhaltig (negativ) beeinflussen. (Siehe auch meinen  Beitrag Forschungsmanagement statt Forschungsinhalte.) Der Clinton-Spruch It’s the economy, stupid gilt offensichtlich auch für uns ForscherInnen.

Fehlentwicklung an den Universitäten

Zu meiner Kritik, dass sich sich ProfessorInnen immer mehr mit Verwaltung und Management statt Inhalten herumschlagen müssen, bekam ich einige zustimmende Rückmeldungen. Es ist interessant, dass diese zustimmenden Äußerungen meistens nicht im Weblog erfolgten, sondern als private Mail an mich gingen. Es handelt sich offensichtlich um ein Thema, das (noch?) nicht öffentlich attackiert werden kann, das einen klagenden – fast schon weinerlichen – Beigeschmack hat.

Ich sehe drei Ebenen, wie dieses Problem angegangen werden kann:

  1. individuell,
  2. institutionell und
  3. gesellschaftspolitisch.

ad 1) Es ist vor allem die individuelle Sichtweise, die diesen larmoyanten Beigeschmack hat. Wir sind ja selber „Schuld“, wenn wir zu viel arbeiten. Organisiere Dich halt besser oder lerne „Nein“ zu sagen und nimm nicht so viele Einladungen für Vorträge, Artikel etc. an. Ich gebe schon zu, dass hier sicherlich immer auch ein gewisses Optimierungspotential – wie es so schön in der Managementsprache heißt – liegt. Ich kann mich aber nicht den Eindruck erwehren, dass es in erster Linie ein Kampf um unsere Identität als ForscherInnen ist. Wenn schon nicht die Idee (obwohl ich glaube, dass da auch einiges faul ist!) dann aber sicherlich die Umsetzung des New Public Managements (NPM) ist aus meiner Sicht so nicht für die Universitäten tragfähig und für die Entleerung unserer inhaltlichen Tätigkeiten mitverantwortlich.

ad 2) Die Universitäten befinden sich selbst in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite sollen sie unter dem Titel der „Vollrechtsfähigkeit“ eigenständig handeln, auf der anderen Seite werden ihnen durch die streng reglementierten BA-MA Studienordnungen mit den dazugehörigen Evaluierungen und Kontrollen sowie der nicht ausreichenden Finanzierung Rahmenbedingungen aufgezwungen, die das vollmundige Ziel der Autonomie ad absurdum führen. Dazu kommt noch, dass die Transparenz und damit auch die Verantwortung der EntscheidungssträgerInnen im „Bermuda“-Dreieck zwischen Hochschulleitung, Universitätsrat und Ministerium verloren geht. (Siehe dazu auch den kritischen Beitrag von Robert Pfaller: Ein Aufstand gegen die Kanalisateure des Wissens.)

ad 3) Die viel gepriesene Autonomie der Universitäten hat zu einem Rückzug der Verantwortung der Staates und damit auch der Finanzierung durch die öffentlichen Hand geführt, gleichzeitig aber werden die Rahmenbedingungen weiterhin von der Politik vorgegeben. So werden die steigenden Studierendenzahlen in Österreich – woran angeblich die Flucht der Deutschen vor den Numerus Clausus in ihrem eigenen Land die Hauptschuld haben soll –  weder durch zusätzliche Budgetmittel und Personal noch durch Zulassungsbeschränkungen aufgefangen. Ich schreibe „angeblich“, weil Österreich eigentlich höhere Studierendenzahlen von sich aus anstreben sollte: Wir stehen in unserer geringen Akademikerquote im internationalen OECD-Vergleich extrem schlecht da!

[In Deutschland übrigens sieht die Situation bezüglich Studierendenzahlen infolge der doppelten Abiturentenjahrgänge offensichtlich nicht viel besser aus; eine Belastung, die sich nach Meinung von Experten nicht durch eine einmalige Spitze bemerkbar macht, sondern sich durch Übertritt an die Uni durch Wehrdienst etc. über mehrere Jahre auswirken wird. Es wird also „keine Spitze geben, sondern ein Hochplateau, das langsam abbaut“ (Thimo von Stuckrad vom deutschen Centrum für Hochschulentwicklung CHE).]

Sich stärker mit (Bildungs-)Ökonomie auseinandersetzen

Vor steigenden Studierendenzahlen führen die strategischen Ausrichtungen wie Kundenorientierung und Zielvereinbarungen (und wie die schönen Begrifflichkeiten des NPM auch alle lauten mögen) bei gleichzeitiger Einschränkung bzw. Stagnation der Finanzierung bloß zu einer stärkeren Lehr- und Verwaltungsbelastung und zu eine merkbaren Verschlechterung des internationalen Forschungsrankings (was ja auch schon sehr beklagt wird, siehe Die Presse und News).

Bisher war ich der Meinung, dass ich dieser unglücklichen Entwicklung durch konkrete Sacharbeit in meinem eigenen inhaltlichen Bereich (Mediendidaktik) ein Stück weit ignorieren kann. Ich war – etwa nach dem Motto: „Andere Baustelle“ – der Auffassung, dass ich mich nicht „um alles“, „um so grundlegende Rahmenbedingungen“ etc. auch noch kümmern kann. Inzwischen glaube ich aber, dass man/frau sich dieser Entwicklung – und der damit verbundenen Fragestellung – nicht  entziehen kann.

Ich habe den Eindruck, dass die Ökonomisierung der Bildung in Zusammenspiel von NPM eine äußerste negative Mischung abgibt. Bildung bloß als Ware anzusehen, halte ich schon alleine deshalb für falsch, weil die „Kunden“ (wenn wir unsere Studierenden so nennen wollen) an der Produktion der „Ware“ selbst mitarbeiten müssen, damit sie wirksam wird. Das macht Bildung grundsätzlich anders als all die anderen am Markt angebotenen Produkte. Die traditionelle Marktlogik, denen die NPM-Ansätze verpflichtet sind, ist aus meiner Sicht für Bildungsfragen (und damit für Bildungsinstitutionen wie Schulen und Universitäten) nicht anwendbar. Ich glaube daher, dass wir Bildungswissenschaftler uns stärker mit grundsätzlichen ökonomischen Fragestellungen beschäftigten sollten. Die noch recht junge Diskussion zur Steuerung von Bildungsprozessen (Educational Governance) läuft sonst Gefahr bloß ein weiterer Anwendungsfall von New Public Management zu werden.

Re:Uni-Forschung: It’s the economy, stupid

Kommentar von Vohle am 30.10.2009 19:17

Hallo Peter, wir haben Ende 2008 mit unserem Miniverein Ökonomie & Bildung im Rahmen einer Veranstaltungsreihe bei der Hanns-Seidel Stiftung auf diese Entwicklungen hingewiesen. http://www.frank-vohle.de/node/170. Das betrifft eben nicht nur die Universitäten, sondern auch Schulen und Kindergärten. In früheren Jahren hatten wir im Verein immer das Problem, dass uns das Anschauungsmaterial fehlte, weil die E f f e k t e der gesellschaftspolitischen Entscheidungen (Ökonomisierung) noch „weit weg“ waren. D.H., dass gefährliche an dieser subtilen Entwicklung ist, dass die Bildungsakteure erst rel. spät auf die Auswirkungen der Entscheidungen aufmerksam werden, du sagst, „Nicht meine Baustelle (gewesen)“. Mit Bolonga ist es so gelaufen: Anfänglich waren die Rahmenvorgaben ok (rel. hoher Handlungsfreiraum bei Lehrenden, mann/frau konnte der Idee sogar was abgewinnen, das haben wir in Augsburg ja auch so empfunden und entsprechd den Freiraum genutzt). Durch die F o r m a l i s i e r u n g -Prozesse der Akkredittierungsanstalten wird die Ausgangsidee aber verdreht, man erstickt in ineffizienten Evaluationsverfahren und starren, wenig bedarfsorientierten Vorgaben, kurz: Form und Inhalt werden getrennt. Am Ende gibt es keine rechte Exit-Strategie, oder man risikiert z.B. den Preis der Nichtakkreditierung, was in einem Bildungsmarkt ungünstig scheint (entscheiden Studenten nach Labels?).
Mit Blick auf die Worte von Herrn Prof. Herrmann von der Technischen Universität München („Wir machen den Quatsch nicht mit“ => siehe Blogeintrag), kann man sich über eine angemessene „Bildungs-Ökonomie“ Gedanken machen, ja da stimme ich dir zu! Die Herausforderungen liegen dabei meines Erachtens im Bindestrich.
Viele Grüße Frank

Re:Uni-Forschung: It’s the economy, stupid

Kommentar von reinmannam 31.10.2009 08:03

Hallo Peter,
erstens kann ich mich Frank nur anschließen. Zweitens bleibe ich vor allem an folgenden Sätzen hängen: „Zu meiner Kritik, dass sich sich ProfessorInnen immer mehr mit Verwaltung und Management statt Inhalten herumschlagen müssen, bekam ich einige zustimmende Rückmeldungen. Es ist interessant, dass diese zustimmenden Äußerungen meistens nicht im Weblog erfolgten, sondern als private Mail an mich gingen.“ Da kann ich nur zustimmen: Wenn ich in meinem Blog solche Themen anspreche (kommt ja ab und zu vor), dann wird da im Gegensatz zu anderen Inhalten, wesentlich weniger kommentiert. Es wird aber auch weniger abgerufen! Und man liest auch in anderen Blogs eher weniger darüber. Gründe? Vielleicht werden negative Folgen befürchtet, z.B. wenn Mitglieder von Unileitungen und Gremien mitlesen und sich auf die Füße getreten fühlen. Vielleicht empfinden andere die aktuelle Situation aber auch anders und es gibt einfach weniger Zustimmung bei dieser Form von Kritik. Vielleicht sagen sich aber auch viele, dass das Klagen eh nichts nutzt und verwechseln das mit einer öffentlichen Diskussion, die dann vermieden wird (man will schließlich nicht als Bremser oder als jemand dastehen, der von gestern ist). Vielleicht gibt es aber noch viele andere Gründe – ich weiß es nicht. Aber was kann man tun? In die Politik gehen? Zum Querulanten werden? Passiven Widerstand leisten? Den Kontext ausblenden und da, wo man selbst gestalten kann, das Maximum rausholen und sonst still halten? Sich aufs Bloggen beschränken oder auch damit aufhören? Was willst DU tun?
Gabi

Re:Uni-Forschung: It’s the economy, stupid

Kommentar von rboulanger am 08.11.2009 22:53

@gabi:
>>> Aber was kann man tun? In die Politik gehen? Zum Querulanten werden? Passiven Widerstand leisten? Den Kontext ausblenden und da, wo man selbst gestalten kann, das Maximum rausholen und sonst still halten? Sich aufs Bloggen beschränken oder auch damit aufhören? Was willst DU tun? <<<

Peter tut das einzig Richtige, er schreibt darüber. Und Leute wie ich, die primär eigentlich nichts damit zu tun haben, lesen es, und beginnen sich ihre Gedanken darüber zu machen, sich Sorgen um ihre Kinder die mit dieser Bildungspolitik leben müssen zu machen, oder erfahren einfach Neues oder neue Blickwinkel über das Thema.
Keiner muss in die Politik gehen, querulieren, rebellieren oder revolutionieren. Kann man auch (noch) nicht. Weil viel zu viele in der Bevölkerung nicht wirklich Bescheid wissen. Aber jedermann kann eines tun: Nämlich andere zu informieren, aufzuklären und Diskussionen anstossen. Dies ist oftmals mehr wert als eine aussichtslose Revolution zu starten, oder mit dem Kopf gegen eine Wand zu rennen die man doch nicht einreissen kann. Zumindest nicht alleine. Wenn aber genügend auseichend darüber aufgeklärt sind und eine Meinung teilen, gelingt es vielleicht doch. Zumindest wenn wir dann noch behaupten können wir leben in einer Demokratie.

Just my 2 cents

-Robert

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