Übersetzungen II: Loco Translate – ein praktisches Werkzeug

Ich habe eine Reihe weiterer WordPress Plugins für den Bildungsbereich übersetzt und auf meiner Webseite zum Download zu Verfügung gestellt. Dieser Artikel ist der zweite Teil eines Beitrags der meine Motivation für diese Übersetzungsarbeit erklärt. Ich gehe auf die Arbeitsweise von Loco Translate ein und stellen einige philosophische Überlegungen mit konstruktivistischem Hintergrund an.

languagesIch habe keine Erfahrung, wie die Übersetzungsarbeit früher – noch mit Hilfe von poedit – gemacht worden ist. Da aber poedit ein externes Programm ist, gehe ich davon aus, dass die Integration nicht so einfach und praktisch war, wie dies jetzt mit Loco Translate der Fall ist. Außerdem muss jetzt mit den neuen Updates von WordPress auch nicht mehr mit der Variable WPLANG in wp-config.php herum gefummelt werden, weil die Spracheinstellung jetzt direkt über das Menü Einstellungen>Allgemein justiert werden kann.

Loco Translate – der „offizielle“ WordPress-Plugin für Übersetzungen

Nach dem Laden zeigt Loco Translate den Grad der Übersetzungen für alle Sprachen von allen Plugins an
Nach dem Laden zeigt Loco Translate den Grad der Übersetzungen für alle Sprachen von allen installierten Plugins an

Ich empfehle Loco Translate nicht nur, wenn ein kompletter Plugin übersetzt werden soll. Das Übersetzungswerkzeug ist so einfach und praktisch, dass es sich sogar anbietet, einzelne Interface-Meldungen – zumindest für den eigenen Gebrauch – schnell im laufenden Betrieb zu ändern.

Loco Translate ist nicht nur als Plugin direkt in WordPress integriert, sondern wird als „offizielles“ Übersetzungswerkzeug durch Hinweise der Community vom Entwickler Tim Whitlock  aktualisiert und gepflegt. Dass er als Programmierer dabei davon lebt, und es daher auch eine kommerzielle Vermarktung des Produkts gibt, halte ich für keinen Nachteil: Dadurch ist nämlich erst recht sichergestellt, dass jemand verantwortlich hinter dem Produkt steht und die weitere Entwicklung des Plugins nicht vom bloßen Auf- und Ab engagierter Mitglieder der Community abhängig ist.

Übersetzungen als eine Form der Konstruktion der Wirklichkeit

Buchcover des Romans von Peter Hoeg
Buchcover des Romans von Peter Hoeg

Sprache ist für die Wahrnehmung der Realität sehr wichtig. Wenn die Inuits sehr viele Wörter für Schnee kennen, dann ist das kein Zufall. Ihr Leben ist davon geprägt, sodass selbst kleine Details in der Konsistenz von Schnee oder Eis sehr wichtig – oft lebenswichtig – sind. Der spannende Roman Fräulein Smillas Gspür für Schnee gibt viele gute Beispiele dafür und zeigt z.B., dass die Inuits auch ein Wort für Wasser haben, dass sich langsam in Eis verwandelt und daher bereits etwas „grieslich“, klumpig geworden ist.

Wir Österreicher (aber auch die Schweizer) sind hier auch nicht ganz so schlecht, weil wir immerhin z.B. Altschnee, Neuschnee, Pulverschnee 1, Firn 2, Harsch 3, Schneestaub 4 kennen, während z.B. die Mexikaner/innen mit „nieve“ das Auslangen finden.

Die Schnittstelle für Übersetzungen in Loco Translate
Die Schnittstelle für Übersetzungen in Loco Translate

Die Wortwahl hat also durchaus eine inhaltliche Bedeutung in der Wahrnehmung der Welt! So verwendet der Plugin Watu an verschiedenen Stellen unterschiedliche Wörter, wie quiz, test oder exam, die beispielsweise mit Quiz, Test oder Prüfung übersetzt werden könnten. Sie haben aber alle unterschiedliche Bedeutungshöfe. Zum Teil sind diese unterschiedlichen Bezeichnungen auch deshalb relevant, weil Watu verschiedene Betriebsmodi kennt: Die reichen

  • vom völlig freien Zugang (d.h. ohne Registrierung) -> Quiz?
  • über eine einzelne Anmeldung für eine spezielle Sammlung von Fragen (damit die Auswertung zugeschickt werden kann) -> Test?
  • bis hin zu einer laufenden Registrierung in einem Lernmanagement-System (damit Lernfortschritt verwaltet, bewertet und organisiert werden kann) -> Prüfung?

Weil ich hervorheben wollte, dass Watu ein ausgezeichnetes Werkzeug für das selbstbestimmte Lernen ist – und keine Lernplattform unbedingt im Hintergrund braucht – habe ich vorzugsweise den Begriff Quiz gewählt. Mein Eindruck vom Bedeutungshof dieses Wortes ist es, dass er eine lockere, fast spielerische Antwort-Fragesammlung darstellt. 5

Ähnliches trifft auf die Bezeichnungen users, students zu, die ich durchwegs mit Lerner/in übersetzt habe, weil ich das einerseits für weniger spezifisch als Student/in oder Schüler/in gehalten haben, aber es doch weit passender und konkreter ist, als bloß Nutzer/in zu sagen.

In gewisser Weise ist Übersetzung damit auch eine Machtfrage: Mit der geeigneten Wortwahl lässt sich die Konstruktion der Wirklichkeit steuern und die präferierten Verhaltensweisen leichter initiieren. Das ist also ein weiterer Grund für meine Übersetzungsleistungen: Ich möchte Verhaltensweisen, die auf selbstbestimmte Lernenden abzielen, unterstützen und fördern.

Lesen Sie auch den ersten Teil dieses Beitrags.

Fußnoten

  1. DWDS: sehr lockerer, trockener, pulvriger Schnee
  2. DWDS: mehrjähriger Altschnee des Hochgebirges, der durch wiederholtes Tauen und Gefrieren körnig geworden ist
  3. DWDS: Schnee, der an der Oberfläche hart gefroren, verkrustet ist
  4. DWDS: trockener, pulveriger Schnee aus kleinen Eiskristallen
  5. vgl. auch die Definition im DWDS: ein in heiterer Form gehaltenes Frage- und Antwortspiel, besonders bei Rundfunksendungen und Fernsehsendungen, wobei die Fragen meist in einer vorgeschriebenen Zeit beantwortet werden müssen

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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