H5P: Advanced Fill the Blanks

Advanced Fill the Blanks sind Aufgaben bzw. Übungen mit fehlenden Testpassagen. Bei falschen Antworten bekommen Lernende adäquate Rückmeldungen und Hilfestellungen. Neben Freitext-Lücken gibt es auch die Variante, dass Lernende die Antwort über eine Dropdown-Menü auswählen.

Lückentext-Aufgaben sind eine wichtige Übungsform. Sie eignen sich für sinnverstehendes Lesen von Sachtexten zu üben und fördern das Sprachverständnis. Leerstellen auszufüllen kann aber auch helfen Fachausdrücke zu erinnern oder – bei entsprechenden Übungseinstellungen – auch zu lernen. In H5P gibt es zwei Lückentext-Module:

Logo: Advanced Fill the Blanks
Logo: Advanced Fill the Blanks

Die beiden Inhaltstypen überlappen sich in ihren Funktionen. Advanced Fill the Blank ist – wie der Name schon sagt – der fortgeschrittenere Modul. Er inkludiert alle Funktionen von Fill in the Blank, ist aber auch etwas komplizierter zu erstellen.

Advanced Fill the Blanks hat zwei wesentliche Vorteile gegenüber Fill in the Blanks:

  1. Advanced Fill the Blanks bietet sowohl den Übungstyp mit der Freitext-Lücke an, hat aber auch eine Variante, wo Leerstellen mit Hilfe eines Drop-Down Menüs gefüllt werden.
  2. Advanced Fill the Blanks ist besonders geeignet für differenzierte Rückmeldungen auf falsche Antworten.

Die nachfolgende Diashow zeigt beide Varianten von Advanced Fill the Blanks in Aktion.

Umgekehrt jedoch kann leider nur Fill in the Blanks in andere H5P Module (Column, Course Presentation, Interactive Video, Question Set) integriert werden.

Advanced Fill the Blanks: Einen Lückentext erstellen

Abb. 1: Hinweise zum Erstellen von Lückentext-Aufgaben im H5P Modul „Advanced Fill the Blanks“

Zum Unterschied von Fill in the Blank werden die Textlücken bei Advanced Fill the Blanks nicht durch * umrahmt, sondern durch drei (oder mehr) Unterstriche ___ ersetzt.

Die Behandlung der Lücken mit richtigen – aber auch mit falschen – Antworten erfolgt in einem gesonderten Arbeitsgang. Wird keine Rückmeldung bei falschen Antworten vorgesehen – und auch nicht die Variante mit den Drop-Down Menüs erwünscht – dann ist es praktischer und einfacher Fill in the Blanks zu verwenden.

Abb. 2: Beispiel für eine ausgefüllte Aufgabe im „Advanced Fill the Blanks“-Editor
  1. Felder mit rotem Stern bedeuten, dass sie zwingend ausgefüllt werden müssen. Bei Advanced Fill the Blanks ist das nur ein Feld mit der richtigen Antwort. – Der rote Stern bei „Vom Nutzer eingegebene falsche Antwort“ erscheint erst, wenn „falsche Antwort hinzufügen“ aufgeklappt wurde. Das habe ich hier getan, um besser die verschiedenen Möglichkeiten erklären zu können.
  2. Wie bei Fill in the Blanks können verschiedene richtige Lösungen oder alternative Schreibweisen mit Trennstrichen aneinander gefügt werden.
  3. Statt wie bei Fill in the Blank mit einem Doppelpunkt den Text für hinweisende Tipps zu beginnen, gibt es in Advanced Fill the Blanks eine eigenes Eingabefeld dafür.
  4. Eine – typische bzw. voraussehbare – falsche Antwort wird in einem eigenen Feld eingegeben und muss mit einer Rückmeldung (Feedback) an die Lernenden kombiniert werden. (Eine falsche Antwort ohne ein dazugehöriges Feedback vorzusehen, ist zwar möglich, aber sinnlos.) Auch bei falschen Antworten können Varianten – die alle das gleiche Feedback haben – mit einem Trennstrich getrennt werden.
  5. Die Option „Hervorhebung im Text anzeigen während die Rückmeldung gegeben wird“ ermöglicht es eine bestimmte Textpassage im Lückentext hervorzuheben. Das ist dann sinnvoll, wenn auf eine spezifische Textstelle hingewiesen wird, die entweder im Feedback angesprochen wird oder sonst irgendwie zur Aufklärung des Fehlers beiträgt. Ein gutes Beispiel aus dem Sprachunterricht zeigt die H5P Demo. Dort findet sich auch ein Beispiel für die Nutzung eines Textbausteins.

Demo: Feedback zu einer vorgesehenen falschen Antworten

Das Beispiel aus Abbildung 2 folgt nun als interaktive H5P-Übung

Didaktische Überlegungen

Prinzipiell gelten einmal die gleichen Überlegungen, wie ich sie bereits für Fill in the Blanks ausgeführt habe. Ich habe dort auch schon erwähnt, dass die Schwierigkeit alle möglichen richtigen Antwortvarianten zu finden, mit der Dropdown-Menüvariante von Advanced Fill the Blanks gelöst werden kann. Allerdings wird damit der eigenständige kreative Gedankengang unterlaufen. Die Übungen ähneln dann eher einem Single-Choice Test, wo aus dem vorhandenen Optionen, die am richtigsten erscheinende Antwort heraus gesucht wird.

Menüvariante von Advanced Fill the Blanks

Ich halte aber aus zwei Gründen die Menüvariante durchaus für sehr wertvoll:

  1. Multiple Representation: Die Idee dabei ist es, das gleiche Thema verschieden aufzubereiten. Dieselben Fachbegriffe könnten sowohl als Accordion, menügeführten Advanced Fill the Blanks und Freitext-Lücken mit Fill in the Blanks angeboten werden. Lernende könnten diese drei Übungen nacheinander durchlaufen und ihr Wissen damit schrittweise festigen. Die Wiederholungen sind nicht langweilig, weil derselbe Inhalt mit verschiedenen Übungstypen angeboten wird.
  2. Nachdenken und dann auswählen: In der Menüvariante werden die Lücken als leere Menüeinträge angezeigt. Lernende könnten daher – bevor sie das Menü aufklappen! – sich eine Antwort überlegen. Und dann – in einem zweiten Schritt – ihre gedachte Antwort über das aufgeklappte Menü überprüfen.

Differenziertes Feedback bei falschen Antworten

Hier gilt es zwei Schwierigkeiten gleichzeitig zu lösen:

  • Gedanken zu typischen falschen Antworten: Das ist eine fachliche Frage, die einerseits aus der jeweiligen Fachdidaktik und andererseits durch jahrelange Lehrerfahrung beantwortet werden muss. Ein recht mühsamer Prozess also! Systematische Beobachtung und Auswertung der Antworten von Lernenden hilft dabei (Stichworte: Learning Analytics / Big Data).
  • Gedanken zu geeigneten Rückmeldungen: Da ist vor allem eine didaktische Frage, die sich aber natürlich ebenfalls aus der Fachdidaktik speist. Wesentlich dabei ist es aus meiner Sicht, dass Lernende Hilfen für neuerliche Versuche bzw. für weitere Übungen bekommen. Weder soll das Feedback aus der richtigen Antwort bestehen, noch soll es bloß aus allgemeinen Konserven für falsche Antworten generiert werden (wie „Das ist falsch, probiere es nochmals!“, „Falsch! Du hast noch einen weiteren Versuch!“ etc.).

Der Hinweis unter dem entsprechenden Eingabefeld im H5P Modul Advanced Fill the Blanks stellt Überlegung aus meiner Sicht durchaus richtig dar.

Die Rückmeldung sollte dem Nutzer dabei helfen, die richtige Antwort zu finden und dabei auf die eingegebene Antwort Rücksicht nehmen.

aus dem H5P Modul „Advanced Fill the Blanks“

Der erste Teil dieses Zitats: „Die Rückmeldung sollte dem Nutzer dabei helfen, die richtige Antwort zu finden“ ist bloß ein allgemeiner Hinweis für die Aufgabe. Das soll daher auch (nur) im entsprechenden Feld „Tipp“ untergebracht werden. Feedbacks auf falsche Antworten jedoch sollen nicht nur gezielt auf deren Inhalte Bezug nehmen, sondern auch ausgehend von dieser falschen Sichtweise einen hilfreichen Hinweis geben.

Didaktische Settings

Auch wenn der Aufbau sich etwas unterscheidet, sind die Einstellungsmöglichkeiten für Fill in the Blanks und Advanced Fill the Blanks – dort wo sie die gleichen Funktionen haben – bis auf zwei Ausnahmen identisch.

  • In Fill in the Blanks gibt es keinen Warnhinweis bei Tippfehler
  • In Fill in the Blanks gibt es keine Möglichkeit ein integriertes Bild zu zoomen.

Außerdem gibt es bei Advanced Fill the Blanks einen besseren Editor mit mehr Formatierungsotionen. Auf dieser (wichtigen) Details werde ich einem späteren Beitrag noch näher darauf eingehen. Vorerst möchte ich nur einmal die Grundstruktur der einzelnen H5P Module darstellen und diskutieren.

Wieder schließe ich den Beitrag mit Empfehlungen zu Einstellungen für selbst-organisiertes Lernen ab.

Abb. 3: Einstellungsempfehlungen für selbst bestimmtes Lernen

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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