H5P: Drag the Words

Nach „Fill in the Blanks“ und „Advanced Fill the Blanks“ eine weitere Lückentext-Aufgabe. Lernende ziehen Felder mit den fehlenden Textstücken auf die Leerstellen in den Sätzen

Zum Unterschied von den beiden bisher beschriebenen Lückentext-Aufgaben sehen Lernende bei Drag the Words alle fehlenden Textstücke gleichzeitig vor sich auf dem Bildschirm. Sie können aus diesem „Reservoir“ die ihnen passenden Wörter auswählen und in die Lücke schieben (Drag & Drop). In H5P gibt es somit nicht – wie ich früher geschrieben habe – zwei, sondern drei Lückentext-Module:

Drag the Words: Einen Lückentext erstellen

Die Erstellen des Lückentests ist identisch mit Fill in the Blanks

Abb. 1: Hinweise zum Erstellen von Lückentext-Aufgaben im H5P Modul „Drag the Words“

Der einzige Unterschied zu den Hinweisen für Fill in the Blanks besteht in dem Satz „Pro Lücke gibt es nur genau eine richtige Antwort“. Ich glaube, dieser Hinweis wäre gar nicht notwendig, weil es sowieso für jede mit Stern angezeigte Lücke genau ein Feld mit dem entsprechenden Lückentext generiert wird. Wenn zweimal derselbe Lückentext erzeugt wird, gibt es auch zwei zu verschiebende Textfelder. Wobei es egal ist, welches Wort in welche (gleich lautende) Lücke geschoben wird.

Didaktische Einstellungen

Abb. 2: Es gibt nur wenige Einstellungsmöglichkeiten bei Drag the Words

Wie aus Abbildung 2 ersichtlich, gibt es nur wenig Einstellungen. Ich verstehe nicht ganz, wieso für diese Übung weniger didaktische Settings erlaubt sind, als dies für Fill in the Blanks der Fall ist.

Vergleich mit Fill in the Blanks

Abb. 3: Einstellungsmöglichkeiten bei Fill in the Blanks

Nur die ersten drei Optionen sind auch in Drag the Words enthalten. Natürlich sind einige der zusätzlichen Optionen (wie Groß-Kleinschreibung, Tipp/Rechtschreibfehler akzeptieren) für das Setting von Drag the Words sinnlos.

Andere fehlende Optionen sind jedoch ein Manko, weil sie die Anpassung an unterschiedliche didaktische Szenarien erschweren: 

  • Kann die Lösung erst dann eingesehen werden, wenn alle Lücken gefüllt sind, so sind Lernende gezwungen jene Textstellen zwangsweise zu raten, bevor sie die Lösung einsehen können. Das ist für Lernende nervig, insbesondere dann, wenn sie sichnicht in einem Assessment- sondern in einem Übungsmodus befinden.
  • Bestätigungsdialoge sind zwar für selbst-verantwortliche Lernende nur ein – oft nerviger – zusätzlicher Klick. Ich habe daher schon in anderen Beiträgen empfohlen, die Option für selbst-bestimmtes Lernen nicht einzuschalten.
    Für Assessments sind aber Bestätigungen durchaus wichtig. Warum? Ein versehentlicher Klick auf „Überprüfen“ bricht die Aufgabe vorzeitig ab. Die Folge ist ein schlechteres Ergebnis als möglich gewesen wäre.

Die Option „Antworten nach Eingabe automatisch prüfen“ hilft hier nur bedingt:

  1. Bei längeren zusammenhängenden Textpassagen ergibt sich der Sinnzusammenhang schrittweise. Wenn immer gleich rückgemeldet wird, ob die Antwort richtig oder falsch war, verlieren diese Art von Übungen an didaktischen Wert. 
  2. Zum Unterschied von Fill in the Blanks sind alle richtigen Antworten bei Drag the Words bereits auf dem Bildschirm für Lernende einsehbar. Damit kann eine Situation eintreten, dass der Lösungsansatz nicht „aufgeht“.
    Ich meine damit eine Situation, wo die Textlücke, die beim letzten leeren Feld noch übrig geblieben ist, auf keinen Fall auf die verbleibende Lücke passt. Diese „Nicht-Passung“ führt automatisch dazu, dass Lernende die Aufgabe nach Fehler durch suchen und Änderungen vornehmen wollen. – Und dieses Zurückziehen von Textlücken ist in Drag the Words durchaus möglich.

Einen guten Lückentext zu erstellen, ist mit Drag the Words einfacher als mit Fill in the Blanks. Es müssen nämlich weder verschiedene Schreibweisen noch Lösungsvarianten vorher überlegt und vorgesehen werden.

Vergleich mit Advanced Fill the Blanks

Drag the Words ist sowohl von der Erstellung als auch vom didaktischen Schwierigkeitsgrad ähnlich gelagert wie die Menüversion von Advanced Fill the Blanks. Allerdings hat die Menüvariante von Advanced Fill the Blanks – selbst wenn nicht die Möglichkeit von spezifischen Rückmeldungen wahrgenommen wird – zwei wesentliche Vorteile. Das sieht man auch schön aus dem Vergleich der beiden Verhaltenseinstellungen:

  1. Es können bei Advanced Fill the Blank Distraktoren (falschen Antworten) inhaltlich gezielt vorgegeben werden.
  2. Oder es kann aus allen Antworten eine bestimmte Anzahl von Distraktoren gebildet werden. Das ist insbesondere bei Texten mit vielen Lücken relevant, weil die Situation etwa bei 12-15 Auswahlmöglichkeiten unübersichtlich wird, bzw. das Menü zu lange wird.

Screenshots mit dem H5P Modul Image Slider präsentiert.

Weitere Einschränkungen

Drag the Words hat neben den erwähnten fehlenden Optionen auch noch andere Einschränkungen:

1. Die Länge des Ablagefeldes ist mit 20 Buchstaben beschränkt.

Bei Wörtern/Textpassagen, die länger als 20 Zeichen lang sind, wird der Text nur mit 17 Buchstaben und drei Punkten am Ende präsentiert. Damit verringert sich der didaktische Wert bei längeren Textpassagen, weil der optische Lerneffekt (der vollständige richtige Satz) verloren geht.

Insbesondere für deutschsprachige Texte mit langen zusammengesetzten Hauptwörtern[ 1] ist das manchmal ein echtes Manko.

Warum es diese starke Einschränkung bei den Ablageflächen gibt, verstehe ich nicht. Beim Lückentext gibt es keine Grenzen. Er kann auf die entsprechenden Leerstellen gelegt werden, wird dann aber leider abgeschnitten. Beim Anzeigen der Lösungen wird jedoch der gesamte Text angezeigt.[ 2] Siehe meine Demo dazu).

2. Lange Texte scrollen nicht.

Ein anderes Problem, das mir aufgefallen ist: Zumindest beim H5P WordPress Plugin lässt sich bei langen Texten das Feld mit dem Lückentext nicht in die Lücke schieben. Das Programm reagiert nicht darauf, dass die Maus am oberen Rand des Bildschirms angelangt ist. Der Bildschirm müsste nach oben scrollen, tut es aber nicht. (Siehe meine Demo dazu.)

3. Der Editor des Textfelds hat keine Formatierungsoptionen

Zum Unterschied von anderen H5P Modulen fehlt bei Drag the Words ein Editor mit Formatierungsfunktionen. Es kann nur einfacher Text eingegeben werden.

Zusammenfassung

Mit Drag the Words lassen sich recht einfach Lückentexte erstellen. Die Textlücken werden am rechten Rand oder aber am Ende des Textes durch einen Zufallsgenerator angeordnet. Damit wird bei einer Wiederholung eine mechanische Abfolge (z.B. erster Lückentext gehört in das dritte, zweite Lückentext in das letzte Ablagefeld usw.) verhindert.

Ich habe allerdings auch einige Einschränkungen von Drag the Words besprochen. Trotzdem ist es eine didaktisch sinnvolle Übung, insbesondere im Setting mit anderen H5P-Modulen.

So lässt sich beispielsweise von den bisher besprochenen H5P Modulen für selbst-organisierte Lernprozesse folgende Reihenfolge empfehlen[ 3]

  1. Präsentation: Interactive Video um Zusammenhänge darzustellen.
  2. Überblick verschaffen: Accordion um eine Vogelperspektive zum Thema zu gewinnen.
  3. Gezieltes Feedback: Advanced Fill the Blanks in Menüform mit Hilfen (Tipps), ausgewählten Distraktionen, und ausführlichen Rückmeldungen bei falschen Antworten.
  4. Festigung: Drag the Words als eine relativ einfache geleitete Übung.
  5. Überprüfung: Advanced Fill the Blanks in „reiner“ Lücke mit oder ohne Hilfen (Tipps), aber auf jeden Fall mit spezifischen Rückmeldungen.
  6. Abschluss: Fill in the Blanks (ohne Tipps)

Fußnoten

  1. Dabei brauchen wir gar nicht an das bekannte Beispiel der DonauDampfschifffahrtsgesellschaftskapitänswitwe (49) oder gar an die europäische Gesetzgebung wie z.B. Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (63) denken, schon ein durchaus häufig genutztes Wort wie Informationsverarbeitungssystem (31) sprengt bereits die Grenzen.
  2. In meiner WordPress Installation wird übrigens der Modul im Admin-Interface als Drag Text geführt.
  3. Wenn eine Empfehlung nicht bereits als ein Widerspruch zu selbst-organisiertes Lernen aufzufassen ist?!

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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