H5P auf dem eCampusOntario 2

Im zweitem Teil meiner Studie zur Nutzungsfrequenz der H5P Inhaltstypen im eCampusOntario untersuche ich Verteilung der Module nach Fachgebieten sowie die relative Nutzung der kombinierten Inhaltstypen (compounds).

Vorbemerkung

Im ersten Teil meiner Fallstudie habe ich die Nutzungshäufigkeit der H5P Inhaltstypen ganz generell untersucht. In diesem zweiten Teil zur Nutzungsfrequenz von H5P betrachte ich nun die Verteilung nach Fachgebieten auf dem eCampusOntario.

Vorher jedoch möchte ich auch hier vor zu übereiligen Rückschlüssen bei der Interpretation warnen. Ich habe die Gründe für diese Vorsicht bereits im ersten Teil dieser Artikelserie ausführlich dargestellt.

H5P Stand-Alone Inhaltstypen per Fachgebiet im eCampusOntario

H5P Standalone Content Types by Discipline in the eCampusOntario
Abb. 1: H5P Inhaltstypen nach Fachgebieten im eCampusOntario Repositorium

Die Anzahl aller Inhaltstypen aus Tab.: 2 im 1. Teil (1257) ist zur obigen Summe (1292) leicht unterschiedlich. Der Grund liegt darin, dass einige Inhaltstypen von mehreren Fachgebieten gemeinsam genutzt werden.

Vorschlag für eine Gruppenbildung

  1. Aus der Abb. 1 wird deutlich ersichtlich, dass Language & Linguistics eine Sonderposition einnimmt. Es ist das Fachgebiet, das bei weitem die meisten H5P-Übungen im eCampusOntario bereit gestellt hat.
  2. Danach sehe ich eine führend Gruppe von sechs Fachgebieten, die H5P bereits recht häufig nutzt. Sie reicht von Business & Management, über Medicine & Nursing, Mathematics & Science, Society & Social Sciences, Computing & IT bis zu Reference. (Unter Reference werden H5P-Übungen zusammengefasst, die keinem Fach direkt zugeordnet werden können, wie z.B. Bibliotheken, Studienservice- und eLearning-Zentren.)
  3. Eine dritte kleine Gruppe von drei Disziplinen mit bisher mäßiger H5P-Nutzung umfasst Technology & Engineering, Earth & Environment und Health & Development.
  4. Schließlich gibt es noch eine Gruppe von vier Fachgebieten, die bisher nicht oder kaum H5P verwenden. Sie umfasst Law, Literature, The Arts und Philosophy & Religion.

Bei einer Interpretation ist zu bedenken, dass wir es mit relativ geringen Fallzahlen zu tun haben. Die Unterschiede in den Häufigkeiten der beiden mittleren Gruppen sind so gering, dass innerhalb eines Monats das Bild sich wieder drehen kann. Festhalten lassen sich aus heutiger Sicht die beiden Endpunkte der Verteilung:

  • Einerseits die – nicht überraschende – Spitzenposition von Language & Linguistic, das schon immer eine starke eLearning-Tradition hatte. So organisierte Anthony Hall mit mir bereits 1990 die ersten EUROCALL-Konferenz in Klagenfurt (CALL steht für Computer Assisted Language Learning).
  • Andererseits eine Gruppe von Fächern, die – mit Ausnahme von Law – den geisteswissenschaftlichen Bereich angehören und H5P nicht oder kaum nutzen.

Gründe für geringe H5P-Nutzung

Über die Gründe für die relativ geringe Nutzung von H5P bei einigen Fachgebieten lassen sich aus dem mir vorliegenden Daten keine belastbaren Aussagen machen. Ich möchte aber trotzdem einige vorsichtige Vermutungen bzw. Spekulationen anstellen.

Warum sich einige Fachgruppen bisher nicht (Philosophy & Religion) oder kaum (History, The Arts, Literature, Law) am eCampusOntario beteiligen, könnte verschiedene Gründen haben:

  • Ist das Fachgebiet „resistent“ gegenüber eLearning? Aus meinen bisherigen allgemeinen 30-jährigen Erfahrung kann ich das eher ausschließen. Die oben angeführten Fachgebiete mit keiner oder geringer H5P-Beteiligung sind zwar oft mengenmäßig bei eLearning-Anwendungen nicht in der Spitzengruppe, haben aber durchaus viele innovative Anwendungen entwickelt.
  • Ist H5P – oder zumindest die bisher angebotenen Module – für manche Fächer nicht geeignet? Es gibt sicherlich einige Module, die einen speziellen fachlichen Zuschnitt haben. Dazu gehören z.B. Fill in the Blanks oder Mark the Words für das Sprachenlernen. Aber es gibt mit Timeline (Geschichtswissenschaft) oder auch Virtual Tour 360 (Künste/Geisteswissenschaften) auch Gegenbeispiele. Vor allem aber sind die meisten H5P-Module inhaltsneutral, sodass ich auch dieses Argument nicht gelten lassen will.

Das Problem liegt bei H5P, nicht bei den Fachgebieten

Meine persönliche Vermutung geht eher dahin, dass die Übungs- und Lernkultur bei einigen Fächern (noch) nicht den hauptsächlichen Verwendungszwecken von H5P entspricht. Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Das Problem sehe ich nicht bei den Fachgebieten, sondern bei H5P:

  • Da gibt es – wie wir im ersten Teil gesehen haben – die Dominanz der Übungstypen Multiple Choice und True/False Question, die nicht unbedingt den stärker diskursiven Traditionen von geistes- und humanwissenschaftlichen Fächern entsprechen. (Siehe dazu auch den kritischen Nachtrag von Oliver Tacke zu seinem im Rahmen von OERCampus entwickelten H5P-Onlinekurs.)
  • Module, die durchaus hohes didaktisches Potenzial für diese Fachdisziplinen hätten (z.B. Interactive Video, Branching Szenario, Virtual Tour 360), sind gerade auch jene, die relativ komplex und zeitintensiv bei der Entwicklung von Inhalten sind.
  • Ein weiteres Probleme sehe ich persönlich darin, dass die unübersichtliche Vielzahl von Modulen gerade für eLearning Einsteiger*innen ein wenig abschreckend ist. Obwohl ich selbst ja in Sachen eLearning schon etwas abgehärtet bin, war auch ich am Beginn meiner Beschäftigung mit H5P desorientiert.
  • Ein Manko in diesem Zusammenhang ist es auch, dass es keine fachlich spezifizierte und/oder didaktische einführende Literatur gibt, die über ein How-To, wie man die H5P-Formulare ausfüllt, hinausgeht.
  • Vor allem aber – darin sehe ich sogar das hauptsächliche Problem – mangelt es H5P derzeit an kommunikativen und kooperativen (Community-)Strukturen.
    • So fehlt es derzeit an H5P-Settings, die den Austausch und die Zusammenarbeit bei der Erstellung von Inhaltstypen ermöglichen. Möglicherweise wird sich hier mit dem angekündigten H5P OER Hub etwas ändern.
    • Es mangelt an lokalen Foren, die im jeweiligen Sprach- und Kultur- bzw. Bildungsraum angesiedelt sind.
    • Mir ist auch kein virtueller Ort bekannt, wo ein fachlicher/didaktischer Erfahrungsaustausch auf gleicher Augenhöhe möglich ist. Das Forum auf h5p.org ist eigentlich ein Frage/Antwort-Support Website und kein Diskussionsraum der Nutzer*innen.

Mir ist bewusst, dass die angeführten Punkte für alle fachlichen Disziplinen gelten und auf allgemeine Probleme im Marketing bzw. der Anwendung von H5P hinweisen. Allerdings vermute ich, dass die aufgezählten Mängel bei jenen Fachgruppen, die im eCampusOntario wenig oder gar nicht vertreten sind, sich stärker auswirken.

Zusammengesetzte Inhaltstypen per Fachgebiet im eCampusOntario

Alleinstehende und zusammengesetzte Inhaltstypen gemeinsam visualisieren

Ursprünglich hatte ich geplant zu untersuchen, welche H5P Inhaltstypen in den einzelnen Fachgebiete bevorzugt genutzt werden. Wie bei der Rasterfahndung bin ich dann aber bald bei sehr kleinen Fallzahlen angelangt. Selbst wenn nur ein Teil der Fachgebiete – z.B. jene mit über 100 genutzten Übungsmodulen – betrachtet werden, gibt es ja 45 Inhaltstypen, auf die sie aufgeteilt werden müssen. Sogar wenn ich den Fokus nur auf die fünf am meisten verwendeten Module lege, sind kaum belastbare Aussagen zu den Unterschieden in den Fachdisziplinen wegen der geringen Fallzahlen zu treffen.

Außerdem hat sich im ersten Teil der eCampusOntario Artikelserie gezeigt, dass die überwiegende Anzahl der Inhaltstypen innerhalb der zusammengesetzten Inhaltstypen (compound content types) genutzt wird.

Content types Stand alone Compounds Total
Sum 1257 2058 3315

Tab. 1: Stand alone und zusammengesetzte Inhaltstypen in eCampusOntario

Um daher ein aussagekräftigeres Bild zu bekommen, habe ich

  • alle Inhaltstypen (stand-alone und compound) zusammengefasst
  • farblich zwischen Stand-alone und Inhaltstypen in Question Sets, Course Presentations und Interactive Videos unterschieden und
  • nur jene Fachgebiete dargestellt, die zumindest etwa 100 Inhaltstypen aufweisen. (Earth & Environment mit 96 Inhaltstypen habe ich jedoch trotzdem noch in die nachfolgenden Grafiken aufgenommen.)
CT-kind-30-disc-stack

Abb. 2: Alle Inhaltstypen nach Disziplinen und ihrer Umgebung (Stand-alone, Question Set, Interactive Video, Course Presentation)

Unterschiede in der Zusammensetzung und in den Fachgebieten

Nach Fallzahlen

Ich habe in Abb. 2 auch die Fallzahlen für die jeweilige Kategorie des Inhaltstyps eingetragen. Dort, wo es bei der Beschriftung eine Überlappung gegeben hätte (bei Course Presentation in Medicine & Nursing sowie Health & Development), habe ich die Zahl ausgelassen. Deshalb werden bei der Summe der dargestellten Zahlen bei Health & Development (98) die fehlenden fünf Inhaltstypen zu 103 aus dem Bereich Course Presentation nicht angezeigt.

Durch die höheren Fallzahlen sind nun die Unterschiede zwischen den Fachgebieten stärker ausgeprägt. Die Bandbreite zwischen den beiden Disziplinen an den Enden der Verteilung hat sich jedoch nicht wesentlich verändert: Language & Linguistics nutzt etwa 6.9 mal so viele stand-alone Inhaltstypen wie das letzt-gereihte Health & Development (Abb. 1) und 7.5fach so viele, wenn auch zusammengesetzte Inhaltstypen eingezogen werden, wo dann Earth & Environment den letzten Rang einnimmt (Abb. 2).

Es gab jedoch drastische Verschiebungen in der Rangordnung der Disziplinen. So ist beispielsweise nun Medicine & Nursing vom dritten auf den achten Platz zurückgefallen. Abb. 2 zeigt auch, dass die meisten Zuwächse bei den Inhaltstypen vor allem auf Question Set zurück geht. So haben die fünf ersten Disziplinen im Ranking ihre Anzahl der alleinstehenden Inhaltstypen mit den in Question Sets generierten Modulen zumindest verdoppelt. (Das trifft zwar ungefähr auch für Health & Development und Earth & Environment zu, wirkt sich aber wegen deren geringen Anzahl von stand-alone Modulen wenig aus.)

Nach Proportionen

Den Grund für diese massive Verschiebung zeigt Abb. 3 recht deutlich.

CT-30-kind-disc-prop

Abb. 3: Proportionale Nutzung der verschiedenen Arten von Inhaltstypen innerhalb eines Fachgebietes

Medicine & Nursing nutzt kaum zusammengesetzte Inhaltstypen, sondern zu 82% Stand-alone Inhaltstypen. Deshalb ist es gar nicht möglich, dass sich gegenüber Abb. 1 die Anzahl der H5P Übungsmodule stark vermehrt.

Aus Abb. 2 und Abb. 3 lässt sich auch erkennen, dass Mathematics und Science eine extrem überproportionale Nutzung von Questions Sets aufweist. Technologie & Engineering hingegen setzt im eigenen Fachbereich Interactive Videos verhältnismäßig stärker ein.

Generelles Nutzungsmuster

Ganz grob gesehen zeichnet sich etwa folgendes Nutzungsmuster ab:

  • Etwa ein Drittel alleinstehende Inhaltstypen
  • Ein weiteres Drittel Inhaltstypen werden innhalb von Questions Sets entwickelt
  • Course Presentation und Interactive Video teilen sich das letzte Drittel an genutzten Inhaltstypen auf.

Dass innerhalb von Questions Sets relativ mehr Inhaltstypen verwendet werden ist nicht überraschend: Question Set ist ein leerer Rahmen, das erst mit darin vorgesehenen Inhaltstypen didaktisch relevant wird. Course Presentation und Interactive Video können passiv als bloßes Informationsmedium auch ohne jegliche Interaktion genutzt werden.

Das ist auch tatsächlich der Fall: In Reference z.B. haben viele Studien-Service-Centers Course Presentation als reine Dia-Schauen genutzt. Und es gibt auch einige Interactive Video, die auf Interaktionen verzichten und sich z.B. mit gezeichneten Pfeilen innerhalb des Videos begnügen.

Durchschnittliche Anzahl an H5P Modulen pro kombinierten Inhaltstyp

Der oben bereits erwähnten Tendenz, dass im Durchschnitt mehr Inhaltstypen in Question Sets als in Course Presentations und Interactive Videos eingebaut werden, bin ich noch genauer nachgegangen. Mich hat dabei zweierlei interessiert:

  1. Wie viele Inhaltstypen werden in den drei kombinierten Modulen jeweils durchschnittlich eingebaut?
  2. Gibt es dabei bemerkenswerte Unterschiede in den einzelnen Fachgebieten?
Discipline QS CP IV QS.Total CP.Total IV.Total CTs/QS CTs/CP CTs/IV
Business 23 19 22 171 64 61 7.4 3.4 2.8
Computing 21 7 13 183 11 25 8.7 1.6 1.9
Earth 6 4 5 34 0 13 5.7 0 2.6
Health 7 1 6 39 5 20 5.6 5 3.3
Language 31 28 13 268 123 57 8.6 4.4 4.4
Math 57 5 23 375 13 63 6.6 2.6 2.7
Medicine 5 3 8 21 4 8 4.2 1.3 1
Reference 7 27 12 54 22 26 7.7 0.8 2.2
Society 31 15 9 187 42 18 6 2.8 2
Technology 7 7 20 57 12 91 8.1 1.7 4.6

Tab. 2: Absolute and durchschnittliche Anzahl der H5P Inhaltstypen, die in den jeweiligen kombinierten Modulen pro Fachgebiet verwendet werden

Was bedeuten die Abkürzungen im Tabellenkopf von Tab. 2?

  • Die Abkürzungen QS, CP und IV stehen für Question Set, Course Presentation und Interactive Video.
  • CT ist die Abkürzung für Inhaltstyp (Content Type)
  • Die ersten drei Spalten nach den Fachgebieten geben die Anzahl des jeweiligen verwendeten kombinierten Moduls pro Fachgebiet an.
  • Das zweite Dreierset ist die Anzahl der in den jeweiligen kombinierten Modulen „eingebauten“ Inhaltstypen pro Fachgebiet.
  • Die letzte Dreiergruppe schließlich stellt die durchschnittlich verwendete Anzahl von Inhaltstypen im jeweiligen kombinierten Modul pro Fachgebiet zusammen.

Die Steigerungsrate von alleinstehenden zu allen genützten Übungsformen hängt also von drei aufeinander wirkenden Variablen ab.

  1. Von der absolute Zahl an genutzten kombinierten Inhaltstypen innerhalb eines Fachbereichs,
  2. Von den Proportion, die Question Set unter den kombinierten Inhaltstypen einnimmt, weil es Vergleich zu Course Presentation und Interactive Video die meisten Übungsmodule integriert.
  3. Von der absolute Anzahl an Übungstypen pro jeweiligen integrierten Übungsmodul.

Abb. 4a-c: Anzahl der genutzten kombinierten Inhaltstypen Question Set (Abb. 4a), Course Presentation (Abb. 4b) und Interactive Video (Abb. 4c) und die darin integrierte Anzahl an H5P Übungsmodulen absolut als auch relativ in den jeweiligen Fachgebieten.

Ich habe diesen dreifachen komplexen Zusammenhang durch ein sogenannten Blasendiagramm (engl.: Bubble Chart) dargestellt. Dazu wird in einem zweidimensionalen Streudiagramm (Scatterplot) eine dritte Dimension durch die Größe der Datenpunkte visualisiert.

  • Y-Achse: Auf der vertikalen Ebene ist die gesamte Anzahl an genutzten Inhaltstypen in dem jeweiligen kombinierten Typ aufgetragen.
  • Kreisfläche: Die Summe an eingebauten Inhaltstypen ist von zwei Faktoren abhängig. Einerseits von der absoluten Zahl des genutzten kombinierten Typs. Das wird in den Abbildungen durch die Größe der Kreisfläche visualisiert.
  • X-Achse: Andererseits ist die absolute Zahl der integrierten Inhaltstypen auch von der durchschnittlichen Anzahl von eingebauten Übungsformen pro kombiniertes Modul abhängig. Dieser Durchschnitt ist auf der horizontalen Ebene aufgetragen.

Aus Abb. 4 lassen sich Aussagen für jedes Fachgebiet zur Nutzung von Inhaltstypen in den jeweiligen integrierten Modulen ableiten Ein Beispiel, wie die Grafik gelesen werden kann, um diesen dreifachen Zusammenhang zu veranschaulichen:

  • In der Abbildung 4a sieht man ganz deutlich, dass Mathematics and Science bei der Nutzung von Question Sets alle anderen Fachbereiche bei der Integration von Inhaltstypen weitem übertrifft: Es integriert 375 Inhaltstypen in ihre Question Sets, wie sowohl aus Y-Achse und Tabelle 2 hervorgeht.
  • Der entscheidende Grund für diese hohe Zahl an eingebauten Modulen liegt in der hohen Anzahl (57) von genutzten Question Sets. Mathematics and Science nutzt fast die doppelte Anzahl an Question Sets gegenüber den beiden nächsten Disziplinen (Language und Linguistics gleichauf mit Society und Social Sciences).
  • Es ist also nicht die Zahl der eingebauten Übungen pro Question Set dafür verantwortlich, dass in Mathematics & Science so viele Inhaltstypen über die alleinstehenden Module hinaus genützt werden. Der Durchschnitt von 6,6 liegt sogar nur im Mittelfeld der anderen Disziplinen.

So lassen sich für alle Fachbereiche im jeweiligen kombinierten Inhaltstyp vergleichende Aussagen treffen. Zum Beispiel, dass Language & Linguistics und Computing & IT durchschnittlich über 8 – und damit die meisten – Übungen in jedes Question Set einbauen. Usw. Usf.

Werden hingegen die Maßstäbe der Grafiken aller drei kombinierten Inhaltstypen miteinander verglichen, lassen sich Aussagen zur relativen Gewichtung der einzelnen integrierten Typen treffen:

  • Der maximal sichtbare Wert der Y-Achse sinkt von 400 (Abb. 4a) über 120 (Abb. 4b) auf 100 (Abb. 4c) ab. Das heißt, dass die Fachbereiche in
    Question Sets bei weitem die meisten Inhaltstypen integrieren.
  • Die maximal sichtbare Wertebereich der X-Achse reicht von 4/8,75 über 0/5 bis zu 1/4,75. Auch hier wiederum zeigt sich, dass die Anzahl von Inhaltstypen durchschnittlich in jedem einzelnen Question Sets wesentlich höher als in den beiden anderen zusammengesetzten Modulen ist.
  • Die Positionierung der Blasen zeigt, dass in Course Presentations die Hälfte der zehn hier betrachteten Fachgebiete im Durchschnitt keine oder bloß eine einzige didaktische Interaktion einbauen.

Ein subjektiver qualitativer Eindruck

Beim Zählen der Inhaltstypen in den kombinierten Modulen habe ich jede einzelne Interaktion aufgesucht. Das hat bei Course Presentation und Question Set bedeutet, dass ich bei diesen Modulen jede einzelne Folie aufsuchen musste. Bei Interactive Video blieb mir aber das stundenlange Anschauen aller Videos erspart. Die eingebauten Interaktionen sind auf der Laufleiste mit Markierungen sichtbar, sodass ich direkt auf diese Passagen springen konnte.

Obwohl es mir bei dieser ersten Untersuchung um quantitative Trends ging, blieb es nicht aus, dass ich auch einen oberflächigen Eindruck der qualitativen Nutzung bekommen habe.

Ohne, dass ich eine kategoriale Zählung vorgenommen habe, ist mir bei der Nutzung der hauptsächlich verwendeten Inhaltstypen (Multiple Choice und True/False Question) ganz generell aufgefallen: Ihre didaktischen Möglichkeiten werden bei weitem nicht ausgenützt! Meistens werden Multiple Choice und True/False Question in Course Presentations aber vor allem auch in Interactive Videos – nur als rasche, oft inhaltliche triviale Frage zur Unterbrechung des vorherrschenden Passivmodus genutzt. Das zeigt sich darin, dass weder die Fragen auf eine ernsthafte Überprüfung ausgelegt sind und auch kein gezieltes Feedback gegeben wird. Obwohl zwar auch solch eine „Quick & Dirty“-Nutzung didaktisch sinnvoll ist, finde ich es doch schade, dass viel pädagogisches Potenzial, das in den H5P Inhaltstypen steckt, ungenützt bleibt.

Zusammenfassung

Ich möchte hier vorerst mal diese kleine Studie zur Nutzung der H5P Inhaltstypen innerhalb des eCampusOntario abschließen. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich noch alle Datensätze, Berechnung und etliche andere Grafiken kommentiert einsehbar machen. Wer es gar nicht erwarten kann, kann natürlich auch schon jetzt das gesamte Rohmaterial in GitHub (nicht kommentiert) einsehen.

Obwohl die Fallzahlen für definitive Nutzungsmuster in den einzelnen Fachgebieten (noch) zu gering sind, lassen sich jedoch mehrere interessante Trends in der generellen Nutzung von H5P ausmachen:

Im ersten Teil der Untersuchung haben wir folgende zwei Nutzungsmuster gesehen:

  1. Die zusammengesetzten Übungstypen Question Set, Interactive Video und Course Presentation werden am häufigsten genutzt. (In diese Führungsgruppe findet sich zwar auch Accordion, das ich aber bloß als zeitweilige Erscheinung infolge der noch relativ geringen Fallzahlen ansehe.)
  2. Die absolut meisten H5P Übungstypen werden in diesen zusammengesetzten Modulen genutzt und hier sind es dann fast ausschließlich die Übungstypen Multiple Choice und True/False Question, die eingebaut werden.

In diesem zweiten Teil der Untersuchung konnte ich weitere Trends ausmachen:

  1. Trotz der relativ geringen Fallzahl lässt sich bereits Language & Linguistics als Fachgebiet mit der häufigsten Nutzung an H5P-Inhaltstypen ausmachen. Das dürfte einerseits auf eine langjährige eLearning-Tradition aber andererseits auch auf besonders gut für Sprachenlernen einsetzbare Inhaltstypen (wie z.B. Mark the Words, Fill in the Blanks und Drag Text) zurückzuführen sein.
  2. Einige Fachgebiete nutzten eCampusOntario für die Entwicklung von H5P-Übungen gar nicht oder äußerst selten. Über die Gründe kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Daten nur spekulieren.
  3. Es lässt sich eine dreiteilige Häufigkeitsverteilung in den Nutzungsmustern ausmachen:
    • Ein Drittel aller verwendeten Inhaltstypen sind alleinstehende Inhaltstypen. Das schließt auch die drei hier betrachteten integrierten Module Question Set, Course Presentation und Interactive Video mit ein!
    • Ein zweites Drittel aller genutzten Inhaltstypen wird in Question Sets integriert.
    • Ein drittes Drittel aller genutzten Inhaltstypen findet sich in Course Presentations und Interactive Videos.
  4. Question Set ist nicht nur der absolut am häufigsten genutzte Modul, sondern darin werden auch im Durchschnitt die allermeisten Inhaltstypen eingebaut. Ob also ein Fachgebiet viele Inhaltstypen nutzt, hängt zu einem großen Teil davon ab, ob es viele Question Sets benutzt.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich mit Open Science und Data Science Education.

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