Zitierformat: 5 grundsätzliche Zitierparadigmen

Dieser Beitrag ist ein Exkurs zum Tutorial "Zitierstil ändern". Es wird "Zitierformat" definiert und danach werden die 5 Varianten vorgestellt und mit Beispielen (sowohl Kurzbelege als auch Literaturliste) demonstriert.

Dieser Beitrag ergänzt das Tutorial Zitierstil ändern. Damit das Tutorial nicht mit zu vielen allgemeinen Erläuterung überladen wird, habe ich die fünf grundlegenden Zitierformate als eigenen Artikel in Form dieses Exkurses ausgegliedert.

Was ist ein Zitierformat?

Unter Zitierformat (Zitierparadigma, Zitierschema) wird die Art der Verknüpfung zwischen In-Text-Zitat (=Kurzbeleg) und vollständiger Quellenangabe (=Bibliografie) verstanden. Es gibt insgesamt nur sechs unterschiedliche Verlinkungssgtrategien.

Illustration für Zitierformat: 5 Gedanken (in Sprechblasen( die Du beim Zitieren nicht haben solltest
Zur Illustration dieses Beitrags habe ich die Grafik entnommen aus dem Blog „Lebe lieber literarisch“ von Mareike Schumacher: ZITIEREN – DER TOTALE HORROR? (28. Mai 2020). Obwohl alle Texte meiner Position entsprechenden passen nur die Sprechblasen mit „Zitiersoftware“ und „Zitierstile“ ganz unmittelbar zu meinem Artikel!

Für die nachfolgenden Beispiele habe ich die entsprechenden Zitierstile aus dem Citation Style Language (CSL) Repositorium in Zotero geladen und dann aus Zotero sowohl die Kurzbelege als auch Literaturlisten generiert.

Verweis mit Autor

In diesem Fall besteht der Kurzbeleg bloß aus dem Namen des Autors / der Autorin mit der im jeweiligen Zitierstil genormten Schema (vollständiger Name oder Kurzversion dews Namens, Anzahl der Autor*innen gefolgt von et.al. oder anderer Abkürzung der Autor*innen-Liste. Die Literaturliste ist dann meistens alphabetisch nach den Autornamen sortiert.

Hauptvertreter:innen dieses Zitierformats ist der MLA Stil (Modern Language Association), der vor allem in der Linguistik verwendet wird.

Zitierformat im Text

Viele Lehrbücher zu Data Science (z.B. Wickham und Grolemund oder Irizarry) bieten auch eine kostenfreie Onlineversion an. Sie nutzen dabei meistens blogdown (Xie), ein R Programmpaket das unterschiedliche Publikationsformate (PDF, HTML, Word…) erlaubt.

Zitierformat in der Literaturliste

Irizarry, Rafael A. Introduction to Data Science: Data Analysis and Prediction Algorithms with R. 1. Aufl., Chapman and Hall/CRC, 2019.

Wickham, Hadley, und Garrett Grolemund. R for Data Science: Import, Tidy, Transform, Visualize, and Model Data. O’Reilly UK Ltd., 2017.

Xie, Yihui. bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown. 2019. https://github.com/rstudio/bookdown, bookdown.org, https://bookdown.org/yihui/bookdown/.

Verweis mit Autor und Datum

Hier wird im Kurzbeleg zum Namen des Autors auch noch das Publikationsdatum hinzugefügt. Bei Büchern ist dies das Erscheinungsjahr. Wiederum ist die Literaturliste meistens nach den Autornamen sortiert.

Hauptvertreter:innen ist APA (American Psychological Association) und seine vielen Derivate. APA hat sich als Quasi-Standard etabliert und wird nicht nur in der Psychologie, sondern auch in allen anderen Disziplinen genutzt.

Häufig wird auch von der Harvard Notation oder Zitierweise gesprochen, obwohl es weder eine Verbindung zu Harvard noch einen speziellen „Harvard“ Zitierstil gibt. (Siehe CSL Primer)

Zitierformat im Text

Viele Lehrbücher zu Data Science (z.B. Wickham & Grolemund, 2017 oder Irizarry, 2019) bieten auch eine kostenfreie Onlineversion an. Sie nutzen dabei meistens blogdown (Xie, 2019), ein R Programmpaket das unterschiedliche Publikationsformate (PDF, HTML, Word…) erlaubt.

Zitierformat in der Literaturliste

Irizarry, R. A. (2019). Introduction to Data Science: Data Analysis and Prediction Algorithms with R (1. Aufl.). Chapman and Hall/CRC.

Wickham, H., & Grolemund, G. (2017). R for Data Science: Import, Tidy, Transform, Visualize, and Model Data. O’Reilly UK Ltd.

Xie, Y. (2019). bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown. https://github.com/rstudio/bookdown. https://bookdown.org/yihui/bookdown/

Verweis mit Nummern

Bei diesem Stil erfolgt der Verweis durch Nummern, die durch entsprechende Sonderzeichen (z.B. eckige Klammern) vom Text abgesondert dargestellt werden. Die Literaturliste ist dann meistens nach diesen Nummern und damit nach der Reihenfolge ihres Auftretens im Text sortiert. Es gibt aber auch manchmal eine alphabetische Sortierfolge nach Autorennamen.

Hauptvertreter:innen ist APS (American Physical Society) und andere naturwissenschaftliche Disziplinen. Manchmal findet sich dieses Zitierparadigma auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Zitierformat im Text

Viele Lehrbücher zu Data Science (z.B. [1, 2]) bieten auch eine kostenfreie Onlineversion an. Sie nutzen dabei meistens blogdown [3], ein R Programmpaket das unterschiedliche Publikationsformate (PDF, HTML, Word…) erlaubt.

Zitierformat in der Literaturliste

[1] R. A. Irizarry, Introduction to Data Science: Data Analysis and Prediction Algorithms with R, 1st ed. (Chapman and Hall/CRC, 2019).

[2] H. Wickham and G. Grolemund, R for Data Science: Import, Tidy, Transform, Visualize, and Model Data (O’Reilly UK Ltd., Sebastopol, CA, 2017).

[3] Y. Xie, Bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown (2019).

Verweis mit einer speziellen Kennung (Label)

Hier wird die Verlinkung von Kurzbeleg und Literaturliste mit einer speziellen Kennung vorgenommen. Diese Identifikationszeichen werden von der Software nach einem bestimmten Schema generiert und dann in der Bibliografie (meistens) nach ihrer Reihenfolge im Text aufgelistet.

Hauptvertreter:innen ist bzw. war die DIN 1505-2. Dieser Zitierstil wurde vor allem in den die Ingenieur- und Technikwissenschaften (z.B. IEEE – Institute of Electrical and Electronics Engineers) verwendet. Er ist aber inzwischen durch ISO 690/2010 und ganz aktuell durch die neue Version ISO 690/2021 ersetzt worden und verwendet nun das numerischen Zitationsparadigma. Das folgende Beispiel demonstriert dieses veralteten Stil mit der obsoleten DIN 1505-2.

Zitierformat im Text

Viele Lehrbücher zu Data Science (z.B. [Iriz19, WiGr17]) bieten auch eine kostenfreie Onlineversion an. Sie nutzen dabei meistens blogdown [Xie19], ein R Programmpaket das unterschiedliche Publikationsformate (PDF, HTML, Word…) erlaubt.

Zitierformat in der Literaturliste

[Iriz19] Irizarry, Rafael A.: Introduction to Data Science: Data Analysis and Prediction Algorithms with R. 1. Aufl. : Chapman and Hall/CRC, 2019

[WiGr17] Wickham, Hadley ; Grolemund, Garrett: R for Data Science: Import, Tidy, Transform, Visualize, and Model Data. Sebastopol, CA : O’Reilly UK Ltd., 2017 — ISBN 978-1-4919-1039-9

[Xie19] Xie, Yihui: bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown, 2019

Verweis mittels Anmerkung als Fuß- oder Endnote

Während alle bisherigen Stile innerhalb des Textes mittels eines Kurzbelegs auf eine komplette Quellenangabe in der Literaturliste verweisen, verlinkt das Anmerkungssystem (Note-System) mittels einer (oft hochgestellten) Markierung auf eine Fuß- oder Endnote. Die Art der Markierung wird nicht durch CSL sondern durch die verwendete Textverarbeitungssoftware bestimmt. Zum Unterschied vom Kurzbeleg innerhalb des Textes weist die Fuß- oder Endnote die vollständige Quellenangabe auf. Immer häufiger weisen (moderne) Fuß-/Endnotensysteme zusätzlich auch eine nach Autor*innen sortierte Literaturliste auf.

In vielen neueren Publikationen ist auch eine Mischung zu sehen: Hier verweist nicht eine Markierung auf die Fuß- oder Endnote, sondern ein Kurzbeleg. In neueren amerikanischen Büchern ist immer häufiger zu sehen, dass auf eine spezielle Markierung entweder ganz verzichtet wird, oder eine bestimmtes Wort oder kurze Passage im Text besonders formatiert wird. Die dazugehörigen Endnoten sind dann meistens nach Kapitel sortiert und mischen vollständige Quellenangaben mit Erläuterungen im Form von Fließtexten.

Die Umsetzung dieses Zitierparadigmas ist etwas komplexer als die bisher beschriebenen Systeme. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es kontextabhängige unterschiedliche Formatierungen der Fuß- bzw. Endnoten gibt. Je nachdem ob die Quelle zum ersten oder wiederholten Male zitiert wird, gibt es unterschiedlich ausführliche Quellenangabe in der entsprechenden Fuß- oder Endnote. Auch die Nutzung von „echten“ Fuß- oder Endnoten verkompliziert die Sache, weil es dann zwei unterschiedliche Arten von Anmerkungen gibt.

Hauptvertreter:innen dieses Zitierstils kommen meistens aus den Geisteswissenschaften und Jurisprudenz, aber dieses Paradigma ist durchaus auch bei anderen Wissenschaftsgebieten (noch?) in Verwendung.

Zitierformat im Text

Irizarry, Introduction to Data Science, 1. Aufl. 2019; Wickham/Grolemund, R for Data Science 2017; Xie, bookdown 2019.

Viele Lehrbücher zu Data Science1,2 bieten auch eine kostenfreie Onlineversion an. Sie nutzen dabei meistens blogdown3, ein R Programmpaket das unterschiedliche Publikationsformate (PDF, HTML, Word…) erlaubt.

Zitierformat in der Fuß- bzw. Endnote

1 Irizarry, Introduction to Data Science, 1. Aufl. 2019.

2 Wickham/Grolemund, R for Data Science 2017.

3 Xie, bookdown 2019.

Zitierformat in der Literaturliste

Irizarry, Rafael A., Introduction to Data Science: Data Analysis and Prediction Algorithms with R, 1. Auflage, 2019.

Wickham, Hadley / Grolemund, Garrett, R for Data Science: Import, Tidy, Transform, Visualize, and Model Data, Sebastopol, CA 2017.

Xie, Yihui, bookdown: Authoring Books and Technical Documents with R Markdown, 2019.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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