Digitales Notieren – Projekt Zwischenstand

„Digitales Notieren – Projekt Zwischenstand“ analysiert die Gründe für mein langsames Vorankommen bei meinem Buchprojekt. Vielfältige Informationsquellen erfordern unterschiedliche Werkzeuge und Arbeitsabläufe. Die jüngste Entwicklung von KI-Werkzeugen zum wissenschaftlichen Arbeiten hat neue Fragen aufgeworfen. Der Wunsch nach systemisch angelegten Blogposts hat mich von der Recherche, der für mich noch offenen Fragen, abgelenkt.

Mit „Digitales Notieren – Projekt Zwischenstand“ lege ich ein kleines Zwischenresümee meines Buchprojekts AWDW vor. Am 16.11.2022 habe ich meinem ersten Beitrag dazu veröffentlicht. In den vergangenen zweieinhalb Monaten habe ich bis heute (31.1.2023) elf Beiträge dazu gepostet. Das ist zwar nicht viel, stellt allerdings nur die sichtbare Spitze des Eisbergs meiner Aktivitäten dar. Ich werde hier jedoch nicht auf alle gelesenen Bücher, installierte Apps und gelernte Werkzeuge detailliert eingehen, sondern bloß aus einer Vogelperspektive auf konzeptionelle Schwierigkeiten beim digitalen Notieren hinweisen.

Digitales Notieren hat vielfältige Optionen

Digitales Notieren ist schwierig, wie die vielen unterschiedlichen Apps und Geräte auf diesem Bild zeigen
Digitales Notieren hat mannigfache Notwendigkeiten: Es gibt viele verschiedene Apps und Geräte, die wiederum unterschiedliche Workflows verlangen. (Bildquelle: http://www.packwomantech.com/byod-pros-and-cons.html via Eric Sheningers Blog, CC-BY 3.0)

Den Begriff „Digitales Notieren“ verwende ich als Kurzform für die Kompetenz, persönliche Notizen aus digitalisieren Quellen erstellen zu können. Genau genommen ist dieser Wortschöpfung – ähnlich wie das von mir bereits benutzte „Digitale Lesen“ – eine Fehlbezeichnung. Von Programmen der künstlichen Intelligenz (KI) mal abgesehen1, ist nicht die Tätigkeit „Notieren“ selbst digitalisiert, sondern bedient sich diese Aktivität lediglich digitaler Hilfsmittel. Um diese Schieflage deutlich zu machen, behandle ich „Digitales Notieren“ als Fachbegriff in Großschreibung.

Digitales Notieren2 hat sich als ein wesentlich umfangreicheres Gebiet, als es etwa Digitales Lesen ist, herausgestellt. Abgesehen davon, dass Notieren auch als Teil des produktiven Lesens verstanden werden kann, gibt es beim Notieren eine längere Kette der Transformation. Beim Notieren wird ein eigenes Artefakt mit verschiedenen Hilfsmittel erschaffen.

Mir war schon vorher klar, dass je nach Quelle (Text, Audio, Video) und Arbeitsumgebung (Buch, Bildschirm, Vorlesung, Experiment, Alltagssituation) unterschiedliche Verfahren für Digitales Notieren – d. h. zum Übertragen von Informationen an Obsidian – notwendig sind. Diese bereits beträchtliche Anzahl an Variationen wird aber auch noch durch die Wahl des Werkzeugs für die Annotation weiter vervielfältigt.

Digitales Notieren: Plan und Realität

Mein ursprünglicher Plan war:

  1. Endpunkt konstant halten: Mit meiner Wahl von Obsidian als Note-Taking App halte ich das Ende der Übertragungskette konstant und erziele damit eine beträchtliche Reduktion an unterschiedlichen Möglichkeiten. Es genügt daher, dass der Umgang mit dieser Software entsprechend vermittelt werden muss.3 Daher meine hier in Gedankensplitter begonnene Artikelreihe Obsidian Tutorials.
  2. Mit gewähltem Startpunkt variieren: Je nach der gewählten Quelle (Printmaterial, E-Book, Webseite, Audio, Video etc.) braucht es unterschiedliche Verfahrensweisen. Die Variationen dazu sind aber eingeschränkt, weil es nur eine beschränkte Anzahl von Ausgangspunkten gibt: Ein PDF ist ein PDF, ist ein PDF…

Diese Sichtweise hat sich inzwischen als zu optimistisch herausgestellt. Bei detaillierten Experimenten haben sich zwei weitere variable Faktoren gezeigt:

  1. Werkzeug und Workflow: Es hat sich herausgestellt, dass nicht nur die Quelle mit einer dafür geeigneten Werkzeugkategorie (z.B. Werkzeuge zur Annotation von Webinhalten) zu betrachten ist. Vielmehr nutzen verschiedene Werkzeuge derselben Kategorie ganz unterschiedliche Ansätze, die wiederum mannigfaltige Variationen im Arbeitsablauf verursachen. Damit wird dann auch die Nutzung von Obsidian (z. B. durch die Wahl einer dafür geeigneten Erweiterung) beeinflusst.
  2. Arbeitssituation und Workflow: Abhängig von der Arbeitsumgebung (Buch, Bildschirm, Vorlesung, Experiment, Alltagssituation) sind wiederum unterschiedliche Verfahren zum Notieren – d.h. zum Übertragen von Informationen an Obsidian notwendig. Häufig erfordern unterschiedliche Arbeitssituationen verschiedene Werkzeuge, weil nicht jede App für alle Situationen gleichermaßen geeignet ist.

Digitales Notieren von PDFs

Digitales Notieren einer PDF-Datei: Ein Teil der Überschrift ist markiert bereits markiert und als Highlight vorgesehen. Auf der rechten Seite sieht man das Hpothes.is Fenster, ein weiteres Werkzeug zur (gemeinschaftlichen) Annotation von Webseiten oder – wie hier – von PDFs innerhalb von Obsidian.
Digitales Notieren einer PDF-Datei mit dem Annotator-Plugin von Obsidian (Screenshot)

Zwei besonders instruktive Fälle mit extrem vielfältigen Möglichkeiten sind Annotationen von Webseiten und Digitales Notieren von PDFs. Um die oben erwähnte Vielfalt zu konkretisieren, werde ich Digitales Notieren in seiner Vielfalt am Beispiel von PDFs etwas ausführlicher darstellen. Mein Ziel ist es hier jedoch nicht eine Anleitung zu schreiben, sondern bloß die Komplexität infolge mannigfaltiger Optionen darzulegen.

Digitales Notieren von PDFs ist relativ einfach, weil fast alle PDF-Reader diese Funktionalität eingebaut haben. Die Mannigfaltigkeit entsteht aber beim Exportieren dieser Markierungen („Highlights“):

  • Export in eine proprietäre Software: Das ist die schlechteste aller Lösung, weil die Folge ein „Lock-In“ ist, d.h. Benutzer:innen werden in ein bestimmtes Produkt eingesperrt.
  • Export als Text über Clipboard oder Dateien: Ist nicht nur umständlich, sondern verliert auch die Formatierungen.
  • Export als Markdown über Clipboard oder Dateien: Weiterhin umständlich, weil mehrere getrennte Arbeitsschritte.
  • Export direkt in Obsidian als Markdown: Das ist bereits eine wesentlich effizienterer Arbeitsablauf, hat aber den Nachteil, dass keine Metadaten übertragen werden. Metadaten wie der Dateiname, Autor:innen etc. sind wichtig für das Kategorisieren und Auffinden der Notizen. In dieser Option müssen diese Einträge manuell getätigt werden.
  • Export direkt in Obsidian als Markdown mit Metadaten: Ein wesentlicher Fortschritt, aber es gibt keine Verknüpfung (Verlinkung) zur originalen Quelle.
  • Export direkt in Obsidian als Markdown mit Metadaten und Links zum Original der Markierung: Das ist der Gold-Standard für den Export von Notizen von PDFs. Nicht nur die Metadaten werden automatisch übertragen, sondern es gibt für jede einzelne Annotation einen direkten Link zur Position der Anmerkung. Das ist wichtig, weil nach längerer Zeit häufig der Kontext (also der Zusammenhang, in dem das Zitat zu interpretieren ist) verloren geht. – Es zeigt sich, dass in vielen Varianten des Exports der Notizen, diese wichtige Verknüpfung leider nicht vorhanden ist.

Digitales Notieren von Webseiten

Werkzeuge zum Annotieren von Webseiten aus Devopedia - Web Annotation (CC BY-SA 4.0)

Eine noch breitere Vielfalt der Optionen gibt es auch für Webseiten. Die Mannigfaltigkeit der Optionen für Webseiten ist noch größer, weil es viele unterschiedliche Webseiten gibt. Zwei Beispiele sollen diese illustrieren:

  • Video: So ist es z.B. wichtig, dass Zitate aus einem Video auch Links genau zur Stelle innerhalb des Videos besitzen. Es geht hier also nicht um die räumliche Position innerhalb einer Datei/Webseite, sondern um die zeitliche Lokalisation des Zitats innerhalb des Videos.
  • Grafik: Manchmal wird wichtiger Text innerhalb eines Bildes bzw. einer Grafik dargestellt. So z.B. wenn in einer Zoom-Konferenz Folien gezeigt werden. Es braucht eigene Werkzeuge, damit auch diese Art von Quellen als Text weiterverarbeitet werden kann.

Digitales Notieren: Werkzeuge und Workflows

Obwohl ich mit meiner Wahl von Obsidian als Note-Taking App das Ende der Übertragungskette konstant halte, muss ich trotzdem auf die verschiedenen Möglichkeiten (Werkzeuge) und Vorgangsweisen (Workflow) detailliert eingehen. Die Herausforderung ist es ja gerade alle Informationen so zu sammeln, dass sie im Rahmen variierender inhaltlicher Fragestellungen geeignet verknüpft und produktiv für die wissenschaftliche Forschung genutzt werden können.

Es geht also nicht nur darum, dass ich die entsprechenden (kognitiven) Konzepte für Digitales Notieren (siehe meine Artikelreihe Zettelkasten-Konzept) und deren Nutzung in Obsidian darstelle (siehe meine erst am Beginn stehende Obsidian-Tutorial-Serie). Es ist besonders wichtig, auch die vielfältigen Wege von der Quelle zum Ziel (Obsidian) inklusive der zu nutzenden Werkzeuge zu beschreiben. Konkret bedeutet das, dass die zwei von mir bisher eingerichteten Artikelreihen (Zettelkasten-Konzept und Obsidian-Tutorial) mit zwei weiteren Serien von Posts zu den Werkzeugen und Workflows ergänzt werden müssen.

Ursprünglich dachte ich, dass ich parallel zu den lose aneinander gereihten Beiträgen zum Zettelkasten-Konzept ein systematisches Tutorial für Obsidian schreibe. Das hat sich aber als Hemmnis für meinen Arbeitsfortschritt herausgestellt. Ich habe in der Zwischenzeit bereits dutzende Werkzeuge gelernt und installiert, die nur am Rande – nämlich bei der Übertragung der Informationen – mit Obsidian zu tun haben. Abhängig von der gewählten Informationsquelle gibt es auch über unterschiedliche Arbeitsflüsse zu berichten, die mehr mit dem Werkzeug zur Extraktion der Information, als mit dem Ziel (=Obsidian) zu tun haben.

Die Idee, ein systematisch aufgebautes Tutorial zu entwickeln, schränkt mich im Schreiben meiner Erfahrungen hier in Gedankensplitter deutlich ein. Abgesehen davon, dass solche eine lineare Sequenz – wenn überhaupt – eher für das geplante Buch geeignet ist! Passender hier in Gedankensplitter ist es, verschiedene einzelne Beiträge nicht sequenziell zu ordnen, sondern miteinander entsprechend zu verlinken. Statt das Tutorial als lineare Abfolge zu konzipieren, ist mein Ziel nun, ein verlinktes Netzwerk sich aufeinander beziehender Posts aufzubauen. Ich werde daher aufhören, das Tutorial zu nummerieren und gleichzeitig zwei (nicht-sequenzielle) neue Serien zu Werkzeugen und Workflows beginnen.

Digitales Notieren: Zwischenstand

Ich habe derzeit in Obsidian bereits 1092 Notizen (31.1.2023) angelegt. Allerdings sind die vier oben genannten Themenbereiche (Konzept, Tutorial, Werkzeug und Workflow) ganz unterschiedlich weit fortgeschritten. Es folgt eine Zusammenstellung geplanter Inhalte, deren Bedeutung allerdings erst im Zuge weiterer Artikeln hier auf Gedankensplitter verständlich wird. Ich hoffe, dass zumindest für mich diese Auflistung eine inhaltliche Orientierung für meine weiteren Arbeitsschritte darstellt.

Lücken im Konzeptbereich

Zum Konzept des Zettelkastens habe ich in Gedankensplitter ungefähr erst etwa die Hälfte der Themen abgedeckt, die ich bereits inhaltlich aufgearbeitet habe. Zu den vier bereits geposteten Artikeln (Texte markieren, Texte strukturieren, thematische Zusammenfassungen und grafische Zusammenfassungen) habe ich seit Längerem weitere fünf Themenbereiche durchgeplant, aber noch nicht formuliert:

  • Verknüpfungen erstellen🔗4
  • Elaborationsstrategien🔗
  • Concept Maps🔗
  • Visualisierung der Zusammenhänge🔗
  • Zettelkasten damals (Luhmann) und heute🔗

Dazu kommen aber noch viele weitere Themen, die ich als wichtig erachte. Zu einem (kleineren) Teil hatte ich bisher noch keine Zeit gefunden, diese Aspekte im inhaltlichen Detail auszuarbeiten. Ein weit größerer Teil jedoch wartet noch darauf, inhaltlich ausgearbeitet und gedanklich durchdrungen zu werden. Die meisten offenen Fragen betreffen die Systematik der Notizen.

Prinzipien zur Gliederung des digitalen Zettelkastens sind nicht nur zum Auffinden der jeweiligen Inhalte wichtig, sondern sind auch relevant beim Generieren von inhaltlich verknüpften Notiz-Netzwerken. Bereiche, die ich noch besser ausarbeiten muss, bevor ich sie als Artikel poste, sind:

  • Zettelkasten und unterschiedliche Gattungen von Notizen🔗
  • Taxonomie der (Such-)Begriffe🔗
  • Ordner und/oder Schlüsselwörter (Tags)?🔗
  • Wahl von Dateinamen🔗
  • Nutzung alternativer Titel🔗 sowie
  • Vorwärts- und Rückwärtsverknüpfungen🔗

Eine ganz neue Richtung von konzeptionellen Artikeln hat sich durch den aktuellen Hype von Programmen der Künstlichen Intelligenz (KI oder auch AI für Artificial Intelligence) wie chatGPT ergeben. Es gibt solche Programme schon längere Zeit. Die revolutionäre aktuelle Neuerung aber, die derzeit Aufregung verursacht, ist weniger deren Funktionsweise, sondern die Benutzer:innen Oberfläche und damit die super-einfache Bedienung und Nutzung dieser Werkzeuge.

Startseite zu ChatGPT mit einem kurzen Text zu: Optimizing Language Models for Dialogue
Startseite des OpenAI Blogs zu ChatGPT, einem öffentlich zugänglichen KI-Programm zur Verarbeitung natürlicher Sprache (GPT steht für "generative pre-trained transformer")

Fragen, die mit dieser neueren Entwicklung aufgeworfen werden:

  • Was bedeuten diese Werkzeuge für den traditionellen (Aus-)Bildungsbereich?🔗
  • Wie werden sie optimal genutzt?🔗
  • Welche Vorkehrungen sind im Bereich Datenschutz, Plagiatsprüfung, Copyright und moralischer Verantwortung von KI-System zu treffen?🔗

Ursprünglich hatte ich diese Fragen mit der dazu geeigneten wissenschaftlichen Literatur nicht im Blick. Es ist aber unumgänglich, dass ich mich dazu mit entsprechender Literatur zu beschäftigen habe, über die ich ebenfalls im Konzeptbereich berichten möchte. Drei wichtige Bücher, deren Diskussion in Gedankensplitter aber noch aussteht, habe ich dazu bereits gelesen:

  • Collins, H. (2010). Tacit and Explicit Knowledge (Reprint). University of Chicago Press.
  • Hidalgo, C. (2015). Why Information Grows: The Evolution of Order, from Atoms to Economies. Basic Books.
  • Hidalgo, C. A., Orghian, D., Canals, J. A., Almeida, F. D., & Martin, N. (2021). How Humans Judge Machines. The MIT Press.

Ich möchte gerne über wichtige Literatur in Form kritischer Reviews berichten. Das passt allerdings nicht immer in die Konzept-Reihe, weil die Inhalte keinen direkten Bezug zum Zettelkasten haben. Diese Rezensionen sollten auch für Leser:innen interessant sein, die mit Digitalem Lesen bzw. Digitalem Notieren nichts am Hut haben. Ich überlege mir hierzu eine weitere (fünfte) Reihe von Posts hier auf Gedankensplitter.

Fehlende Inhalte im Tutorial

Bei den Tutorial-Inhalten kann ich nicht einmal von Lücken sprechen, weil ich bisher über die vielfältigen Möglichkeiten von Obsidian noch gar nicht gesprochen habe. Dabei habe ich aber noch gar nicht die Hunderte Erweiterungen (Plugin) im Blick, die ich im Werkzeug-Bereich abhandeln möchte, sondern bloß die generelle Arbeitsweise mit Obsidian. Dazu gehören u.a. (ohne Reihung):

Artikelserie zu Werkzeugen

In diesem Bereich plane ich detailliert auf einzelne Werkzeuge und Erweiterungen einzugehen. Obsidian hat derzeit 26 Erweiterungen, die zum Kern der Software (Core Plugins) gehören und von den Entwickler:innen selbst programmiert und gepflegt werden. Sie sind meistens bereits eingeschaltet und werden in der "normalen" Nutzung von Obsidian im Tutorial-Teil beschrieben (siehe oben).

Überdies habe ich selbst weitere 72(!) Fremderweiterungen (Community Plugins) installiert. Auch wenn ich nicht über alle berichten werde, so sind viele für die effiziente Umsetzung eines digitalen Zettelkastens notwendig. Einige dieser Werkzeuge sind recht komplex und daher schwierig zu nutzen (z.B. Dataview, Templater oder QuickAdd) und benötigen selbst bereits recht umfangreiche Anleitungen, wie aus den verlinkten Webseiten ersichtlich ist.

Aber nicht genug damit. Es gibt auch externe Apps, die in die Arbeits- und Funktionsweise von Obsidian zur Realisierung eines digitalen Zettelkastens eingebunden werden müssen. Das schließt einerseits so einfache Werkzeuge wie TextSniper zum Extrahieren von Text aus Bildern oder anderen Dokumenten ein. Andererseits müssen aber auch sehr komplexe Werkzeuge, wie Zotero und Readwise erklärt werden, und zwar in zweifacher Hinsicht5

  • Wie funktioniert das externe Werkzeug generell? Das handle ich in der Artikelserie zu Werkzeugen ab.
  • Wie wird das externe Werkzeug in den Arbeitsfluss von Obsidian eingebaut? Diesen Aspekt behandle ich der anderen neu geplanten Artikelserie zu Workflows (siehe nächsten Abschnitt).

Artikelserie zu Workflows

Den Arbeitsfluss von Obsidian zu optimieren, verschreiben sich auch einige Community-Erweiterungen. Sie sollen vorwiegend Medienlücken schließen und den Übergang von externen Informationen nach Obsidian erleichtern. Ein typisches und für wissenschaftliches Arbeiten wichtiges Beispiel ist Zotero: Wie können die einmal in Zotero erfassten Informationen möglichst effizient in Obsidian genutzt und weiter verarbeitet werden?🔗 Ein anderes zentrales Beispiel in meinem Buch ist die Nutzung der Services von Readwise.io. Die App hat sich in den vergangenen Monaten und Wochen immer mehr als die Eierlegende Wollmilchsau für sogenannte Read-it-later Apps entpuppt🔗.

Künstlerische Darstellung einer Eier-legenden Wollmilchsau mit Schweinegesicht, Schafwollkleid, Kuheuter und vergrößertem Hühner-Ei.
(Georg Mittenecker - Künstlerische Darstellung mit Schweinegesicht, Schafswollkleid, Kuheuter und vergrößertem Hühner-Ei: aus Wikipedia http://kamelopedia.mormo.org/index.php/Datei:Wollmilchsau.jpg, CC BY-SA 2.5, Wikimedia Commons)

Zentrales Merkmal der Readwise App ist für mich aber nicht die häufig hervorgehobene Funktion von Spaced Repetition, wo täglich Zitate per E-Mail zur Erinnerung versendet werden. Sondern ich beziehe mich hier auf die bereits oben erwähnte Mannigfaltigkeit der verschiedenen Transfermöglichkeiten von Annotationen, die in externen Quellen erstellt wurden. Readwise importiert Informationen derzeit aus 31(!) Quellen (wie z.B. Diigo, Kindle, Instapaper, Pocket, Twitter) und exportiert diese automatisiert in acht verschiedene Notiz-Applikationen, zu denen auch Obsidian zählt. Zusätzlich können Annotationen auch .csv und .md Dateien exportiert und dann weiter verarbeitet werden.

Seite zeigt unterschiedliche Kartenfelder zum Exportieren von Markierungen (Highlights) in verschiedene Applikationen. Evernote und Obsidian sind bereits verbunden.
Konfigurationsseite von Readwise.io zum Exportieren von Markierungen in unterschiedliche Applikationen.

Zusammenfassung

Ich habe bisher auf meiner geplanten bookdown Publikationsplattform noch nicht begonnen, einzelne (englischsprachige) Kapitel zu schreiben. Auch in der Darstellung wesentlicher Ergebnisse hier auf meinem Weblog bin ich wesentlich langsamer vorangekommen, als ich ursprünglich geplant hatte. In diesem Blogbeitrag habe ich mir selbst über die Gründe dieser Verzögerung Rechenschaft abgelegt. Bei dieser Reflexion habe ich vier unterschiedliche Ursachen für die Verspätung ausgemacht:

  1. Die vielfältigen Arten von Informationsquellen erfordern für effizientes Digitales Notieren jeweils unterschiedliche Werkzeuge.
  2. Differente Werkzeuge resultieren in variierende Arbeitsabläufe, die es zu implementieren und zu beschreiben gilt.
  3. Die jüngste Entwicklung zu KI-Werkzeugen erfordert eine umfassende Auseinandersetzung zum Status des wissenschaftlichen Arbeitens, die ich nicht vorausgesehen habe.
  4. Die Idee einer systematischen, linearen Abfolge von Obsidian-Anleitungen hat mich am Ausarbeiten und Schreiben der gerade für mich aktuellen Fragen behindert.

Durch nachfolgende Strategien hoffe ich in Zukunft bei meinem AWDW-Buchprojekt etwas schneller voranzukommen:

  1. Ich richte mit Obsidian Erweiterungen und Obsidian Workflows zwei thematisch neue Artikelfolgen ein, die ich – je nach meinem aktuellen Bedarf – sporadisch und ohne Anspruch auf lineare Systematik – schriftlich ausformuliere.
  2. Nachtrag 9.2.2023: Ich benötige mit AWDW-Werkzeuge noch eine weitere Artikelreihe, die die vielen Hilfsmitteln zum Thema des Buches (Academic Writing in a Digital World, AWDW) behandeln, die nicht direkt mit Obsidian zu tun haben. Beispiele dafür sind Zotero, Calibre, Hypothesis.
  3. Ich werde in Zukunft prinzipiell lineare Sequenzen für Blogposts vermeiden und mich auf die noch offenen und herausfordernden inhaltlichen Fragen konzentrieren.

Fußnoten

  1. Über KI-Programme, die wissenschaftliches Arbeiten unterstützen, werde ich später natürlich noch ausführlich schreiben.
  2. Im Englischen wird „digital note-taking“ – häufig auch ohne Bindestrich – verwendet. Interessanterweise kennen weder dict.cc noch Leo diesen Begriff.
  3. Mit der Bevorzugung von macOS habe ich sogar noch eine weitere Einschränkung vorgenommen.
  4. Das Linksymbol ist als Erinnerung für mich gedacht und soll – wenn der dazu passende Post veröffentlicht wurde – durch einen aktiven Link auf den Artikel ersetzt werden.
  5. Offenlegung: Wenn Sie über meine Links zu Textsniper und Readwise etwas kaufen, dann erhalte ich dafür aus deren Affiliate-Programm eine kleine Entschädigung. Umgekehrt erhalten Sie eine längere Probeperiode.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert