Erfahren aus der Internet Lesereise (GLL)

Heute habe ich das Projekt „Gemeinsam Latour lesen“ (GLL) abgeschlossen. Zeit also diese Initiative kritisch zu reflektieren:

Die nachfolgenden Gedanken beziehen sich auf die 12 Folgen, in denen ich in Bruno Latour: „Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft – Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie.“ (Suhrkamp, 2007) bzw. in englischen Version „Reassembling the Social – An Introduction to Actor-Network-Theory.“ (Oxford, 2005) eingeführt habe.

  • Es gibt dazu einen Zeitplan, wo in jedes einzelne Kapitel gesprungen werden kann.
  • Das gesamte Material kann chronologisch hier gelesen bzw. ausgedruckt werden.
  • Weiteres Material (Links auf zusätzliches Material) findet sich Im Ordner Goodies.
  • Tweeds zu Gemeinsam Latour Lesen konnten unter dem Hashcode #GLL abgerufen werden. Da Twitter nur 14 Tage die Tweets sammelt, sind sie leider nicht mehr erreichbar. Das nächste Mal muss ich mir diesbezüglich eine Archivierungsmöglichkeit (z.B. mit Twapperkeeper) überlegen.

Reflexion

Es ist schwierig für mich einzuschätzen, inwieweit meine Beiträge für LeserInnen interessant (gewesen) sind. Zu Beginn gab es über einige meiner Bekannten und Studierenden eine recht interessante Diskussion, die aber nach der Weihnachtspause abgebrochen ist. Eine Befragung hat gezeigt, dass knapp über 10 Leute sich extra das Buch gekauft haben um die Lesereise kontinuierlich mitverfolgen zu können. In dieser Hinsicht ist das Resümee also durchaus zwiespältig: Einerseits scheinbar relativ wenig Beteiligung für viel Aufwand, andererseits aber hat es vielleicht doch einigen Leuten geholfen.

Außerdem sind die Weblog-Einträge nicht etwa wie eine face-to-face Vorlesung Vergangenheit, sondern stehen weiter im Netz und könnten weiterhin aufgerufen werden. Der Nutzen dieser Seiten kann also durchaus noch weiter wirken. Möglicherweise gibt es also diesbezüglich noch eine Langzeitwirkung.

Für mich selbst hat sich der Aufwand auf jeden Fall jedoch gelohnt!

  1. Es hat mir einfach weit mehr Spass gemacht einen Text nicht nur für mich alleine zu lesen, sondern ihn schrittweise mit einem (virtuellen) Publikum zu erarbeiten. Virtuell habe ich in Klammer gesetzt, weil das Publikum nicht nur virtuell vorhanden war, da ich die meisten Leute, die sich an der Diskussion beteiligt haben, auch persönlich kenne.
  2. Auch die selbst auferlegte Verpflichtung war für mich hilfreich: Ich war so gewissermaßen gezwungen in den Alltagsstress eine gewisse Regelmäßigkeit einzubauen und jedes Wochenende so zu planen, dass ich wieder ein (weiteres) Kapitel lese und zusammenfasse.
  3. Ganz abgesehen davon habe ich auch eine andere Art von Verantwortung gespürt und wahrscheinlich den Text weit genauer gelesen und rezipiert als ich dies für mich alleine getan hätte. Oder anders ausgedrückt: Den Text hatte ich im letzten Urlaub in Malaysia schon einmal gelesen, ihn jetzt aber Kapitel für Kapitel nicht nur nochmals zu lesen, sondern ihn auch schriftlich zusammen zu fassen, das hat mein Verständnis enorm vertieft. (So hatte ich z.B. den Gedanken, dass sich die 4 verschiedenen Begriffe von „sozial“ grafisch darstellen lassen, in meiner ersten Urlaubslektüre nicht entwickelt und daher auch eine erste Version (siehe meinen ersten Versuch) nicht in Angriff genommen.
  4. Möglicherweise gibt es auch hier noch eine Langzeitwirkung, weil ich deutlich die Mängel und Lücken gespürt habe, die von meiner doch recht oberflächlichen Rezeption herrühren. Ich habe mir eine Menge weiterer Literatur rund um Latour bereits angeschafft und den Vorsatz gefasst hier weiter zu arbeiten. (Na ja, da bin ich skeptisch: Solche Vorsätze habe ich ständig; aber der „ganz normale Wahnsinn“ des Alltags bringt immer andere – als Leitungsperson immer stärker vor allem nicht-akademische – Aktivitäten mit sich. Letztlich bleiben diese Vorsätze dann meistens nur am Papier…)

Zusammenfassend also kann ich mit ruhigen Gewissen sagen, dass sich diese Initiative für mich persönlich durchaus gelohnt hat. Ich überlege mir deshalb, wie ich die erlebten Vorteile (genauere Arbeit & mehr Spass weil nicht bloß für mich alleine) ohne die gespürten Nachteile (Druck der Verpflichtung & Zeitdruck) realisieren kann.

Update (21.02.2010):

Gedankensplitter zum laufenden Buchprojekt

Eine Idee, die mir während eines kleinen Spaziergangs eingefallen ist:

In könnte in lockerer Folge, aber mit einer gewissen Regelmäßigkeit (z.B. 1x pro Woche) einen Eintrag ins Weblog schreiben, der einen (kleinen) Baustein für mein nächstes Buchprojekt darstellt. Dabei geht es nicht nur darum – wie bisher bereits gemacht – regelmäßige kleinere Fachbeiträge zu schreiben, sondern vor allem auch darzulegen, wie diese einzelnen „Gedankensplitter“ in das Bild des Buchprojekts hinein passen. Ich könnte damit vielleicht die oben genannten Vorteile mit den ohnehin vorhandenen Nachteilen verknüpfen und gleichzeitig positiv wenden.

 

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