Designstrategien von pädagogischen Mustern

Seit vielen Jahre beschäftige ich mich bereits mit Patterns und habe hierzu schon mehrfach auf meinem Weblog berichtet. Zum Beispiel ist unter Goodies/Linksammlungen/Mustertheorie einiges zu finden. Ich freue mich daher sehr auf den mir eingeladenen Vortrag von Jenny Quillien. Weil solche hochwertigen Vorträge in Wien stärker als in Krems besucht werden, hat mein Department am 8. November 2012 gemeinsam mit dem E-Learning Center an der TU-Wien zum Vortrag „Design Thinking of Pedagogical Patterns“ eingeladen.

Wer ist Jenny Quillien?

Jenny Quillien

Jenny Quillien

Jenny Quillien war viele Jahre Weggefährtin von Christopher Alexander – dem Autor von „The Nature of Order“ – und beschäftigt sich seither mit Patterns. Nun wird sie am Donnerstag, 08. November 2012 in Wien einen englischsprachigen Vortrag mit dem Titel „Design Thinking of Pedagogical Patterns“ abhalten. Wozu ich alle Interessierten herzlich einladen möchte; die Veranstaltung ist natürlich kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erwünscht, damit wir wissen, ob wir mir dem reservierten Seminarraum das Auslangen finden ;-).

Jenny Quillien arbeitet an der New Mexico Highlands University (NMHU) und an der School of Business and Media Arts in Santa Fe, New Mexico/USA und wird uns durch das Thema Designs von Pädagosichen Patterns führen, ohne je den Anker zum großen Werk von Christopher Alexander zu verlieren.

Wie pädagogische Muster in Wien aus Sicht einer Amerikanierin betrachtet werden können

Eine kleine Zusammenfassung, welche Erfahrung ich mit Gestaltungsmustern gemacht habe, findet sich hier. Insbesondere am Ende des verlinkten Beitrags gibt es weitere Hinweise zu Beiträge und Ressourcen in diesem Weblog.

Mustergültige Lösungen – „Patterns“ – für wiederkehrende Probleme der Gestaltung sind so alt wie die Menschheit. Durch eine Gruppe von Architekten in Berkeley, University of California, wurde Patterns in den späten 70er-Jahren zum Werkzeug für Forschung und Design. In den kommenden Jahrzehnten hielt der Pattern-Ansatz Einzug in die verschiedensten Bereiche der Wissenschaft.

Als erste wussten sie SoftwareentwicklerInnen zu nutzen, um das Rad nicht bei jedem Programmierschritt neu erfinden zu müssen. Beispiele sind die an Departments für Literatur an Universitäten verwendeten Muster, die geschaffen wurden, um komplizierte Romanliteratur zu entwirren. Ein großes Kosmetiklabor in Tokio hat sogar ein eigenes Team an Muster-SchriftstellerInnen, um die Elemente der weiblichen Schönheit zu entschlüsseln. Und zu guter Letzt, haben Muster nun auch in Bereich der Pädagogik und der pädagogischen Mustern großen Einfluss genommen. (Ich hoffe, dass dazu ein Meilenstein auch das Buch von Reinhard Bauer und mir zu Muster in der E-Portfolio Arbeit darstellt.)

Könnte man doch die Zeit ins Jahr 1977 zurück drehen und das damalige Berkeley Team belauschen, wie sie über den 253 Gebäude-Mustern für das Werk „A Pattern Language“ brüteten. Könnten ihren Gesprächen und Experimenten für die Pädagogischen Muster von heute relevant sein? Wahrscheinlich schon.

Der damalige Leiter des Berkeley Teams Christopher Alexander – übrigens ein gebürtiger Österreicher – tauchte nach der Veröffentlichung von „A Pattern Language“ unter. Obwohl es unter den Architekturbüchern zum Bestseller des 20. Jahrhunderts wurde, war Alexander mit dem Ergebnis sehr unzufrieden. Die Bauwerke, die nach seinen Anleitungen entstanden, waren zu flippig, es fehlte ihnen an Ausgewogenheit und tiefer Schönheit. Was hatte er in seinen Beschreibungen vergessen? Unverzagt machte er sich auf die 30-jährige Suche nach dem Heiligen Gral: die generative Kraft und emergente Schönheit, die wahre Patterns-Sprachen besitzen. Nun hat er die Ergebnisse auf 2.000 Seiten zusammengestellt, erschienen in seinem vierbändigen, reich bebilderten Werk The Nature of Order (veröffentlicht 2003 – 2005).

Kurz nach Alexanders Enttäuschung, bemerkten damals auch SoftwareentwicklerInnen, dass Gestaltungsmuster auch in ihrem Bereich keine essentiellen Probleme lösen konnten. Unterschiedliche Muster weigerten sich hartnäckig sich zu einer Sprache zusammenfassen zu lassen, ebenso wie übergreifende Themen der Gestaltung für Komplexität und Wachstum. Das Ergebnis, ob die neuen Forschungserkenntnisse, wie sie sich aus den 15 „Lebenseigenschaften“ ergeben, die Alexander in „The Nature of Order“ entwickelt hat, hinreichender sind, ist noch offen und in Diskussion.

Einige heikle Fragestellungen

Ist nun davon auszugehen, dass Pädagogische Muster dasselbe Schicksal ereilen wird? Möglicherweise. Aber die Kunst des Lehrens und Lernens beeinflusst auch eine große Muster-Community und der Wunsch nach Entwicklung eines komplexen, kohärenten Ganze entsteht. In den beiden Tagen (Donnerstag Vormittag und Freitag) wird daher eine kleine Gruppe von „edu-pattern“ Begeisterteren mit Jenny darüber diskutieren, wie wir die Community für didaktische Entwurfsmuster voranbringen können. Viele Fragen sind offen:

  • Wollen wir Muster im pädagogisch-didaktischen Bereich gemeinsam (im Sinne von Crowdsourcing) sammeln?
  • Wenn ja: wie? Mit welcher Software? In welcher Sprache (Englisch oder Deutsch)? In welchen organisatorischen Zusammenhängen?
  • Wie wollen wir die praktische Musterarbeit mit gemeinsamen Forschungsanstrengungen kombinieren?
  • Welche Roadmap mit welchen Meilensteinen wollen wir uns geben? Wie wollen wir diese gemeinsamen Bemühungen finanzieren?

Im Vortrag wird Jenny Quillien einige Pädagogische Muster, bezugnehmend auf das schwierige Werk von Christopher Alexander „The Nature of Order“ betrachten, ohne jedoch aus den Augen zu verlieren, was „alte“ pädagogische Traditionen im Gegenzug bieten können.

Was man von sonst noch über Jenny Quillien wissen sollte

Dr. Jenny Quillien ist französische und amerikanische Staatsbürgerin, mit langer akademischer Karriere in diesen Ländern. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst die Lehre, Verwaltung und Fakultätsentwicklung, aber auch „Train the Trainer“-Aktivitäten. Zur Zeit ist Jenny Quillien Professorin im Bereich Management an der New Mexico Highlands University (NMHU) und Programmkoordinatorin der School of Business and Media Arts in Santa Fe, New Mexico.

Ihr persönliches Interesse an Volksarchitektur und Phänomenologie, brachte sie zu den Arbeiten von Christopher Alexander. In sechs-jähriger Zusammenarbeit entstand ein unveröffentlichtes Manuskript, aus dem Alexanders Spätwerk „The Nature of Order“ von Christopher Alexander hervorging. Diese wurden 2003 bis 2005 veröffentlicht. Ebenso war sie Mitbegründerin von Alexanders ersten Homepage patternlanguage.com

Ein Kollege an der New Mexico Highlands University NMHU machte sie mit der Software-Patterns-Community bekannt, welche regelmäßig Konferenzen und Pattern Writing Workshops veranstalten. Hier unterstützt sie als Coach, all jene, die Patterns für Präsenationen und Publikationen vorbereiten.

Die beiden aktuellen Bücher von Jenny Quillien sind:

 Clever Digs: how workspaces can enable thought Delight’s Muse: on Christopher Alexander’s The Nature
of Order
Clever Digs Delight's Muse
Dieses Werk ist 2012 erschienen und untersucht die
Interaktion zwischen der Gestaltung des Arbeitsplatzes und der
kollektiven Kreativität.
ASIN: B0075ESBP0
2008 erschien dieses Buch als Leitfaden für
Anfänger/-innen zu dem mächtigen und schwierigen neuen Werk von
Christopher Alexander.
ISBN-13: 978-1430313175

 Anmeldung zum Vortrag

Der Vortrag von Dr. Jenny Quillien wird vom Teaching Support Centers der TU-Wien organisiert und so erfolgt die Anmeldung direkt an der TU.

Dieser Beitrag wurde unter Ankündigung, Forschung abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.