Raindrop: Einer für alles, …
Bookmarks-Manager Raindrop ist ein Programm zum Organisieren von Lesezeichen (Internet-Adressen). Verschiedene Studien haben gezeigt, dass nicht das Finden von Webseiten, sondern das Wiederfinden das eigentliche Problem ist. Raindrop unterstützt dieses Wiederfinden durch eine Reihe von Werkzeugen:
- Hierarchische Ordnerstrukturen („Collections“)
- Etiketten („Tags“)
- Filter
- manuelles Sortieren
- Erinnerungen
- Volltextsuche
- Hervorhebungen im Text der Webseite
- Notizen und Anmerkungen zur Webseite
- Upload von Dokumenten, Bildern, Videos und Büchern
- Stella, einen KI-Assistenten
- und viele mehr!
Findbarkeitslücke
Dass das Wiederfinden das eigentliche Problem ist, hat sich bereits seit Anfang dieses Jahrtausends herumgesprochen. Die meisten Informationen werden nicht zum ersten Mal gesucht – sondern wiederentdeckt, weil sie bereits einmal gefunden wurden. William Jones zeigt, dass digitale Werkzeuge (z. B. E-Mail-Clients, Dateisysteme) oft nicht darauf ausgelegt sind, dieses Wiederfinden zu unterstützen – sie gehen davon aus, dass NutzerInnen sich erinnern, wo etwas gespeichert wurde. Menschen nutzen eine Mischung aus Ordnern, Tags, Suchen, Erinnerungen und Kontext, um Informationen zu verwalten. Werkzeuge, die bloß auf Erinnern abgestellt sind, funktionieren nicht, weil sie nicht zu den tatsächlichen Denkmustern und Suchpraktiken passen. Jones nennt dies die Findbarkeitslücke („findability gap“).

Dass das Wiederfinden das eigentliche Problem ist, kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Es geht für mich oft schneller, die Webseite erneut zu suchen, als sie in einem meiner Ordner wiederzufinden. Das liegt daran, dass meine Ordnerstruktur ad hoc gewachsen ist und daher keine eindeutig definierten Abgrenzungen aufweist. Vor allem aber erinnere ich mich nach Jahren nicht mehr, in welche Ordner ich eine bestimmte Webseite einsortiert habe. Häufig weiß ich nicht einmal, dass ich ein Lesezeichen für eine Internetadresse bereits einmal abgespeichert habe. Nur so ist es zu erklären, dass ich in den von mir gesammelten 5645 Browser-Bookmarks 1622 Duplikate dabei hatte. 😥
raindrop.io ist Freemium – Software
Bevor ich auf einzelne Nutzungsmuster von raindrop.io eingehe, noch eine persönliche Anmerkung: Ich beschreibe die Vollversion „Pro“, die jährlich 28.50 € kostet, weil ich alle Funktionen nutzen möchte. Doch auch die freie Version (Freemium) hat bereits ein sehr umfangreiches Leistungsangebot. Die Unterschiede finden Sie auf https://raindrop.io/pro/buy gelistet.
Compliance-Statement
Ich bin weder mit raindrop.io assoziiert noch habe ich sonst eine Vereinbarung mit dieser Firma. Mein positiver Bericht zu dieser Software ist rein inhaltlich motiviert.
Installation
Raindrop gibt es als
- Browser-Erweiterung (Plugin)
- Mobile App (iPhone/iPad und Android) und als
- Desktop (macOS und Windows)
Alle drei Möglichkeiten lassen sich nicht nur gegenseitig synchronisieren. Ein entscheidender Startvorteil ist es, dass die bisher gesammelten Lesezeichen problemlos importiert werden können. Das betrifft nicht nur Browser sondern auch eine lange Liste anderer Applikationen.
raindrop.io Video-Tutorials
Ich werde nicht detailliert auf alle Funktionen von raindrop.io eingehen. Dazu gibt es sowohl die umfangreiche und gut gegliederte Dokumentation des Produkts als auch einige Video-Tutorials.
Funktionen, die ich besonders praktisch finde
Statt eines detaillierten Überblicks möchte ich daher unsystematisch einige Funktionen hervorheben, die mir persönlich gut gefallen. Wann immer ich damit bereits spezielle Erfahrungen gemacht habe, werde ich außerdem einen Tipp zu einem für mich praktischen Nutzungsmuster geben.
Ordner (Collections)
Collections sind das primäre Organisationsmittel, worin Lesezeichen gesammelt werden. Außerdem sind sie jene Einheit, die für Kooperationen maßgeblich ist. Mitglieder sehen nur jene Ordner, zu denen sie eingeladen worden sind.
Ordner können hierarchisch strukturiert werden. Obwohl es sich – für mich zumindest – gefühlsmäßig seltsam anfühlt, ist eine flache Hierarchie mit wenigen Ordnern zu empfehlen. Unter „flach“ verstehe ich höchstens zwei Ebenen, besser vielleicht sogar nur eine Ebene. Und unter „wenig“ verstehe ich bloß etwa 7–12 Ordner. Für diese Organisationsstrategie gibt es eine Reihe von Gründen:
- Suche und Wiederfindbarkeit: Je tiefer die Hierarchie, desto schwerer ist es, ein Lesezeichen später wiederzufinden – vor allem dann, wenn man sich nicht mehr genau erinnert, wo man es abgelegt hat.
- Schnellere Verarbeitung: Tiefe Ordnerstrukturen erfordern mehr Entscheidungen (“Wo gehört das hin?”), wodurch die Verarbeitung verlangsamt wird.
- Verwaltungsaufwand sinkt: Zu viele Unterverzeichnisse führen zu Overhead – man muss sich ständig durch Ebenen klicken, statt direkt zu den relevanten Inhalten zu gelangen.
- Suche ersetzt Navigation: Sowohl mit der Volltextsuche als auch über Etiketten (Tags) kann der Inhalt schneller gefunden werden als durch Navigieren in komplexen und tief geschachtelten Ordnerstrukturen.
Werden komplexe Strukturen benötigt, können Collections für Hauptthemen und Tags für Unterkategorien dafür genutzt werden. Außerdem können Ordner als Icons dargestellt werden, wodurch die visuelle Erkennbarkeit erhöht wird.
Tipp 1: Estelle eine flache Struktur und nutze „Collections“ für wenige Hauptthemen und „Tags“ für viele Unterkategorien.
Und letztlich gibt es auch noch die Möglichkeit, Gruppen zu bilden. Gruppen fungieren als Separatoren auf der höchsten Ebene. Sie können allerdings nicht beliebig sortiert werden, sondern werden am Ende der Ordnerliste angelegt. Ordner von oberhalb können jedoch unter die Gruppe manuell verschoben werden. Alle Ordner in einer Gruppe können auf- und zugeklappt werden.
Tipp 2: Lass dir vom KI-Assistenten Stella einen Vorschlag für eine flache Ordnerstruktur entwickeln.
Filter
Filter sind in der Lage, aus der Fülle aller Lesezeichen, jene mit bestimmten Eigenschaften aufzulisten. Tags (Etiketten) sind z.B. selbst erstellte Filter. Außerdem gibt es aber noch vorgefertigte Filter, die die Organisationsarbeit mit vielen Lesezeichen enorm erleichtern.

Die obige Grafik zeigt z. B., dass 4.100, d. h. fast alle meine Lesezeichen (noch) keine Etiketten haben. Der Grund liegt natürlich darin, dass es in meiner vorherigen Organisation von Browser-Lesezeichen diese Möglichkeit nicht gab.
Tipp 3: Nutze bewusst die vielen vorgefertigten Filter: Beseitige Duplikate und verwaiste Links und personalisiere deine Inhalte, indem du Dokumente als Favoriten auszeichnest, Hervorhebungen und Notizen erstellst.
Tipp 4: Kombiniere verschiedene Filter mit UND/ODER Operatoren um die Suche weiter einzugrenzen.
Nicht nur Links…
Eine besonders wichtige Funktion für mich ist, dass nicht nur Links verwaltet werden können.
- Archiv: Der gesamte Text eines Lesezeichens kann abgespeichert werden und daher unabhängig von Änderungen auf der Webseite archiviert werden.
- Webseiten erweitern: Die Texte von Webseiten können annotiert werden, bestimmte Teile hervorgehoben oder auch mit eigenen Texten ergänzt werden.
- PDF-Unterstützung: Seit September 2025 gibt es auch Vorschau und Hervorhebung von PDF-Dokumenten.
- Unterstützung vieler Dateiformate: Nicht alle Inhalte besitzen eine Internet-Adresse. raindrop.io erlaubt auch den Upload und das Organisieren von Dokumenten, Bildern, Videos und Büchern. Diese Dokumente können dann wie Lesezeichen behandelt und organisiert (gemanagt) werden.
Tipp 5: Erweitere Deine Sammlung von Lesezeichen mit anderem (dazugehörigen) Material aus anderen Quellen. Nutze Anmerkungen und Notizen für das spätere Aufsuchen dieser Dokumente über Etiketten (Tags) und/oder Volltextsuche.
Tipp 6: Nutze den KI-Assistenten Stella für eine Diskussion über Deine gesammelten Dokumente und Inhalte.
Zusammenfassung
Alles in allem bin ich nicht nur mit der umfangreichen Funktionalität von raindrop.io, sondern auch mit der intuitiven und schnellen BenutzerInnenführung (User Interface) sehr zufrieden. Ich verwende raindrop.io nun hauptsächlich zusammen mit Obsidian und Zotero zum Aufbau und zur Organisation meiner Wissensdatenbank. Andere Werkzeuge, die ich früher verwendet habe (wie z. B. Evernote, Joplin, Wakelet, OneTab), sind damit überholt. Selbst Diigo und Hypothes.is (die ich häufig, aber überwiegend zur persönlichen Wissensorganisation und kaum zum kooperativen Arbeiten genutzt habe) verwende ich jetzt viel weniger.