LMS in WordPress? – Didaktische Vielfalt mit Plugins

E-Learning-EducationAls letzten Teil meiner kleinen Trilogie (siehe die anderen Beiträge: Selbstbestimmtes Lernen und Didaktischer Mehrwert) möchte ich nun exemplarisch diskutieren, wie solch ein Netzwerk didaktischer Dimensionen für ein LMS in WordPress aussehen könnte. Ich werde dabei Vorschläge für verschiedene Plugins machen, die ich z.T. in dieser Seite bereits eingebunden habe und deren Funktion sie sehen bzw. ausprobieren können.

Warum gerade WordPress?

Ich habe in meinem Artikel zu Namaste! LMS mit Erstaunen festgehalten, dass es nun bereits auch für nicht besonders technisch versierte Leute – wie mich z.B.  🙄 – möglich geworden ist, solch ein komplexes LMS quasi nebenbei zu betreiben. Ich möchte versuchen in diese Richtung weiter zu denken:

  • Kann ich auch ein Netzwerk didaktischer Dimensionen so konfigurieren, dass ich didaktischen Mehrwert nicht nur theoretisch einfordere bzw. moniere, sondern auch in der Lage bin, ihn selbst umsetzen?
  • Ist es mir selbst möglich, als Privatperson mit rudimentären technischen Kenntnissen, eingeschränkten zeitlichen und finanziellen Ressourcen, solch ein System aufzusetzen und zu verwalten?
  • Und zwar mit einem Werkzeug, das wie WordPress leicht zugänglich und extrem weit verbreitet ist?

WordPress was used by more than 23.3% of the top 10 million websites as of January 2015.[6] WordPress is the most popular blogging system in use on the Web,[7] at more than 60 million websites.[8]  … WordPress’s plugin architecture allows users to extend the features and functionality of a website or blog. WordPress has over 39,078 plugins available,[12] each of which offers custom functions and features enabling users to tailor their sites to their specific needs.(Wikipedia)

Als Ausgangspunkt meiner Argumentation dient mir wieder die 2 x 4 Argumente-Tabelle, wie im vorigen Beitrag bereits dargestellt:

Auseinandersetzung mit

Inhalten (Co-) Lernenden
Links Austausch / Diskussion
Multimedia Gamification (Wettbewerb)
Aktualität Kooperation (Produktion)
Interaktivität Persönlicher Kontakt mit Autor/in

Obwohl eine sequentielle geführte Argumentation dieses Netzwerk didaktischer Dimensionen nicht ausreichend charakterisieren kann, lässt sich doch vielleicht ahnen, worauf ich hinaus will.

Auseinandersetzung mit Inhalten (mit praktischen Beispielen)

Links:

  • Ich denke an ein Glossar, das mit einer ganzen Reihe von WordPress Plugins über sogenannte Tooltips realisiert werden kann (siehe die Liste von WP Tooltips Plugins).
  • Ein anderer didaktische Möglichkeit wird durch einen Backlink realisiert, d.h. ich springe z.B. zu einer Fußnote und wieder zurück zum Text1.
  • Natürlich lassen sich Links (wie generell auch Text) diskutieren und annotieren. Dadurch können sich Lernende nicht nur gegenseitig austauschen, sondern bekommt der statische Inhalt eine dynamische Komponente. Sie können das hier auf dieser Seite (beim Browserfenster rechts oben) mit der installierten WP Erweiterung Hypothesis (siehe auch deren Webseite) selbst probieren. (vgl. auch WP Annotation Plugins)

Multimedia:

Der Einbinden von Bildern, Ton und Videos ist natürlich in WordPress kein Problem. Was ich allerdings bisher nicht gefunden habe, ist eine spezifische didaktische Nutzung dieser Funktionalitäten. Was ich damit meine, lässt sich gut durch EduCanon illustrieren. Die mit EduCanon generierte didaktisch motivierte multimediale Interaktion lässt sich dann natürlich wiederum in WordPress einbinden, wie ich in meinem Beitrag zu EduCanon am Beispiel meiner didaktischen Taxonomie gezeigt habe.

Aktualität:

Mit Aktualität habe ich bei meinem konkretem Beispiel (Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie an Hand des Buches von Bruno Latour) natürlich schlechte Karten. Aber ich glaube, dass es einfach zu verstehen ist, was hier gemeint ist: Bei Buch, PDF, aber auch eBook ist es – zum Unterschied bei Webseiten – weit schwieriger, aktuelle Änderungen schnell an die Lernenden zu bringen. Weiters können wir uns dynamische RSS-Feeds und Mash-Ups[glossary] vorstellen, die – soweit ich weiß – bisher noch recht wenig für Lernprozesse genutzt wurden. (siehe Feed and Mashup Plugins)

Interaktivität:

Hier habe ich als besonders fortgeschrittenes Beispiel bereits den Watu und WatuPRO Plugin erwähnt. Ich möchte nochmals die zehn wichtigsten didaktischen Eigenschaften zusammenfassen:

  1. Sieben verschiedene Fragetypen
  2. Freie Texteingabe
  3. Freie Mediennutzung
  4. Freie Erweiterbarkeit
  5. Selektives Feedback
  6. Verkettete Logik
  7. Übungs- und Prüfungsmodus
  8. Auch ohne Registrierung nutzbar
  9. Lernende können selbst Fragen zusammenstellen
  10. [glossary]Gamification

Es zeigen sich hier nun einige Vorteile in einer LMS-Integration, die für eBooks, Webseiten oder PDF nicht realisierbar sind. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

  • Durch selektives Feedback kann zu jeder ausgewählten Antwortvorgabe ein differenziertes Feedback (wenn gewünscht mit multimedialen Elementen) gegeben (und diskutiert!) werden. Durch die Verkettungslogik kann – individuell auf den einzelnen Lernenden abgestimmt – auf einen anderen Quiz verzweigt werden. Für diese Personalisierung ist jedoch eine Registrierung und Mit-Protokollierung des bisherigen Lernfortschritts notwendig.
  • Durch Gamification können Punkte, Levels (Schwierigkeitsgrade), Leaderboards und Badges (Zertifikate) als zusätzlicher Motivationsfaktor eingebracht werden. Ok, das sind zwar Elemente extrinsischer Motivation, wie Björn Lefers in einem Kommentar hier auf meinem Weblog richtigerweise kritisch kommentiert. Trotzdem aber heben sie die Motivation und intensivieren (indirekt) den Lernprozess.  – Wenn Gamification zwar schon zum nächsten Kapitel gehört (= Auseinandersetzung mit Co-Lernenden) ist die Erwähnung hier wegen der Quiz- und Inhaltsverknüpfung durchaus angebracht.

Neben den von mir erwähnten Watu-Plugin, gibt es natürlich eine ganze Reihe weiterer WordPress-Erweiterungen, die Interaktivität fördern. Hier muss dann allerdings meist noch überlegt werden, wie diese allgemeine Interakvitität dann didaktisch sinnvoll umgesetzt wird. Anders liegt da die Sache bei Quiz-Plugins, weil hier der didaktische Nutzen sofort ins Auge springt. (siehe Plugins zu Interaktivität und Quiz)

Auseinandersetzung mit (Co-)Lernenden

Hier ist es schwieriger entsprechende praktische Beispiele auf dieser Webseite zu versammeln. Das liegt gerade daran, dass hier LMSes sich viel leichter tun, weil sie (häufig) bereits mit Lerngruppen und Kursen operieren, wodurch – trotz asynchronen Lernens – ein gewisser zeitlicher Zusammenhang und Bezug gegeben ist.

Da kann eine „normale“ Webseite mit Foren oder auch einem Chat schlecht mithalten. Zwar gibt es auch auf Webseiten die Möglichkeit des Austausches und der Kommunikation, doch bleibt das vereinzelt und erratisch. Wenn nicht entsprechende Anstrengungen (Ausschreibung und Bewerbung) und thematisch wie auch zeitliche Fokussierungen vorgenommen werden, gibt es kaum zusammenhängende Diskussionsfäden. Diese auf Gruppen von Lernenden ausgerichtete thematische und zeitliche Schwerpunktsetzung ist es gerade, was einer der wesentlichen didaktischen Vorteile eines LMS gegenüber Webseite, und noch mehr gegenüber eBook und PDF ausmacht.

Didaktische Vielfalt ist der Schlüssel

Ich hoffe, dass ich zeigen konnte, dass LMS auch für selbstbestimmte Lernende eine Reihe von Vorteilen bieten. Wesentlich ist jedoch der didaktische Aufbau der Kurse, der folgende Gesichtspunkte folgen sollten:

  • Möglichst wenig zentrale Steuerung. So sollte beispielsweise eine Sequenzierung der Lektionen und Lerneinheiten möglichst nicht verpflichtend gemacht werden. Selbstbestimmte Lernende suchen sich selbst ihre Lernpfade. Sowohl Zeit- als auch inhaltliche Vorgaben sollten minimiert werden.
  • Didaktische Vielfalt bereitstellen: Viele Varianten und Zugänge zum selben Material ermöglichen. Inhaltliche Lernprozesse können als Text, Video, Diskussion (Foren, Annotationen, Chat etc.), Aufgaben und sogar mit ausführlichen, selektivem Feedback versehenen Quiz motiviert werden.
  • Intrinsische und Extrinsische Motivation koppeln: Lernfortschritte portionieren, deutlich ausweisen, d.h. durch Anwendungen und Praxisbeispiele kenntlich machen (intrinsisch motivieren); Lernfortschritte aber auch belohnen (Punkte, Badges, Zertifikate), Kooperation (durch gemeinsame Erstellen von Produkten oder Lösen von Aufgaben)  und Konkurrenz (Gamification durch Wettkämpfe, Leaderboards/Ranglisten, Levels/Schwierigkeitsgrade).

Wie das beispielsweise mit in der Kombination von Namaste und Watu in WordPress möglich ist, gibt folgender Twitter-Kommunikation wieder:

geoffcain ‏@geoffcain 4. Apr.
Interested in exploring WordPress as an LMS like the Namaste! LMS plug-in. But is turning an open system into an LMS a step forward?

Ich habe geantwortet:

15. Aug.:@geoffcain „mark completed“ for free content & self-determined learner; Watu for Quizzes; points & badges motivate: more than open WP can do

Das ist der dritte und letzte Teil der Trilogie

Erster Teil der Trilogie – Zweiter Teil der Trilogie

  1. WP Footnote Plugins []

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2 Kommentare zu LMS in WordPress? – Didaktische Vielfalt mit Plugins

  1. Danke für die Nennung!

    Aber gibt es nicht auch WordPress LMS bei denen ohne Registrierung die Inhalte gesehen werden können und nach Registrierung Zusatzfunktionen (Badges, Points, etc.) zur Verfügung stehen?

    Können Sie ein Annotation-Plugin empfehlen, mit welchem die Lernenden Text auf der Webseite unterstreichen und Notizen (Postits) machen können?

    • Peter Baumgartner sagt:

      Wie soll die Vergabe von Badges, Points etc.funktionieren, wenn diese Leistungen nicht den Lernenden, die sie erworben haben, direkt zugeordnet werden können. Das geht eben nur mit einer Registrierung und Anmeldung während des Lernprozesses.

      Ich habe ein solches Annotationswerkzeug (Hypothesis) ja gerade auf dieser Seite, in der Sie den Kommentar jetzt geschrieben haben, eingefügt. Es ist unauffällig und leicht zu übersehen. Im Browserfenster rechts oben, also wirklich am oberen rechten Eckpunkt am Browserfenster (nicht etwa WordPress-Seite). Ich habe (als „Jack Praker“) eine Stelle gelb markiert und einen kleinen Text hinterlassen.

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