Kiva – ein Netzwerk für Mikrokredite

In letzter Zeit nehmen sie zu, die "Freundschafts"-Anfragen für soziale
Netzwerke wie Xing, Facebook, LinkedIn, stayfriends und wie sie alle
heißen. Es artet bereits richtig zur Arbeit aus und man will ja nicht
unfreundlich sein und solche Abfragen ablehnen 😉 Dabei bin ich bisher
skeptisch über den Nutzen solcher Portale für mich gewesen. Bisher! Mit
Kiva habe ich endlich auch an mir selbst emotional erfahren, was
soziale Netzwerk bewirken können und warum sie Sinn machen.

In letzter Zeit nehmen sie zu, die „Freundschafts“-Anfragen für soziale Netzwerke wie Xing, Facebook, LinkedIn, stayfriends und wie sie alle heißen. Es artet bereits richtig zur Arbeit aus und man will ja nicht unfreundlich sein und solche Abfragen ablehnen 😉 Dabei bin ich bisher skeptisch über den Nutzen solcher Portale für mich gewesen. Bisher! Mit Kiva habe ich endlich auch an mir selbst emotional erfahren, was soziale Netzwerk bewirken können und warum sie Sinn machen.

Wie funktioniert Kiva?

In Zusammenhang mit der Literatur, die ich zu Mikrokrediten gelesen habe (siehe meinen Weblogbeitrag zur neuen Idee des Social Business bzw. die Linksammlung im Anhang dieses Beitrages) bin ich auf die Kiva Website gestoßen. Kiva ist eine internetbasierte, sehr informative und vor allem transparente Plattform. Das Ziel der Website ist es, KreditnehmerInnen der 3. Welt mit KreditgeberInnen für die Vergabe von Mikrokrediten in Kontakt zueinander zu bringen.

Kiva portraitiert sowohl die Personen(gruppen), die um Mikrokredite ansuchen, die sie unterstützenden Organisationen vor Ort als auch die Unternehmungen, wofür die Kredite benötigen werden. Die geplanten Termine und die Höhe der Rückzahlungsraten werden aufgelistet und das Ausfallsrisiko eingeschätzt. Wenn die ansuchenden Kreditnehmerinnen (es sind meistens Frauen!) bereits Kredite in Anspruch genommen haben, kann sogar die bisherige „Kreditgeschichte“ eingesehen werden. Sollte es einmal wider Erwarten bei der Rückzahlung Probleme geben, dann recherchiert die Organisation vor Ort die möglichen Probleme und informiert darüber. Die Kredite werden meistens in vielen kleinen Tranchen von vielen TeilnehmerInnen zusammen aufgebracht. Viele Geber – so auch ich – sehen ihre Unterstützungen weniger als eine Leihgabe an, sondern vielmehr als eine besonders Form einer „Spende“, da das Geld – bei erfolgreicher Rückzahlung – in anderen Unternehmungen von bedürftigen Personen(gruppen)  „re-investiert“ wird.

Kritik am Konzept der Mikrokredite

Ich will nicht verschweigen, dass es auch einige Kritik am System der Mikrokredite gibt. Viele dieser Mängel weisen aber auf Durchführungsprobleme hin, die innerhalb des Systems der Mikrokredite gelöst werden können. So kann z.B. auch zu rasches Wachstum Mikrokredit-Systems zu einem Problem werden: Heftige Konkurrenz im selben lokalen Markt erhöht das Interesse der Banken Kreditabschlüsse zu forcieren. Es besteht dann die Gefahr, dass mehrere Krediten von verschiedenen Banken an die gleichen Personen ausgezahlt werde, wodurch sich  Schuldenbelastung und Ausfallsrisiko erhöhen.

Eine andere – scheinbar radikale Kritik – wird in dem Spiegel-Artikel Entwicklungshilfe 2.0 – Per Mausklick zum Mikrokredit vertreten. Es wird argumentiert, dass die Billigkredite (19% bei Kiva – was für uns zwar viel klingen mag, für Entwicklungsländer mit ihren hohen Inflationsraten aber sehr niedrig ist) lokale Banken schädigen und damit gerade nicht die regionale Wirtschaft stärken, sondern im Gegenteil sogar schwächen. Ich muss sagen, dass ich diese Argumentation nicht ganz nachvollziehen kann: Das bestehende Finanz- und Banksystem ist ja gerade eine der Ursachen für die derzeitige Krise. Trotz jahrzehntelange „Entwicklungshilfe“ zeigen viele Statistiken, dass die Armut weltweit seit etwa 10 Jahren wieder ansteigt – und die Banken (insbesondere die Weltbank) – sind daran nicht unschuldig. Die Kritik muss doch meiner Meinung nach komplett umgedreht werden: Die Banken müssen sich dem effizienten System der Mikrokredite anpassen, nicht umgekehrt! (Siehe auch die Kritik von Yunus am Mangel an Reformwillen bei den Banken.)

Mikrokredite und Internet

Ich halte dieses Konzept der Mikrokredite für weit sinnvoller als die „normale“ Entwicklungshilfe (siehe die beiliegende Linksammlung). Es ist nicht nur eine Hilfe zur Selbsthilfe, sondern unterstützt die Initiative und den Unternehmergeist der armen Bevölkerung. Statt diese Leute mit eigenen Projektideen zu beglücken, entsteht eine nachhaltiger Wirtschaftskreislauf, eine Aufwärtsspirale, die nachweislich zu einer Verbesserung des Lebensstandards der daran beteiligten armen Bevölkerungsgruppen, die als KreditnehmerInnen auftreten, führt.

Ich gestehe, dass ich in Zeiten, wo ich ständig inhaltlich leere, weil ganz allgemeine Freundschaftsanfragen für Xing, Facebook und LinkedIn bekomme, mit Kiva zum ersten Mal wirklich von virtuellen sozialen Netzwerken auch emotional beeindruckt wurde!1 Durch die Fotos der KreditbewerberInnen, der Beschreibung der Projektidee und vielen weiteren Informationen wird eine Beziehung zu den Menschen, die diese Kredite benötigen, aufgebaut.  Ich habe mich daher gleich gemeinsam mit meiner Frau mich an einem Mikrokredit für die Gruppe Hye Woho Den Group beteiligt. Die Sache ging wirklich einfach und transparent über die Bühne. Im Dezember soll bereits die Ratenrückzahlung beginnen. Das Internet macht’s möglich: Durch die Kiva-Website kann ich mich laufend über den Stand der Dinge informieren!

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1 Inzwischen hat sich für mich als zweites sinnvolles Beispiel auch stayfriends.at hervorgetan, weil sich dort fast wöchentlich weitere Schulfreunde einfinden, mit denen ich seit nun über 30 Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Social Business - Links Social Business – Links

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Mikrokredite – Links Mikrokredite – Links

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Eine Antwort auf „Kiva – ein Netzwerk für Mikrokredite“

Es ist schon unglaublich, welche Entwicklung die Mikrokredite in den letzten Jahren gemacht haben und wie sich das Netzwerk dafür mittlerweile aufgebaut hat. Wie man sieht, scheint sich das ganze Thema tatsächlich auch auf Dauer zu lohnen.

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