Lernen durch Engagement (LdE)

Lernen durch Engagement – z.B. Master of Arts in Social Innovation

Lernen durch Engagement – z.B. Master of Arts in Social Innovation

Während meines Vortrag Vom Erfahrungswissen zum Entwurfsmuster hatte ich  Gelegenheit mich mit dem Konzept des Lernen durch Engagement (LdE) auseinanderzusetzen. Ich muss gestehen (Asche über mein Haupt!), dass mir bisher dieses strategische Konzept einer sozial verantwortlichen Hochschulentwicklung, – das im Englischen auch unter „Service Learning“ firmiert – bisher unbekannt war.

Diese Unkenntnis ist umso peinlicher, als ich selbst sehr daran interessiert bin in meiner Arbeit an der Universität  soziales Engagement in Forschung und Lehre stärker zu betonen. Beispiele dafür sind Open Access-Initiativen. wie unser geplantes Interdisziplinäre Journal für Technologie und Lernen (iTeL),  die Propagierung  von sog. Freien Bildungsressourcen Open Educational Resources aber auch die Kooperation mit dem Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) und der daraus entstandene englischsprachige Lehrgang Master of Arts in Social Innovation Innovation, der von meinem Kollegen Josef Hochgerner geleitetet und an meinem Department angeboten wird.

Es war daher ein Glücksfall, dass ich über meine Aktivitäten zum Muster-Ansatz Wolfgang Stark kennengelernt habe. Anlassfall war die Einladung von Jenny Qillien zu einem Workshop über Designstrategien von pädagogischen Mustern, an der auch Prof. Stark daran teilnahm. Obwohl er mir über seine Aktivitäten erzählte und auch (Lese)Material überreichte, hatte ich damals noch nicht seine Projektideen, die er mit seinem OrgLab plant und durchführt, in vollem Umfang verstanden. Ich war viel zu sehr von den gemeinsamen Interessen zum Musteransatz beeindruckt, als dass ich offen für neue Ideen wie „Service Learning“ war. Dazu musste ich erst mit der Nase, durch die Einladung zu einem Vortrag im Rahmen des von ihm initiierten Verbundprojekts gestoßen werden.  😳

Bereits als Vorbereitung und um mich für das Thema der Veranstaltung einzustimmen, hatte mir Thomas Sporer, den ich bereits als (ehemaligen) Mitarbeiter von Gabi Reinmann und seinen Auftritten auf der GMW kannte, eine umfassende Mails mit vielen Links zu gesendet.  Mit diesem Beitrag versuche ich nun diese Ideen (für mich) zusammen zu fassen und  weiterführendes Material für Schwerpunktsetzungen in meiner zukünftigen Arbeit zusammen zu stellen. Dieser Beitrag ist in gewisser Weise eine erste (wahrscheinlich naive?) persönliche Annäherung zu diesem wichtigen Thema.

Was wird unter „Lernen durch Engagement“ verstanden?

Lernen durch Engagement (LdE) ist eine Lehr- und Lernform, die formales Lernen – also Lernen  in Institutionen wie Schulen und Hochschulen – mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Soziales Engagement wird in den USA – neben Forschung und Lehre –  bereits seit längerem als sogenannte „Third Mission“ von Universitäten behandelt. Hochschulen werden sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und nehmen sie nicht nur durch ausgezeichnete Forschung und Lehre wahr, sondern auch durch direkten Einsatz für das Gemeinwesen, die Community.

Aus meiner Sicht gewinnen (Hoch)Schulen damit nicht nur an Reputation und vermitteln ihren Lernenden neben fachlicher auch soziale Kompetenz sondern können damit auch innovative didaktische Konzepte umsetzen. Statt der intellektualistischen Legende nach zuhängen, die eine Reihenfolge vorschreibt („zuerst   Theorie, dann erst die Praxis“) und nicht haltbar ist (siehe die scharfe Kritik von Gilbert Ryle dazu), werden theoretische Zusammenhänge aus Erfahrungswissen generiert.

Weitere Aspekte des sozialen Engagements von (Hoch-)Schulen

Das soziale Engagement von (Hoch-)Schulen muss jedoch nicht auf LdE – oder wie es im Englischen heißt – Service Learning (einem Kunstwort aus „Community Service“ und „Learning“) beschränkt werden sondern kann noch viel weiter gefasst werden als bloß Praxisprojekte in die Lehre (curriculuar) zu integrieren. In den deutschsprachigen Ländern gibt es auch bereits – ebenfalls wieder aus den USA motivierte weitere Ansätze, wie:

Eine ausführliche Darstellung der „Mission Gesellschaft“ für Hochschulen gibt eine 160-seitige Broschüre, die gemeinsam vom Stifterverbandes für die Deutsche Wirtschaft, und der Stiftung Mercator herausgegeben wurde. Sie kann unter dem Titel „Mission Gesellschaft: Engagement und Selbstverständnis der Hochschulen – Ziele, Konzepte, internationale Praxis“ hier (PDF-Icon, 3,6 MB) heruntergeladen werden.

Weitere Materialien empfohlen von Thomas Sporer

Thomas Sporer war so nett und hat mich zur Vorbereitung meiner Teilnahme an der Veranstaltung durch eine ausführliche Mail gebrieft, die ich nachfolgend (leicht redigiert) zitiere: – Tom: Ich hoffe, das geht ok?

Eine Zusammenstellung von Informationen über die Themen „Campus Connunity Partnerschaften“ und „Service Learning“ von Thomas Sporer.

  • Kein schlechter Startpunkt ist der Wikipedia-Artikel zum Thema Service Learning:  Allerdings ist hier der Schwerpunkt des Artikels mehr auf dem schulischen Anwendungskontext.
  • Einen Einblick guter Praxis an deutschen Hochschulen bietet der Wettbewerb Mehr als Forschung und Lehre:  Hier wurden deutsche Hochschulen dazu aufgerufen, Konzepte vorzulegen, die die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme von Hochschulen fördern.
  • Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Stiftung Mercator wollen mit dem Wettbewerb einen Impuls in der deutschen Hochschullandschaft setzen. Hierzu haben die Stiftungen auch eine Studie beim CHE in Auftrag gegeben (s. meinen Link oben, pb).
  • Eine beispielgebende Umsetzung ist sicherlich  Uniaktiv an der Universität Duisburg-Essen.
  • Oder auch das Projekt praktisch freiwillig an der Universität Kassel
  • Etwas anders vom Fokus, aber ebenfalls empfehlenswert, ist die Münchner Social Entrepreneurship Akademie.
  • Auch die Universität Augsburg war bei dem Wettbewerb erfolgreich und seither bauen wir eine Infrastruktur zur Engagementförderung auf. Unsere Homepage bietet eine Überblick meiner Arbeit der letzten zwei Jahre.
  • Das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung bildet darüber hinaus einen Zusammenschluss deutscher Hochschulen, die sich mit dem Thema intensiver befassen. Das Netzwerk wurde im Jahr 2009 gegründet. Die aktivsten Akteure der deutschen Hochschullandschaft sind Mitglied in dem Netzwerk. Hier finden sich auch Informationen über die teilweise unterschiedlichen Aktivitäten an den Mitglieds-Hochschulen.
  • Das deutsche Hochschulnetzwerk ist wohl stark inspiriert von seinem amerikanischen Vorbild Campus Compact.In den USA hat sich diese Idee offenbar besser durchsetzen können als in Europa. Das dortige Netzwerk umfasst eine Vielzahl von Hochschulen und das Thema scheint seit Anfang der 80er Jahre relevant zu sein.
  • Zwei Video: Bei der USA-Reise fand ich die Begegnung mit Dr. Ira Harkavy (Netter Center for Community Partnerships) und Dr. Amy Gutmann , der Präsidentin der Penn University besonders beeindruckend.
  • Auf unserem eigenen Youtube-Kanal finden sich einige weitere, interessante Vorträge zu dem Thema: Besonders zu empfehlen ist dabei die europäische und deutsche Perspektive. Bei der deutschen Perspektive stellt Holger Backhaus-Maul erste Ergebnisse einer Studie zum Status Quo an deutschen Hochschulen vor. Bei der europäischen Perspektive erzählt der Präsident der Irischen Universität in Galway, wie die Förderung gesellschaftlichen Engagements an seiner Universität konkret umgesetzt wird.

Abschließend kann ich noch folgende englischsprachige Publikationen empfehlen:

    • Benson, Lee, Ira Richard Harkavy und John L Puckett. 2007. Dewey’s dream: universities and democracies in an age of education reform. Philadelphia, Pa.; Chesham: Temple University Press ; Combined Academic [distributor]. (Abstract, Amazon)
    • Butin, Dan W. 2010. Service-learning in theory and practice: the future of community engagement in higher education. New York: Palgrave Macmillan. (Abstract, Amazon)
    • Fitzgerald, Hiram E, Cathy Burack und Sarena D Seifer. 2010a. Handbook of engaged scholarship, Vol 1: contemporary landscapes, future directions: Institutional Change. East Lansing: Michigan State University Press.
    • —. 2010b. Handbook of engaged scholarship, Vol 2: contemporary landscapes, future directions: Community-Campus Partnerships. East Lansing: Michigan State University Press.

Was ich persönlich an dem Feld sehr spannend finde ist dass es sich – wie auch bei den Medien – um eine Innovation in der Hochschullehre handelt. Aus irgendeinem Grund hängt die Entwicklung im Bereich des Engagements jedoch der Verbreitung von Medien bei didaktischen Innovationen zeitlich hinterher. Beide Entwicklungen haben ja vor mehr als 30 Jahren ihren Ausgangspunkt. Zentren für mediendidaktische Innovationen haben in den letzten 10 Jahren zunehmende Verbreitung an Hochschulen gefunden. Zentren zur Förderung von Engagement sind noch kaum anzutreffen. Reizvoll finde ich dabei vor allem die Verbindung beider Welten, die wir in Augsburg u.a. verfolgen.

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