H5P Übung aus Fließtext entwickeln – am Beispiel einer Schachlektion

Wie sich eine H5P-Übung aus Fließtext generieren lässt, darüber handelt dieser dritte Teil meiner Artikelserie. Sie ist gedacht als eine Fallstudie zum didaktischen Design mit H5P am Beispiel einer Schachlektion. Ich zeige wie didaktische Fallstricke bei der Umsetzung von Fließtext in webbasierte Übungen zu vermeiden sind.

H5P Übung aus Fließtext entwickeln

Um zu zeigen, wie sich eine H5P-Übung aus Fließtext generieren lässt, braucht es natürlich einen gemeinsamen Text als Beispiel. Damit dieser Artikel hier für Sie nützlich ist, sollten Sie daher die beiden früheren Artikel dieser Beitragsserie lesen und sich vor allem auch den Beispielstext zu Gemüte führen (herunterladen oder meine PDF-Webdarstellung durchlesen). Sie finden die entsprechenden Informationen unter:

  1. 6 Vorarbeiten für das didaktische Design am Beispiel einer Schachlektion.
  2. Didaktische Ideen generieren – am Beispiel einer Schachlektion.

Ich habe den zweiten Teil meiner Artikelserie mit der Feststellung abgeschlossen, dass für einige Learning Outcomes noch interaktive Übungen fehlen. Eine neuerliche Leserunde des Texts ist daher angesagt. Diesmal lese ich den Text darauf hingehend, dass ich Inhalte für die drei noch fehlenden Learning Outcomes suche. Ich stelle nachfolgend den inzwischen erreichten Stand aller Lernergebnisse zusammen. Es könnte ja sein, dass mir – ohne extra danach zu suchen – beim Lesen noch weitere Ideen einfallen, die gut zu einem der fünf Learning Outcomes passen.

Nr. Learning Outcome (LO) Idee
1 Die Startposition eines Schachspiels mit allen Schachfiguren fehlerfrei aufstellen.
2 Alle Schachfiguren mit ihren Namen und Abkürzung benennen.
3 Alle Schachfiguren an ihren Symbolen erkennen.
4 Die Hälften des Schachbretts; Spielbeginn und Spielende (=Spielziel) erklären.
5 Alle Bauernzüge – mit Ausnahme von "en passant"-Schlagen – beherrschen.

Legende:

  • ✅ = fertig, d.h. es gibt bereits genügend didaktische Ideen für eine H5P-Umsetzung
  • ❌ = fehlt komplett, d.h. bisher noch keine Idee entwickelt
  • ❓ = fehlt teilweise, d.h. es gibt schon (einige) Ideen, aber das Learning Outcome ist noch nicht komplett abgedeckt

Fließtext ist ideal für Lückentext-Übungen

Mit den in Tab. 1 zusammengefassten fehlenden Übungen im Hinterkopf lese ich den gesamten Text nun zum vierten Mal durch. Als einfache „Lockerungs-„Übung suche ich nach Textpassagen, die ich ohne (große) Änderungen direkt als Lückentext übernehmen kann, d.h. in eine H5P Fill in the Blanks-Übung umsetzen kann.

Selbst bei dem spärlichen Text, den „Lesson One“ aufweist, sollten sich mindestens 3-5 Lückentext-Übungen ausgehen. Soll diese einfache Transferarbeit nicht gleich in H5P erstellt werden, statt die Planung weiterhin auf Papier bzw. in diesem Text fortzuführen? Ihre Entscheidung hängt ein wenig davon ab, ob Sie alleine arbeiten, oder die Aufgaben in einem Team aufgeteilt werden. Im zweiten Fall kann es sein, dass nicht alle Mitglieder des Teams dieselben Kompetenzen haben, d.h. dass Sie beispielsweise besser im Didaktische Design sind, Ihre Kollegin aber vielleicht mehr Erfahrung mit H5P aufweist.

Ich stelle die Übungen vorerst einmal in WordPress dar, weil ich mich von den H5P-Formularvorgaben nicht ablenken lassen möchte. Die Textpassagen können dann ja mit Copy & Paste recht einfach übernommen werden. Ich verwende daher bereits hier im Text eine Schreibweise, die möglichst nahe an der H5P-Eingabesyntax herankommt. Welches Eingabesystem Fill in the Blanks verlangt, zeigt die folgende Grafik.

Abb. 1: Hilfetext für die H5P Übung „Fill in the Blanks“

Erste Fill in the Blank-Übung aus Fließtext

Auf der ersten Seite in der linken Spalte werde ich bereits fündig:

There are *32* chessmen, *16* White und *16* Black. … In all chess diagrams the *White* side is shown moving up the Board and the *Black* side as moving down the Board. … Each side at the start of a game has *eight/8* pawns and *eight/8* pieces.

Textbeispiel 1: Fließtext aus Seite 1 von „Lesson One“ wird für eine H5P-Lückentextübung vorbereitet.

Der Inhalt dieser Aufgabe ist von den bisher angedachten Übungen im vorigen Artikel bisher noch nicht explizit erfasst worden. Implizit allerdings schon, weil das darin enthaltene Wissen bei der Figurenaufstellung angewendet werden muss.

Das Auslassungszeichen der drei Punkte habe ich nur für Sie hier verwendet. Es zeigt an, dass ich Sätze, die nicht ganz eindeutig sind, weg gelassen habe. Für den Übungstext ist das Auslassungszeichen aber irrelevant und kann weggelassen werden.

Ich glaube es ist interessant zu wissen, warum ich den zweiten Satz ausgelassen habe. Die Textstelle (erster und zweiter Satz) lautet:

There are *32* chessmen, *16* White und *16* Black. One of the players has the *White/Black* men and the other the *Black/White* men.“

Textbeispiel 2: Fließtext aus Seite 1 von „Lesson One“ wird für eine H5P-Lückentextübung kritisch hinterfragt.

Die Lücken im zweiten Satz sind redundant, weil bereits im ersten Satz die Lösung vorweg genommen wurde. Weil dieser Satz kein neues Wissen abfragt, habe ich ihn ausgelassen.

Im zweiten Satz von Textbeispiel 1 hätte ich statt *White* und *Black* auch *up* und *down* nutzen können. Aber ich war mir nicht sicher, ob hier im Englischen nicht mehrere Varianten möglich sind, z.B *upwards*/*downwards*, *to the top*/*to the bottom*. Ich habe mich daher für die sichere Variante entschieden und die Textlücke auf die eindeutig bestimmte Farbe der Steine gesetzt.

Im dritten Satz von Textbeispiel 1 hatte ich zu berücksichtigen, dass neben dem Zahlwort auch eine Zahl erlaubt wird. Im Englischen, wie im Deutschen, sind Zahlen bis zwölf auszuschreiben; erst danach sind Ziffern erlaubt. Für die zu entwickelnde webbasierte Schach-Übung halte ich aber diese sprachliche Feinheit für irrelevant.

Die hier aufgelisteten sprachlichen Schwierigkeiten hätte ich natürlich bei einer menügeführten Advanced Fill the Blanks-Aufgabe oder einer Drag the Words-Übung nicht. Diese Übungen sind aber für Lernende weniger schwierig, weil bloß eine Auswahl aus angebotenen Wörtern getroffen werden muss. Advanced Fill the Blanks hat außerdem auch den Nachteil, dass es weder in Question Set noch in Course Presentation integriert werden kann.

Ich muss hier ausdrücklich betonen, dass Fill in the Blanks bloß eine von mehreren möglichen Übungstypen darstellt. Ich wende diesen Inhaltstyp aber gerne für eine Umsetzung von Fließtext an, weil die Aufgaben schnell und einfach zu erstellen sind. Bei einer Multiple Choice-Übung beispielsweise müsste ich mir für jede Lücke mehrere sinnvolle Distraktoren überlegen.

Zweite Fill in the Blank-Übung aus Fließtext

The half of the board on which the White men stand is called the *White Side* and the half with the Black men on it is called the *Black Side*. … The half of the board containing both Queens is called the *Queenside/Queen side* and the other half, containing both Kings, is known als the *Kingside/King side*. White’s *Kingside/King side* is always on his right and black’s *Kingside/King side* is always on his left. This is never changed, no matter where the Kings and Queens move on the board during the game.

Textbeispiel 3: Fließtext aus Seite 1f von „Lesson One“ wird für eine H5P-Lückentextübung vorbereitet.

Im Buchtext werden die fehlenden Begriffe beim ersten Auftauchen unter Anführungszeichen gesetzt und immer mit Großbuchstaben begonnen. Das halte ich für die Übung selbst irrelevant. Ich verwende daher keine Anführungszeichen und werde auch die Option „Auf Groß-/Kleinschreibung achten“ nicht einschalten.

Ich bin mir nicht sicher, ob im Englischen statt den im Buchtext verwendeten „Kingside“ auch „King side“ gesagt werden darf. Da müssten Inhaltsexpert*innen gefragt werden. Ich habe es auf jeden Fall mal erlaubt.

Wäre es nicht sinnvoll gewesen im letzten Satz von Textbeispiel 3 auch „left“ und „right“ als Lücke zu setzen? Also etwa folgendermaßen:

White’s *Kingside* ist always on his *right* and Black’s *Kingside* is always on his *left*.1

Textbeispiel 4: Fließtext aus Seite 1f von „Lesson One“ wird für eine H5P-Lückentextübung kritisch hinterfragt.

Nein, es können nicht beide Begriffe als Lücken definiert werden! Der Satz wäre dann nicht mehr eindeutig. Es könnte ja auch Queenside abgefragt werden. Die scheinbare Lösung *Kingside/Queenside“ und *right/left* ist aber auch nicht gangbar. Das Programm erkennt dann nämlich nicht, wenn beiden Begriffe falsch zugeordnet werden (z.B. Kingside = left und Queenside = right).

Dritte Fill in the Blank-Übung aus Fließtext

The aim of the game is to capture the opponent’s *King*. The person who succeeds in doing this first, is the *winner/gainer/victor*. If neither player succeeds in winning, the game ends in a *draw*.

Textbeispiel 5: Fließtext aus Seite 2 von „Lesson One“ wird für eine H5P-Lückentextübung vorbereitet.

Hier beginnen nun sowohl meine mangelhaften englischen Sprach- als auch die fehlende Schachexpertise zunehmend ein Problem zu werden: Ist „winner“ das einzige richtige (Fach-)Vokabel in Schach? Oder sind auch alternative Ausdrücke erlaubt? Wenn ja, erfassen die angeführten drei Wörter alle möglichen Varianten? – Detto mit „draw“? Ist auch „tie“ erlaubt (glaube ich eher nicht, deshalb habe ich das in meinem Beispiel weg gelassen).

Zusammenfassung

Ich breche hier die Suche nach Fill in the Blanks-Übungen im Fließtext ab. Ich glaube, die Idee dahinter ist inzwischen klar geworden. Wie bei allen Fill in the Blanks-Übungen geht es um sprachliche Feinheiten und müssen drei Punkte besonders beachtet werden:

  1. Ist die Lücke eindeutig definiert? Wenn nicht: Gibt es eine klar begrenzte Anzahl von Antwortalternativen?
  2. Lässt sich der Inhalt aus dem (lückenhaften) Text noch erschließen? Oft wird nämlich übersehen, dass viele Lücken einen Text miß- oder gar unverständlich machen.
  3. Sind Textstellen vorher oder nachher so formuliert, dass sie keine der angebotenen Lücken verraten?

Wenn eine der drei Bedingungen nicht erfüllt ist, dann schlage ich vor, den Inhalt mit einem anderen H5P-Inhaltstyp zu realisieren.

Wenn wir die Inhalte unserer Übungen den Learning Outcomes gegenüber stellen, dann zeigt sich, dass wir fast bereits vollständig das Learning Outcome Nr. 4 abgearbeitet haben. Wir haben Lückentext-Übungen zu „Hälften des Schachbretts“ und zum Spielende/Spielziel als didaktisches Design realisiert. Es fehlen für Learning Outcome Nr. 4 Übung nur noch Übungen zur Regel des Spielbeginns.

Wahr/Falsch-Übung aus Fließtext generieren

Auch Wahr/Falsch-Sätze sind relativ leicht aus Fließtext zu entwickeln und in eine H5P True/False Question zu überführen. Ein Trick dabei ist es, nach binären Alternativen/Zuständen/Varianten Ausschau zu halten. Immer wenn es bloß zwei Möglichkeiten (eine einzige Alternative) gibt, besteht besonders die Gefahr einer Verwechslung. Deshalb sind Wahr/Falsch-Übungen, die diese Schwierigkeiten aufgreifen, didaktisch besonders wertvoll. Zum Beispiel:

  • Muss das Schachbrett so gelegt werden, dass rechts immer das weiße oder schwarze Feld zu liegen kommt?
  • Gehört die weiße Dame in der Startposition auf ein weißes oder auf schwarzes Feld?

Eine Hilfe ist es, wenn Sie nach verneinenden Sätzen suchen, weil sie häufig auf Sachverhalte hinweisen, die bloß zwei Möglichkeiten zulassen.

True/False Question-Übung aus Fließtext

Auf Seite 2 beginnend in der linken Spalte ganz unten findet sich folgende Textpassage:

Each player moves in turn, with White starting. Two consecutive moves by the same player are prohibited by the rules of the play. Nor can a player pass his turn. … The number of men in a game of chess can only decrease and never increase.

Fließtext aus Seite 2 der Lesson One der zu einer H5P-True/False Question-Übung umgewandelt werden soll.

Diese Passage lässt sich in eine Reihe von Wahr/Richtig-Aussagen umwandeln. Damit dies deutlich wird, präsentiere ich jetzt immer die falsche Aussage und setze den Text kursiv. In der Übung selbst gehören wahre und falsche Aussagen natürlich variiert. Auch von einer Hervorhebung, die ich hier vornehme, rate ich im H5P-Übungstext ab. Sätze haben oft mehrere Möglichkeiten falsch zu sein. Mit einer Hervorhebung wird die Aufgabe daher leichter gemacht und verliert an didaktischem Wert.

  • Each player moves in turn, with Black starting.
  • Two consecutive moves by the same player are sometimes allowed.
  • The number of men in a game of chess never decrease.

True/False Question-Übung aus korrekten Fakten ableiten

Es ist natürlich nicht notwendig, sich bloß auf binäre Alternativen zu beschränken, Jeder Aussagesatz lässt sich in einen Wahr/Falsch-Übung umwandeln. Das Ergebnis wäre eine umfangreiche True/False-Fragenbatterie.

Ich könnte beispielsweise mit Wahr/Falsch-Aussagen das gesamte Regelset für Schach abfragen. Wiederum verwende ich zu Demonstration immer nur den Modus der falschen Aussagen und kennzeichne das entsprechende Wort bzw. den entsprechenden Satzteil:

  • Black has in the initial position six pawns.
  • White has in the beginning of the game one Knight.
  • The color of the left-handed corner square nearest to a player is white.
  • The aim of the game is to capture the opponent’s Queen.
  • The symbol for the Queen is ♔.
  • The only allowed moves for pawns are one square up along the file on which it stands.
  • The pawn can capture forwards and backwards.
  • The symbol for the Knight is K.
  • Usw. Usf.

Zusammenfassung

Wahr/Falsch-Aussagen sind relativ einfach aus Textpassagen zu generieren. Sie sind besonders in zwei Situationen für das didaktische Übungsdesign wichtig:

  1. Immer dann, wenn es nur zwei Möglichkeiten gibt, ist die Gefahr einer Verwechslung vorhanden. Mit einer True/False-Frage kann die richtige Antwort geübt werden und damit Irrtümer oder Unsicherheiten bereinigt werden.
  2. Immer dann, wenn sie für ein spezielles Learning Outcome keine passenden Übungen finden, können Sie mit dem H5P True/False-Question sehr einfach webbasierte Interaktionen entwickeln. Brechen Sie dazu die in dem Learning Outcome steckende Kompetenz in mehrere einzelne Aktivitäten auf und bauen Sie eine Batterie von Wahr/Falsch-Sätzen damit auf.

Mit unseren Lückentext- und Wahr/Falsch-Übungen haben wir nun Learning Outcome Nr. 4 mit entsprechenden Aufgaben adäquat abgearbeitet.

Coverfoto des Beitrags "Übung aus Fließtext" dienst als Dekoration. Es zeigt ein Schachbrett mit dem Springer (scharf fokussiert) in der Mitte und andere Figuren (verschwommen) rund herum.
Abb. 2: Coverfoto dieses Artikels von Ricardo630 via Wikimedia Commons (CC By-SA 3.0): A knight in a chess game with other Staunton chessmen on a green and white checkered chess board.

Didaktische Ideen für Übungen mit Bauernzügen entwickeln

Wir haben mit einigen True/False Questions bereits auch schon Kenntnisse zu Bauernzügen abgefragt. Weil aber die Bewegung von Bauern eines der drei großen Themen von „Lesson One“ ist, wären dazu noch weitere Aufgaben durchaus angebracht.

Im Buch werden Abbildungen von Bauernstellungen auf Schachbrettern präsentiert und dann danach gefragt, wieviele Züge Weiß oder Schwarz mit den zur Verfügung stehenden Bauern insgesamt machen kann. (Siehe Diagramm 15 und 16 auf Seite 7 von „Lesson One“.) Das halte ich für ein sehr gelungenes didaktisches Übungsdesign. Es können damit die unterschiedlichsten Stellungsvarianten von Bauernzügen abgefragt werden.

Diese Art von Übung erfordert drei Elemente: Ein Bild, eine Frage und eine Antwortmöglichkeit. Solch ein Aufgabentyp lässt sich in H5P mit verschiedenen Inhaltstypen realisieren lässt. Welcher H5P-Inhaltstyp ist dafür besonders geeignet?

Einen geeigneten H5P-Inhaltstyp finden

Mögliche H5P-Inhaltstypen eingrenzen

Jeder Übungstyp, der die folgenden drei Bedingungen erfüllt, ist prinzipiell dafür geeignet:

  • Es kann ein Bild hochgeladen und präsentiert werden.
  • Es kann eine Frage gestellt werden.
  • Es wird eine Antwort erwartet.

Diese Forderungen erfüllen die folgenden Inhaltstypen (alphabetisch sortiert):

  • Advanced Fill the Blanks
  • Dialog Cards
  • (Drag & Drop): Wäre sehr umständlich zu generieren, weil die Textantwort als eigenständiges Element generiert, auf eine spezielle Grafik geschoben werden muss.
  • Fill in the Blanks
  • Flashcards
  • Guess the Answer
  • Multiple Choice
  • True/False Question

Von dieser Auswahl bevorzuge ich jene Übungen, die innerhalb eines Inhaltstyps mehrere Sequenzen von Bild-Frage-Antwort zulassen. Wobei auch das mehrmalige Hintereinander-Schalten innerhalb eines kombinierten Inhaltstyps wie Question Set und Course Presentation ebenfalls möglich ist. Damit scheiden die beiden Inhaltstypen Advanced Fill the Blanks und Guess the Answer aus. Beide Übungsarten lassen serielles Hintereinanderschalten nicht zu.

Im Sinne einer Variation der Übungstypen würde ich für unsere Fallstudie sowohl Fill in the Blank als auch True/False Question ausscheiden. Für diese Inhaltstypen habe ich in dieser Fallstudie bereits eine Reihe von Übungen angedacht.

Von den übrigen Inhaltstypen (Dialog Cards, Flashcards und Multiple Choice) entscheide ich mich schließlich für Flashcards.

Warum Flashcards und nicht Dialog Cards?

Der Aufgabentyp Flashcards ist die einzige von den übrig gebliebenen Übungstypen, der eine freie Texteingabe erfordert.

Zum Unterschied vom ähnlich gelagerten Übungstyp Dialog Cards werden außerdem in der Auswertung sowohl Bild, Frage und auch die richtige und die vom Lernenden gegebene Antwort angezeigt. Bei Dialog Cards sieht man nur, wieviele Karten richtig/falsch beantwortet wurden.

Abb.: 3: Ergebnisbildschirm von Flashcards
Abb.: 4: Ergebnisbildschirm von Dialog Cards

Mit Flashcards können Lernende den Stand ihrer Wissens gut überprüfen. Außerdem ist durch einen Screenshot des Ergebnisbildschirms auch eine Art von Ergebnissicherung möglich2.

Der mehrfache Wiederholungszyklus ist ein mögliches Plus beim Lernen mit dem sonst sehr ähnlichen Inhaltstyp Dialog Cards. Meiner Meinung nach bringen aber Wiederholungszyklen mit denselben Positionsaufstellungen keinen Lernvorteil. Es geht ja nicht darum, sich bestimmte Konzepte oder Positionen einzuprägen, sondern die Regeln der Bauernzüge sind in verschiedenen Situationen anzuwenden. Besser ist es daher statt auf Wiederholungen zu setzen, die Anzahl der Beispiele mit unterschiedlicher Bauernaufstellungen zu erhöhen.

Zusammenfassung

Wir haben durch Buchbeispiele (Siehe Diagramm 15 und 16 auf Seite 7 von „Lesson One“.) ein adäquates didaktisches Design für das Üben von Bauernzügen gefunden. Danach habe ich exemplarisch gezeigt, wie ein geeigneter H5P-Inhaltstyp dafür ausgewählt werden kann. Mit einem Ausschlussverfahren habe ich mich letztlich für Flashcards entschieden. Dabei waren folgende Motive ausschlaggebend:

  • Welche H5P-Inhaltstypen besitzen die notwendigen Funktionen (Bild präsentieren, Frage stellen, Antwort verlangen)?
  • Weil mit einer Übungssequenz mehrere unterschiedliche Beispiele präsentiert werden sollen: Welche der übrig gebliebenen H5P-Inhaltstypen können Aufgaben innerhalb desselben Übungstyp sequentiell aneinander reihen?
  • Weil Übungstypen variiert werden sollen3: Welche der übrig gebliebenen H5P-Inhaltstypen wurden bereits in unserem didaktischen Design (häufig) berücksichtigt?
  • Weil die Aufgaben möglichst schwierig sein sollen und daher eine freie Texteingabe für die Anzahl der möglichen Züge vorsehen sollten: Welche der übrig gebliebenen H5P-Inhaltstypen lassen freie Texteingabe zu?
  • Nach Abwägung der Vor- und Nachteile bei den übrig gebliebenen Inhaltstypen fällt meine Wahl schließlich auf Flashcards.

Mit den Überlegungen für Aufgaben zu den Bauernzügen haben wir Learning Outcome Nr. 5 im didaktischen Design abgehandelt.

Ein mögliche Schwierigkeit ist allerdings noch offen: Es muss eine Reihe von guten, d.h. lehrreichen Bauernpositionen entwickelt werden. Dazu braucht es aber Schachkenntnis. Allgemein formuliert: Didaktische Designer:innen müssen immer wieder (Schach)Expert:innen um Anwendungsbeispiele nachfragen und/oder von (Schach-)Fachexpert:innen eine Durchsicht bzw. Kontrolle der erstellten Übungsbeispiele verlangen!

Ich hoffe, dass dieses notwendige Zusammenspiel von Inhaltsexpert:innen und didaktische Designer:innen auch in dieser Fallstudie deutlich sichtbar wird. Dass Teamarbeit im eLearning-Bereich entscheidend ist, wird in den Didaktik-Lehrbüchern natürlich immer wieder erwähnt. Ich denke aber, dass konkrete Beispiele, wie sie in dieser Fallstudie versammelt sind, dieses Erfordernis einprägsamer darlegen.

Übrigens: Mein bewußt gewählter einfacher Inhalt für diese didaktische Demonstration (Schachwissen aus der ersten Lektion eines Anfänger:innenkurses) birgt die Gefahr, dass das notwendige Zusammenspiel zweier Expert:innen (Fach & Didaktik) unbemerkt bleibt. So scheint das Erstellen von von Bauernpositionen für alle, die Schachspielen können, recht einfach. Tatsächlich erfordert es aber bereits inhaltliches (Schach)Fachwissen.

Rekapitulation

Nr. Learning Outcome (LO) Idee
1 Die Startposition eines Schachspiels mit allen Schachfiguren fehlerfrei aufstellen.
2 Alle Schachfiguren mit ihren Namen und Abkürzung benennen.
3 Alle Schachfiguren an ihren Symbolen erkennen.
4 Die Hälften des Schachbretts; Spielbeginn und Spielende (=Spielziel) erklären.
5 Alle Bauernzüge – mit Ausnahme von "en passant"-Schlagen – beherrschen.

Wir können die bisherigen Arbeiten wieder in unsere Tabelle der abgearbeiteten Learning Outcomes eintragen und sehen jetzt langsam Licht am Ende des Tunnels. Es fehlen nurmehr Übungen für das Learning Outcome Nr. 2!

Genaus diese Aufgabenstellung habe ich vor einigen Tagen herausgezogen und daraus einen „Community-Quiz“ formuliert. Ich klammere diese Frage einstweilen noch aus. Einerseits weil ich selbst noch immer keine für mich befriedigende Antwort gefunden habe und andererseits noch auf mögliche Lösungsvorschläge von Leser:innen meines Blogs hoffe.

In der nächsten Folge werde ich mich daher noch nicht an dieser Fragestellung versuchen, sondern mit der prototypischen Umsetzung der Übungen in H5P beginnen. Es geht also jetzt im nächsten Beitrag an das Eingemachte, an die Substanz.

Ich weiß noch nicht, wie ich die vielen angedachten Übungen gut sortiert darstelle und beschreibe. Außerdem ist der Arbeitsaufwand – selbst wenn ich nur Prototypen baue – nicht zu unterschätzen. Ich vermute, dass mich die Umsetzung der didaktische Ideen in H5P-Prototypen vermutlich mehrere Tage beschäftigen wird.


In der Zwischenzeit würde ich mich über jede Form von Rückmeldungen freuen! Es wäre für mich wichtig zu wissen, ob diese Artikelserie, die wegen der von mir verwendeten Methode (Lautes Denken) extrem aufwändig ist, überhaupt brauchbar ist. Nutzen Sie Twitter, meine Kontaktseite oder die Kommentarfunktion meines Blogs4.

Fußnoten

  1. Um die Genderschreibweise, der aus 1992 stammenden Textstellen, kümmere ich mich hier jetzt einmal nicht.
  2. Beim Ausdrucken der Browser-Seite werden die Bilder leider nicht dargestellt.
  3. Deshalb auch „Plädoyer für didaktische Vielfalt“ als Untertitel für mein Lehrbuch Taxonomie von Unterrichtsmethoden.
  4. Um in Zukunft hier mehr zu wissen, überlege ich mir ob ich nicht einen WordPress Plugin zu Umfragen (Polls) einsetzen könnte? Die entsprechenden Erweiterungen muss ich mir jedoch noch genauer ansehen und ihre Funktionen vor allem vorher auch noch ausprobieren.

Von Peter Baumgartner

Seit mehr als 30 Jahren treiben mich die Themen eLearning/Blended Learning und (Hochschul)-Didaktik um. Als Universitätsprofessor hat sich dieses Interesse in 13 Bücher, knapp über 200 Artikel und 20 betreuten Dissertationen niedergeschlagen. Jetzt in der Pension beschäftige ich mich zunehmend auch mit Open Science und Data Science Education.

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