Kolonialismus bezeichnet die dauerhafte Inbesitznahme von Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der dort ansässigen Bevölkerung durch eine auswärtige Macht, primär durch europäische Staaten zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort colonia (Siedlung) ab und ist eng mit der wirtschaftlichen Ausbeutung sowie der politischen Machtausweitung verbunden.
Zu den wichtigsten Merkmalen und Aspekten gehören:
- Historische Dauer: Die neuzeitliche Phase begann im Spätmittelalter/der frühen Neuzeit (ab ca. 1415 mit den Portugiesen, ab 1492 mit Kolumbus) und erreichte ihren Höhepunkt im Zeitalter des Imperialismus im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
- Hauptakteure: Initiatoren waren zunächst Spanien, Portugal, die Niederlande, Großbritannien und Frankreich; später kamen Belgien, Italien, Deutschland, die USA und Japan hinzu.
- Motivation: Vorangetrieben wurde der Kolonialismus durch den Wunsch nach Rohstoffen, neuen Märkten, wirtschaftlichem Gewinn sowie geopolitischer Vormachtstellung und Prestige.
- Ideologie: Die Eroberung wurde oft mit einem Glauben an kulturelle oder rassische Überlegenheit sowie der Missionierung der als „unzivilisiert“ geltenden indigenen Bevölkerungen gerechtfertigt.
- Formen: Man unterscheidet zwischen Siedlungskolonien (Massenmigration, Verdrängung der Urbevölkerung), Beherrschungskolonien (militärische Eroberung, Ausbeutung durch Beamte) und Stützpunktkolonien (Handelsniederlassungen).
- Folgen: Die Dekolonialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg führte zur Unabhängigkeit vieler Staaten, hinterließ jedoch oft willkürliche Grenzziehungen, einseitige Wirtschaftsstrukturen und anhaltende Abhängigkeitsverhältnisse (Postkolonialismus/Neokolonialismus).