Zotero: Research, not re-search

Zotero – DER persönliche Forschungsassistent

In den letzten Tagen habe ich einige persönliche Erfahrungen mit Zotero gesammelt. Je mehr ich es benutze, desto mehr bin ich begeistert von diesem Werkzeug! Es ist nicht nur ein fantastisches Instrument zur Forschungsunterstützung, sondern das Management von (Web-)Quellen ist wohl erst der Anfang einer vielversprechenden Entwicklung – wie es in auch einem der sich wechselnden Sprüche auf der Titelseite nicht zu unrecht verheißungsvoll heißt.

Ursprünglich hatte ich Zotero zu Weihnachten im Zusammenhang meiner Recherchen zu wissenschaftlich.arbeiten.buch wahrgenommen. Dabei ist es mir vor allem im Kontext des Sammelns von webbasierten Literaturquellen untergekommen. Möglicherweise ist deshalb mein Wahrnehmung anders fokussiert – um nicht zu sagen: beschränkt – gewesen ;-).  Zotero kann nämlich viel mehr. Es ist wirklich eines der Programme, wo sich die Empfehlung RTFM wirklich auszahlt – insbesondere auch deswegen weil es als wunderschöne screencasts als Tutorials dazu gibt.

See it. Save it. Sort it. Search it. Cite it.

Das war in etwa meine erste Wahrnehmung von Zotero: Ich kann Literaturquellen im Internet aufsuchen (angefangen von amazon.com, über Google Scholar und Google Books bis hin zu lokalen Universitätsbibliothekskatalogen wie z.B. der Uni Wien) und gleich Bibliografie- bzw. zitierfähig im Firefox Browser abspeichern. Es gibt eine sehr umfassende Liste von mit Zotero kompatiblen Websites, bei der allerdings die hiesigen Bibliothekskataloge leider noch kaum vertreten sind. Trotzdem aber lässt sich mit Zotero – gerade auch in Zusammenhang von einschlägigen Social Software Websites wie Bibsonomy, CiteULike oder LibraryThing – nicht nur so ziemlich alle Literaturquellen erfassen, sondern auch gleich serienweise übernehmen.

Diese Bibliografiedaten können nun mit den verschiedensten Methoden (darüber weiter unten noch genauer) strukturiert, annotiert und in Literaturdatenbanken exportiert werden. Nach der Installation spezieller Erweiterungen (PlugIns) für MS Word und OpenOffice (bzw. NeoOffice am Mac) verwaltet Zotero auch noch die Literaturstellen im (Offline) Text (Kurzbeleg und Literaturverzeichnis). PlugIns für weitere Textverarbeitunsprogramme sing geplant. Und das Ganze steht zur freien (kostenlosen) Verfügung und ist Open Source Software.

Forschungswerkzeug mit neuer Qualität

Soweit – so gut. Sind ja schon diese Features phänomenal. Aber der Gag liegt im Detail, nämlich wie strukturiert und annotiert wird. Es sagt sich so leicht „annotiert“. Ich dachte zuerst, damit ist vor allem das hierarchische Gliedern in Ordner bzw. mit Schlüsselwörter sowie das Erstellen von (beliebig vielen) Notizen gemeint. So nach dem Motto: „Goodbye 3×5 cards, hello Zotero.“ – noch einer der Sprüche, die auf im Banner erscheinen. Der Vergleich mit den Karteikarten ist leider extrem irreführend, weil er gerade nicht zeigt, worin Die Macht der neuen digitalen Unordnung liegt.

Es ist meiner Ansicht nach vor allem die nahtlose Integration von Informationen, die Zotero als digitales Persönlicher InformationsManager (PIM) so vortrefflich löst – und die eben gerade nicht mit den guten alten Karteikarten funktioniert: Alle digitalisierte Informationen haben den gleichen (Bit-)Charakter. Egal von woher die Information ursprünglich stammt, auf welchen physikalischen Substanzen sie transportiert und damit auch welche physikalische Form sie daher annehmen muss – auf der Bitebene gibt es keine Unterschiede. Während das Buch und die dazugehörige Karteikarte des Bibliothekskatalog eine sauber getrennte (atomare) Identität in der physikalischen Welt führen, ist in der digitalen Welt das Buch und die dazugehörige Karteikarte prinzipiell austauschbar. Wer verweist auf wen, was ist der Kommentar und was der „eigentliche“ Text – das alles ist nicht mehr unterscheidbar. Weil alle Informationen auf ihrer Bitebene gleichwertig sind können sie beliebig manipuliert und zu neuen Informationseinheiten integriert werden. Das ist nicht nur ein Add-On sondern damit entsteht eine völlig neue Qualität in der Informationsverarbeitung, die ich am Beispiel von Zotero aufzeigen möchte:

Alles ist immer und überall

  • In Zotero können Sie Ihre Bibliografie-Einträge (Karteikarten) nicht nur annotieren (ein dazugehörige Notiz schreiben) sondern auch mit Dateien auf ihren PC verknüpfen. Und das schöne dran: Wenn Sie die Datei in einen anderen Ordner kopieren, findet sie Zotero weiterhin. Der physikalische Aufenthaltsort ist in der digitalisierten Welt nicht mehr relevant.
  • In Zotero können Sie einen screenshot von einer Website erstellen und haben daher sowohl den Informationsstand (z.B. für spätere Referenzierbarkeit) „eingefroren“  als auch alle Referenzen und Materialien (z.B. alle  Grafiken) zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Sie können diese lokale Website wie mit einem traditionellen Markierstift gelb auszeichnen und Notizen im PostIt-Stil dazu schreiben und an den entsprechenden Stellen anhängen. Abgesehen, dass die lokale Website der originalen Website täuschend ähnelt und alle Funktionalität wie z.B. aktive Links beibehaltet, entsteht durch die Integration Ihrer Ergänzungen ein komplett neues Informationselement, das wiederum annotiert, mit Dateien verknüpft werden kann usw. usf.
  • In Zotero können Sie Ihre Informationen in einer hierarchisch gegliederten Ordnerstruktur abspeichern. Zum Unterschied von einer normalen Bibliothek wo eine Kopie eines Buch nur auf einem Standort stehen kann oder aber mehrere Kopien dann auch entsprechend teurer und mehr Platz beanspruchen, können Sie die digitalisierte Information beliebig kopieren und in beliebig viele Ordner legen. Jede Änderung in einer dieser Kopien ist auch in allen anderen Kopien dieser Information sichtbar.
  • In Zotero können die verschiedendsten und sehr umfangreichen Arten von biografischen Informationen (z.B. Buch, Artikel, Website etc.) selbst wieder als Sammlung zusammengehöriger Informationselemente organisiert werden (Links, Screenshots, Notizen, Dateien). Wiederum können Sie jedes dieser Elemente mit Tags versehen.
  • In Zotero können Sie durch das Anhängen von Schlüsselwörtern (Tags) quer über Ihre hierarchische Informationsstruktur neue Kollektionen Ihrer Informationselemente zusammen stellen.Ein interessantes (theoretisches wie praktisches) Problem sei hier am Rande erwähnt: Weil die Informationselemente in alle Ordner kopiert werden können und andererseits jedes Informationsitem mit beliebig vielen Tags versehen werden kann, sind die Tags in gewisser Weise mit den Ordnern austauschbar. Wann verwende ich am Besten was? Oder brauche ich überhaupt beide Gliederungssysteme? Könnte ich z.B. nach dem Motto von David Weinberger „Alles gehört in die Kategorie Verschiedenes“ nicht bloß mit Tags das Auslangen finden?

    Ich habe das probiert aber dann bald bemerkt, dass die Listen der Informationseinheiten zu lang und unhandlich werden. Ich bin jetzt dazu übergegangen Ordner für klar ersichtliche und gut abgrenzbare Sammlungen von Items anzulegen. Also z.B. einen Ordner „Tools“ für Softwarewerkzeuge mit verschiedenen Unterordnern wie „Bibliografie“, „Textverarbeitung“ etc. „Tools“ selbst wiederum ist selbst ein Unterordner von „wiss.Arb“ und damit Teil meiner Sammlung zum derzeit aktuellen Buchprojekt. Es gibt natürlich auch Werkzeuge, die nichts mit wissenschaftlichen Arbeiten zu tun haben. Diese Items ordne ich  in den entsprechenden Ordner z.B. „Mac“ ein und hänge ihnen das Schlüsselwort „tool“ an. Tags sind flexibler und lassen sich daher leichter – im Nachhinein ! – mit beliebig viele UND-Operator verknüpfen. Während ich für jede logische UND-Verknüpfung auf Ordnerebene einen entsprechende differenzierte Suche durchführen muss bzw. einen speziellen intelligenten Suchordner anlegen muss, brauche ich bei den Tags nur die betreffend Kombination der Tags anklicken.

  • In Zotero können Sie außerdem auch noch jedes Informationselement mit einem anderen Item individuell in Beziehung setzen und damit eine Art Zusammengehörigkeit ausdrücken. Sie bekommen dann für jedes Item auch gleich die Hinweise zu anderen relevanten anderen Items und zwar unabhängig von der bestehenden Ordnerstruktur und den verwendeten Tags.

Und wie geht es mit Zotero weiter?

Zotero ist vom Center for History and New Media der George Mason University entwickelt worden. Das Projekt wurde durch das United States Institute of Museum and Library Services, der Andrew W. Mellon Foundation, und der Alfred P. Sloan Foundation finanziert.

Erst kürzlich (im Dezember 2007) wurde dass Projekt mit weiteren 1.2 Millionen Dollars von der Andrew W. Mellon Foundation gefördert und das Center for History and New Media soll gemeinsam mit dem Internet Archive neue Services entwickeln. Der wesentliche neue Entwicklungssprung von Zotero 2.0 werden Web 2.0 Server Features sein. Es soll damit ein gemeinschaftliches  Managen von Forschungsresosurcen ermöglicht werden:

  • Kooperatives Sammeln und Zusammenstellen von forschungsrelevanten Quellen und Public Domain Dokumenten
  • Bilden von Forschergruppen in allen möglichen (und unmöglichen) Fachcommunites (Ich hoffe, dass man wie in CiteULike solche Gruppen selbst eröffnen wird können)
  • Gemeinschaftliches Bewerten der Ressourcen durch einen Empfehlungsmechanismus
  • Anbieten von bibliografischen Feed (Ich hoffe, dass solche Feeds nach allen möglichen Kriterien (Forschungsgruppen, Tags, Empfehlungen) und deren Kombinationen einrichten wird können.
  • Einrichten und Bekanntgabe von Programmierschnittstellen (APIs) für die Integration anderer Services mit Zotero (sog. Mash-Ups)

All das klingt sehr vielversprechend und es ist daher keine Übertreibung, wenn es in einen der Bannerslogans heißt: „Citation management is only the beginning“ und Zotero als „The next-generation research tool“ bezeichnet wird.

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